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Buchcover Joseph Delaney: Spook – Der Schüler des Geisterjägers

Rezension von Johannes Groschupf

Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes und somit auserkoren, ein Geisterjäger zu werden. Bei seinem Meister Spook lernt er, wie man Geister austreibt, Hexen beschwört und Boggarts bannt. Er ist ein gelehriger Schüler, der die harte Ausbildung klaglos hinnimmt...

BuchtitelSpook – Der Schüler des Geisterjägers
AutorJoseph Delaney
GenreHorror & Grusel
Lesealter10+
Umfang288 Seiten
Edition3
Verlagcbj
ISBN978-3570219133
Preis6,95 €

Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes und somit auserkoren, ein Geisterjäger zu werden. Bei seinem Meister Spook lernt er, wie man Geister austreibt, Hexen beschwört und Boggarts bannt. Er ist ein gelehriger Schüler, der die harte Ausbildung klaglos hinnimmt. Doch als sein Meister für einige Tage unterwegs ist, begeht Tom einen furchtbaren Fehler: Er befreit aus Versehen die grausame Hexe Malkin, und plötzlich steckt er in größten Schwierigkeiten.

Der Spook zog einen Schlüssel aus seiner Tasche, schloss die Tür auf und ging mit mir in die Dunkelheit voran. Zunächst war ich nur froh, aus dem Regen zu kommen, aber als er die Kerze anzündete und sie auf die Fußboden in der Mitte der kleinen Eingangshalle stellte, erkannte ich, dass ich mich wahrscheinlich in einem verlassenen Viehstall wohler fühlen würde. Es gab nicht ein einziges Möbelstück, nur den bloßen Fliesenboden und einen Haufen schmutziges Stroh unter dem Fenster. Außerdem waren der Raum feucht und die Luft muffig und kalt, im flackernden Kerzenschein konnte ich meinen Atem sehen.
Das, was ich sah, war schon schlimm genug, aber was der Spook mir sagte, machte es noch schlimmer.
„Nun, mein Junge, ich habe etwas zu erledigen, deshalb gehe ich jetzt, aber ich komme später wieder. Weißt du, was du zu tun hast?“
„Nein, Sir“, antwortete ich mit besorgtem Blick auf die flackernde Kerze, die, wie ich befürchtete, jeden Augenblick ausgehen konnte.
„Nun, das, was ich dir vorhin gesagt hab. Hast du mir nicht zugehört? Du musst aufmerksam sein und nicht träumen. Wie dem auch sei, es ist nicht allzu schwierig“, erklärte er, sich den Bart kratzend, als ob irgend etwas darin herumkrabbelte. „Du musst nur hier die Nacht allein verbringen. Ich führe alle meine neuen Lehrlinge in ihrer ersten Nacht hierher. Um herauszufinden, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Ach ja, eines habe ich dir noch nicht gesagt. Ich erwarte, dass du um Mitternacht in den Keller gehst und dich dem stellst, was sich dort herumtreibt. Wenn du damit fertig bist, bist du auf dem besten Weg, auf Dauer bei mir angestellt zu werden. Hast du noch Fragen?“
Natürlich hatte ich Fragen, aber ich hatte viel zu viel Angst, die Antworten darauf zu hören. Also schüttelte ich nur den Kopf und hoffte, dass mich meine zitternden Lippen nicht verrieten. (...)
„Und jetzt hör mir gut zu – du solltest dir drei wichtige Dinge merken. Öffne niemandem die Haustür, egal, wie heftig es klopft, und geh nicht zu spät in den Keller.“
Dann wandte er sich zur Tür.
„Und was ist das Dritte?“, rief ich ihm im letzten Moment nach.
„Die Kerze, mein Junge. Was auch immer du tust, lass sie nicht ausgehen...“
(Seite 39 – 41)

Spook – Der Schüler des Geisterjägers ist ein origineller und mitreißender Roman, der die ersten Etappen der Ausbildung des  12jährigen Thomas Ward zum Geisterjäger erzählt.

Handwerkliche Meisterschaft in der Personenzeichnung, emotionale Einfühlung, eine sichere Balance zwischen Tempo und Pausen, knappe Ortsbeschreibungen und eine Vielzahl von seltsamen Wesen und sprechenden Details halten den jungen Leser in Atem. Die verschiedenen Charaktere sind liebevoll ausgestaltet, ob es nun eher reale Figuren wie Mutter, Vater, Bruder sind oder eher irreale wie Knochenlizzie, die Hexe Malkin oder Tusk.

Viele Spannungselemente ziehen den jungen Leser (und sicherlich auch ältere) in den Bann einer unheilvollen Welt, die ans Mittelalter erinnert. An ein Mittelalter jedoch, in dem Geister und Hexen präsent und einflussreich sind. Der Autor profitiert spürbar von einem reichen Fundus aus (englischen) Märchen und Sagen, ohne dabei jemals altertümelnd oder behäbig zu wirken. Auch eine Lust am Ekligen, die junge Leser zu schätzen wissen, kommt zur Geltung. Unvergesslich die Szene, in der die Hexe Malkin in der Grube sich über einen Fleischkuchen hermacht.

Thomas Ward ist ein Ich-Erzähler, der seine ambivalenten Gefühle, seine Ängste, Befürchtungen und Sehnsüchte nicht verschweigt. Er nimmt sein Schicksal an, als Geisterjäger auserwählt zu sein, und dennoch werden die Härten einer solchen Erwähltheit klar benannt. Er reift in diesem ersten Buch, dem Beginn seiner Gesellenjahre, vom Kind zum Jüngling. Er kennt noch das kindlich-naive Staunen, als er zum ersten Mal in die große Welt kommt. Er zeigt die seinem Alter entsprechenden Ekel- und Gruselgefühle, auch Heimweh und die Sehnsucht nach Mutters Essen. Dennoch ist er gelehrig und aktiv, und er macht den entsetzlichen Fehler selbst, der fast zum Verhängnis und zu seinem Tod führt. Im Finale gelingt es ihm die Gefahr selbst zu bannen. Er ist ein aktiver Held, dem unsere Sympathien von Anfang an gehören.

Sein Meister Spook ist ein Mentor, wie wohl jeder Junge sich ihn wünscht: streng, aber freundlich, hart, doch auch verständnisvoll. Zudem hat er eine leichte Macke, was Frauen und Mädchen betrifft.
Interessant ist, dass die hauptsächliche Beziehung im letzten Drittel vom Mentor Spook zum Mädchen mit den spitzen Schuhen, Alice, hinüberwechselt. Thomas weiß noch sehr wenig von Mädchen und misstraut Alice aus guten Gründen; dennoch ist sie faszinierend.

Die Aufmachung des Buches ist liebevoll gestaltet und sehr ansprechend. Das Cover in Lederoptik wirkt geheimnisvoll, die Schriftzüge und die Zeichnung des Spooks haben einen wunderbar altertümlichen Gruselfaktor. Im Buch beeindrucken die schwarz-weißen Abbildungen von Patrick Arrasmith zu Beginn jedes Kapitels, die den Leser noch tiefer in die Romanwelt hineinziehen. Im Anhang befindet sich das „Tagebuch von Thomas J. Ward“, das mit einem Anflug von Authentizität die erarbeiteten Themen seiner Ausbildung zeigt: Haarige Boggarts, Hallenklopfer, Viehreißer; Die vier Hexenarten; Wie man einen Boggart bannt etc. Eine Karte der Landschaft rundet die Sache ab.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für künftige Vielleser.

Der Roman eignet sich vor allem als private Lektüre, es ist ein richtiger Schmöker mit Suchtfaktor. Möglicherweise entdecken auch interessierte Leser das Buch über die Verfilmung unter dem Titel Seventh Son, die Anfang 2015 in die Kinos gekommen ist. Zehnjährige Jungen sollten mit diesem Roman keine Schwierigkeiten haben. Die Sprache ist zwar detailliert, aber doch schlicht; die Spannung wird geschickt hochgehalten; die mittelalterliche Fantasywelt hat bis zum Schluss ihren eignen Reiz.

Auch für freie Lektüre im schulischen Kontext ist der Roman durchaus denkbar. Der Entwurf der Mittelalterwelt kann Fragen aufwerfen, die mit einem Ansprechpartner vertieft werden könnten. Zudem besteht eine gewisse Verwandtschaft zur Harry-Potter-Welt. Auch dadurch könnten Leser animiert werden.
Für eine Klassenlektüre scheint dieser Roman vielleicht etwas zu „jungsorientiert“. Die Mädchen hätten mit Alice, die an der Schwelle zur Hexe steht, nur eine äußerst ambivalente Identifikationsfigur.