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Buchcover Andreas Schlüter: Level 4 – Die Stadt der Kinder

Rezension von Lisa Woiki und Corinna Schlemme

In Bens Leben dreht sich alles um Computerspiele. Seit kurzem ist ein neues Spiel auf den Markt gekommen, es heißt 'Die Stadt der Kinder'. Ben möchte dieses Spiel unbedingt haben und kann sein Glück kaum fassen, als er es endlich in den Händen hält. In 'Die Stadt der Kinder' verschwinden alle Erwachsenen auf mysteriöse Weise. Die Kinder müssen verschiedene Aufgaben überwinden, um die Erwachsenen zurückzubekommen. Das letzte Level, das sie dabei bestehen müssen, ist das vierte. Doch soweit ist Ben im Kaufhaus noch nie gekommen und auch zu Hause geht es nach dem dritten Level nicht weiter...

BuchtitelLevel 4 – Die Stadt der Kinder
AutorAndreas Schlüter; Buchcover von Karoline Kehr
GenreAbenteuer
Lesealter10+
Umfang270 Seiten
Edition21. Auflage April 2014
Verlagdtv junior
ISBN978-3-423-70914-9
Preis7,95 €

In Bens Leben dreht sich alles um Computerspiele. Seit kurzem ist ein neues Spiel auf den Markt gekommen, es heißt 'Die Stadt der Kinder'. Ben möchte dieses Spiel unbedingt haben und kann sein Glück kaum fassen, als er es endlich in den Händen hält. In 'Die Stadt der Kinder' verschwinden alle Erwachsenen auf mysteriöse Weise. Die Kinder müssen verschiedene Aufgaben überwinden, um die Erwachsenen zurück zu bekommen. Das letzte Level, das sie dabei bestehen müssen, ist das vierte. Doch soweit ist Ben im Kaufhaus noch nie gekommen und auch zu Hause geht es nach dem dritten Level nicht weiter. Das Spiel scheint defekt zu sein und Ben kann es nicht fassen. Durch den Ärger über das kaputte Spiel stellt er fest, dass es bereits Abend ist und seine Mutter noch nicht nach Hause gekommen ist. Die Sorge nach ihr treibt ihn auf die Straße und zu seinen Freunden. Aber auch deren Eltern sind spurlos verschwunden. Auf der Suche nach Erwachsenen gehen die Freunde in die Stadt, in der sie ein Bild der Verwüstung vorfinden. Denn auch hier finden sie nicht einen Erwachsenen, dafür aber eine ganze Horde Kinder, die sich Lebensmittelschlachten liefert oder anderweitig durch die Läden tobt. Ben und seine Freunde beschleicht der Verdacht, dass 'Die Stadt der Kinder' Wirklichkeit geworden ist. Sofort richten sie ein Krisenzentrum ein und versuchen, alle Kinder zu vereinen, um gemeinsam die Aufgaben des Spiels zu bewältigen, damit die Erwachsenen zurückkehren. Große Schwierigkeiten bereitet ihnen dabei Schulrowdy Kolja. Er hat eine Gruppe Jungs um sich versammelt, mit der er versucht, die Macht über die Stadt an sich zu reißen, indem er Angst und Schrecken verbreitet. Ben und seinen Freunde versuchen, gemeinsam mit den anderen Kindern die Herausforderungen des Levels zu bewältigen, Kolja zu besiegen und der 'Stadt der Kinder' zu entkommen.

>>Und morgen gehen wir als Erstes in die Schule<<, schlug Miriam vor.
Ben blicke Miriam verständnislos an.
>>Es gibt zwar keinen Unterricht<<, fuhr sie fort, >>aber in der Schule erfährt man immer zuerst, was los ist.<<
Die anderen fanden das einleuchtend und so beschlossen die vier, am nächsten Morgen zur gewohnten Zeit in die Schule zu gehen.
Und Miriam hatte recht: Als sie am nächsten Morgen in der Schule ankamen, war der Schulhof voll mit Schülern, die sich aufgeregt die Beobachtungen des Abends erzählten. Alle wussten also Bescheid, wenngleich sich auch niemand erklären konnte, wo die Erwachsenen abgeblieben sein konnten und wann sie wiederkämen. Plötzlich hatte Ben eine Idee. Kurzerhand kletterte er an einer Regenrinne aufs Dach eines Schulpavillons und brüllte: >>Alle mal herhören!<<
Nachdem er es fünfmal gerufen hatte, wurde es auf dem Schulhof ruhiger. Ben begann zum großen Erstaunen seiner Freunde mit einer Rede:
>>Ihr wisst alle, was los ist<< schrie Ben, so laut er konnte. Trotzdem waren es nur wenigem die seine Worte verstanden. Ben ließ sich dadurch nicht durcheinanderbringen und schrie einfach weiter:
>>Alle Erwachsenen sind weg. Solange wir nicht wissen, wann sie wiederkommen, müssen wir zusammen überlegen, was wir tun. Wer mit überlegen will, trifft sich in zehn Minuten in der Schulaula, damit wir...<<
Aber weiter kam Ben nicht. Gejohle und Geschreie übertönten ihn.
>>Muttersöhnchen<<, riefen einige, die sich besonders groß und stark vorkamen. >>Kannst wohl ohne Mami nichts mit dir anfangen?<< Natürlich fanden sich für diesen Zwischenruf genügend Lacher.
>>Dann können wir doch endlich mal auf die Pauke hauen<<, ergänzt ein anderer Zwischenrufer.
>>Genau!<<, brüllte in Dritter. >>Wenn es sicher ist, dass die Alten weg sind – weißt du, was ich dann mache?<< Die umstehenden Schüler gafften den kreischenden Mitschüler erwartungsvoll an. Hatte da jemand etwa eine gute Idee? Genüsslich legte der Schreihals eine Kunstpause ein, damit seine Worte auch die richtige Wirkung erzielten. Dann holte er tief Luft und grölte:
>>Ich gehe in die Stadt und hole mir, was ich brauche. Ohne Geld. Denn es gibt ja keine Verkäufer mehr!<<
Das war das endgültige Aus für Bens Rede. Ein ohrenbetäubendes Freudengeschrei hallte über den Schulhof. Plötzlich brach Panik aus, so als würde die Schule brennen. Hunderte von Schülern stürmten zum Schultor. Jeder wollte als Erster in die Stadt.
(S.37 f.)

Der Jugendbuchautor Andreas Schlüter erschafft mit seinem Buch "Level 4 – Die Stadt der Kinder" eine spannende Geschichte rund um Ben und seine Freunde.

Bereits zu Beginn eröffnet sich für Ben, Jennifer, Frank, Thomas, Miriam und all die anderen Kinder der Stadt eine unvorhergesehene Situation. Alle Erwachsenen sind plötzlich verschwunden. Andreas Schlüter erzeugt so von Anfang an Spannung und kann diese auch bis zur letzten Seite aufrecht erhalten. Ben und seine Freunde finden heraus, dass das Verschwinden der Erwachsenen auf ein Computerspiel zurückzuführen ist, das Ben neu bekommen hat. Das Spiel heißt 'Die Stadt der Kinder'. Wie in dem Spiel müssen die Kinder nun im Verlauf des Buches verschiedene Aufgaben durchstehen, um in das jeweils nächste Level aufzusteigen. Dabei stehen die Freunde immer wieder neuen Gefahren und schwierigen Situationen gegenüber. Sie müssen an vielen Stellen die Arbeit der Erwachsenen übernehmen, damit die Stadt nicht im Chaos versinkt. So sind Tiere im Zoo zu versorgen, Brände zu löschen, Autos zu fahren, Essen für viele Kinder zuzubereiten und die Auseinandersetzung mit Schulrowdy Kolja zu überstehen. Dieser hat mit einer Gruppe von Jungs das Wasserwerk unter seine Gewalt gebracht und dem Rest der Kinder das Wasser abgedreht.

Andreas Schlüter erschafft mit seinem Buch zwar eine fiktive Welt innerhalb eines Computerspiels, verliert aber nicht die realistische Darstellungsweise, der es bedarf. All die Situationen, die von den Kindern gemeistert werden müssen, sind in der Realität ebenfalls gegeben - nur das diese in der realen Welt von Erwachsenen erledigt werden. Dabei schafft das Werk eine stabile Brücke zwischen der Welt der Erwachsenen und den Lebensinhalten der Jugendlichen. Zunächst zählt für Ben nur das Computerspiel. Wie im Leben vieler Kinder und Jugendlicher in heutiger Zeit ist sein Alltag stark von der zunehmenden Digitalisierung geprägt. Er hat zwar viele Freunde, vergisst aber zum Beispiel zu Beginn des Buches eine Verabredung mit Jennifer, weil er so in der Welt des Spieles versunken ist. Damit greift der Autor ein Thema auf, das gesellschaftlich viel diskutiert wird. Die steigende Bedeutung von fiktiven Welten in der Freizeit der Kinder und das mangelnde Interesse an Außenaktivitäten werden unterschwellig eingebracht, ohne dabei anklagend in den Vordergrund gestellt zu werden. Die Kinder vollführen im Laufe der Handlung einen Prozess der Wandlung. Sie wachsen an ihren Aufgaben und finden dabei heraus, wo ihre Stärken und auch ihre Schwächen liegen. Es findet für jeden von ihnen ein Reifungsprozess statt, der den Leser dazu anhält, auch das eigene Selbstbild zu überdenken. Das Buch schafft einen gelungenen Spagat sowohl für Jungen als auch für Mädchen spannend zu bleiben. Da sowohl die Sicht der Jungs Ben, Frank, Thomas und Co. in vielen Situationen offengelegt wird und ihr Handeln für Jungs typisch ist, kann der Prozess den sie durchlaufen, besonders die männlichen Leser ansprechen. Jennifer und Miriam stellen dazu den Gegenpart der Mädchenseite dar. Sie bieten mit ihren Unterhaltungen und Handlungen ausreichend Spielraum zum Kennenlernen und um sich mit ihnen identifizieren zu können. Das Buch macht dabei deutlich, dass Abenteuer und Herausforderungen nur gemeinsam überwunden werden können und man zusammen zu viel mehr im Stande ist als alleine. Durch den realistischen Rahmen in einer kleinen Stadt können sich die Leser jederzeit in den Charakteren wiederfinden. Bei all der Realität die Schlüter versucht zu erhalten bleibt die Fiktion der Computerwelt jedoch nicht auf der Strecke. Es existieren zum Beispiel Zauberer, Falltüren und magische Schlüssel, die es zu erhalten bzw. zu bezwingen gilt. Räume verändern sich plötzlich und Entfernungen passen nicht mehr. Mit dieser Mischung aus Realität und Fiktion entführt Andreas Schlüter die Leser in eine Abenteuergeschichte voller Spannung, Erfahrung, Reife und der Einen oder Anderen Selbsterkenntnis für den Leser.

Aus formaler Sicht kommt das Buch mit einem schlichten, aber aussagekräftigen Cover daher. Auf diesem sehen wir einen Jungen, einen Computer und den Moment, in dem die Realitäten zu verschwimmen scheinen. Die Schriftgröße ist altersgemäß gewählt und gut zu lesen. Ebenso stellt es sich mit der verwendeten Sprache dar. Sie ist dem Alter der Leser entsprechend angepasst und gut verständlich. Andreas Schlüter verwendet kurze Sätze und erhält so einen Stil, der leicht zu lesen ist. Die Erzählfigur der Geschichte ist allwissend und gibt dem Leser so Einblicke in die Gedankenwelt von verschiedenen Charakteren – sowohl Jungs als auch Mädchen. Bei der Bezeichnung der Kapitel und der daraus folgenden Einteilung lässt sich erkennen, dass die Kapitel inhaltlich thematisiert wurden und die Überschriften bereits auf den Kapitelinhalt hindeuten.

Abschließend kann zu der Abenteuergeschichte von Andreas Schlüter gesagt werden, dass es sich um ein empfehlenswertes Jugendbuch handelt. Die Thematiken die in Die Stadt der Kinder aufgegriffen werden, sprechen zwar auch Mädchen kann, bringen durch ihren starken Bezug zur Computerwelt aber in jedem Fall auch Jungs voll auf ihre Kosten.

Der wichtigste Part der Leseförderung und der damit verbundenen Lesekompetenz liegt im Lesen selbst. Um Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit frühzeitig zum Lesen von Büchern zu motivieren, bedarf es ansprechender Kinder- und Jugendliteratur. Die Stadt der Kinder von Andreas Schlüter stellt ein solches Buch dar. Der Autor schafft es, sein Buch sowohl für Jungen als auch für Mädchen ansprechend zu gestalten. Die Charaktere des Buches überstehen während der Handlung allerlei Abenteuer und erweitern ihre persönlichen Kompetenzen. Die Themen Verantwortung, Zusammengehörigkeit, Gruppendynamik und nicht zuletzt den Ansatz des 'Gemeinsam sind wir stark' werden fast beiläufig auf den Leser übertragen. Andreas Schlüter hat eine Sprach- und Schriftform gewählt, die in Größe und Art gut zu lesen und zu verstehen ist. Einer Überforderung von leseschwächeren Kindern wird so entgegengewirkt. Auch bei der Wahl des Abenteuers verlässt sich Schlüter auf ein zeitgenössisches Themengebiet, nämlich die Welt der Computerspiele. Den Lesern dieses Buches ist es so möglich, in ein spannendes Abenteuer innerhalb eines Computerspieles abzutauchen. Dabei bleibt der Leseumfang mit 270 Seiten überschaubar. Durch die Spannung, die in dem Buch erzeugt wird, die leicht zu lesende Schrift und den überschaubaren Umfang ist das Buch schnell gelesen. Weil das Buch mit den vorhandenen Charakteren sowohl Jungen als auch Mädchen anspricht, eignet es sich ebenfalls gut für den Schulunterricht. Zusätzlich zu dem spannenden und Lesespaßfördernden Inhalt bietet es dem Schulunterricht viele Möglichkeiten zur spielerischen Bearbeitung.
Für den Unterricht in den Klassen 5-7 gibt es fertige Unterrichtsmaterialien: Norbert Berger: Ein Fach Deutsch Unterrichtsmodelle: Andreas Schlüter: Level 4 – Die Stadt der Kinder, Schöningh 2010. (ISBN 978-3140224956)