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Buchcover John Dougherty und David Tazzyman: Stinker und Matschbacke und die Doofheit der Dachse

Rezension von Alexander Baum

Das Buch "Stinker und Matschbacke und die Doofheit der Dachse" entführt den Leser in eine Welt voll abgedrehter und lustiger Abenteuer. Begleite Stinker und Matschbacke auf ihrer Mission, die Dachse aus Fruksland zu vertreiben.

BuchtitelStinker und Matschbacke und die Doofheit der Dachse
AutorJohn Dougherty; mit Illustrationen von David Tazzyman (übersetzt von Cornelia Panzacchi)
GenreHumor & Comedy
Comedy
Lesealter8+
Umfang165 Seiten
Edition1. Auflage 2014
VerlagMagellan Verlag Bamberg
ISBN978-3-7348-4001-2
Preis9,95 €

Auf dem idyllischen Inselchen Fruksland macht Stinker eine grauenvolle Entdeckung: Sein Sparschwein wurde ausgeräumt! Und das, wo er sich doch gerade einen ganzen Zehner zusammengespart hatte. Ihm ist sofort klar: Da kommen nur die doofen Dachse als Täter infrage. 

Zusammen mit seiner kleinen Schwester Matschbacke bricht Stinker sofort zu König Flummi Sonnenschein, dem Herrscher von Fruksland, auf. Zu Fuß natürlich, denn Fruksland ist so klein, dass man wirklich alles zu Fuß erreichen kann.

Im Palast angekommen erhalten Stinker und Matschbacke dann auch prompt den Auftrag, die Dachse aus Fruksland zu verbannen. Doch wie in jeder guten Geschichte sind die beiden nicht völlig auf sich gestellt. Ein todesmutiger Einkaufswagen, die ganze, gewaltige Armee von Fruksland und der König höchstselbst stehen ihnen immer wieder bei. Doch als Stinker und Matschbacke die abgrundtief bösartigen Dachse schließlich aufspüren, müssen sie erkennen, dass die Dachse hinter viel mehr her sind als Stinkers Erspartem.

Eine Minute später verließen Stinker und Matschbacke den Palast ohne die leiseste Ahnung, wo sie hinwollten und wie sie dahinkommen sollten. Dafür aber mit König Flummi Sonnenscheins Auftrag, das Königreich bis zum Mittagessen von sämtlichen darin lebenden Dachsen zu befreien.

Stinker war über die Wendung der Geschichte nicht besonders glücklich. Matschbacke dagegen machte sie nichts aus.

„Mach dir keine Sorgen, Stinker“, sagte sie fröhlich. „Wir sind in einer Mission für den König unterwegs. Und deshalb bekommen wir bestimmt bald Hilfe.“

„Wie denn?“, brummelte Stinker. Es war schon beinahe Vormittag und er hatte bisher nur ein einziges Frühstück und keinen Imbiss zwischendurch gehabt. Das drückte auf seine Laune.

„Ach du weißt schon“, sagte Matschbacke. „Bestimmt begegnen wir Tieren, die Hilfe brauchen, und wir helfen ihnen, weil wir lieb und nett sind, und dafür geben sie uns irgendein magisches Ding, das uns hilft, wenn wir Hilfe brauchen, und dann ist allen geholfen und alle sind glücklich.“

Stinker verdrehte die Augen. „Sei nicht albern. So was passiert doch nur in Geschichten.“

„Aber wir sind in einer Geschichte“, erinnerte ihn Matschbacke.

„Ach so, stimmt. Hatte ich vergessen.“

Genau in diesem Augenblick hörten sie eine ziemlich gelangweilte Stimme: „Hilfe. Zu Hilfe. Oje, oje. Hilfe.“

Matschbacke grinste. „Ich hab`s dir doch gesagt!“

Sie folgten dem Klang der Stimme, bis sie vor einem kleinen grauen Kater in einer roten Uniformjacke standen.

„Zu Hilfe“, leierte der Kater eintönig vor sich hin. „Hilfe, Hilfe, Hilfe, zu Hilfe, Hilfe. Hilfe.“

„Hallo, du armer, kleiner Kater“, sagte Matschbacke. „ Was ist denn passiert?“

„Zu Hilfe“, wiederholte der Kater. „Hilfe, Hilfe, Hilfe. Mein Schwanz hat sich im Gras verfangen und ich kann mich nicht alleine befreien.“

„Wirklich?“, wunderte sich Stinker. „Dein Schwanz hat sich im Gras verfangen?“

Der Kater zuckte mit den Schultern.

Matschbacke kniete sich hin und befreite den Kater – was wirklich babyleicht war. „Da! Jetzt bist du frei, kleiner Kater.“

„Oh. Hurra“, leierte der Kater im gleichen Ton wie vorhin und bewegte seinen Schwanz nur ein kleines bisschen. „Ich bin frei. Hurra, hurra, hurra. Hurra. Oh, wie kann ich euch nur danken?“

„Nun“, erwiderte Matschbacke, „wenn du schon fragst: Du könntest uns ein magisches Ding geben, das uns auf unserer Mission hilft.“

Der Kater sah sie auf eine ziemlich spöttische Art an. „Oh, was für eine gute Idee. Warum bin ich da nicht selbst draufgekommen.“ Und er starrte sie an, ohne zu blinzeln.

„Also …“, meinte Stinker nach einer langen, peinlichen Pause. „Wirst du es tun?“

„Das werde ich wohl“, entgegnete der Kater widerstrebend. „Hier. Weil ihr mich vor diesem furchtbaren und gefährlichen Gras gerettet habt, werde ich euch … dieses magische Ding hier geben.“ Er brachte einen Kinderschuh zum Vorschein, der den beiden sehr bekannt vorkam, und hielt ihn Matschbacke hin.

John Dougherty hat mit Stinker und Matschbacke und die Doofheit der Dachse ein wunderbar verrücktes Buch über ein Geschwisterpaar geschaffen, das mit Freundschaft, Witz und einer Menge glücklicher Zufälle jedes Abenteuer besteht.

Stinker und seine jüngere Schwester Matschbacke treten in der Geschichte als gleichwertige Protagonisten auf, die der Leser bei ihrem Abenteuer durch Fruksland begleitet. Stinker bietet für Jungen im Alter von acht bis zehn schon zu Beginn der Geschichte eine gute Identifikationsfigur. Er wird manchmal von seiner Schwester geärgert, ist aber auch gleich bereit, mit ihr draußen ein lustiges Abenteuer zu suchen. Dabei stellt er sich die lustigsten Sachen vor („Die Vorstellung, jeden Tag Haferbrei in der Hose zu haben, klang nicht uninteressant.“). Außerdem wird er von einer Sammelleidenschaft getrieben, die wohl jedem Jungen bekannt ist. Und da man alles, was man unterwegs so findet, sicher auch mal brauchen kann, füllt Stinker seine Taschen mit interessanten Steinen, Comicheften, Chips oder einer Eichhörnchentaschenlampe mit Krawatte, die „Hänschen klein“ spielt. Matschbacke erfüllt wiederum nicht das Klischee der kleinen Schwester, die mit Puppen spielt und mit der ein größerer Bruder so gar nichts anfangen kann. Sie tritt eher als der beste Kumpel auf, dessen verrückte Ideen Stinker immer wieder überraschen.

Getragen wird das gesamte Abenteuer von einer Vielzahl von komischen Elementen. John Dougherty nutzt dafür klassische Mittel der Komik in Kinderliteratur. Er bedient sich an typischen Problemen und Zumutungen der kindlichen Lebenswelt. So ist beispielsweise das zentrale Problem der Geschichte, dass Stinker den Zehner aus seinem Sparschwein verloren hat. Zur Bewältigung der Probleme bricht Dougherty geltende Normen, wodurch diese soweit verfremdet werden, dass sie durchaus belachbar sind. Der Verlust von Stinkers Erspartem wird dadurch karikiert, dass Dachse die Diebe gewesen sein müssen.

Dougherty verwendet vor allem einfachen Humor. An vielen Stellen kommt derbe Komik zum Einsatz. Schon die Namen „Stinker“ und „Matschbacke“ haben etwas Karnevaleskes. Vor allem Jungen mögen diese Verstöße gegen die Reinlichkeit. Auch Ausdrücke wie „Drecksackhaftigkeit und […] Doofheit“, mit denen die Dachse beschrieben werden passen gut in dieses Genre.

Alle Figuren der Geschichte haben etwas Komisches an sich. Der König der Insel sorgt beispielsweise schon mit seinem Namen „Flummi Sonnenschein“ für Lacher.  Der sprechende Kater Kunibert bedient sich bei jeder Aussage der Ironie. Er sagt nie das, was er meint, beziehungsweise das Gegenteil davon, um sein gegenüber zu seinem eigenen Vergnügen zur Weißglut zu treiben. 

Bei der Begegnung mit den unliebsamen Dachsen setzt Dougherty ganz auf die Slapstic Revenge. Man erfreut sich hier ständig über die Dummheit und die daraus resultierenden Missgeschicke der Dachse.

Der Text wird mit vielen Bildern ergänzt, die vor allem die komischen Elemente untermalen. In fast jedem der  22 kurz gehaltenen Kapitel gibt es mehr als ein Bild. 
Der gedruckte Text hat zuweilen eine comichafte Schriftart, Wörter werden fett gedruckt, schräg über die Seite geschrieben, wie hier im Beispiel „Wumms!“, das sowohl im Bild, als auch im Text hervorgehoben ist. Oder Buchstaben fallen scheinbar aus den Wörtern heraus. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit gleich auf solche Signalwörter gelenkt. Auf jeder neuen Seite entdeckt der Leser also Neues und Abwechslungsreiches. Das macht neugierig auf den Fortgang der Geschichte, sodass der Leser weiterlesen möchte. In den Kapiteln neun und 20 wird außerdem das Schriftbild umgekehrt. Mit weißer Schrift auf schwarzen Seiten wird der Leser in die Dunkelheit der Kiste, in der die Protagonisten gefangen sind, mit hineingenommen. Dadurch wird die Spannung der Szene gesteigert und die Nähe zum Geschehen verstärkt.
Das Cover und der Klappentext sind für Jungen sehr ansprechend gestaltet: Auf schwarzem Hintergrund leuchtet der Buchtitel bunt hervor. Die abgebildete Verfolgungsjagd im Einkaufswagen zeigt gleich, dass in diesem Buch eine spannende Geschichte erzählt wird. Der Klappentext macht überdies deutlich, wie das Buch insgesamt geschrieben ist, nämlich ziemlich verrückt. Explizit wird dort auch angesprochen, dass man in diesem Buch ein „etwas merkwürdige[s] Abenteuer“ erleben wird.

Insgesamt ist Stinker und Matschbacke und die Doofheit der Dachse sehr empfehlenswert. Jungen bekommen ein kurzweiliges, spannendes und sehr lustiges Abenteuer geboten, das auch für Lesemuffel geeignet ist.