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Buchcover Sonja Kaiblinger: Scary Harry – Die Meister aller Geister

Rezension von Eva Maus

Otto kann Geister sehen. Daran hat er sich inzwischen gewöhnt und so kommt er gut mit seinen Hausgeistern aus und hat in dem Sensenmann Harold sogar einen echten Freund gefunden. Gemeinsam mit Ottos Freundin Emily haben sie in den ersten beiden Bänden der Scary Harry-Reihe bereits große Abenteuer erlebt. Das nächste beginnt, als im Nebenhaus die Wahrsagerin Madame Olga einzieht...

BuchtitelScary Harry –Die Meister aller Geister
AutorSonja Kaiblinger
GenreHorror & Grusel
Lesealter10+
Umfang235 Seiten
Edition1 (2015)
VerlagLoewe
ISBN978-3-7855-8035-6
Preis12,95 €

Otto kann Geister sehen. Daran hat er sich inzwischen gewöhnt und so kommt er gut mit seinen Hausgeistern aus und hat in dem Sensenmann Harold sogar einen echten Freund gefunden. Gemeinsam mit Ottos Freundin Emily haben sie in den ersten beiden Bänden der Scary Harry-Reihe bereits große Abenteuer erlebt.

Das nächste beginnt, als im Nebenhaus die Wahrsagerin Madame Olga einzieht. Ottos Tante Sharon ist begeistert von ihr, aber Otto und Emily bleiben skeptisch. Warum benimmt sich die neue Nachbarin manchmal so seltsam, riecht nach Schwefel und wechselt ihre Augenfarbe? Die Kinder entdecken bald, dass Madame Olga unwissentlich eine ganz unangenehme Sorte Geist in ihrem Haus beherbergt. Der Poltergeist ergreift immer wieder Besitz von ihr, verleiht ihr übersinnliche Fähigkeiten und hat ein ganz bestimmtes Ziel: Er will den magischen Stein, der auf Tante Sharons Grundstück versteckt ist und der ihn unbesiegbar machen kann.

Emily und Otto müssen Tante Sharon davon abhalten, ihr Anwesen zu verkaufen und damit verhindern, dass der Poltergeist ungestört nach dem Stein suchen kann. Gleichzeitig versuchen sie selbst, den Stein zu finden und ihn in Sicherheit zu bringen. Zudem müssen sie dem bösen Poltergeist die Stirn bieten. Zum Glück gibt es die Meister aller Geister, eine Elitetruppe des SBIs (Seelen-Beförderungs-Institut) aus supercoolen und gut ausgerüsteten Sensenmännern und -frauen, die auf Poltergeister spezialisiert sind.

„Einen… einen Poltergeist?“ Ottos Stimme zitterte.
Harold nickte ernst. „Deswegen gibt es für solche Fälle auch eine Spezialeinheit des SBI, die auf das Einfangen von, na ja, sagen wir mal, Problemseelen geschult ist. Es handelt sich dabei um eine Geheimtruppe. Ähnlich wie in deiner Welt der Secret Service.“
„Abgefahren.“ Das klang ja cooler als ein James-Bond-Film.
„Na ja, so abgefahren sind die Typen auch wieder nicht. Eher arrogante Schnösel“, winkte Harold ab. „Denken, sie seien etwas Besonderes, drängeln sich permanent in der Kantine vor und bekommen dann auch noch die doppelte Ration von der Nachspeise ab. Und wenn es danach kein Essen mehr gibt, sind natürlich wir stinknormalen Sensenmänner die Dummen. Ich weiß, eigentlich könnte mir das Kantinenessen egal sein, da ich ja keine Geschmacksnerven mehr besitze, aber bei dieser Sache geht es mir ums Prinzip. Aber, ach, ich schweife ab. Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja, also, bei den Typen handelt es sich um die Meister aller Geister.“
„Die… die Meister aller Geister?“, wiederholte Otto.
„Klingt ganz schön eingebildet, nicht wahr?“ Harold wackelte mit dem Kopf. „Und alles bloß, weil sie in den Genuss irgendeiner überflüssigen Sonderausbildung gekommen sind. Die Typen haben sogar Urlaub. Bezahlten Urlaub! Zwar nur alle hundert Jahre, aber trotzdem. Ich finde, man sollte die Meister aller Geister abschaffen. Das führt nur zu Rivalitäten innerhalb des SBI. Aber auf mich hört ja niemand.“
(S. 81f.)

Sonja Kaiblinger verscheucht mit ihrem Titelhelden Otto und dessen liebenswerten Freunden zum dritten Mal in heiterem Schreibstil die Angst vor Geistern und dem Tod. Von der ersten Seite an darf dabei gerätselt werden, was dieses Mal den Radieschenweg unsicher macht. Aber Achtung: Es wird ganz schön gruselig!

Anders als in den ersten beiden Bänden der Scary Harry-Reihe sind im dritten Band nicht alle Geister harmlos und freundlich. Während in Teil eins und zwei Menschen die eigentlichen Bösewichte waren, muss Otto im dritten Teil erfahren, dass es auch böse Geister gibt: Poltergeister. Sie sind grausame Seelen, die sich dem Jenseits verweigert haben und nun auf der Erde spuken. Nur die Meister aller Geister können sie bezwingen, aber von denen bemüht sich wegen eines einzigen Poltergeistes keiner in den Radieschenweg, in dem Otto lebt.

Sonja Kaiblinger schreibt mit Scary Harry – Die Meister aller Geister ein weiteres Buch, das mit dem freundlichen Sensenmann Harold die Angst vor dem Tod und mit Ottos harmlosen Hausgeistern auch die Angst vor Geistern vertreiben kann. Gemeinsam mit dem sympathischen, wenn auch etwas farblosen, Otto rätselt der Leser gern, was es mit der seltsamen neuen Nachbarin auf sich hat und wie der Poltergeist überlistet werden kann. Die ersten Fragen werden schon zu Beginn der Geschichte aufgeworfen. Besonders große Spannung kommt im Showdown am Ende des Buches auf - und dann wird es auch tatsächlich gruselig. Angesichts einer Erpressung durch den schaurigen Poltergeist schläft sogar der geistererfahrene und mutige Otto schlecht. Trotzdem bleibt das Buch kindgerecht, denn auch der Poltergeist hat Schwächen, Emily und Otto geraten niemals in Panik und sie arbeiten bald an einem Plan, um das drohende Unheil zu verhindern – Happy End inklusive.

Wie auch in den anderen Bänden lebt die Geschichte vor allem von den liebenswerten Figuren, die inzwischen schon ein eingespieltes Team sind. Schrullige Nebencharaktere wie Ottos sprechende (und verliebte) Fledermaus Vincent und der Sensenmann Harold, der offensichtlich neidisch auf die coolen Meister aller Geister ist, bringen den Leser immer wieder zum Schmunzeln. Sonja Kaiblinger schreibt fantasievoll und witzig. Dazu passen auch die drolligen Illustrationen von Fréderic Bertrand. Leider schürt das cool gestaltete Cover Erwartungen, die die Geschichte nicht einlöst. Doch auch wenn im dritten Band Action und Originalität etwas kürzer kommen als in den ersten beiden Bänden, lohnt sich ein Leseausflug in den Radieschenweg. Mit 18 Kapiteln, großer Schrift und einfacher Sprache werden sich dazu auch ungeübte Leser eingeladen fühlen.

Scary Harry – Die Meister aller Geister fühlt sich an wie ein echtes Horrorbuch, nimmt aber gleichzeitig mehr Ängste, als es verursacht. Es bietet Spannung und Spaß auch schon für jüngere Leser… vielleicht nur nicht allein im Dunkeln.

Scary Harry eignet sich insbesondere zur Leseanimation, da die einfache, aber spannende Geschichte und die Figuren, die man schnell ins Herz schließt, den Weg zum Buch und seinem Inhalt erleichtern. Dass es eine gewisse Coolness in Genre, Sprache und äußerer Erscheinung mitbringt, trägt außerdem dazu bei, dass Jungen (wie auch Mädchen) durch dieses Buch zum Lesen motiviert werden können.

Als dritter Band der Reihe wird Scary Harry – Die Meister aller Geister besonders junge Leser ansprechen, die bereits in den ersten beiden Bänden mitgefiebert haben. So ist es als  Privatlektüre und auch als freie Lektüre im schulischen Kontext geeignet.