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Buchcover Astrid Lindgren: Kalle Blomquist – Meisterdetektiv

Rezension von Lea Hartmann

Sherlock wer?! Hier kommt Meisterdetektiv Karl „Kalle“ Blomquist! Leider hat dieser jedoch das Pech, in Kleinköping in Schweden zu wohnen, wo es für einen Detektiv anscheinend rein gar nichts zu tun gibt. So verbringt er seine Tage meist mit seinen zwei besten Freunden: Anders und Eva-Lotta. Zusammen bilden sie den Club der Weißen Rose, welcher in ständigem Konflikt mit den drei Jungs von der Roten Rose steht. Nichtsdestotrotz versucht Kalle durch logische Schlussfolgerungen seine Tätigkeit als Detektiv auch immer wieder in seinen Alltag einzubauen...

BuchtitelKalle Blomquist – Meisterdetektiv
AutorAstrid Lindgren (übersetzt von Cäcilie Heinig)
GenreKrimi & Thrill
Lesealter10+
Umfang160 Seiten
Edition1. Auflage 2014
VerlagVerlag Friedrich Oetinger
ISBN978-3-7891-4127-0
Preis10,90 €

Sherlock wer?! Hier kommt Meisterdetektiv Karl „Kalle“ Blomquist! Leider hat dieser jedoch das Pech, in Kleinköping in Schweden zu wohnen, wo es für einen Detektiv anscheinend rein gar nichts zu tun gibt. So verbringt er seine Tage meist mit seinen zwei besten Freunden: Anders und Eva-Lotta. Zusammen bilden sie den Club der Weißen Rose, welcher in ständigem Konflikt mit den drei Jungs von der Roten Rose steht. Nichtsdestotrotz versucht Kalle durch logische Schlussfolgerungen seine Tätigkeit als Detektiv auch immer wieder in seinen Alltag einzubauen. Man kann ja nie wissen, das Verbrechen schläft schließlich nie. Eines Tages taucht plötzlich Onkel Einar, der Cousin von Eva-Lottas Mutter, auf und irgendwie wirkt er auf keinen der Freunde so wirklich sympathisch. Auf solch eine Gelegenheit hat Kalle natürlich nur gewartet. Seine Neugier ist sofort geweckt und er beschließt fortan ein genaues Auge auf den Neuankömmling zu werfen. Leider ist aber auch zwei Wochen später noch nichts Spannendes passiert. Doch Kalle gibt nicht auf, schließlich steht sein Ruf auf dem Spiel. Onkel Einar scheint auf irgendwas oder irgendwen zu warten und Kalle muss einfach rausfinden worauf. Schritt für Schritt kommt er seinem Ziel näher und als er in der Zeitung von einem Juwelendiebstahl liest, überschlagen sich die Ereignisse plötzlich. Kalle, Anders und Eva-Lotta geraten in große Gefahr und sogar die Kriminalpolizei muss einschreiten. Hat Kalle womöglich seine Berufung verfehlt oder ist am Ende doch wieder alles nur reine Routinearbeit?

Vater wollte, dass er im Geschäft anfangen sollte. Im Geschäft! Er! Ja, das könnte denen so passen, allen Mördern und Banditen in London und Chicago! Da konnten sie drauflosmorden, ohne dass ihnen jemand auf die Finger sah, während er im Geschäft stand und Tüten drehte und grüne Seife oder Hefe abwog. Nein, wahrhaftig, er hatte nicht die Absicht, Rosineneinpacker zu werden! Detektiv oder gar nichts! Vater konnte wählen! Sherlock Holmes, Asbjörn Krag, Hercule Poirot, Lord Peter Wimsey, Karl Blomquist! Er schnalzte mit der Zunge. Und er, Kalle Blomquist, hatte die Absicht, der Beste von allen zu werden.
»Blut! Daran gibt’s keinen Zweifel«, sagte er zufrieden.
Draußen auf der Treppe polterte es, und eine Sekunde später wurde die Tür aufgerissen, und Anders kam schwitzend und keuchend herein. Kalle betrachtete ihn kritisch und machte seine Beobachtungen.
»Du bist gerannt«, sagte er schließlich in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.
»Klar bin ich gerannt«, sagte Anders gereizt. »Hast du gedacht, ich komme in der Sänfte?«
Kalle versteckte seine Pfeife. Keineswegs deswegen, weil es ihm etwas ausmachte, dass Anders ihn beim heimlichen Rauchen überraschte. Es war nur so, dass er keinen Tabak in der Pfeife hatte. Aber ein Detektiv braucht seine Pfeife, wenn er sich mit Problemen herumschlägt. Auch wenn der Tabak im Augenblick alle war.
»Kommst du ein bisschen mit raus?«, fragte Anders und warf sich auf Kalles Bett.
Kalle nickte zustimmend. Natürlich wollte er mit raus. Er musste ja unbedingt noch einmal vor dem Abend durch die Straßen patrouillieren und sehen, ob etwas Verdächtiges aufgetaucht war.
(S. 6f.)

In diesem Klassiker des Kinderkrimis setzt mit dem unerwarteten Eintreffen von Onkel Einar bereits sehr schnell eine Spannung ein, welche sich bis zum Ende des Buches kontinuierlich steigert. Dies liegt vor allem daran, dass Kalle und seine Freunde sofort skeptisch sind und dem Onkel nicht wirklich trauen, als sie ihn das erste Mal sehen. Diese Tatsache erzeugt sogleich eine spannungsvolle Atmosphäre, auch wenn im Roman (zunächst) nicht explizit bestätigt wird, ob die Zweifel der Kinder berechtigt sind. Nichtsdestotrotz tauchen immer wieder neue Hinweise auf, die schließlich auch den Leser überzeugen, dass mit Onkel Einar etwas nicht stimmen kann. Dazu gehören zu Beginn zum Beispiel das ständige rastlose Umherlaufen Onkel Einars oder die Tatsache, dass er einen Dietrich besitzt. Im Verlauf der Handlung wird dies dann, unter anderem durch die Entdeckung einer Pistole und das Auftauchen zweier Komplizen, weiter gesteigert. Auch wenn Kalle gerade keine neuen Indizien findet, tut das der Spannung jedoch nur wenig bis gar keinen Abbruch, da er gemeinsam mit seinen Freunden im ständigen Konflikt mit den Jungs von der Roten Rose steht. Somit werden die Pausen im Fall „Onkel Einar“ mit den kleineren Kämpfen zwischen der Weißen Rose und ihren Rivalen gefüllt. Zudem trägt auch das relativ junge Alter der drei Hauptprotagonisten zur Erzeugung von Spannung bei, da die 13-jährigen bis kurz vor Schluss ohne Hilfe durch die Polizei oder anderer Erwachsener handeln und dadurch in große Gefahr geraten, in der sie mit dem Leben bedroht und eingesperrt werden und schließlich an einer Verfolgungsjagd beteiligt sind.

Auch die Gruppendynamik der drei Freunde sorgt manchmal für kleinere Spannungen, z.B. wenn es darum geht, wer der Anführer sein oder Eva-Lotta heiraten darf. Darüber hinaus kann sich die angesprochene Zielgruppe des Romans deshalb sehr gut mit Kalle, Anders und Eva-Lotta identifizieren, da kein großer Altersunterschied besteht. Die Leser haben sich womöglich, wie die Protagonisten, auch schon einmal ein bisschen Abwechslung vom Alltag gewünscht und versucht, schwierigere Dinge ohne die Hilfe von Erwachsenen zu regeln. Auch das Setting spielt eine wichtige Rolle, da viele spannende und ereignisreiche Szenen in einer dunklen, verzweigten Ruine stattfinden. Außerdem erscheint die Handlung schon allein dadurch spannender, dass sie in Kleinköping spielt, wo sonst nie etwas Aufregendes passiert. Somit kann die Normalität auch erst wieder eintreten, wenn der Fall gelöst und Onkel Einar wieder verschwunden ist – wobei die Motive für seine Tat relativ offen bleiben.

Das Buch ist mit seiner gelben und schwarzen Farbe relativ auffällig. Trotzdem ist das Cover schlicht gehalten: Neben dem Namen der Autorin und dem Titel befindet sich darauf nur eine große comichafte Zeichnung von Kalle und zwei kleine Häuser im Hintergrund. Pose  und Mimik des Protagonisten sowie dessen Lupe machen jedoch schon deutlich, dass es sich um eine Detektivgeschichte handeln muss, die neben einigen lustigen auch ernstere Szenen beinhaltet. Sowohl Inhalt als auch Sprache sind dabei aber leicht verständlich, sodass der Roman auch schon für Leseanfänger geeignet ist. Zudem ist die Schrift relativ groß gehalten und die 17 Kapitel sind mit einer durchschnittlichen Länge von 9 Seiten recht überschaubar. Die Geschichte wird durchgängig von einem personalen Erzähler vermittelt, wobei jedoch ein paar Szenen besonders herausstechen. In diesen ist Kalle alleine und unterhält sich mit einem fiktiven Zuhörer. Mit diesem bespricht er den aktuellen Forstschritt seiner Ermittlungen. Dabei versetzt er sich komplett in die Rolle des Meisterdetektivs und bemüht sich, eine gehobenere Sprache zu verwenden. Deshalb wird er in diesen kurzen Abschnitten vom Erzähler auch nicht mehr als Kalle, sondern als Herr Blomquist bezeichnet, was der Unterhaltung eine seriösere Nuance verleiht.

Alles in allem handelt es sich bei Kalle Blomquist – Meisterdetektiv um ein lustiges und unterhaltendes Buch, welches aber auch viel Spannung und Action bietet und durch seine liebevoll gestalteten Charaktere ein großes Identifikationspotenzial für junge Leser bietet.

Kalle Blomquist – Meisterdetektiv ist sehr gut für die private Lektüre geeignet. Dass der Roman verfilmt wurde und auch als Hörbuch erhältlich ist, kann vor allem für Leseanfänger einen Anreiz bieten, sich näher mit dem Buch zu beschäftigen. Wenn man die Geschichte zunächst akustisch oder sogar optisch vernommen hat, kann dies bei der späteren Lektüre helfen, da die Charaktere und die Handlung schon bekannt sind und somit Zusammenhänge womöglich besser verstanden werden. Zudem können auch der zweite und dritte Teil der Kalle Blomquist Reihe, z.B. auch im Rahmen eines Vielleseprogramms, zum weiteren Lesen animieren, wenn man erfahren möchte, wie es mit dem Detektiv und seinen Freunden weiter geht. Nicht zuletzt ist Astrid Lindgren eine sehr berühmte Kinderbuchautorin, deren Figuren viele Kinder bereits kennen, was auch das Interesse an diesem Buch anregen könnte.