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Leseförderung

Der Bereich "Leseförderung" ist unterteilt in "Schule", "Bibliotheken" und "Kooperationen" und richtet sich in erster Linie an Multiplikatoren im Feld der Jungen-Leseförderung. Hier finden Sie Informationen und Anregungen für Ihre praktische Arbeit mit der Zielgruppe.

Viellese-Verfahren

Viellese-Verfahren zielen in erster Linie darauf ab, die Lesemenge unserer Schülerinnen und Schüler zu steigern. Die Lesezeiten, in welchen die Schüler ihre selbstgewählte Lektüre lesen sollen, können in die Unterrichtszeit integriert sein, wie z.B. beim „sustained silent reading“ oder auch außerhalb des Unterrichts stattfinden, wie bei der Leseolympiade.

Das Besondere an allen Formaten der Viellese-Verfahren ist, dass die Schüler/innen ihre Lektüre selbst aussuchen dürfen und dass das Gelesene nicht weiter im Unterricht behandelt wird. Im Vordergrund steht daher die Menge der gelesenen Texte und weniger die Qualität der Texte!

Viellese-Verfahren sollen vor allem die leseschwächeren Schülerinnen und Schüler erreichen, die Lesen als Anstrengung empfinden und keine Lesegewohnheiten im Kreis ihrer Familie oder ihrer Peergroup aufbauen konnten. Ihnen wird durch Viellese-Verfahren die Möglichkeit geboten, einen eigenständigen Umgang mit Büchern zu erlernen und im besten Falle sogar Lesegewohnheiten aufzubauen. Man erhofft sich durch die Steigerung der Lesemenge auch eine Verbesserung der Lesefähigkeit und dadurch mehr Freude am Lesen.

Bekannte Verfahren sind beispielsweise das „sustained silent reading“ (SSR) aus den USA, die Leseolympiade und das „scaffolded silent reading“.

Diese und weitere Verfahren werden Ihnen in diesem Bereich unserer Seite vorgestellt!

Wenn Sie Lust haben, bestimmte Viellese-Verfahren vorzustellen, melden Sie sich bei kontakt@boysandbooks.de.


Das Team von boys & books freut sich auf Ihre Beiträge!

 

Scaffolded Silent Reading (ScSR)

Scaffolded Silent Reading, kurz ScSR, ist ein Vielleseverfahren aus den USA. ‚To scaffold’ bedeutet wörtlich ‚mit einem Gerüst versehen’, sodass sich ScSR sinngemäß durch „unterstütztes Stilllesen“ übersetzen lässt.

ScSR zielt darauf ab, das Textverständnis und die Leseflüssigkeit zu verbessern und gleichzeitig die Lesemotivation zu steigern. Dabei ist es jedoch von anderen Vielleseverfahren, wie dem Sustained Silent Reading, abzugrenzen.

Während das Sustained Silent Reading (kurz SSR; in etwa: Anhaltendes Stilllesen) ein sehr eigenverantwortliches Verfahren darstellt und somit einen gewissen Grad an Autonomie voraussetzt, bietet das ScSR mehr Unterstützung und ist daher besonders für die Übergangsphase vom erfolgreichen Lautlesen zum Stilllesen geeignet.

Die Merkmale des ScSR sind in Abgrenzung zum SSR in der folgenden Tabelle festgehalten:

MerkmaleScSRSSR
LehrerrolleStrategien zur Buchauswahl
vermitteln und unterstützen
Lesevorbild während der Stilllesezeit für SuS
KlassenbibliothekEnthält eine Vielzahl literarischer
Genres differenziert nach Schwierigkeitsniveaus
Bücher werden auf
verschiedene Weise im Klassenraum ausgestellt

Lesemotivation/
innere Beteiligung
(Engagement)

Durch ein Genre-Rad wird die
Auswahl durch die SuS reduziert
und so ein umfangreicheres Lesen ermutigt.
SuS werden zur freien
Auswahl von Genres und Büchern ermutigt.
Ebene der
Textschwierigkeit
SuS sollen innerhalb ihres
persönlichen Leseniveaus lesen
Freie Auswahl durch die SuS
Ziel des VerfahrensDie Lesemotivation der SuS sowie Leseverständnis und Entwicklung
der Leseflüssigkeit fördern
Lesemotivation der SuS fördern
Monitoring & Feedback
(Beobachtung & Rückmeldung)
Kurze 5-minütige und individuelle Lesekonferenz, initiiert durch die Lehrkraft
Schüler-
verantwortlichkeit
Der Lehrkraft vorlesen, Fragen
beantworten, Ziele setzen, um das Buch innerhalb eines 
bestimmten Zeitraums zu lesen, mind. 1 Projekt zum Buch anfertigen

 

Implementierung in der Schule:

  1. Aufbau der Klassenbibliothek: Bücher werden nach Schwierigkeitsniveau sortiert (etikettierte/ farblich markierte Regale oder Kisten z.B.). Zudem erhalten auch die Bücher selbst eine farbliche Markierung (farbiges Klebeband). So können sich die SuS Bücher einer bestimmten Farbe aussuchen – ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend.
    Es ist außerdem sinnvoll, die Bibliothek im Klassenraum zu verteilen, also an verschiedenen Stellen aufzubauen, damit es bei der Buchauswahl nicht zu Staus kommt, die den Unterrichtsfluss hemmen.

  2. Genre-Rad: Ein rundes Stück Papier, welches radförmig in verschiedene literarische Genres unterteilt ist. Dieses ermöglicht eine relativ freie und selbstständige Buchauswahl bei gleichzeitiger Kontrolle, dass sich möglichst vieler Genres bedient wird.
    Im Sinne der Schülerverantwortlichkeit muss eine bestimmte Anzahl Bücher in einem vorab festgelegten Zeitraum gelesen werden, sodass innerhalb eines Schuljahres beispielsweise zwei Genre-Räder vollständig sind.

  3. Strategien zur Buchauswahl vermitteln: Vor der Umsetzung des ScSR werden zunächst einige Stunden zur Vermittlung von Strategien zur Buchauswahl benötigt. Diese beinhalten:
    • Erkundung der Klassenbibliothek
    • Buchbesprechungen
    • Ein Buch aus der Klassenbibliothek auswählen
    • Ein „genau richtiges“ oder vom Niveau her passendes Buch auswählen
    • Das Leseniveau/ Die Schwierigkeit kontrollieren
    Innerhalb dieser Unterrichtsstunden wird auch die 3-Finger-Regel vermittelt:
    • Mit Hilfe der Finger einer Hand werden die Wörter gezählt, die auf einer Seite nicht erkannt werden. Sind dies mehr als drei, sollte ein anderes Buch ausgewählt werden – insofern die Lesemotivation zu diesem spezifischen Buch nicht besonders hoch ist.

  4. Durchführung von ScSR-Stunden: Der Einstieg kann durch kurze (5-8 Minuten) Instruktionsphasen geschehen, in denen Elemente oder Aspekte von Leseflüssigkeit oder Textverständnis erklärt und/oder modelliert werden (z.B. Interpunktion).

    Im Anschluss nehmen die SuS sich ihre Bücher und verteilen sich im Klassenraum, wo sie dann 20 min. Lesezeit zur Verfügung haben.

  5. Monitoring: Während der Lesezeit finden kurze Lesekonferenzen mit den einzelnen SuS statt. Die Leseleistung wird während des Vorlesens durch eine sog. Running Record Analysis beurteilt (s. Originaltext).
    Im Anschluss wird durch die Lehrkraft eine kurze Diskussion über das Buch initiiert, sodass das Textverständnis überprüft werden kann.
    Zuletzt soll der Schüler ein Datum festlegen, bis zu dem er das Buch gelesen haben möchte sowie sich Gedanken über ein mögliches Anschlussprojekt machen, durch das er z.B. den Inhalt des Buchs mit der Klasse teilen kann. Der Fortschritt eines jeden Schülers sollte wöchentlich aktualisiert werden.

    Gibt es im Klassenverbund noch SuS, die noch nicht still und unabhängig lesen können, können diese zeitgleich noch mit Lautleseverfahren arbeiten (z.B. Lesentandems)

Zu beachten ist darüber hinaus, dass das Nutzen einer einzigen Methode irgendwann zu Überdruss und Langeweile sowohl bei der Lehrkraft als vor allem auch bei den SuS führen kann. Es bietet sich insbesondere in der Grundschule also an, verschiedene Viel- und Lautleseverfahren abwechselnd einzusetzen.

Den englischen Originalartikel über das Scaffolded Silent Reading von D. Ray Reutzel et al. samt Abbildungen finden Sie hier.

Hier finden Sie eine PPT zu Unterstützten Stillen Lesezeiten von Moritz Jörgens von der Goethe-Universität Frankfurt a.M.

 

Sustained Silent Reading

Sustained Silent Reading (kurz SSR) lässt sich in etwa mit ‚(ausdauernder) stiller Lesezeit’ übersetzen und ist ein Viellese-Verfahren, dass 1971 von Robert McCracken in den USA entwickelt wurde.

Dahinter steckt die Idee, die Gesamtlesemenge bzw. Lesezeit der SuS zu erhöhen, um dadurch Lesekompetenz und –motivation zu steigern.

Obwohl sich in den letzten Jahrzehnten viele verschiedene Programme aus dem SSR entwickelten, sind die wesentlichen Merkmale jedoch stets ähnlich.

  1. Jeder Schüler muss still lesen.
  2. Die Lehrkraft liest auch.
  3. Jeder Schüler sucht sich ein Buch (oder Magazin o.Ä.) aus.
  4. Es wird eine Zeitbegrenzung genutzt (zu Beginn 5-10 min, optimal 20-30 min).
  5. Es gibt keinerlei Protokolle/ Berichte oder Aufzeichnungen (Bücher sind kein Unterrichtsgegenstand).
  6. Anfangs: Ganze Klassen oder große Gruppen

Die Besonderheiten der stillen Lesezeit sind darüber hinaus die freie Buchauswahl, die impliziert, dass es keine Restriktionen über den Schwierigkeitsgrad des Buches gibt, sowie das Fehlen von Arbeitsaufträgen zur Vor- oder Nachbereitung. Zudem ist es sinnvoll, dass SSR mehrmals pro Woche als gleichwertiger Bestandteil des Unterrichts stattfindet.
Ebenso ist die Lehrerrolle nicht zu vernachlässigen: Indem die Lehrkraft selber liest, fungiert sie als Lesevorbild.

In den vergangenen Jahren wurde jedoch von verschiedenen Seiten Kritik an dieser Methode geäußert. Diese umfasste eine zu geringe Anleitung und Unterstützung durch die Lehrkraft, was zu einer Überforderung der SuS führen könne (z.B. bei der Buchauswahl), zu wenig Kontrollmöglichkeiten, ob beispielsweise tatsächlich alle SuS lesen, sowie fehlendes Feedback zur Lesequantität und –qualität der SuS (vgl. Reutzel 2008).
In Folge dessen entstanden Weiterentwicklungen des SSR wie das Scaffolded Silent Reading oder R5 (vgl. Kelley, Michelle J./ Clausen-Grace, Nicki in Hiebert/ Reutzel (Hrsg.) 2010: Revisiting Silent Reading).

 

Die Lese- und Lernolympiade

Die Lese- und Lernolympiade stellt ein Viellese-Verfahren dar, welches das Lesen zuhause mit dem Lesen in der Schule verknüpft. Dafür wird ein Lesetraining (=Projektstunde) zusätzlich zu Lesestunden in den Schulalltag integriert, das wöchentlich stattfinden sollte. Außerdem sollte das Lesetraining über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren angelegt werden.

Das Lesetraining/ Die Projektstunde: Regelmäßig stattfinden sollte hier strategisches Lesetraining zur Verbesserung des Leseflusses und zum Abbau von Leseschwächen. Um den Erfolg des Trainings dokumentieren zu können, finden drei Mal im Schuljahr Lesetests statt, die der Feststellung von Lesefluss und Textverständnis dienen und vom Institut für Schulforschung entwickelt wurden. Diese sind nicht fehlerorientiert, sondern sollen den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, ihre Leseleistung wahrzunehmen. Darüber hinaus bietet die Projektstunde die Möglichkeit, den Lesepass einzusammeln und zu kontrollieren, Urkunden und Prämien für besondere Leseleistungen zu verleihen, den Lesehefter zu führen, den alljährlichen Vorlesewettbewerb vorzubereiten, Autorenlesungen durchzuführen oder Bibliotheken zu besuchen. Zusätzlich kann die Projektstunde auch genutzt werden, um Vorlesesituationen zu gestalten, in denen entweder die Lehrkraft oder auch ein Schüler vorliest.

Die Lesestunde: Zu Beginn müssen feste Regeln für die Lesestunde eingeführt werden, damit eine angenehme Leseatmosphäre gewährleistet werden kann. Dazu gehört festzulegen, wo gelesen werden darf, dass nur gelesen und nichts anderes gemacht wird und wann ein Buch vorgestellt werden darf.

Weitere Elemente: Das Tischbuch/ Pultbuch ist eine Idee aus Finnland und kann im schulischen Alltag eingesetzt werden, wenn ein Schüler beispielsweise früher als seine Mitschüler eine Aufgabe beendet hat. Dann darf er sich sein Tischbuch nehmen und auf seinem Platz leise daraus lesen. Dieses Buch befindet sich immer in der Schule und darf nicht zuhause gelesen werden, sodass die Schülerinnen und Schüler lernen, zwei Bücher parallel zu lesen.
Der Lesehefter ist ein festes Element der gesamten Lese- und Lernolympiade und besteht aus Deckblatt, Lesepass, den Ergebnissen des Lesetrainings, den Lesetest-Texten, Übungsblättern zum strategischen Lesetraining, selbsterstellen Buchberichten und eigenem Material zu Lieblingsbüchern.
Die Klassenbücherei und der Klassenraum sind sehr wichtige Elemente, die entsprechende Planung und Vorbereitung benötigen. Die Klassenbücherei sollte übersichtlich gestaltet sein (z.B. Buchdeckel nach vorne im Regal) und verschiedene Genres und Schwierigkeitsniveaus umfassen. Der Klassenraum soll eine angenehme Leseumgebung bilden. Deshalb ist beispielsweise eine Leseecke sinnvoll, ebenso wie Leseplakate („Lesen lernt man durch lesen“) und eine Leseliste, die Auskunft darüber gibt, wer gerade welches Buch liest.

Weitere Informationen zur Lese- und Lernolympiade sowie zu ihrem genauen Ablauf, den Umgang mit Leseverweigerern, etc. finden Sie in:

Lange, Reinhardt (2007): Die Lese- und Lernolympiade. Aktive Leseerziehung mit dem Lesepass nach Richard Bamberger. Baltmannsweiler: Schneider.

 

Antolin

Antolin ist ein internetbasiertes Leseförderprogramm für Schulen, das dem Schroedel-Verlag angehört.  Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 10 können sich mit ihrem eigenen Konto online anmelden und nach dem Lesen eines Buches einen Multiple-Choice-Test zum Buchinhalt durchführen. Das Lesen ist in Form von stillen Lesezeiten, den „Antolin-Stunden“, zumeist fest in den Unterricht integriert und dient dementsprechend der Steigerung der Lesemenge der Schüler(innen) sowie der Lesemotivation, die durch das Punktesystem gefördert werden soll.

Die Funktion von Antolin für Lehrerinnen und Lehrer besteht in der Kontrolle der Lesemenge und des Leseverstehens der Schülerinnen und Schüler.
Weitere Informationen über Antolin finden sie unter www.antolin.de.