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Buchcover Lee Bacon: Joshua Schreck - Die Allianz des Unmöglichen

Rezension von Eva Maus

Am letzten Tag der sechsten Klasse freut sich Joshua auf erholsame Ferien. Doch wenn man berühmte Superschurken als Eltern hat und selbst eine Superkraft besitzt, ist das gar nicht so einfach. Als er und seine Freundin Sophie mysteriöse Einladungen zu einem Sommercamp für ‚begnadete Kinder‘ erhalten, in dem sie ihre übernatürlichen Fähigkeiten schulen können, will Joshua zunächst ablehnen. Doch dann verdichten sich die Hinweise darauf, dass der böse und machthungrige Phineas Vex, den Joshua und seine Freunde kürzlich zur Strecke gebracht haben, doch nicht tot ist...

BuchtitelJoshua Schreck - Die Allianz des Unmöglichen
AutorLee Bacon (übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn)
GenreFantasy
Lesealter10+
Umfang313 Seiten
VerlagFischer KJB
ISBN978-3-596-85503-2
Preis12,99 €

Am letzten Tag der sechsten Klasse freut sich Joshua auf erholsame Ferien. Doch wenn man berühmte Superschurken als Eltern hat und selbst eine Superkraft besitzt, ist das gar nicht so einfach. Als er und seine Freundin Sophie mysteriöse Einladungen zu einem Sommercamp für ‚begnadete Kinder‘ erhalten, in dem sie ihre übernatürlichen Fähigkeiten schulen können, will Joshua zunächst ablehnen. Doch dann verdichten sich die Hinweise darauf, dass der böse und machthungrige Phineas Vex, den Joshua und seine Freunde kürzlich zur Strecke gebracht haben, doch nicht tot ist. Weil Joshua in dem Sommercamp eine einmalige Gelegenheit sieht, sich auf einen Kampf gegen Vex vorzubereiten, nimmt er schließlich teil.

Das Sommercamp entspricht jedoch nicht seinen Erwartungen, sondern entpuppt sich als Training für eine neue Superheldengruppe. Joshua und seine Freunde Sophie und Milton sollen gemeinsam mit zwei weiteren Jugendlichen medienwirksam Bösewichte zur Strecke bringen, um ihrem Erfinder Profit zu verschaffen. Nach Trockenübungen im unterirdischen Hauptquartier tritt die so formierte ‚Allianz des Unmöglichen‘ gegen einen echten Schurken an. Dabei wird Joshua durch sein mutiges und geschicktes Auftreten wider Willen zum Promi. Plötzlich wird er durch Medienformate gereicht und von seinen Freunden gemieden. So entdeckt er fast zu spät, dass er falsch eingeschätzt hat, wer Freund und wer Feind ist – und dass fast alles, was geschehen ist, zu Phineas Vexs teuflischem Plan gehört. 

Der Schurke verpasste mich um mehr als einen Meter.

Uppps!“, sagte er mit dumpfer Stimme, als er an mir vorbeischoss.

Ich atmete durch. Der Klon war ein totaler Trottel.

Aber er war noch nicht fertig mit mir, eierte in der Luft herum und kam auf wackeliger Flugbahn erneut auf mich zu. Ich sah sofort, dass er zu tief flog, um mir gefährlich zu werden. Nicht dass ich deshalb schon in Sicherheit war. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis irgendein Kumpel des Klons auftauchte, um ihm zu helfen. Und der würde bestimmt besser zielen. Ich hatte nicht vor, solange an meinem Seil zu hängen, bis er da war.

Wenn ich überleben wollte, musste ich handeln. Als der Schurke unter mir vorbeiraste, löste ich meine Hände vom Seil. Einen Moment lang sackte ich durch die Luft. Dann landete ich auf seinem Rücken und krachte voll in den Raketenrucksack.

Der Klon stieß einen überraschten Schrei aus. Er drehte sich hin und her, doch ich klammerte mich an ihn – einmal abrutschen reichte, und er würde mich mit den Flammen aus seinem Raketenrucksack abfackeln.

Es war ein bisschen wie Bullenreiten beim Rodeo. Nur dass in diesem Fall der Bulle ein schwachköpfiger Klon war. Und wir waren nicht in einer Rodeo-Arena, sondern flogen in hundert Metern Höhe über den Time Square.

Je mehr sich der Klon hin und her bewegte und schüttelte, desto fester klammerte ich mich an ihn. Und nach einer Weile hatte ich sogar raus, wie ich seine Bewegungen kontrollieren konnte. Wenn ich an seiner Maske zog, steuerte er nach oben. Wenn ich seinen Kopf nach unten drückte, schoss er abwärts. Und wenn er sich zu wehren versuchte, brauchte er nur einen kleinen Stromstoß meiner spontanen Entflammung, damit er brav wieder folgte.

Jetzt, da ich mein eigenes höchstpersönliches Transportklonsystem besaß, war ich versucht, zu einem Testflug über New York zu starten. Aber ich wusste nicht, wie lange die andern noch ihren Kampf gegen den Vervielfacher durchhalten würden. Milton kam gerade aus einem Touristenladen gerannt, dicht gefolgt von einem Klon in „I?NY“-T-Shirt. 

Die Liste mit Joshuas Problemen ist lang: Seine Eltern befinden sich in einer Sinnkrise, seitdem sie ihren Erzrivalen Captain Saubermann, dessen Bekämpfung seit Jahren ihr Ziel ist, eigentlich ganz nett finden. Joshuas Erzfeind hingegen scheint nicht, wie gedacht, tot zu sein und hat es auf ihn abgesehen. Dass Joshua zum Superhelden ausgebildet wird, finden seine Eltern – das Superschurken-Duo – sicherlich nicht so toll und in seiner hautengen Superheldenuniform kommt er sich total lächerlich vor. Zu allem Überfluss interessiert sich seine Freundin Sophie nur noch für den Superstar nFinitiy.
Durch die Kombination aus Mut und Tatkraft einerseits und jugendlicher Unsicherheit andererseits werden viele Jungen den sympathischen Joshua, aus dessen Perspektive die Geschichte geschildert wird, schnell als Identifikationsfigur annehmen. Dazu trägt auch bei, dass er nur widerwillig in das Abenteuer hineinfindet, schließlich aber zum echten Superhelden wird und dem Ruhm trotzdem kritisch gegenüber steht. Zudem ist er ein loyaler Freund für Sophie und Milton sowie für die gedankenlesende Miranda und sogar für den eingebildeten nFinitiy. Im Gegenzug werden sie zu seinen Helfern im Kampf. 

Joshuas Welt gleicht unserer modernen –  außer dass Superhelden, Superschurken und Weltuntergangsszenarien selbstverständlich sind. Profitable Vermarktung ist für Superhelden dabei fast wichtiger als die Rettung der Welt, was nicht nur Captain Saubermann, Sophies Vater, immer wieder deutlich macht: Seine Reality-TV-Crew weicht ihm nicht von der Seite. Auch Joshua muss Talk Shows besuchen und allerhand Lügen über sich in der Klatschpresse lesen. Lee Bacon webt dabei die deutliche Medienkritik nahtlos in die actionreiche Geschichte ein.

Besonders lesenswert ist das Buch durch seinen Humor, der selbst dann funktioniert, wenn die Situation einmal wieder brenzlig wird: Durch die Schilderung absurder Situationen, durch die Parodie von Klatschpresse, Reality-TV und Superheldengeschichten sowie durch Figuren, die kein Blatt vor den Mund nehmen. 
Auch Fans von Comics und Actionfilmen werden in der Ästhetik und dem schnellen Erzähltempo Leseanreize finden. Die zum Teil genutzte Umgangssprache tragen wie die Unterteilung in 35 Kapitel und die recht große Schrift dazu bei, dass Joshua Schreck – Allianz des Unmöglichen auch für leseungeübte Leser ohne Mühe zu bewältigen ist. Das Buch lässt sich auch ohne Kenntnis seines Vorgängers genießen – macht nach der Lektüre des ersten Bandes aber noch mehr Spaß.

Fazit: Auch im zweiten Teil von Joshua Schreck gelingt Lee Bacon die Balance zwischen viel Humor, actionreicher Spannung und gesellschaftskritischem Anspruch scheinbar mühelos. Rasant, superwitzig und absolut lesenswert!

Durch die verschiedenen Ebenen auf denen das Buch gelesen werden kann, eignet sich Joshua Schreck – Allianz des Unmöglichen ebenso wie der erste Band der Reihe gut für den Einsatz in der Leseförderung. Viel Action, einfache Jugendsprache und witzige Details sowie das Superhelden-Genre versprechen Lesemotivation auch für Leseschwächere. Gleichzeitig verbergen sich verschiedene Themen in der kurzweiligen Geschichte, die auch eine genauere Beschäftigung mit dem Text möglich und lohnenswert machen.

Da es sich um einen zweiten Band handelt, ist das Buch zwar nicht als Unterrichtslektüre zu empfehlen, eignet sich aber sehr gut als Privatlektüre oder als Angebot in freien, schulischen Leseformaten, wenn auch der erste Band zur Verfügung steht.