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Buchcover Alexey Pehov: Die Chroniken von Siala 1 – Schattenwanderer

Rezension von Julia Fänkle-Cholewa

"Schattenwanderer" ist der komplex konstruierte Auftakt zu einer

epischen High-Fantasy-Reihe: Nach Jahren des Friedens formiert der Unaussprechliche eine Armee, welche Siala zu überrennen droht – so heißt es. Auch der charismatische Meisterdieb Garret hat von diesen Gerüchten gehört. Doch erst als der König ihm einen gefährlichen Auftrag erteilt, begreift er, was die neue Bedrohung für seine Heimat bedeuten könnte. So wird Garret ungewollt zu einer Schlüsselfigur im Kampf zwischen Gut und Böse. Ein Buch voller Tiefe und Spannung - und ein Muss für alle Fantasy-Fans.

BuchtitelDie Chroniken von Siala 1 – Schattenwanderer
AutorAlexey Pehov (aus dem Russischen übersetzt von Christiane Pöhlmann)
GenreFantasy
Lesealter14+
Umfang560 Seiten
VerlagPiper
ISBN978-3-492-26802-8
PreisTaschenbuch 9,99 €

Garret, genannt der Schatten, ist nicht nur ein Dieb. Er ist der Beste der Gilde der Meisterdiebe. Doch trotz seines fragwürdigen Berufes ruft ihn eines Abends der König persönlich zu sich, um ihm einen gefährlichen Auftrag zu erteilen. Da kein anderer sich bewegen kann, wie ein wandelnder Schatten, soll er ein uraltes magisches Artefakt, ein von Orks gefertigtes Horn, aus den Friedhofspalästen von Hrad Spine zurückholen. Denn nur dieses Horn des Regenbogens kann den Aufstieg des Unaussprechlichen noch verhindern, ansonsten werden die Lande Sialas untergehen. An der Seite einer Elfenprinzessin und der tapfersten Krieger des Königreiches macht Garret sich auf, das Horn zu finden. Aber nicht nur die Armee des Unaussprechlichen steht ihm im Weg, auch gemeine Dämonen und ein dunkler Herr, von dem bislang niemand wusste, versuchen Garrets Pläne zu vereiteln.

Die Straße der Menschen lag verlassen, genau wie ich erwartet hatte. Verlassen und… irgendwie absolut unwirklich. In den entglasten Fenstern raunte leiser der Sommerwind, zuweilen schwankte quietschend eines der Schilder über den verfallenen Geschäften im Wind hin und her. Neben einem der Häuser standen morsche Schlitten, auf dem Pflaster türmten sich Schuttberge, hauptsächlich Teile von Wohnhäusern und ihren Dächern. Leben gab es jedoch keines. Nicht eine Seele, nicht ein Skelett, weder das eines Menschen noch eines Pferdes oder Hundes. Graues trübes Licht und das fahle Silber des Vollmonds schufen den Eindruck einer toten, seit Langem verlassenen Welt. Und noch etwas: Es fehlte der Juninebel, an den ich mich in den letzten drei Wochen gewöhnt hatte.

Zu meinem Entsetzen versagte mir der magische Blick unversehens den Dienst, nachdem ich die Straße der Menschen ein paar Dutzend Yard hinuntergegangen war. Die Farben erloschen, die Welt flackerte noch einmal und löste sich dann in Schatten und Dunkel auf. Ich fühlte mich hilflos wie ein blinder Kater in der Hütte eines wütenden Hundes und hätte am liebsten auf der Stelle kehrtgemacht. Es gelang mir aber, das Gespenst der Kleinmütigkeit weit, weit fortzujagen, in den hintersten Winkel meines Kopfes. Es protestierte zwar und wollte wieder herauskommen – doch da hatte es die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Das war es also, das Friedhofskönigreich, das Reich der grauen Träume. Das leise Rauschen des Windes, der den toten Häusern ein Wiegenlied sang, und muffiger Geruch begleiteten mich durch die Straße der Menschen. Hin und wieder drehte ich mich zurück, meist instinktiv, und erwartete, innerlich vor Kälte erstarrt, jemanden oder etwas hinter mir herschleichen zu sehen. 

(Seite 189-190)

Mit "Schattenwanderer" gelingt dem russischen Autor Alexey Pevoh der spannende Auftakt zu einer Fantasy-Serie voller Geheimnisse und dunkler Wesen. Im Zentrum der Geschichte steht der Protagonist Garret. Als Ich-Erzähler nimmt diese Figur den Leser vom ersten Moment an an die Hand und taucht mit ihm in die Welt Sialas ein. Diese ist – typisch High Fantasy – komplex konstruiert und erscheint dem Leser zum Greifen nahe. 
Leser und Protagonist sehen sich gleichermaßen hinterlistigen Intrigen und furchteinflößender Dunkelwesen gegenüber. Auch wenn Garret sich nicht sofort auf die Jagd nach dem magischen Ork-Horn begibt, wird seine Geschichte doch an keiner Stelle langweilig. Immer wieder tauchen neue Bösewichte und Komplikationen auf, die dem Meisterdieb seine Pläne zu vereiteln suchen. 

Trotz seines fragwürdigen Berufes ist Garret eine sympathische Identifikationsfigur. Er ist nicht der typische glorreiche Held, sondern vielmehr ein Protagonist mit Ecken und Kanten, der vom Schicksal dazu auserwählt wird, an den ihm auferlegten Aufgaben zu wachsen. Unvorhergesehene Komplikationen nimmt er mit Humor und selbst im Angesicht des Todes verliert er nicht die Nerven. Dabei handelt Garret zu jedem Zeitpunkt in sich stimmig. Für den Leser ist der innere Konflikt zwischen Habgier, Stolz und der Furcht vor der drohenden Gefahr beständig greifbar. Gerade Garrets Zögern, sich nicht Hals über Kopf in ein Abenteuer zu stürzen, machen ihn zu einer glaubhaften und sympathischen Figur. 

Zu seinen Gegenspielern gehören neben zwielichtigen Gasthausbesitzern und blutrünstigen Orks auch furchteinflößende Dämonen. Demgegenüber stehen die geheimnisvollen Zauberer des Ordens, von denen einer zu einer Art heimlichem Schatten Garrets wird. Durch die mentale Anwesenheit des Zauberers kann Garret die Fähigkeit des sogenannten magischen Blickes nutzen, was ihm nicht nur einmal den Kopf rettet.

Alexey Pehov vereint in "Schattenwanderer" die Heldengeschichte eines einzelnen Mannes mit dem typischen Erzählmodell der High Fantasy. Im Zentrum stehen sowohl der Protagonist Garret und seine Reise, als auch der Kampf zwischen Gut und Böse. Durch die Fokussierung auf den Ich-Erzähler fällt es dem Leser leicht, dem komplexen Handlungsstrang zu folgen. Eingeschobene Traum-Passagen im Modus eines allwissenden Erzählers verleihen der Erzählung zusätzlich Tiefe und Spannung. 

Mit Siala entwirft Pehov eine eigene phantastische Welt, zu der der Leser rasch einen Zugang findet. In ihr tummeln sich neben dem typischen Figurenarsenal der High Fantasy wie Elfen und Orks, auch neu ersonnene Wesen wie beispielsweise die Doralisser, ein Volk von Ziegenmännern. 

Die Geschichte rund um Garret und die dunkle Bedrohung durch den Unaussprechlichen ist zum Ende des ersten Bandes der "Chroniken von Siala" noch nicht abgeschlossen. Das Buch endet inmitten der gefährlichen Reise nach Hrad Spine, sodass der Leser am liebsten gleich die nächsten Bände aufschlagen würde, um Garrets Schicksal weiter zu folgen. 

Trotz des großen Umfangs von 560 Seiten ist das Buch für geübtere Leser gut überschaubar. Dazu trägt neben der leicht verständlichen Sprache auch die Einteilung in etwa 20 bis 25 Seiten lange Kapitel bei. Am Ende des Buches findet sich ein Glossar, der die wichtigsten Begrifflichkeiten der Welt Siala zusammenfasst und erläutert. 

Der Ich-Erzähler Garret holt den Leser von Anfang an ab und nimmt ihn direkt mit ins Geschehen, sodass Spannung von der ersten Seite an garantiert ist. Auch das Cover, welches das verhüllte Gesicht des Schattens Garret zeigt, macht durch die geheimnisvolle Stimmung Lust auf das Buch.
"Die Chroniken von Siala" ist eine Trilogie in der Tradition J.R.R. Tolkiens und damit für Fantasy-Fans ein Muss. Schon der erste Band "Schattenwanderer" vereint alles, was ein gelungenes High Fantasy Epos braucht: einen charismatischen Helden und jede Menge zwielichtige Gegenspieler, eine gut durchdachte Welt und eine Handlung, die zu keiner Zeit an Spannung verliert. Gerade für junge, männliche Leser ist "Schattenwanderer" empfehlenswert, da der Protagonist Garret viele Identifikationsmöglichkeiten bietet und den Leser in eine phantastische Welt voller Abenteuer entführt. 

"Schattenwanderer" eignet sich aufgrund der komplexen und umfangreichen Handlung besonders als Freizeitlektüre für geübte Vielleser. Wer den ersten Band der „Chroniken von Siala“ verschlungen hat, kann sich direkt auf die Folgebände stürzen, die ebenfalls im Piper-Verlag erschienen sind. 

Die Chroniken von Siala 2 – Schattenstürmer 

Die Chroniken von Siala 3 – Schattentänzer 


Anhand der Identifikationsfigur Garret könnten sowohl der Zwiespalt zwischen eigenen Wünschen und Erwartungen Anderer diskutiert werden, als auch die moralische Dimension eines Daseins als Meisterdieb. Weiterhin stellt das Thema einer vom Bösen bedrohten Welt eine Folie für die Diskussion aktueller gesellschaftspolitisch relevanter Fragestellungen dar.