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Buchcover Sonja Kaiblinger: Scary Harry – Totgesagte leben länger

Rezension von Eva Maus

Otto kann Geister sehen. Daran hat er sich inzwischen gewöhnt und so kommt er gut mit seinen Hausgeistern Molly, Bert und Sir Tony aus und hat in dem Sensenmann Harold sogar einen echten Freund gefunden. Gemeinsam mit Ottos Freundin Emily haben sie im ersten and der Scary Harry-Reihe bereits ein großes Abenteuer erlebt.

BuchtitelScary Harry – Totgesagte leben länger
AutorSonja Kaiblinger
GenreHorror & Grusel
Lesealter8+
Umfang240 Seiten
Edition1 (2014)
VerlagLoewe
ISBN978-3785577455
Preis12,95 €

Otto kann Geister sehen. Daran hat er sich inzwischen gewöhnt und so kommt er gut mit seinen Hausgeistern Molly, Bert und Sir Tony aus und hat in dem Sensenmann Harold sogar einen echten Freund gefunden. Gemeinsam mit Ottos Freundin Emily haben sie im ersten Band der Scary Harry-Reihe bereits ein großes Abenteuer erlebt.

Das nächste beginnt, als plötzlich immer mehr Menschen übermüdet und verwirrt sind. Für Otto und Emily sieht das ganz nach den Folgen von Geisterspuk aus. Aber woher kommen plötzlich so viele Geister? Vor weiteren Rätseln stehen Otto und Emily als sie in einem Geheimversteck von Ottos totgeglaubtem Onkel seltsame Utensilien finden: Eine Spezialbrille, mit der auch Emily Geister sehen kann, und eine geheimnisvolle Sonnenmilch. Der Sensenmann Harold macht derweil einen ausgedehnten Urlaub, denn sein Seelenmessanger meldet seit Wochen keine neuen Todesfälle mehr und so muss er keine Seelen ins Jenseits befördern. Harold vermutet bald, dass  die fehlenden Nachrichten Folge eines Virus im Hauptrechner des SBI (Seelen-Beförderungs-Institut) sind. Der Erfinder des neuen und höchst erfolgreichen Anti-Ghost-Sprays scheint der einzige Profiteur dieser Tatsache, denn die vergessenen Seelen der Toten werden zu spukenden Geistern. Ob Ottos Onkel etwas damit zu tun hat?

Als Harold zufällig herausbekommt, dass die seltsame Sonnencreme aus dem Geheimversteck  im farblosen Jenseits auch Farben aus dem Diesseits verschwinden lässt, zögern Emily und Otto nicht lange. Sie reisen getarnt mit Onkel Archibalds Creme und bewaffnet mit einem Anti-Virus-USB-Stick ins Jenseits, fest entschlossen den Virus zu eliminieren. Nur dürfen sie dort weder zu lange bleiben, weil sonst eine Rückkehr unmöglich wird, noch entdeckt werden, denn für Lebende ist der Zutritt ins Jenseits verboten.

„Oh, ein Schatz?“ Molly bekam große Augen. „Ich wusste doch schon immer, dass deine Tante einen Schatz versteckt! Goldbarren, Münzen, Rubine, Diamanten… Wir sind reich!“
„Meine Tante?“ Grinsend zog Otto die Augenbrauen hoch. „Wir sind doch nicht in einem Piratenfilm. Tante Sharon hat nie und nimmer einen Schatz versteckt. Sie hat keine Ahnung, dass es diese Kammer überhaupt gibt – Das sieht man ja schon an der dicken Staubschicht auf den Regalen.“ In der Tat war nichts und niemand vor Tante Sharons Putzfimmel sicher. Wenn sie die Kammer  jemals entdeckte, würde sie vermutlich erst einmal alles desinfizieren.
Otto kaute auf seiner Unterlippe. „Jede Wette, dass Onkel Archibald die Kiste hier versteckt hat.“
Molly verdrehte die Augen. „Wie langweilig. Der war doch Wissenschaftler. Bestimmt hat er bloß ein paar verstaubte Reagenzgläser hier eingebunkert. Na toll. Also doch kein Schatz!“ Enttäuscht ließ sie ihre Zöpfe hängen.
„Sir Archibald und langweilig?“, mischte sich Sir Tony ein und funkelte Molly eindringlich an. „Ich glaube, du weißt nicht, wovon du sprichst. Ottos Onkel war nicht einfach ein stinknormaler Wissenschaftler. Er befasste sich mit… mit…“ Sir Tonys Stimme begann zu zittern.
„Womit?“ Molly wurde ungeduldig.
„Na mit… mit…“
„Mit Geisterforschung“, wisperte Otto.
(S. 27f.)

Scary Harry – Totgesagte leben länger ist ein lustiges und besonders am Ende rasantes Buch, dass einen kumpelhaften Sensenmann in den Mittelpunkt stellt. Ängste vor dem Tod oder Geistern werden hier ganz nebenbei entkräftet. Auch der zweite Band der Scary Harry- Reihe eignet sich zur Leseförderung und funktioniert als Fortsetzung des ersten Bandes aber auch ohne Vorwissen. Die spannende und lustige Geschichte verspricht Lesemotivation – insbesondere auch, weil der Einstieg auf den ersten Seiten sehr schnell geschieht und man Otto, Emily und Harold bald lieb gewinnt.

Wie auch im ersten Band der Reihe haben es Otto und Emily mit Geistern und Sensenmänner zu tun, die höchstens bei ihrem Erscheinen kurz Grusel auslösen. Bei näherem Betrachten stellen sie sich entweder als witzige und schräge Typen oder als ziemlich normale und freundliche Gesellen heraus. Der wahre Bösewicht ist auch dieses Mal ein Mensch, der sein Wissen um das Jenseits dazu nutzen will, Geld zu verdienen. Damit steht wieder das Profitstreben des Bösewichts gegen die Freundschaft und Moral der agierenden Freunde. Während im ersten Teil die Geister vor einer gemeinen Entführung gerettet werden mussten, sind es dieses Mal die Menschen, die unter einem böswillig hervorgerufenen Spuk leiden. Wegen Übermüdung werden zum Beispiel auch die Lehrer verwirrt und krank und der Schulbetrieb bricht völlig zusammen. Otto wird durch seine Gabe wieder zum einzigen, der das Schlimmste verhindern kann, denn die meisten Menschen haben keine Ahnung von der geisterhaften Parallelwelt und reagieren auf den neuen Spuk mit Unsicherheit.

Mehr noch als im ersten Band thematisiert Sonja Kaiblinger in Totgesagte leben länger den Tod und das Jenseits und kann durch die undramatische Darstellung eines zwar völlig farblosen, aber dennoch recht angenehmen Jenseits, eventuell diesbezügliche Ängste bei Kindern lindern. Genauso werden Geister und Sensenmänner  als absolut ungefährlich dargestellt. Vor ihnen muss man keine Angst haben. Sie verstellen höchstens ein paar Uhren, um zu spuken. Vielmehr entwickelt der Leser Mitleid mit den unter dem Anti-Ghost-Spray Leidenden.

Seinen gelungenen Spannungsbogen bezieht Scary Harry damit nicht aus dem Grusel vor den toten Seelen, sondern aus den Abenteuern, die Emily, Otto und ihre Freunde bei dem Versuch erleben, die Rätsel um Onkel Archibalds Schatz zu lüften, den spanischen Torero-Geist Fernando vor Anti-Ghost zu retten und schließlich im Jenseits den Hauptrechner des Seelen-Beförderungs-Instituts von seinem Virus zu befreien, ohne dabei geschnappt zu werden.

Die lustigen Illustrationen von Fréderic Bertrand – insbesondere das knallig bunte und temporeiche Cover – ergänzen die Geschichte wunderbar. Auch die recht große Schrift, die kurzen Kapitel und Sonja Kaiblingers sehr leicht verständliche Sprache tragen dazu bei, dass Scary Harry – Totgesagte leben länger bei Jungs (und Mädchen) im Grundschulalter und darüber hinaus gut ankommen dürfte.

Als Unterrichtslektüre könnte das Buch unter Umständen Kontroversen auslösen, da das vorgestellte Jenseits religiösen Überzeugungen widersprechen kann und recht eigenwillig ist. Als freiwillige Lektüre für freie Leseformate bietet es sich aber an und ist damit bestens geeignet für (Klassen-)Bibliotheken und Bücherkisten etc.