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Leseförderung

Der Bereich "Leseförderung" ist unterteilt in "Schule", "Bibliotheken" und "Kooperationen" und richtet sich in erster Linie an Multiplikatoren im Feld der Jungen-Leseförderung. Hier finden Sie Informationen und Anregungen für Ihre praktische Arbeit mit der Zielgruppe.

Vorlesen im Unterricht

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Jürgen Belgrad von der Pädagogischen Hochschule Weingarten (Baden-Württemberg) beschäftigt sich intensiv mit dem Thema LESEFÖRDERUNG DURCH VORLESEN an Schulen und hat herausragende Ergebnisse auf der Grundlage mehrerer Interventionsstudien hervorbringen können.

Die Leitfrage, mit der sich das Forschungsteam der PH Weingarten beschäftigt, lautet: Welchen Einfluss hat das regelmäßige Vorlesen im Unterricht auf unsere Schülerinnen und Schüler? Lässt sich eine signifikante Leistungssteigerung der basalen Lesefertigkeiten und vielleicht auch der Lesefreude feststellen? Die Studie gibt durch quantitative und qualitative Forschungsdesigns Antworten.

Im Schuljahr 2009/10 fand der erste Interventionszeitraum statt. Über einen Zeitraum von 13 Wochen wurde 1300 Schülerinnen und Schülern baden-württembergischer Hauptschulen 3-4 Mal pro Woche ca. 10-15 Minuten vorgelesen. Die Kontrollgruppe umfasste 400 SchülerInnen. Zur Ermittlung der Daten wurden verschiedene Verfahren eingesetzt: geschlossener Fragebogen, normierter Lesetest (Salzburger Lesescreening) und Leitfadeninterviews mit Schülern und Lehrern.

Die Ergebnisse dieses ersten Durchlaufs sind eindeutig und für alle Multiplikatoren der Leseförderung eine tolle Erkenntnis!

Alle Schülerinnen und Schüler profitierten vom Vorlesen der Lehrkraft! Unabhängig von ihrer bisherigen Lesekompetenz konnte eine Steigerung der basalen Lesekompetenz durch einen normierten Lesetest (Salzburger Lesescreening, SLS) am Ende des Untersuchungszeitraumes festgestellt werden. Zwar kam es den Lesestarken überproportional zugute, aber auch das mittlere und das letzte Drittel konnten die Lesefertigkeit gleichfalls signifikant steigern. In Bezug auf die Geschlechter zeigte sich, dass Mädchen und Jungen gleich stark vom Vorlesen profitieren (Ergebnisse des SLS-Tests). Auch Kinder und Jugendliche mit Deutsch als Zweitsprache erzielten nach der Vorlesephase bessere Ergebnisse bei den SLS-Tests.

Ebenfalls zeigte sich ein positiver Einfluss auf das Klassenklima und auf die Lesemotivation für das außerschulische Lesen. Dies wurde von SchülerInnen und LehrerInnen bestätigt.

Das dialogisch gestaltete Vorlesen der Lehrkraft erzeugte signifikantere Werte als das monologische Vorlesen. Hierbei ist das Vorlesen in eine Form der Anschlusskommunikation eingebettet und die Lehrkraft lässt spontane Äußerungen oder Fragen zu, geht aber nicht so weit, dass eine „schulische“ Analyse oder Interpretation gefordert wird. Auch die Vorlesekompetenz der Lehrkraft ist von Bedeutung. Es zeigten sich bessere Ergebnisse, wenn die vorlesende Person an einer vorherigen Schulung teilnahm.

Der nächste Durchlauf der Studie fand im Schuljahr 2011/12 statt und wurde auf viele weitere Schulformen ausgeweitet. In dieser Runde waren ca. 600 SchülerInnen der Grundschule (Klassen 2-4), ca. 900 SchülerInnen der Sekundarstufe I (Hauptschulen/ Werkrealschulen, Klassen 5-8), ca. 800 SchülerInnen der Realschule (Klassen 5-9) und ca. 100 SchülerInnen einer Berufsschule Baden-Württembergs beteiligt. Bisher kristallisieren sich aus dieser Etappe vier Trends heraus, die durch eine spätere Auswertung der statistischen Daten konkretisiert werden können.

1) Das Vorlesen wird sowohl von den Lehrkräften als auch von den SchülerInnen sehr positiv bewertet.
2) Die Vorlesegruppen scheinen bis zum derzeitigen Auswertungsstand (Dezember 2012) in Bezug auf die Steigerung des Lesequotienten (LQ) immer besser als die Kontrollgruppe abzuschneiden.
3) Ergebnisse Grundschulen: Hier verbesserte sich der LQ fast um eine komplette Lesestufe (von 92,1 auf 102,8). In den 2. und 3. Klassen war der Zuwachs besonders hoch.
4) Ergebnisse Realschulen: Hier steigerte sich der LQ um ebenfalls 10 Punkte. Er legte von 97 auf 107 Punkte zu. Interessanterweise schwächte sich die Kontrollgruppe von 98 auf 90, d.h. um ca. 8 Punkte ab. Ein Zeichen, dass womöglich in der Sekundarstufe die Lesekompetenz zu wenig gefördert wird? Die Vorlesegruppen der Klassen 7 und 8 legten dafür überproportional um 13,9 bzw. 11,8 Punkte zu.

Die dritte Etappe des VORLESE-Projekts wird im Schuljahr 2012/2013 mit mehr als 6.000 Schülerinnen und Schülern aller Schularten (Grundschule, Hauptschule, Werkrealschule, Realschule, Gymnasium und Berufsschule) in Baden-Württemberg durchgeführt.

Zudem soll eine Ausweitung des Projektes auch auf weitere Bundesländer und Länder (Schweiz und Österreich) erfolgen. Brandenburg schloss sich bereits 2012 dem Projekt an und Sachsen plant dies für 2013. Mit Österreich und der Schweiz wird bereits korrespondiert.

Abschließend zeigt sich ganz klar, dass durch das VORLESE-Projekt eine effektive, einfach durchzuführende und kostengünstige Methode für die Leseförderung in Schulen erforscht wurde und es sich lohnt, regelmäßige Vorlesezeiten sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarstufe zu etablieren. LESEFÖRDERUNG-DURCH-VORLESEN bewirkt neben einer Verbesserung der basalen Lesefähigkeit und des grundlegenden Textverstehens auch eine Verbesserung des Klassenklimas und der Arbeitsatmosphäre.

Wenn Sie Lust haben, an der Studie teilzunehmen, finden Sie alle wichtigen Hinweise auf der Seite des Projekts „Leseförderung durch Vorlesen“. Hier gibt es auch ausführliche Informationen zu den Forschungsergebnissen!