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Buchcover John Boyne: Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

Rezension von Maria Nowotnick

An einem Freitag um zwölf Uhr nachts wird Barnaby Brocket geboren – ein außergewöhnlicher Junge, der seiner ‚ganz normalen’ Familie keine Freude bereitet. Alistair und Eleanor Brocket wohnen in einem ‚ganz normalen’ Haus in einem ‚ganz normalen’ Viertel, üben ‚ganz normale’ Berufe aus und haben zwei wohlerzogene, unauffällige Kinder. Dann kommt Barnaby: Von Geburt an schwebt er, widersetzt sich dem Gesetz der Schwerkraft, kann sich nicht auf dem Boden halten...

BuchtitelDie unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket
AutorJohn Boyne (übersetzt von Adelheid Zöfel)
GenreFantastischer Realismus
Lesealter8+
Umfang282 Seiten
Edition2. Auflage, Dezember 2013
VerlagS. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
ISBN978-3-596-85576-6
Preis14,99 €

An einem Freitag um zwölf Uhr nachts wird Barnaby Brocket geboren – ein außergewöhnlicher Junge, der seiner ‚ganz normalen’ Familie keine Freude bereitet. Alistair und Eleanor Brocket wohnen in einem ‚ganz normalen’ Haus in einem ‚ganz normalen’ Viertel, üben ‚ganz normale’ Berufe aus und haben zwei wohlerzogene, unauffällige Kinder. Dann kommt Barnaby: Von Geburt an schwebt er, widersetzt sich dem Gesetz der Schwerkraft, kann sich nicht auf dem Boden halten. Die Eltern verstecken ihn so lange es geht und schicken ihn dann auf die ‚Akademie für unerwünschte Kinder‘. Während die anderen Leute von dem faszinierenden kleinen Jungen begeistert sind, schämen sich seine Eltern für ihn und beschließen, ihn, als er acht Jahre alt ist, fortschweben zu lassen. Sie überlassen ihn seinem Schicksal. Ganz allein und ohne zu wissen, wie er sich am Boden halten soll, schwebt Barnaby von Abenteuer zu Abenteuer. Auf einer Kaffeefarm in Brasilien schwärmt er das erste Mal für ein Mädchen, in New York hilft er einem Künstler berühmt zu werden und letztendlich landet er in Toronto, wo er von einem ehemaligen Zirkusdirektor in einer Gruppe von ‚Freaks’ vorgeführt wird. Immer wieder trifft er auf Außenseiter und findet wahre Freunde in ihnen. Dennoch wünscht er nichts sehnlicher, als wieder nach Hause zu seiner Familie zu kommen: nach Sydney, der schönsten Stadt der Welt. 

Seufzend setzte sich Eleanor auf die Bettkante und fuhr mit dem Finger über den Nachttisch, um ihn auf Staub zu überprüfen. „Diese ganze Weltraumsache ist großer Unsinn“, sagte sie. „Und ich habe es jetzt schon satt, davon zu hören. Es nicht normal, die Welten außerhalb unserer eigenen zu erforschen. Dieser Planet hier reicht vollkommen für uns, wenn du mich fragst.“ „Da hast du absolut Recht, Eleanor“, stimmte Alistair ihr zu und nahm auf dem einzigen Stuhl im Raum Platz. „Ich verstehe diese Forscher nicht. Was wollen sie eigentlich?“ „Aber wenn es keine Forscher gegeben hätte, dann hätte niemand Amerika entdeckt“, wandte Barnaby ein. „Ja, genau“, sagten Alistair und Eleanor und warfen einander einen bedeutungsvollen Blick zu. Danach sagten alle eine Weile nichts. Peinliche Stille senkte sich über den Raum. Wenn sie die Fähigkeit besessen hätten, zu sehen, wie die Farbe an den Wänden eine winzige Nuance blasser wurde, dann hätte sie das gesehen. Wenn sie die Fähigkeit gehabt hätten, zu hören, wie ihre Haare ein Ministück wuchsen, hätten sie das gehört. „Wie geht es Henry?“, fragte Barnaby schließlich, um das Schweigen zu durchbrechen. Er wünschte sich, sein älterer Bruder wäre auch mit ins Krankenhaus gekommen. „Henry ist Henry“, sagte Eleanor mit einem Achselzucken, als würde das irgendetwas beantworten. „Es geht ihm gut. Alles absolut normal.“ „Und Melanie?“ „Ihr geht es auch gut. Alles absolut normal.“ Barnaby war froh, als er das hörte. „Was ist mit Captain W.E. Johns?“, fragte er. „Captain W.E. Johns wirkt seit einer Weile ein bisschen traurig, ehrlich gesagt“, antwortete Alistair. „Wenn er mit dem Schwanz wedelt, legt er ein recht langsames Tempo an den Tag.“ „Unsinn“, widersprach ihm Eleanor. „So ist das eben bei Hunden. Dass sie traurig aussehen, ist absolut normal, und Captain W.E. Johns ist ein absolut normaler Hund. Innerlich jagt er Eichhörnchen. Außerdem – Barnaby, dein Bruder und deine Schwester wollen dich auch bald besuchen. Sie freuen sich sehr darauf, dich wiederzusehen.“ 

Barnaby Brocket ist ein außergewöhnlicher Junge: Er schwebt. Seine Eltern, die immer nur ein ganz normales Leben führen und um keinen Preis der Welt je auffallen wollten, schämen sich für ihn. 

John Boyne erschafft mit dieser Geschichte einen Helden, der gar nicht so sein will, wie alle anderen, der es gar nicht schlimm findet, anders zu sein. Man lernt von ihm, dass es einem auch helfen kann, auffällig zu sein und dass man sich nicht unterkriegen lassen darf. 

In 26 Kapiteln erzählt Boyne von spannenden Abenteuern, die dem kleinen Jungen passieren, als er ganz allein durch die Welt schwebt. Am Ende jedes Kapitels ist man gespannt, auf welches Abenteuer der 8-Jährige als nächstes trifft. Postkarten, die Barnaby an seine Familie schreibt, unterbrechen die Erzählweise und lassen den Leser noch mehr mit dem Jungen fühlen. Der Text ist  anspruchsvoll und es gibt viele Verweise auf bekannte Romane. Denn auf jeder seiner Reisen ist es Barnaby wichtig, ein gutes Buch lesen zu können, am liebsten mag er Abenteuergeschichten, so dass  sich seine Leselust vielleicht auch auf die Leser seiner Geschichte überträgt. 

Die Schriftgröße ist angenehm lesbar und nicht zu groß. Die lustigen Illustrationen von Oliver Jeffers, von dem auch das Coverbild stammt, helfen einem, sich den außergewöhnlichen Jungen und die Abenteuer, auf die er sich einlässt, visuell vorzustellen. Wie ein kleiner Superheld schwebt Barnaby über die Dächer und genau so ein Held ist er schließlich auch. Woher seine Unabhängigkeit von der Schwerkraft rührt, bleibt dabei völlig unwichtig.  

Barnaby Brocket begegnet seinem Schicksal so mutig und kämpft sich durch jede noch so gemeine Schwierigkeit, dass er selbst zu einem David Copperfield, dem Helden aus seinem Lieblingsbuch, wird. Er zeigt dem Leser auf eine einfühlsame Art und Weise, dass es nicht schlimm ist, nicht normal zu sein und dass man stolz sein sollte auf das, was man ist und verbreitet damit eine wichtige Botschaft für Menschen jeden Alters. Insbesondere Jungen, die sich selbst als Außenseiter fühlen, können sicherlich mit Barnaby mitfühlen und aus seiner Geschichte Bestätigung und Mut schöpfen.

John Boynes „Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ ist eine spannende und außergewöhnliche Abenteuergeschichte mit Anspruch. Die intertextuellen Bezüge machen zudem neugierig auf weitere Leseerlebnisse. 

Das Buch „Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ eignet sich wunderbar zum Vorlesen für Kinder ab 8 Jahren und zum selbstständigen Lesen für Kinder ab 9 oder 10 Jahren. Auch für Erwachsene liest es sich spannend und beim Vorlesen eignen sich die eingestreuten Illustrationen sehr gut zur Einbeziehung der Kinder. Die Geschichte spricht Jungen im Alter von 8+ an, da sie Barnaby auf seine Abenteuer begleiten und dabei mitfühlen können. Es bleibt immer spannend, wo er als nächstes landet und außerdem nimmt der Held der Geschichte auch eine Vorbildfunktion ein. Kinder können hier lernen, dass es nicht schlimm ist, außergewöhnlich zu sein. Das Buch ist mit 282 Seiten etwas länger und erfordert beim Lesen deshalb vielleicht etwas Geduld, die sich am Ende aber auf jeden Fall auszahlt.