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Buchcover Samuel Horn und Robert Panthera Krause: Expedition Krebs. Ein Buchprojekt der KölnerKinderUni

Rezension von Cristina Lösch

Als die Freunde Finja, Jo, Luke und Ginny am ersten Schultag nach den Sommerferien von der Erkrankung ihres Kumpels Felix erfahren, ist die Aufregung groß: Diagnose Krebs! Doch was bedeutet das eigentlich? Wie entsteht Krebs und was stellt er mit dem Körper an? Wie wehrt sich der Körper gegen Krankheiten und warum haben viele Krebspatienten eine Glatze? Als die Freunde zusammen mit ihrem Klassenkameraden Simon Felix im Krankenhaus besuchen, ahnen sie noch nicht, dass sie bald auf ganz verrückte Weise eine Antwort auf diese Fragen erhalten werden...

BuchtitelExpedition Krebs. Ein Buchprojekt der KölnerKinderUni
AutorSamuel Horn / Robert Panthera Krause
GenreSachbücher
Lesealter8+
Umfang101 Seiten, zahlreiche kleine und große Abbildungen
Edition1. Auflage 2014
Verlagatp Verlag
ISBN978-3-943064-06-3
Preis19,80 €

Als die Freunde Finja, Jo, Luke und Ginny am ersten Schultag nach den Sommerferien von der Erkrankung ihres Kumpels Felix erfahren, ist die Aufregung groß: Diagnose Krebs! Doch was bedeutet das eigentlich? Wie entsteht Krebs und was stellt er mit dem Körper an? Wie wehrt sich der Körper gegen Krankheiten und warum haben viele Krebspatienten eine Glatze? Als die Freunde zusammen mit ihrem Klassenkameraden Simon Felix im Krankenhaus besuchen, ahnen sie noch nicht, dass sie bald auf ganz verrückte Weise eine Antwort auf diese Fragen erhalten werden. Durch ein Versehen werden sie von einer mysteriösen Maschine auf Zellgröße geschrumpft und befinden sich plötzlich in Felix’ Blutbahn. Glücklicherweise funktionieren die Handys noch, sodass sie wenigstens mit Simon und dem Professor, der Felix behandelt, in Kontakt bleiben können. Die Freunde begeben sich auf eine abenteuerliche und gefährliche Reise durch den kranken Körper, um ihrem Freund zu helfen und mehr über den Krebs und seine Auswirkungen zu erfahren.

»Expedition Krebs« ist ein erzählendes Abenteuer-Sachbilderbuch, das Unterhaltung und Wissenserwerb miteinander verknüpft und bestimmte Körperfunktionen sowie Therapiemöglichkeiten der Medizin erklärt und in Illustrationen anschaulich darstellt.

Die Freunde ließen sich im pulsierenden Strom der Zellen treiben. Viele spannende Farben und Formen gab es hier zu sehen. Mit der Zeit bemerkten sie, dass das Rauschen, das sie hörten, gar kein Rauschen war, es war mehr wie ein … Gewimmel, eine Menge vieler kleiner Geräusche, fast wie …
STIMMEN! Es waren Stimmen. All diese Zellen hatten Stimmen, sie redeten in einem fort!!! Verstehen konnten die Freunde allerdings nichts; sie waren schon froh, dass sie wenigstens einige Arten von Zellen unterscheiden konnten.
Neben den roten Blutkörperchen, die natürlich in der Überzahl waren, gab es nämlich noch viele andere Zellen. Hin und wieder kam es vor, dass kleinere Zellen ganz in anderen, größeren verschwanden und in Einzelzellen wieder auftauchten. Um die Reste versammelten sich wiederum andere Zellen, die guckten sie sich ausführlich an.
Den Freunden schwirrte der Kopf. Luke rief den Professor an und hielt die Handy-Kamera auf die Szene.
»Faszinierend«, meldete sich die mittlerweile etwas beruhigte Stimme des Professors aus Lukes Handy. »Du nimmst das doch auf?«
Luke bestätigte.
»Ihr seht das Immunsystem bei der Arbeit. Die kleinen Zellen sind Bakterien, und die ringsherum sind Leukozyten oder Immunzellen, sozusagen die Polizei des Körpers. Die besonders großen nennen wir Makrophagen oder Fresszellen, die fressen die Bakterien auf. Das ist gut, dann wird Felix nicht noch zusätzlich krank. Die anderen sind Lymphozyten, die studieren dann die Reste der Bakterien. So lernt das Immunsystem, und der Körper wird, wie man eben so sagt, ›immun‹ gegen bestimmte Eindringlinge. Ihr könnt von Glück sagen, dass die Polizeizellen euch nicht erkennen können, weil ihr in den Blutzellen sitzt. Sonst hättet ihr wenig Chancen.«
Die Freunde waren beeindruckt. Ihre Reise wurde indes immer beschwerlicher. Sie waren vor einiger Zeit aus der riesigen Röhre, in der ihre Reise begonnen hatte, abgezweigt und in immer kleinere Röhren gelangt. Allmählich wurde es richtig eng, auch weil plötzlich immer mehr Polizeizellen in ihrer Nähe schwammen. Luke fragte beim Professor nach, was das zu bedeuten hatte.
»Wenn ich es richtig deute«, meldete sich die Stimme des Professors aus dem Handy, »dann kann es gut sein, dass ihr in der Nähe des Tumors seid. Folgt der Polizei, die sind dahin unterwegs, wo ihr auch hinwollt. Aber seid vorsichtig, Simon wird euch erklären, was zu tun ist.«
Finja guckte die anderen genervt an. Ausgerechnet Simon? Aber sie traute sich nicht, etwas zu sagen.
Simon klang ein bisschen wie ein Lehrer, als er sagte: »Sobald ihr draußen seid, müsst ihr euch nämlich verkleiden! Und zwar reißt ihr einfach von irgendeiner Zelle in der Umgebung etwas ab, ein, na ja, ein Oberflächenprotein heißt das, das ist wie ein Abzeichen, dann denken die Immunzellen, dass ihr zum Körper gehört. Ihr erkennt es ganz leicht, auf jeder Zelle klebt eins.«
Simon war ganz außer Atem vor Aufregung. »Und noch was solltet ihr wissen. Ihr könnt außerhalb der Blutbahn auch atmen! Da wo ihr rauskommt, das heißt Bindegewebe, weht euch der Sauerstoff nur so um die Ohren.«
Die Freunde lauschten Simons Anweisungen aufmerksam. Vielleicht war Simon doch kein so schlechter Kerl, dachte Jo. Was der alles wusste!

»Expedition Krebs« ist ein Buchprojekt der KölnerKinderUni, das im Laufe verschiedener Workshops sowie in Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen selbst entstanden ist. Ziel des erzählenden Sachbilderbuchs ist es, die Krankheit Krebs anschaulich darzustellen und altersgerecht zu erklären sowie generell (auch Erwachsenen) die Scheu vor der Auseinan-dersetzung mit ernsten Themen zu nehmen. Dem jungen Leser werden hierbei nicht nur Einblicke in verschiedene Funktionen des Körpers, sondern auch in aktuelle Vorgehensweisen der Krebstherapie gegeben. »Expedition Krebs« ist darüber hinaus auch eine Freundschafts- und Abenteuergeschichte, die unterhaltsam und informierend zugleich ist.

Das Layout des Buchs ist sehr detailliert und hochwertig verarbeitet. Bereits das Hartcover zeigt die vier Protagonisten der Erzählung, die durch den Körper ihres kranken Freundes reisen. Die Illustrationen von Robert Panthera Krause, die neben dem Text einen großen Platz im Buch einnehmen, sind insgesamt sehr bunt und phantasievoll. Passend zu einigen Textstellen, die besonders hervorgehoben sind, gibt es erklärende Marginalien am Rand der Seite, sodass ein Wechsel zwischen unterhaltender Erzählung und Sachinformation problemlos möglich ist. Die Randbemerkungen greifen schwierige Fachwörter (»Chemotherapie«) oder komplizierte Vorgänge (»Wie erkennt das Immunsystem fremde Eindringlinge?«, »Welche Aufgaben haben die Lymphgefäße?«) auf und stellen diese in einer Kombination aus Bild und Text anschaulich dar. Das Verhältnis von Illustration und Fließtext ist insgesamt ausgewogen – prinzipiell nimmt der Text mehr Platz ein, auch wenn einige wenige Illustrationen ganze Doppelseiten füllen (z.B. Seite 62f.). Die Schriftgröße ist für jüngere Leser in angemessener Größe gehalten, sodass alles sehr übersichtlich wirkt.

Die Struktur des Buchs ist logisch nachvollziehbar und chronologisch aufgebaut – selektives Lesen wird hier schwierig, was aber hinsichtlich der Funktion als erzählendes Sachbuch mit einer Abenteuer- und Freundschaftsgeschichte nicht unbedingt gewünscht ist. Die Vorworte der Herausgeber präsentieren das hinter dem Buch stehende Projekt der KölnerKinderUni und bereiten den Leser auf die Lektüre vor. Ein Inhaltsverzeichnis sowie die Vorstellung der »Freunde«, die als Hauptfiguren durch die Erzählung führen, erleichtern das Verständnis zusätzlich. Die jeweiligen Kapitel haben Überschriften (»Schulbeginn«, »Im Krankenhaus« etc.) und sind in sich abgeschlossen. Am Ende der Erzählung findet sich nochmals eine Vorstellung der Autoren und HerausgeberInnen des Buches.

Die Lese- und Textschwierigkeit ist altersgerecht – Fachwörter werden erklärt und zusätzlich in Bildern visualisiert. Die Art der Texte beschränkt sich (neben dem Vorwort der Herausgeber) auf die Haupterzählung des Buchs nebst kommentierenden Randnotizen sowie einen etwas ausführlicheren Exkurs zum Thema »Was genau ist die DNA?« auf Seite 92. Empfehlenswert ist das Buch besonders für Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren, die nicht mehr zu den Leseanfängern zählen.

Eine Rahmenhandlung ist durch die fiktive Abenteuergeschichte der vier Freunde gegeben, die von einer mysteriösen Maschine auf Zellgröße verkleinert werden und so durch den Körper ihres kranken Klassenkameraden Felix reisen, wobei sie einige gefährliche Situationen überstehen müssen, um schließlich zum Krebstumor zu gelangen. Die informativen Inhalte sind hierbei sachlogisch aufgebaut, sodass Vorwissen nicht notwendig ist: Am Beispiel von Felix wird zunächst erklärt, wie Krebs im Körper überhaupt entsteht, bevor im weiteren Verlauf der Erzählung medizinische Maßnahmen wie Operation oder Strahlentherapie erläutert werden. Komplizierte Zusammenhänge werden hierbei phantasievoll erklärt: Sprechende, menschenähnliche Körperzellen tauchen auf und Leukozyten werden als »Leukolizisten« mit Polizisten verglichen. Auch das Nachdenken über kritische Themen wie die Nebenwirkungen einer Chemotherapie findet seinen Platz in »Expedition Krebs«.

»Expedition Krebs« ist zusammengefasst ein aufwendig gestaltetes,  erzählendes Sachbilderbuch, das sich mit dem ernsten Thema einer lebensbedrohlichen Krankheit beschäftigt. Unterhaltung und Information werden gekonnt miteinander verknüpft, wobei auch andere wichtige Aspekte wie Freundschaft und der Umgang mit Krankheit einbezogen werden. Nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Eltern, Angehörige oder Lehrer ist es gleichermaßen empfehlenswerte Informationsquelle und Unterhaltungsliteratur.

»Expedition Krebs« eignet sich sowohl zum Selberlesen als auch zum Vorlesen, da schwierige oder zu erklärende Textstellen gekennzeichnet und mit einer Marginalie versehen sind, was das Springen zwischen Unterhaltung und Information erheblich vereinfacht. Das Sachbuch spricht mit Hilfe der vorgestellten Freunde gleichermaßen Mädchen und Jungen an und bietet ebenso Identifikationsmöglichkeiten, wobei die doch recht starke Stereotypisierung der Figuren (»der coole, lässige Typ«, »Er ist unsportlich und hat immer die besten Noten.«) eventuell zu kritisieren wäre.