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Buchcover Jenny Nimmo: Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder

Rezension von Eva Maus

Der 10jährige Charlie Bone lebt in einem etwas ungewöhnlichen Haushalt mit seinen sehr unterschiedlichen Großmüttern, seiner Mutter und einem Onkel, der nur nachts aus seinem Zimmer kommt. Davon abgesehen ist Charlie ein ganz normaler Junge. Das glaubt er selbst jedenfalls bis er hört, was die Menschen auf einem Foto sagen und erfährt, dass er aus einer ganz und gar nicht normalen Familie stammt. Seine Großmutter und drei gruselige Tanten versuchen bald mehr über seine Begabung herauszufinden...

BuchtitelCharlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder
AutorJenny Nimmo (aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Hofelder-von der Tann)
GenreFantasy
Lesealter10+
Umfang352 Seiten
VerlagRavensburger
ISBN978-3473523245
Preis7,95 €

Der 10jährige Charlie Bone lebt in einem etwas ungewöhnlichen Haushalt mit seinen sehr unterschiedlichen Großmüttern, seiner Mutter und einem Onkel, der nur nachts aus seinem Zimmer kommt. Davon abgesehen ist Charlie ein ganz normaler Junge. Das glaubt er selbst jedenfalls bis er hört, was die Menschen auf einem Foto sagen und erfährt, dass er aus einer ganz und gar nicht normalen Familie stammt. Seine Großmutter und drei gruselige Tanten versuchen bald mehr über seine Begabung herauszufinden und schicken ihn auf die Bloor-Akademie, ein unfreundliches Internat, in dem man an besonderen Kindern wie Charlie interessiert ist. Als wäre das nicht genug, deckt er mit seiner Fähigkeit, Bilder sprechen zu hören, ein viele Jahre zurückliegendes Unrecht auf. Ein Mädchen wurde als Baby gegen eine geheimnisvolle Kiste eingetauscht. Gemeinsam mit seinem treuen Freund Benjamin, dessen Hund Runnerbean und den mutigen Verbündeten, die er im Bloor findet, muss Charlie das damals eingetauschte Kind finden und retten, den ungerechten und teilweise gefährlichen Schulalltag auf der Bloor überstehen und herausfinden, was in der seltsamen Kiste ist. Zudem schöpft Charlie Hoffnung, dass sein totgeglaubter Vater in Wirklichkeit noch lebt. Dessen Mutter und Schwestern setzen derweil alles daran, Charlies Vorhaben zu vereiteln.

„Charlie hätte sich Sorgen gemacht, wenn er sich nicht sicher gewesen wäre, dass er den Test der Tanten nie bestehen würde. Er dachte daran, wie er einmal versucht hatte, ein Bild für sie zu malen, und kläglich gescheitert war. Wie er sich vergeblich mit der Geige, der Flöte, der Harfe und dem Klavier abgemüht hatte. Er hatte auch die Kostüme angezogen: Tiere, Clowns, Cowboys und Astronauten. Aber er hatte es nie geschafft, etwas anderes darzustellen als Charlie Bone. Schließlich hatten alle einsehen müssen, dass er keinerlei Begabungen hatte.
Deshalb war Charlie, während er auf die Tanten wartete, nicht so beunruhigt, wie er hätte sein sollen.
Benjamin hingegen war äußerst beunruhigt. Charlie war sein Freund, sein bester Freund. Was Charlie widerfuhr, würde indirekt auch ihm widerfahren. Finstere Dinge kamen auf seinen Freund Charlie zu. Benjamin saß an seinem Zimmerfenster und beobachtete Charlies Haus. Als es dunkel wurde, gingen die Straßenlaternen an, und in dem Haus hinterm Kastanienbaum wurden Lichter an- und ausgeknipst: im Keller, auf dem Speicher und in allen Zimmern. Was ging dort drüben vor sich?
Der Wind wurde stärker. Es blitzte und donnerte gleichzeitig, was hieß, dass das Gewitter direkt über ihnen war. Benjamin umklammerte Runnerbean, und der große Hund vergrub den Kopf in Benjamins Armbeuge.
Die Straße war leer gefegt, bis auf drei schemenhafte Gestalten. Sie kamen immer näher. Eine Front von schwarzen Regenschirmen verbarg alles außer drei dunklen Mantelsäumen und sechs Stiefeln: vier schwarzen und zwei roten. Trotz des Sturms bewegten sie sich seltsam rhythmisch, als tanzten die Gestalten unter den mächtigen Regenschirmen. Die Gestalten machten, wie Benjamin befürchtet hatte, bei der Kastanie Halt und stiegen dann die Eingangstreppe zu Charlies Haus hinauf.
Zum ersten Mal im Leben war Benjamin froh, dass er nur Benjamin war und nicht Charlie Bone.“

Jenny Nimmos Charlie Bone-Reihe erzählt eine originelle und spannende Geschichte von Kindern, die gemeinsam stark werden, um das Richtige zu tun und das Böse in seine Schranken zu weisen. Eine fantasievolle und herzenswarme Geschichte.

Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder
folgt grob Motiven, die bereits aus anderen Büchern bekannt sind: Ein scheinbar normaler Junge wird in seinem Alltag dargestellt und erfährt plötzlich, dass er etwas ganz besonderes ist und eine große Aufgabe auf ihn wartet. Wie in typischen Fantasy-Romanen steht auch hier der Kampf zwischen Gut und Böse im Mittelpunkt, an dessen vorderster Front der junge Protagonist mit seinen Freunden zunächst widerwillig und schließlich mit aller Kraft kämpft. Auch das Motiv des abweisenden Internats mit Schuluniform, zum Teil grausamen Lehrern und strengen Regeln ist nicht neu. Trotzdem kann die Geschichte mit vielen originellen Einfällen aufwarten. Sie bleibt damit weder vorhersehbar noch langweilig. Im Gegenteil: Der Spannungsbogen trägt den Leser von den ersten Seiten, auf denen Charlie seine Begabung entdeckt, bis zum Schluss. Er wird mit Charlie und seinen Freunden mitfiebern – und stets die gruseligen Tanten im Nacken spüren.

Charlies Begabung ist auf seine Verwandtschaft zum ‚roten König‘ zurückzuführen, dessen Nachkommen übernatürliche Fähigkeiten entwickeln und entweder gute oder böse Motive verfolgen. Charlies Aufgabe besteht nicht nur darin ein entführtes Mädchen zu seiner sich sorgenden Tante zurückzubringen, sondern auch darin, die Vorherrschaft der bösen Seite zu brechen. Dass seine Großmutter und seine Tanten sowie die Familie Bloor, der die Schule gehört, Teil dieser bösen Seite sind und große Macht über Charlie und seine Mutter besitzen, erschwert diesen Kampf. Doch in seinem Onkel, den Charlie aus seiner völligen Zurückgezogenheit locken kann, und in seinen Freunden findet Charlie starke Unterstützer. Der Zusammenhalt der Freunde - dem musikbegabten Fidelio, der schrillen Olivia und Benjamin, Charlies Nachbarjungen und Sandkastenfreund, - hinterlässt einen starken Eindruck bei der Lektüre. Die Kinder halten fest zusammen und vertrauen sich schon nach kurzem Kennenlernen vorbehaltlos. Dabei wachsen sie an ihren Aufgaben, werden ernst genommen und handeln eigenverantwortlich. Trotz vieler dargestellter Gefahren und Ungerechtigkeiten schafft Jenny Nimmo damit eine zutiefst freundliche Welt. Diese erscheint zwar zunächst realistisch, integriert aber fantastische Begabungen mühelos, da diese auch bei bisher unwissenden Figuren nur leichte Verblüffung auslösen.

Jenny Nimmo erzählt mit einfachen Worten aus einer kindlicher Perspektive und folgt dabei meist Charlies Gedanken, zum Teil aber auch denen seiner Freunde. Damit schafft sie beste Voraussetzungen für ein gelungenes Leseerlebnis, da verschiedene liebevoll gestaltete Figuren als Identifikationsfigur zur Verfügung stehen. Die Zeichnung auf dem Cover wirkt dynamisch, ansprechend und macht neugierig auf den Inhalt. Die Handlung ist in mehrere, relativ kurze Kapitel unterteilt und jeweils mit knappen Titeln versehen. Auch die Schriftgröße dürfte jungen Lesern gerecht werden. Der erste Band der Charlie Bone – Reihe erzählt zwar eine in sich geschlossene Handlung, die mit einem glücklichen Ende abgeschlossen wird, löst aber nicht alle Geheimnisse und verweist damit auf die weiteren Bände der Reihe.

Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder eignet sich sowohl zur Leseförderung in freien Leseformaten als auch für den Unterricht in der fünften bzw. sechsten Klasse. Das Buch bietet zahlreiche Themen und Motive, die Anknüpfungspunkte für produktions- und handlungsorientierten Unterricht bieten und kann durch die spannende Geschichte und die verschiedenen möglichen Identifikationsfiguren zum Lesen motivieren.

Materialien zum Unterricht mit „Charlie Bone“ gibt es vom Ravensburger-Verlag. (Materialien zur Unterrichtspraxis – Jenny Nimmo: Charlie Bone 1: Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder, 1.Aufl., Ravensburger 2011)