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Buchcover Adam Gidwitz: Eine Dunkle und Grimmige Geschichte

Rezension von Sarah Kraus

Die beiden Königskinder Hänsel und Gretel leben mit ihren Eltern in einem prächtigen Schloss. Doch das Familienglück wird von dunklen Prophezeiungen überschattet, die schließlich dazu führen, dass der König seine eigenen Kinder enthauptet, um seinen treuen Diener Johannes am Leben zu erhalten. Obwohl Hänsel und Gretel nach dieser Gräueltat wieder zum Leben erweckt werden können, ist das Verhältnis zu den Eltern zerstört. In der Hoffnung woanders eine liebevollere Familie zu finden, flüchten die beiden Kinder von zu Hause...

BuchtitelEine Dunkle und Grimmige Geschichte
AutorAdam Gidwitz (aus dem Englischen übersetzt von Stephanie Lochner)
GenreHorror & Grusel
Lesealter10+
Umfang250 Seiten
Edition2012
VerlagarsEdition GmbH, München
ISBN978-3-7607-8366-6
Preis12,95 €

Die beiden Königskinder Hänsel und Gretel leben mit ihren Eltern in einem prächtigen Schloss. Doch das Familienglück wird von dunklen Prophezeiungen überschattet, die schließlich dazu führen, dass der König seine eigenen Kinder enthauptet, um seinen treuen Diener Johannes am Leben zu erhalten. Obwohl Hänsel und Gretel nach dieser Gräueltat wieder zum Leben erweckt werden können, ist das Verhältnis zu den Eltern zerstört. In der Hoffnung woanders eine liebevollere Familie zu finden, flüchten die beiden Kinder von zu Hause. Dabei stolpern sie von einem Abenteuer ins nächste und jedes Mal wird der Mut und die Unerschrockenheit der Kinder erneut auf die Probe gestellt. Hexen, Menschenfresser, Zauberer und sogar der Teufel selbst, das ist nur ein kleiner Auszug der Gestalten, mit denen Hänsel und Gretel im Laufe ihrer Abenteuer konfrontiert werden. Doch zum Ende der Erzählungen müssen beide feststellen, dass Verzeihen manchmal sogar schwieriger ist, als einen menschenfressenden Drachen zu bezwingen.

Es war einmal eine Zeit, in der waren Märchen richtig, richtig toll. Ich weiß, du glaubst mir nicht. Kein Wunder. Vor einigen Jahren hätte ich das auch  nicht für möglich gehalten. Kleine Mädchen mit roten Käppchen, die im Wald herumhüpfen – das soll richtig, richtig toll sein? Wohl kaum! Dann habe ich angefangen, Märchen zu lesen. Die ECHTEN in den verstaubten Büchern mit Leineneinband, die in der hintersten Ecke der Bücherei stehen. Diese Geschichten sind viel zu düster für Mädchen mit roten Käppchen. Naja, ein Mädchen gibt es doch. Aber es wird gefressen. „Okay“, wirst du jetzt vielleicht sagen, „wenn Märchen richtig, richtig toll sein sollen, warum waren dann die, die ich bisher gehört habe, so todlangweilig?“ Du weißt, wie das mit Geschichten ist. Jemand erzählt eine Geschichte, ein anderer wiederholt sie und verändert sie ein bisschen. Dann wiederholt sie der Nächste und verändert sie noch ein bisschen mehr. Und schließlich erzählt sie jemand seinem Kind und lässt die gruseligen, gefährlichen Teile – mit anderen Worten, die richtig, richtig tollen Stellen – einfach weg. Und am Ende handelt die Geschichte nur noch von einem lieben kleinen Mädchen, das durch den Wald hüpft und seiner Großmutter Plätzchen bringt. Und man schläft beim Lesen vor Langeweile ein. Die echten Märchen der Brüder Grimm sind ganz anders.
(S. 9f.)

Grimms Märchen, die kennt doch wirklich jedes Kind. Oder etwa doch nicht? Adam Gidwitz bietet mit „Eine Dunkle und Grimmige Geschichte“ einen gekonnten Remix vieler Klassiker – eine Spur grusliger und humorvoller. Das sind Märchen, die nicht nur Kinder begeistern.

Im Zentrum der neun Erzählungen stehen die Geschwister Hänsel und Gretel, die nach ihrer Flucht von zu Hause und der Suche nach einer richtigen Familie von einem Abenteuer in das nächste stolpern. Dabei wird mehr als einmal der Mut der Kinder und ihre Unerschrockenheit auf die Probe gestellt. Hexen, Menschenfresser, Zauberer, Drachen und sogar der Teufel selbst kreuzen ihren Weg. Trotz all der Schrecken, die beide durchleben, besteht ihre größte Herausforderung schließlich darin, ihren Eltern zu verzeihen und diese wieder als Familie anzunehmen. 

„Eine Dunkle und Grimmige Geschichte“ ist nicht nur eine Adaption vieler bekannter Märchen der Gebrüder Grimm, sondern auch ein Buch über das Erwachsenwerden, über den Mut eigene Entscheidungen zu treffen, den Mut starre Strukturen zu hinterfragen und über die Fähigkeit, zu verzeihen.

Adam Gidwitz erzählt die Geschichten um Hänsel und Gretel mit einer guten Portion Humor, ohne jedoch dabei die lehrreiche Intention aus den Augen zu verlieren. Für ihre Abenteuer verwebt er einzelne Märchen der Brüder Grimm, wie etwa „Die sieben Raben“, „Hänsel und Gretel“ und „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“  zu einer Abfolge und stellt das Geschwisterpaar in den Mittelpunkt.

Gruslige und spannungsreiche Sequenzen wechseln sich mit der Schilderung alltäglicher Begebenheiten der beiden Geschwister ab. Auf diese Weise werden dem Leser immer wieder kleine „Verschnaufpausen“ geboten, bis die nächste unheimliche Gestalt um die Ecke biegt.

Die neun chronologischen Erzählungen sind zwischen 12 und 37 Seiten lang und in einer einfachen und leicht zugänglichen Sprache verfasst. Die eingefügten Kommentare des Autors sind hingegen eher salopp gehalten und sollen dazu dienen, die Geschichten zusätzlich aufzulockern.

Die graphische Gestaltung des Buchs nimmt deutlichen Rekurs auf den Inhalt. Das Cover ist in Anlehnung an einen Scherenschnitt in den Farben Schwarz und Blau gestaltet und zeigt Hänsel und Gretel im Zentrum des märchenhaften und schaurigen Geschehens. Jede der neun Erzählungen wird zusätzlich mit einer thematisch passenden Skizze eingeleitet.

Mit „Eine Dunkle und Grimmige Geschichte“ zeigt Adam Gidwitz gekonnt, dass richtige Märchen nichts für kleine Kinder sind, sondern vielmehr den Stoff fürs Erwachsenwerden enthalten. Gruslig und humorvoll führt er durch eine wunderbare Welt, die zur Eigenreflektion einlädt.

„Eine Dunkle und Grimmige Geschichte“ eignet sich für Jungen ab zehn Jahren. Die neun chronologischen Erzählungen sind spannend und nicht zu lange. Sie sind sowohl für die Eigenlektüre, als auch zum Vorlesen geeignet.

Die Adaption der bekannten Märchen aus dem Hause Grimm kann zudem dazu genutzt werden, um das Thema Märchen und deren Wandel im Laufe der Zeit zu behandeln. Jungen können auf dieser Basis dazu angeregt werden, selbst ein bekanntes Märchen umzuschreiben oder fortzuschreiben und dieses vorzutragen.