Boys and Books: home
headerimage

Buchempfehlungen

Auf dieser Seite finden Sie unsere Top-Titel und weitere Buchempfehlungen für junge männliche Leser. Wenn Sie Buchtipps innerhalb eines Genres suchen, können Sie das jeweilige Genre auf der linken Seite auswählen. Wenn die Anzeige der Bücher nach Altersstufen erfolgen soll, können Sie auf die gewünschte Altersgruppe (8+, 10+, 12+, 14+) bzw. die entsprechende Farbe klicken. Viel Spaß beim Stöbern.

Buchempfehlungen

Wenn Sie aktuelle Kinder- und Jugendbücher kennen, die (auch) für Jungen geeignet sind, können Sie uns gerne eine Mail schreiben - und zwar an kontakt@boysandbooks.de. Wir freuen uns über jeden Hinweis. Vielen Dank.

Buchcover Caroline Lawrence: Flucht vor den Desperados

Rezension von Julia Fränkle-Cholewa

Die Erzählung spielt im Wilden Westen der USA im Jahr 1862. An seinem 12. Geburtstag erlebt der Halbindianer P.K. Pinkerton, genannt “Pinky”, eine böse Überraschung: Seine Pflegeeltern werden von einer Gruppe Desperados ermordet. Ihr Anführer, genannt “Walt der Schnitzer”, ist ein skrupelloser Outlaw, der gegen eine Belohnung von 2.000 Dollar gesucht wird. Pinky findet heraus, dass er etwas besitzt, das Walt um jeden Preis bekommen will: Einen Brief, dessen Besitzer zum Erben des halben Mount Davidson und damit zum Eigentümer zahlreicher Goldminen und zum Millionär würde...

BuchtitelWestern Mysteries. Flucht vor den Desperados
AutorCaroline Lawrence; mit Illustrationen von Richard Russel Lawrence (übersetzt von André Mumot)
GenreAbenteuer
Lesealter10+
Umfang324 Seiten
Edition1. deutsche Auflage
Verlagbloomoon (englisches Original: Orion Children’s Books)
ISBN978-3-7607-9927-8
Preis14,99 €

Die Erzählung spielt im Wilden Westen der USA im Jahr 1862. An seinem 12. Geburtstag erlebt der Halbindianer P.K. Pinkerton, genannt “Pinky”, eine böse Überraschung: Seine Pflegeeltern werden von einer Gruppe Desperados ermordet. Ihr Anführer, genannt “Walt der Schnitzer”, ist ein skrupelloser Outlaw, der gegen eine Belohnung von 2.000 Dollar gesucht wird. Pinky findet heraus, dass er etwas besitzt, das Walt um jeden Preis bekommen will: Einen Brief, dessen Besitzer zum Erben des halben Mount Davidson und damit zum Eigentümer zahlreicher Goldminen und zum Millionär würde. Pinky flieht mit dem Brief vor den Desperados auf einer Postkutsche nach Virginia City. Es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch zwielichtige Saloons und dunkle Straßen. Immer wieder entkommt Pinky den Desperados nur knapp, indem er in unterschiedlichste Verkleidungen schlüpft. Die Jagd gipfelt nach zwei Tagen in einer Mine, wo Walt schließlich zu Tode kommt. Pinky wird in letzter Minute gerettet und verkauft seinen wertvollen Brief an den Besitzer der Chollar-Mine. Statt Millionär möchte er lieber Detektiv werden.

Bevor ich Richtung Ausgang flüchten konnte, flog die Tür des Speisesaals auf, und Walt, der Schnitzer, trat mit seinen Kumpanen ein.
Zum Glück hatte ich, bevor ich ins Restaurant gekommen war, bei Isaiah Coffins Ambrotypie- & Fotografie-Studio einen Zwischenhalt gemacht und eine neue Tarnung angelegt – das Kostüm eines Celestials. Ich trug weite Hosen und ein Hemd mit Druckknöpfen sowie einen flachen Strohhut, an dem ein falscher Zopf hing. Ich hatte mich im Spiegel angeschaut und war zu dem Schluss gekommen, dass dies zusammen mit der “dunkleren Gesichtsfarbe” und den leicht schrägen “kalten schwarzen Augen” meine bislang überzeugendste Tarnung ergab.
Walt verschwendete keinen zweiten Blick auf mich. Er suchte nach einem kleinen Mädchen in rosafarbener Baumwolle und mit einer Haube auf dem Kopf.
“Wo ist sie?”, rief Walt noch einmal. Er schwang ein Jagdmesser, das so lang war wie mein Unterarm. “Wo ist Belle Donne? Sie soll hier sein!”
“Oh!”, stieß Titus Jepson aus und fuhr aus seinem Stuhl hoch. “Oje!”
“Du!”, sagte Walt, krallte seine Faust in Jepsons Schürze und zog ihn zu sich. “Wo ist Belle Donne? Man hat mir gesagt, dass sie hier regelmäßig isst.”
“Ich weiß es nicht!”, rief Titus Jepson.
“Weißt du, wer ich bin?”, fragte Walt.
“Nein”, stammelte Titus Jepsen.
“Man nennt mich Walt, den Schnitzer. Du sagst mir jetzt, wo ich das Mädchen finde, sonst fang ich an, dir Finger und Zehen abzuschneiden!”
(Seite 145-146)

Die Autorin Caroline Lawrence wurde für ihre “Roman Mysteries”, eine Serie historischer Romane für Kinder und Jugendliche, bekannt. Mit “Flucht vor den Desperados” gelang ihr ein spannender und actionreicher Auftakt für ihre neue Serie “Western Mysteries” rund um den Jungen P.K. Pinkerton.
Pinky, der Sohn einer Sioux-Indianerin und eines Detektivs, lebt mit seinen Pflegeeltern in einem kleinen Dorf nahe Virginia City. Er schreibt seine Geschichte rund um die Flucht vor den Desperados auf einen Stapel Kontobuchblätter, als er am letzten Tag seiner Fluch im tiefsten Schacht der Comstock-Silbermine festsitzt und befürchtet zu sterben. Die Erzählung beginnt mit der Schilderung dieser scheinbar ausweglosen Situation, sodass gleich zu Anfang ein Spannungsbogen aufgebaut wird. Danach erfährt der Leser die gesamte Handlung der vergangenen zwei Tage. Pinkys Flucht vor den Desperados gestaltet sich äußerst gefährlich. Sein Verfolger Walt schreckt offenbar nicht vor Morden zurück und auch andere Personen, die Pinky während seiner Flucht trifft, wollen ihm nicht nur Gutes. Der Protagonist gerät von einer Gefahr in die nächste, sodass die Erzählung an keiner Stelle langweilig wird. Durch den Ich-Erzähler Pinky fühlt sich der Leser mitten ins Geschehen hineinversetzt – beinahe kann man die Blicke der Verfolger im eigenen Nacken spüren.
Pinky erscheint als sehr sympathischer Junge, mit dem sich der Leser gut identifizieren kann, obwohl – oder gerade weil – Pinky ein wenig anders ist als andere Kinder. Er scheint autistische Veranlagungen zu haben. Er kann die Emotionen von Menschen nicht lesen und Gesichtsausdrücke nicht deuten. Seinen “Stachel”, wie er diese Besonderheiten nennt, gleicht er dadurch aus, dass er überdurchschnittlich gut mit Zahlen umgehen kann. Dies führt schließlich dazu, dass er sich mit einem Pokerspieler namens  Jace anfreundet, der ihn letztendlich aus der Mine rettet.
Nicht nur Pinky, auch die übrigen Figuren, sind detailliert charakterisiert, sodass selbst die Handlungen der etwas zwielichtigeren Gestalten logisch motiviert erscheinen. Zwar spielt die Geschichte bereits 1862, dennoch können sich junge Leser gut mit Pinky und seinen Abenteuern identifizieren. Obwohl die Handlung geradezu dahinrast, da Pinky ständig in neue Gefahren gerät, erfährt der Leser doch auch viel über Pinkys Vergangenheit, über seine verstorbene indianische Mutter und über sein Verhältnis zu seinen getöteten Pflegeeltern. Die Entwicklung Pinkys wird besonders am Ende der Erzählung deutlich, wenn er beschließt, kein Millionär werden zu wollen. Stattdessen entscheidet er sich, in Virginia City zu bleiben, um Detektiv zu werden, ehe er in ein paar Jahren auf die Suche nach seinem leiblichen Vater gehen will.

Im Vorwort erklärt die Autorin, sie habe bei einer Entrümpelung im Haus ihrer Urgroßmutter einen Stapel Kontobuchblätter gefunden, auf dem die hier im Buch beschriebene Geschichte gekritzelt gewesen war. Die Handlung ist wie ein Tagebuch niedergeschrieben, was der Geschichte zusätzliche Authentizität verleiht. Die Autorin verdeutlicht den handschriftlichen Stil vor allem dadurch, dass sie statt des Wortes “und” oft ein &-Zeichen benutzt.

Zur besseren Orientierung auf dem Schauplatz Virginia City findet sich vorne im Buch eine detaillierte Karte. Hinten ist noch ein Glossar angehängt, das wichtige Namen und zeitgemäße Ausdrücke erklärt. Insgesamt wirkt der historische Hintergrund gründlich recherchiert und die Handlung damit sehr glaubhaft. Darüber hinaus bekommen die jugendlichen Leser gleich noch eine Portion Wissen über den Wilden Westen Amerikas und die Geschichte Virginia Citys vermittelt.
Ein origineller Einfall ist es außerdem, dass Pinky auf seiner Flucht auf den Zeitungsreporter Sam Clemens trifft. Dieser ist heute fast nur noch unter seinem Pseudonym Mark Twain bekannt. Er ist der Autor der bekannten Bücher “Die Abenteuer des Tom Sawyer” und “Die Abenteuer des Huckleberry Finn”.

Das Buch ist mit seinen 324 Seiten recht umfangreich. Doch durch den flüssigen Schreibstil, die leicht verständliche Sprache und die andauernde Spannung  fliegen die Seiten nur so dahin. Die Kapitellänge ist mit rund 6 Seiten überschaubar. Beinahe jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass man unbedingt gleich weiterlesen möchte.
Das Cover ist im Stil eines Wanted-Plakats gehalten, auf dem Pinky zur Festnahme ausgeschrieben ist und macht Lust, in das Buch hinein zu blättern.

Zur Buch-Serie rund um P.K. Pinkertons Abenteuer wurde eine eigene Website eingerichtet: www.westernmysteries.com
Dort finden sich interessante Informationen rund um die Bände der Serie, die Figuren und Handlungen. Außerdem Hinweise auf bevorstehende Veranstaltungen rund um die Serie und die Autorin. Die Website ist allerdings auf Englisch. Außerdem findet man die Serie bei Facebook, Twitter und Blogger.

“Flucht vor den Desperados” würde sich neben der privaten Lektüre auch als Buch für den Schulunterricht eignen. Zum einen werden interessante Informationen rund um das Leben im Wilden Westen von Virginia City vermittelt. Zum anderen wird Pinky als Halbindianer immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, über die zu diskutieren sicher lohnenswert wäre. Leider gibt es bislang noch keine Unterrichtsmaterialien zum Buch.

Das Buch ist Teil der Western-Mysteries-Serie. Die Spannung des ersten Teils weckt das Interesse an den Folgebänden.
Bislang sind in der Reihe erschienen:
1. Flucht vor den Desperados (2011, im Original: The Case of the Deadly Desperados).
2. The Case of the Good-looking Corpse (2012, noch nicht auf Deutsch erschienen).
3. The Case of the Pistol-Packing Widows (2013, noch nicht auf Deutsch erschienen).