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Buchcover James Bowen: Bob, der Streuner

Rezension von Anna Lisa Gagliano

Bob der Streuner ist ein autobiografischer Text, in dem der Autor James Bowen seine Vergangenheit und seinen Lebenswandel, der mit dem Auffinden des Straßenkaters Bob zusammenhängt, thematisiert und verarbeitet.
Als James den Straßenkater findet, ist er als Straßenmusiker tätig und durchlebt gerade einen Drogenentzug. Bob liegt eines Tages verletzt vor seiner Tür. James sorgt für ihn und pflegt ihn gesund. Nach seiner Genesung will James Bob wieder in die Freiheit entlassen, doch dieser möchte lieber bei James bleiben...

BuchtitelBob, der Streuner. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Katze
AutorJames Bowen (aus dem Englischen übersetzt von Ursula Mensah)
GenreGesellschaftskritik
Lesealter12+
Umfang190 Seiten
Edition1
VerlagBoje
ISBN978-3-414-82392-2
Preis12,99 €

Bob der Streuner ist ein autobiografischer Text, in dem der Autor James Bowen seine Vergangenheit und seinen Lebenswandel, der mit dem Auffinden des Straßenkaters Bob zusammenhängt, thematisiert und verarbeitet.

Als James den Straßenkater findet, ist er als Straßenmusiker tätig und durchlebt gerade einen Drogenentzug. Bob liegt eines Tages verletzt vor seiner Tür. James sorgt für ihn und pflegt ihn gesund. Nach seiner Genesung will James Bob wieder in die Freiheit entlassen, doch dieser möchte lieber bei James bleiben. Von nun an begleitet Bob James täglich auf den Londoner Straßen. Er fährt mit ihm Bus und unterstützt ihn, bei seiner Tätigkeit als Straßenmusiker. Mit der Zeit wird Bob zu einer lokalen Berühmtheit. Immer mehr Menschen kennen ihn und das kommt auch James zugute. Aufgrund einiger rechtlicher Schwierigkeiten muss James den Beruf wechseln. Er beginnt damit die Straßenzeitung „The big issue“ zu verkaufen. Auch dabei ist Bobs Popularität von Vorteil.

Aber James schildert nicht nur seinen Lebenswandel, sondern auch Bobs Eigenheiten, die er sich als Straßenkater angewöhnt hat. Diese legt er, trotz James Bemühungen, nie ganz ab. Durch Bob lernt James, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Dadurch schafft er es sein Leben zum Besseren zu ändern. Er söhnt sich mit seiner Familie aus und bekommt das Angebot ein Buch über sein Leben mit Bob zu schreiben.

Aus dem Kapitel zwei Musketiere (Seite 69):

Plötzlich für jemand anderen verantwortlich zu sein, war eine große Umstellung für mich. Bob war mein Baby und mich darum zu kümmern, dass er es warm hatte, genug zu fressen bekam und aufzupassen, dass ihm nichts passierte, gab meinem Leben wieder Sinn.

Aber es konnte auch ziemlich stressig sein. Ich musste ihn ständig im Auge behalten, besonders, wenn er mich zur Arbeit begleitete. Meine Sorge war berechtigt, denn in den Straßen von London liefen nicht nur gutherzige Touristen und Katzenliebhaber rum. Ich wurde immer noch beschimpft und beleidigt, meistens von betrunkenen Jugendlichen, die damit ihre Freunde beeindrucken wollten.

„Wie wär´s mit arbeiten, du langhaariger Penner“, pöbelten sie mich an.

Auf solche Beleidigungen reagierte ich gar nicht. Ich war daran gewöhnt und hatte gelernt, solche Beschimpfungen auszublenden. Aber wenn jemand auf Bob losging, wurde ich zum Löwenvater, der sein Junges verteidigt.

Wie an jenem Freitagabend, als eine Gruppe aufgekratzter junger Kerle an uns vorbeikam. Ich spürte gleich, dass sie ein Opfer suchten. Als sie Bob neben mir auf dem Gehweg sitzen sahen, fingen zwei aus der Gruppe an, ihn mit nachgeäfftem „Wuff“ und „Miau“ zu ärgern. Die fanden das unglaublich witzig.

Bob und James gegen den Rest der Welt. So könnte man den Inhalt des vorliegenden Textes zusammenfassen, ganz so einfach ist es aber nicht, da der Text deutlich mehr, auch gesellschaftskritische Aspekte, enthält. James, der sich in der Ich-Perspektive als Anti-Held konstruiert, ist ein sozialer Aussteiger. Als Straßenmusiker ist er für die Gesellschaft unsichtbar, er wird übersehen und missverstanden. Täglich begegnen ihm Stereotypen. Durch Bob ändert sich das. Mit ihm wird er gesehen und wieder zu einem Teil der Gesellschaft. Im Buch wird also, neben einer mehr oder weniger klassischen „from ragst to riches“ Geschichte, auch Kritik an der Gesellschaft geübt. Dabei wird anschaulich erläutert, was das Leben und Arbeiten auf der Straße beinhaltet. Welche Schwierigkeiten und Regeln damit zusammenhängen, dass es schwer ist, wieder ein Teil der Gesellschaft zu werden und die Vorurteile der Gesellschaft überwinden zu können. James schafft es, durch Fleiß und Durchhaltevermögen, sein Leben zu ändern. „Bob, der Streuner“ ist ein Mut-mach-Buch, welches zum Umdenken anregt.

Dabei ist der Text aber nicht ausschließlich ernst. Im Gegenteil, die Freundschaft zwischen Bob und James beinhalten vor allem auch humoristische Elemente. Beispielweise wenn Bob lernt, eine Menschentoilette zu benutzen, weil er im Winter nicht mehr raus in die Kälte möchte. Gerade dann überrascht Bob durch seine Intelligenz.

Bei der Empfehlung für Kinder und Jugendliche muss aber beachtet werden, dass James seine Drogenvergangenheit und das Leben auf der Straße relativ detailliert schildert. Die Leserinnen und Leser müssen also kognitiv und emotional in der Lage sein, diese Schilderung zu verarbeiten.

Sprachlich ist der Text sehr einfach gehalten. Er enthält kaum unbekannte Begriffe, die bei Bedarf verständlich erläutert werden. Die Figuren wirken authentisch, ihre Anlage ist wenig komplex. Nebenfiguren werden nur funktional beschrieben, sodass nur die beiden Hauptfiguren im Mittelpunkt stehen. In den überschaubaren Kapiteln wird vor allem mit Beschreibungen und kurzen Erzählungen gearbeitet. In diesen werden die unterschiedlichen Erlebnisse von James und Bob geschildert.

Gerade die kurzen Kapitel, die eingängigen Überschriften und die insgesamt einfache Art des Textes regen zum Weiterlesen an. Auch wenn in dem Text der Wandel von James beschrieben wird, kann Bob ebenfalls als Titelheld angesehen werden, durch den die Kinder und Jugendlichen zum Lesen angeregt werden. Man kann davon ausgehen, dass die kindlichen und jugendlichen Leser aber vor allem weitere Abenteuer von Bob erlesen möchten und somit zum Weiterlesen angeregt werden.