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Buchcover Marliese Arold: Edgar und der sprechende Totenschädel

Rezension von Lea Hartmann

Die vier Straßenkatzen Edgar, Algernon, Leyla und Sue fristen ihr Dasein in einem Kellerraum im London des 19. Jahrhunderts. Sie leben in alten Kisten und müssen bei ihrer Suche nach Nahrung fast täglich um ihr Leben kämpfen, sei es auf der Flucht vor Menschen oder im Kampf gegen andere Katzen. Doch ihr Leben wird komplett auf den Kopf gestellt, als Edgar und Algernon auf einem ihrer Streifzüge in der Nähe der Themse eine Leiche ohne Kopf finden...

BuchtitelEdgar und der sprechende Totenschädel
AutorMarliese Arold
GenreHorror & Grusel
Lesealter12+
Umfang302 Seiten
Edition1. Auflage 2014
VerlagThienemann
ISBN978-3-522-18378-9
Preis12,99 €

Die vier Straßenkatzen Edgar, Algernon, Leyla und Sue fristen ihr Dasein in einem Kellerraum im London des 19. Jahrhunderts. Sie leben in alten Kisten und müssen bei ihrer Suche nach Nahrung fast täglich um ihr Leben kämpfen, sei es auf der Flucht vor Menschen oder im Kampf gegen andere Katzen. Doch ihr Leben wird komplett auf den Kopf gestellt, als Edgar und Algernon auf einem ihrer Streifzüge in der Nähe der Themse eine Leiche ohne Kopf finden. Obwohl sich beide eigentlich nicht näher damit beschäftigen wollen, ist Leyla schnell davon überzeugt, dass es sich bei dem toten Mann um ihr ehemaliges Herrchen handeln muss. Getrieben von Heimweh beschließt sie zusammen mit Edgar die Leiche selbst genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese ist jedoch plötzlich wie vom Erdboden verschluckt und auch von Leylas Herrchen fehlt jede Spur. Dies kann nur eins bedeuten … oder? Als noch mehr Morde ans Licht kommen und darüber hinaus mehrere Gräber geschändet werden, steht für die Katzen fest: Dieser Fall muss geklärt werden! Auf ihrer Suche nach dem Mörder begegnen sie allerlei schaurigen Dingen, wie einem sprechenden Totenkopf, der anscheinend die Zukunft voraussagen kann und einem mysteriösen Mann und seinem jungen Gehilfen, die in ihrem Keller zwielichtige Experimente durchführen. Es geht Schlag auf Schlag, als Leyla überraschend die Gruppe verlässt und es schließlich Sue ist, die den entscheidenden Schritt zur Ergreifung des Mörders macht.

Algernon starrte geradeaus. Sein Körper wirkte angespannt – und nur seine Schwanzspitze bewegte sich ein kleines Stück hin und her.
„Was ist los?“, fragte Edgar neugierig.
„Da liegt einer“, antwortete Algernon leise.
Edgar schob sich vorsichtig an seine Seite. Einen halben Meter vor ihnen ragten zwei schwarze Schuhe in die Höhe. Die Absätze waren abgenutzt, das Leder abgeschabt. Zu den Schuhen gehörten zwei Füße oder besser Beine, die wiederum in karierten Hosen steckten. Über der Hose sah man ein anthrazitfarbenes Jackett.
Algernon machte ein paar Schritte vorwärts und strich an dem Liegenden vorbei. Bedächtig stieg er über den Arm, der seitlich ausgebreitet auf dem Boden lag. Der Mann auf dem Pflaster trug unter dem Jackett eine graue Seidenweste, darunter ein Hemd, das wohl einmal weiß gewesen war, aber jetzt hässliche braune und rote Flecken aufwies.
„Schläft er?“, fragte Edgar leise, der Algernon folgte. Das Gefühl der Gefahr hatte sich verstärkt, das Herz wummerte in seiner schmalen Brust.
„Ich weiß nicht“, antwortete Algernon. Seine Stimme klang merkwürdig. „Ich glaube … äh … nicht.“ Wieder blieb er stehen und starrte auf den Liegenden, diesmal auf den Halsansatz.
Edgar blickte auf dieselbe Stelle.
„Irgendwie sieht er seltsam aus“, bemerkte Algernon.
„Da fehlt etwas“, stellte Edgar fest. Sein Hals fühlte sich an, als würde eine Fischgräte darin stecken.
„Der Kopf“, ergänzte Algernon.
(S. 59f.)

Edgar und der sprechende Totenschädel beinhaltet eine gelungene Mischung aus Spannung und zwischen-‚menschlichen‘ Beziehungen (Freundschaft) , die einen großen Teil zur Lesemotivation beiträgt. Alles in allem bietet der Roman einen fesselnden historischen Kriminalfall, der trotz seiner tierischen Protagonisten zu keinem Zeitpunkt lächerlich oder unrealistisch wirkt, und somit ein spannendes Abenteuer für junge Leser.

Die ganze Geschichte rund um Edgar kommt erst richtig in Gang, als der Titelheld und sein Freund Algernon die kopflose Leiche finden. Dieser Fund löst eine Reihe von Ereignissen aus, welche Grusel hervorrufen und Spannung erzeugen. Dabei kommt die komplette Handlung jedoch ohne jegliche übernatürlichen Wesen aus. Somit erscheint der Roman auf den ersten Blick eher realistisch bzw. wirklichkeitsnah. Die Spannung wird vielmehr durch das ständige Bewusstsein erzeugt, dass ein Mörder in London sein Unwesen treibt, Leylas Herrchen tot sein könnte und der verrückte Wissenschaftler Mortimer und sein Gehilfe Tom gruselige Experimente durchführen. Dabei darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass es sich bei den Protagonisten um (personifizierte) Katzen handelt, welche nicht nur sprechen können, sondern auch alle einen eigenen Charakter und Gefühle haben. Die düstere Atmosphäre wird zudem durch das Setting des Romans verstärkt. Zu den Handlungsorten zählen unter anderem dunkle, enge Gassen, Kellergewölbe und Friedhöfe. Außerdem spielen sich die wichtigsten Ereignisse meistens nachts ab, was dazu führt, dass die Katzen häufig in der Dunkelheit leben und besonders Edgar oft mit seiner Orientierungslosigkeit zu kämpfen hat, während Leyla fast durchgängig von ihrer Sehnsucht nach einem richtigen Zuhause geplagt wird. Allerdings erstreckt sich der Spannungsbogen nicht über den gesamten Roman: Die „Bedrohung“, sprich die Leiche, wird vergleichsweise spät gefunden und die Identität des Mörders relativ früh aufgedeckt. Über ein Drittel des Buches fallen somit Hintergrundinformationen zu den Katzen und dem ausgedehnten Happy End zu, in welchem schließlich auch deutlich wird, dass alle vier Protagonisten durch ihr gemeinsames Abenteuer eine Entwicklung durchlaufen und noch mehr zueinander finden.

Passend zum Inhalt ist auch das Cover des Buchs relativ düster gehalten. Durch die Abbildungen von Katzen, einem Mond, Big Ben und eines Totenschädels kann man zudem schon einiges über Setting und Handlung erschließen. Diese erstreckt sich insgesamt über einen Prolog und 16 Kapitel, welche alle mit einem eigenen Titel und dem Schattenriss einer Katze versehen sind. Der Umfang der einzelnen Abschnitte schwankt zwischen sechs und 32 Seiten. Vermittelt wird die Handlung durch einen auktorialen Erzähler, welcher Einblick in alle Protagonisten und in deren Vergangenheit hat. Allerdings ist der Roman trotz der vergleichsweise großen Schrift und seiner relativ leichten Verständlichkeit, für welche man nicht zwingend den ersten Band der Reihe gelesen haben muss, nicht für Leseanfänger geeignet. Dies liegt vor allem an den Morden, die in dem Buch geschildert werden, und den teils detaillierten Beschreibungen der brutalen und gruseligen Experimente Mortimers.

Edgar und der sprechende Totenschädel eignet sich vor allem als Freizeitlektüre, aber auch für Vielleseverfahren; der Roman sollte in keiner Klassenbibliothek fehlen.