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Buchcover Stuart Gibbs: Spion auf Probe

Rezension von Johannes Groschupf

Als der zwölfjährige Ben nach einem öden Schultag nach Hause kommt, sitzt ein Geheimagent auf seinem Sofa und eröffnet ihm, dass er an der streng geheimen Akademie für Spionage der CIA in Washington D.C. aufgenommen wurde. Niemand darf davon wissen, nicht einmal seine Eltern. Sie glauben, dass er auf ein besonderes Internat geht. Für Ben, der sich eigentlich als Loser sieht, geht ein Traum in Erfüllung. Die Ausbildungszeit ist jedoch hart, zumal rasch klar wird, dass sein Leben in steter Gefahr ist...

BuchtitelSpion auf Probe
AutorStuart Gibbs (aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Gerold Anrich und Martina Instinsky-Anrich)
GenreKrimi & Thrill
Lesealter12+
Umfang320 Seiten
Edition1
VerlagBaumhaus
ISBN978-3-8339-0306-9
Preis12,99 €

Als der zwölfjährige Ben nach einem öden Schultag nach Hause kommt, sitzt ein Geheimagent auf seinem Sofa und eröffnet ihm, dass er an der streng geheimen Akademie für Spionage der CIA in Washington D.C. aufgenommen wurde. Niemand darf davon wissen, nicht einmal seine Eltern. Sie glauben, dass er auf ein besonderes Internat geht. Für Ben, der sich eigentlich als Loser sieht, geht ein Traum in Erfüllung. Die Ausbildungszeit ist jedoch hart, zumal rasch klar wird, dass sein Leben in steter Gefahr ist. Auf Ben werden mehrere Anschläge verübt, denen er nur knapp entkommt. Er ist unversehens zum Köder geworden, mit dem eine feindliche Agentenorganisation angelockt werden soll. Wem kann er trauen? Wer hilft ihm? Er hat zwar Freunde unter den Schülern der Akademie, doch einige entpuppen sich als Gegner. Der Direktor und die Lehrer wirken unfähig und trottelig. Und dann ist da noch die Tochter des Meisterspions: Erica. Sie riecht nach Flieder und Schießpulver und wird zu Bens Partnerin, um aus der lebensgefährlichen Jagd heil herauszukommen.

Alexander setzte sich auf mein Bett und blickte mir in die Augen. „Ein Elitegeheimagent zu sein verlangt Opfer“, sagte er. „Das ist nur der Anfang. Deine Ausbildung wird nicht leicht sein. Und wenn du erfolgreich bist, wird auch dein Leben nicht leicht sein. Eine Menge Leute packen es nicht. Also wenn du einen Rückzieher machen willst ... Das ist jetzt deine Chance.“
Ich nahm an, das war ein letzter Test. Der letzte Schritt meiner Rekrutierung. Eine Möglichkeit, zu überprüfen, ob ich nicht von der Aussicht auf harte Arbeit und raue Zeiten abgeschreckt würde.
Es war gar kein Test. Alexander war einfach nur ehrlich zu mir, doch ich war viel zu aufgeregt darüber, ausgewählt worden zu sein, um das zu bemerken. Ich wollte einfach so sein wie Alexander Hale, ich wollte cool und abgebrüht sein. Ich wollte ‚mich selbst einlassen’ in die Wohnung anderer Leute, mit einer Knarre unter dem Anzug. Ich wollte unerwünschte Typen ausmerzen, die Welt beschützen und Elizabeth Pasternak beeindrucken. Ich hatte auch nichts gegen eine coole Narbe an meinem Kinn.
Und so erwiderte ich den Blick seiner stahlgrauen Augen und traf die schlimmste Entscheidung meines Lebens.
„Ich bin dabei“, sagte ich.
(Seite 19/20)

Agentenromane sind für Jungen ab 10 Jahre ein faszinierendes Genre – vor allem wenn sie spannend, temporeich und witzig geschrieben sind. Stuart Gibbs gelingt das auf beeindruckende Weise mit „Spion auf Probe“.
Die bekannten Versatzstücke eines Agenten-Daseins werden hier mit Augenzwinkern und großer Detailfreude belebt. Vor allem aber ist es die Geschichte eines Auserwählten, der durch die Strapazen einer modernen Agentenausbildung hindurchgeht und so vom vermeintlichen Loser zum bewunderten Helden wird.

Der Ich-Erzähler hat einen coolen und selbstironischen Tonfall: „Wenn du das erste Mal mit einer tickenden Bombe in einem Raum eingeschlossen bist, gehen dir eine Menge Gedanken durch den Kopf. Und eine Menge Flüssigkeit fließt bedrängend durch deine Blase.“ Dieser abgeklärte Humor wird Lesern gefallen, die das Genre Agententhriller durch Kino, TV oder Computerspiele bereits als Genre erkennen. Der Erzähler eignet sich gut als Identifikationsfigur: Er muss sich in einer fremden und potenziell gefährlichen Welt zurechtfinden und übersteht Niederlagen und Rückschläge mit lässiger Coolness.
Die Geschichte lebt von diesem Humor der ironischen Übertreibungen und vom sicheren Spannungsaufbau. Ben gerät von Anfang an in gefährliche Situationen, muss Anschlägen entkommen, Angriffe abwehren, vor gesichtslosen Feinden fliehen. Nach kurzen Pausen der Entspannung und Reflexion wartet schon die nächste Wendung. Passend zum Agentengenre gibt es mehrere Charaktere, die im Laufe der Geschichte ihre Maske fallen lassen und sich als Gegenteil dessen entpuppen, was sie zu sein vorgaben. Für Jungen in der beginnenden Pubertät, in der sich Einstellungen, Sympathien und Werte stark verändern, ist das ein wirksames Erzählmodell.
Mit den Versatzstücken aus der Welt der Spione wird kompetent und lässig gespielt: Waffengattungen, Sprengstoffarten, Geheimgänge, Codes, Ablenkmanöver, Tarnungen machen die Story lebendig. Zudem bekommt der junge Leser durchaus eine Portion Grundlagenwissen zur Welt der Geheimdienste.

Dennoch ist dies grundsätzlich eine Schulgeschichte, und zwar die des Neulings, der sich in ungewohnter Umgebung durchsetzen muss. Es geht um Freundschaft und Vertrauen, um Selbstbewusstsein und Mut. Ben schließt Freundschaft mit einem Jungen, der sich später als Verräter entpuppt. Und er hat Stress mit einem gefürchteten Angeber, dessen Respekt er dann gewinnt. Vor allem aber ist da die Beziehung zu Erica, naturgemäß das tollste Mädchen der ganzen Schule, die ihm mehrmals das Leben rettet – und die Ben am Ende selbst aus einer misslichen Lage befreit. Der übliche Stress zwischen Junge und Mädchen in diesem Alter weicht allmählich einer gegenseitigen Faszination. Sie kommen aber nicht weiter, als an einem einsamen Ort miteinander zu quatschen und zu lachen.
Auch wenn am Ende der Sieg über die feindliche Organisation steht, geht die Ausbildung an der Akademie weiter, also auch Bens Entwicklung zum Meisterspion und seine Beziehung zu Erica. Die Folgebände sind noch nicht auf Deutsch erschienen.

Das Cover ist einfach gehalten und weist auf das Spiel mit dem Genre hin: die Silhouette eines Spions mit Hut und hochgeschlagenem Mantelkragen, jedoch mit roten Turnschuhen.
Die Kapitel sind überschaubar, die Sprache für geübte Leser sehr eingängig. Ein Grundwissen zur Figur des Spions sollte vorhanden sein, sonst bleiben einige ironische Anspielungen auf der Strecke. Deshalb würde ich eher ein Lesealter ab 12 Jahre empfehlen.
„Spion auf Probe“ ist ein flotter und witziger Roman zum Selbstlesen.