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Buchcover Melvin Burgess: Death

Rezension von Eva Maus

Death ist die neue Droge, die jedem, der sie schluckt, eine Woche pures und intensives Leben schenkt – glücklich, rasend, high – und dann zum unvermeidbaren Tod führt. Angesichts der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich, gestrichenen Sozialleistungen, übermächtigen Großkonzernen und fehlenden Lebensperspektiven greifen immer mehr Jugendliche in Manchester nach der Pille mit dem Totenkopf. Adam hingegen hat Hoffnung. Sein großer Bruder Jess versorgt die Familie. Zudem ist die reiche und begehrenswerte Lizzie dabei, sich in ihn zu verlieben, was Beziehungsglück und Aufstiegschance zugleich bedeutet. Doch ein Brief verändert alles.

BuchtitelDeath
AutorMelvin Burgess (aus dem Englischen übersetzt von Kai Kilian)
GenreKrimi & Thrill
Lesealter14+
Umfang345 Seiten
Edition1
VerlagChicken House-Buch im Carlsen Verlag
ISBN978-3-551-52061-6
Preis14,99 €

Death ist die neue Droge, die jedem, der sie schluckt, eine Woche pures und intensives Leben schenkt – glücklich, rasend, high – und dann zum unvermeidbaren Tod führt. Angesichts der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich, gestrichenen Sozialleistungen, übermächtigen Großkonzernen und fehlenden Lebensperspektiven greifen immer mehr Jugendliche in Manchester nach der Pille mit dem Totenkopf. Adam hingegen hat Hoffnung. Sein großer Bruder Jess versorgt die Familie. Zudem ist die reiche und begehrenswerte Lizzie dabei, sich in ihn zu verlieben, was Beziehungsglück und Aufstiegschance zugleich bedeutet. Doch ein Brief verändert alles: Adams Bruder Jess soll einer der Widerstandskämpfer gegen die Regierung gewesen und starb im Kampf. Plötzlich muss Adam die Schule abbrechen und Geld verdienen. In seiner Trauer um seinen Bruder und seine eigene Zukunft vergrault er auch noch Lizzie und als ihm zufällig Death in die Hände fällt, sieht er seine letzte Chance auf ein wenig Glück und schluckt eine der Pillen. Doch kaum ist sein Tod unabwendbar, beginnt er das Leben zu lieben und sicher Geglaubtes zu hinterfragen. Lizzie erklärt sich bereit, seine letzten Tage mit ihm zu verbringen, aber der Rausch hält nicht, was er verspricht. Adam wird bei einem Überfall geschnappt und Lizzie gerät auf der Suche nach einem Mittel, das Adams Leben doch noch retten kann, in die Fängen eines Psychopathen. Plötzlich kämpfen beide um ihr eigenes Leben und das des anderen, während in Manchester und ganz England die Revolution beginnt.

Adam gab eine der Pillen an Lizzie weiter und beide sahen sich die Dinger genau an. Auf jedem prangte, fein säuberlich aufgedruckt, ein winziger Totenkopf.
„Das ist Death!“
„Kann nicht sein…“
Doch es stimmte. Alle Welt wusste, wie die Teile aussahen. Adam beobachtete, wie der Mann weiterging und eine Handvoll der tödlichen, kleinen Pillen nach der anderen unters Volk brachte. Die Aktion musste ein Vermögen gekostet haben.
Und die Leute warfen die Dinger ein. Adam sah, wie sie die Köpfe zurückbogen und sich die Pillen in ihre Rachen schnippten. „Leb schnell, stirb jung!“, brüllte der Typ. Er lachte und warf einen ganzen Haufen von dem Zeug in die Luft. Die Leute um ihn herum klaubten die Pillen hastig vom Boden auf.
„Stell dir vor, wir hätten die Teile ganz ahnungslos einfach geschluckt!“ rief Lizzie entsetzt.
Adam starrte auf die schwarz-weiße Pille in seiner Hand. Wies es wohl wäre zu wissen – zu fühlen wie Jimmy Earle, für eine kurze, wohlige Woche…
Unvermittelt riss er die Hand an den Mund und grinste Lizzie breit an. Er schluckte. Sie zuckte zurück, geschockt – doch dann zeigte er ihr die Pille zwischen seinen Fingern.
„Du Scheißkerl!“, schrie sie und lachte.

"Death" ist spannend und berührt gleichzeitig grundsätzlichen Fragen und aktuelle Themen. Es ist ein Buch ohne eine positive Identifikationsfigur, aber mit Wucht und Suchtfaktor - insbesondere für Freunde von viel Action.

Mit der neuen Droge Death, die eine Woche high macht und dann zum Tode führt, und einer nicht allzu fernen gesellschaftlichen Dystopie voller sozialer Ungerechtigkeit, schafft Melvin Burgess eine vielversprechende Kulisse für seinen Jugendthriller. Neben der spannungsgeladenen Atmosphäre zwischen Rausch und Revolution wird das Buch auch durch die angeschnittenen Themen interessant. Unter anderem müssen sich die Figuren mit der Frage auseinandersetzen, was sie bereit sind zu opfern - für geliebte Menschen einerseits und für die Gesellschaft andererseits. Sie müssen sich entscheiden, was sie von ihrem Leben wollen und welche Zwecke welche Mittel erlauben – bis hin zum Nachdenken über Terrorismus. Damit greift der Autor überzeichnend Fragen auf, die in der Adoleszenz von großer Bedeutung sein können. Gleichzeitig lassen sich Parallelen zu jüngsten Wirtschaftskrisen und daraus hervorgegangenen Protestbewegungen ziehen. Dominierend bleiben jedoch durchgehend die sich zuspitzende Spannung zwischen Drogen, Gewalt und Sex. Über die drei Teile des Buches – „Death“, „Die Liste“ und „Revolution“ – wird dabei der philosophische Anspruch der ersten Kapitel zurückgestellt hinter immer rasanterer Action und Gewaltdarstellungen.

Ab der ersten Seite des Romans kann der Leser beobachten, wie der 17-jährige Adam am Abgrund balanciert, elektrisiert von den Unruhen und der Revolutionsstimmung in seiner Heimatstadt. Nach einer Nacht voller Euphorie mit seiner Freundin Lizzie geht es rasant abwärts: Mit dem Tod seines Bruders Jess sind Adams Zukunftspläne zerstört. Seine Liebe zu der reichen Lizzie scheint verloren. Adam nimmt die Todespille und schreibt auf, was er noch erleben will.


Da das Buch mit Adams Perspektive beginnt und immer wieder zu ihr zurückkehrt, bleibt er die zentrale Figur, obwohl auch aus Lizzies und anderen Perspektiven das Geschehen geschildert wird. Seine Gefühle und Handlungsmotive sind deutlich gezeichnet und nachvollziehbar, doch leider auch zunehmend unsympathisch. Spätestens als Lizzie bereit ist, sich für das Leben ihres Freundes zu prostituieren, während dieser zum Spaß mit einer anderen schläft, wird eine gewisse Distanz zur ursprünglichen Identifikationsfigur provoziert.

Zu diesem Zeitpunkt der Handlung wurde allerdings bereits viel Spannung aufgebaut, so dass das Buch auch ohne einen sympathischen Helden attraktiv bleibt. Durch den stetigen Perspektivwechsel innerhalb der recht kurzen Kapitel werden immer wieder durch Andeutungen neue Fragen aufgeworfen, die auch den jugendlich-männlichen Leser beschäftigen: Ist Jess wirklich tot? Warum arbeiten die regierungskritischen Zeloten an der Herstellung von Death mit? Gibt es ein Gegenmittel? Kann Lizzie dem psychisch gestörten Christian entkommen? Während Adam und Lizzie damit beschäftigt sind, Antworten zu finden, geraten sie wiederholt in lebensgefährliche Situationen, die immer dramatischer werden. Dass der Leser dabei mitfiebert, ist auch dem sehr leicht verständlichen, aber trotzdem atmosphärisch dichten und authentisch jugendlichen Erzählstil des Autors zu verdanken. 

Für alle, die rasante Action und viel Spannung mögen, ist "Death" eine vielversprechende Privatlektüre, die zum suchtartigen Lesen führen kann. Auch wenn die philosophischen Grundgedanken und politischen Anspielungen vage bleiben, können hier ebenfalls Leseanreize für interessierte Leser liegen. Da das Buch leicht lesbar ist, eignet es sich auch für weniger lesegeübte Jugendliche.

Gegen einen unreflektierten Einsatz in der Schule sprechen die grobe Gewalt und die relativ unkritische Darstellung von Drogenkonsum. Das gemeinsame Besprechen im Unterricht von "Death" kann zwar die zu kurz gekommenen, aber sehr interessant angelegten philosophischen Gedanken stärker in dem Mittelpunkt rücken, verlangt der Lehrkraft aber viel sensible Vorbereitung und weniger actionaffinen Schülern und Schülerinnen starke Nerven ab.