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Buchcover Michelle Paver: Gods and Warriors – Die Insel der Heiligen Toten

Rezension von Katharina Platz

Hylas und seine kleine Schwester Issi sind Fremdlinge in ihrer eigenen Heimat, weil sie außerhalb der Dörfer geboren wurden. Als feindliche Krieger, die sogenannten  Krähen, in ihr Land einfallen, um alle Fremdlinge zu töten, werden die beiden auf der Flucht voneinander getrennt...

BuchtitelGods and Warriors – Die Insel der Heiligen Toten
AutorMichelle Paver (übersetzt von Gerald Jung, Sabine Reinhardus)
GenreFantasy
Lesealter12+
Umfang380 Seiten
VerlagCbj
ISBN978-3-570-15704-6
Preis16,99 €

Hylas und seine kleine Schwester Issi sind Fremdlinge in ihrer eigenen Heimat, weil sie außerhalb der Dörfer geboren wurden. Als feindliche Krieger, die sogenannten  Krähen, in ihr Land einfallen, um alle Fremdlinge zu töten, werden die beiden auf der Flucht voneinander getrennt. Während Hylas versucht seine Schwester wiederzufinden, muss er sich weiterhin vor den Krähen verstecken, die ihn erbarmungslos verfolgen. Auf einer wilden Reise über das Meer wird er durch einen Delphinschwarm vor einem Hai gerettet. Filos, ein junger, mutiger Delphin, begleitet ihn zu einer verlassenen Insel und freundet sich mit Hylas an. Doch Hylas ist nicht  allein auf dieser Insel. Die zwölfjährige Pirra ist ebenfalls auf der Flucht, weil ihre Mutter, die Hohepriesterin, sie verheiraten will. Hylas und Pirra sind sehr unterschiedliche Charaktere, die nach und nach entdecken, dass sie mehr gemeinsam haben als zunächst vermutet. Zusammen erforschen sie eine geheimnisvolle Höhle und begegnen einem unheimlichen Fremden, der nicht nur von den Krähen, sondern auch von unsterblichen Geistern, den Erzürnten, verfolgt wird.

Wenn er aufgab, war das nicht nur Issis Untergang, er entehrte dadurch auch das Andenken an seine Mutter. Etwas in seinem Innersten, ein harter entschlossener, starker Kern, konnte das einfach nicht zulassen.
Müde hievte er sich hoch, drosch wütend mit der Faust auf die Planke und paddelte weiter.
Die Sterne funkelten. Der Bronzedolch schimmerte, schien ihn ermutigen zu wollen. Dann sah Hylas es plötzlich. Nicht weit entfernt glitt eine Rückenflosse durc hs Wasser. Nun musste er sterben, obwohl er gerade beschlossen hatte, zu leben.
Hylas zog die Beine auf die Planke und hörte kleine Wellen dagegenschwappen. Die Flosse ragte vor ihm aus dem Wasser und zog dann lässig einen weiten Kreis um ihn.
Der Kopf des Hais hob sich für einen Moment aus dem Wasser und tauchte wieder ab. Mit einem Mal änderte die Flosse jedoch die Richtung und steuerte frontal auf die Planke zu.
Hylas starrte auf seinen Feind, der jetzt abermals den Kopf aus dem Wasser hob. Sein Kiefer war weit aufgerissen, die spitzen Zahnreihen nach innen gebogen. Das schwarze Auge der Bestie bohrte sich in seines. Hylas riss den Dolch hoch, stieß zu und berührte dabei mit der Faust die körnige Granithaut des Ungeheuers. Dann drehte der Hai ab.
Wieder umkreiste die Flosse ihn, doch kurz darauf war sie verschwunden. Hylas kauerte sich zusammen und sah sich suchend um.

Das Schicksal von Hylas zieht den Leser von Anfang an in seinen Bann und lässt ihn nicht mehr los. Der Junge wird von einem Moment auf den anderen aus seiner vertrauten Welt herausgerissen.

Die Welt, in der Hylas lebt ist geprägt von autoritären Gesellschaftsstrukturen. Die Dorfbewohner verweigern Hylas jegliche Hilfe – aus Angst um ihre eigene Sicherheit. Selbst sein bester Freund Telamon kann kaum mehr für Hylas tun, als ihm die Richtung zu weisen, weil Telamons Familie mit dem Clan der Koronos „den Krähen“ verbündet ist und Telamon den Zorn seines Vaters fürchten muss, wenn er dessen Willen missachtet. Auch Pirra leidet unter dem goldenen Käfig, in dem sie leben muss, und riskiert viel, um ihre Freiheit zu erlangen.

Es gibt zwar eine klare Einteilung in gute und böse Mächte, doch nicht jede Figur kann gleich eindeutig einer Seite zugeordnet werden. Telamon ist zwar Hylas’ bester Freund, aber er ist auch an den Willen seines mächtigen Vaters gebunden und verliert dadurch das Vertrauen von Hylas. Akastos hingegen, der von den Erzürnten verfolgt wird, ist „rücksichtslos und beängstigend“, verhält sich aber „durchaus freundlich“, so dass Hylas, und auch der Leser, Sympathie für ihn empfinden.

Die phantastischen Elemente sind Bestandteil der Kultur der Figuren. Sowohl Pirra, die Tochter einer Hohepriesterin, als auch Hylas, ein einfacher Ziegenhirt, leben im Alltag mit vielen Ritualen, in denen Tiere als vermittelnde und heilige Stellvertreter oft eine wichtige Rolle spielen, um die Götter wohlwollend zu stimmen und böse Geister fern zu halten.

Diese Verbundenheit mit den Tieren spielt auch eine wichtige Rolle bei der Annäherung zwischen Hylas und Filos, dem Delphin. Aber es geht dabei auch um den Versuch, sich in jemanden hineinzuversetzen, der aus einer völlig anderen Welt stammt als man selbst.

Der Beschützerinstinkt des Protagonisten gegenüber seiner kleiner
Schwester und seiner Wegbegleiterin Pirra begründet seinen außergewöhnlichen Mut und knüpft an das große Empathievermögen von jungen Lesern an.

Bei der Gestaltung der Welt von „Gods and Warriors“ hat sich die Autorin von den Hochkulturen der Minoer und Mykener zur Bronzezeit orientiert. Auch die geographischen und ethnologischen Bezeichnungen werden hat sie, teils mit leichten Abwandlungen, aus dieser Epoche Griechenlands übernommen.

Zur besseren Orientierung werden dem Leser gleich zwei Landkarten an die Hand gegeben. Eine Karte zweigt die Welt von Gods and Warriors, die mehrere Länder und Inseln umfasst und eine weitere Karte bildet die Insel des Meervolkes, auf der Hylas strandet, detailliert ab.
Das Buch ist trotz seines Umfangs, dank einer großen Schrift und in sich unterteilten Kapiteln, auch für ungeübte Leser gut zu bewältigen.

Der erste Band lässt offen, ob es Hylas – wieder auf sich allein gestellt – gelingen wird, seine Schwester zu finden. Wer erfahren möchte, wie es weiter geht, muss den zweiten Band  lesen.

Für Vielleseprogramme geeignet.