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Buchcover Katja Brandis: Vulkanjäger

Rezension von Thorsten Hadeler

Was ist das Leben wert ohne Risiko? Jans Vater lebt davon, Dokumentarfilme über Vulkane zu drehen, und dabei bringt er sich ständig in Lebensgefahr. Dann soll Jan ihn das erste Mal begleiten...

BuchtitelVulkanjäger
AutorKatja Brandis
GenreAbenteuer
Lesealter14+
Umfang364 Seiten
Edition1. Auflage 2014
VerlagBeltz & Gelberg, Weinheim
ISBN978-3-407-81159-2
PreisHardcover: 16,95 €, Taschenbuch: 8,95 €, E-Book/epub: 7,99 €

Jan führt ein normales und sicheres Teenager-Leben mit seiner Mutter in München. Seine Eltern haben sich getrennt, als er noch ein kleines Kind war. Seinen Vater André sieht er nur selten, weil der ständig durch die Welt reist und Dokumentarfilme über Vulkane dreht. Nun ist Jan fast erwachsen, und sein Vater bietet ihm das erste Mal an, ihn auf einer Reise zu begleiten. Sie fliegen zunächst nach Neapel, um dort mit Andrés Kollegen Fred die Reise vorzubereiten. Hier begegnet Jan Giulia, einer schönen Neapolitanerin, und die beiden verlieben sich ineinander. Doch er reist trotzdem mit André und Fred wie geplant weiter zu Vulkanen auf Hawaii und in Indonesien. Dort geraten nicht nur André, sondern auch Jan in große Gefahr. Und dann kommt auch noch eine Schreckensnachricht aus Neapel: Der Vesuv steht kurz vor einem großen Ausbruch, der die ganze Stadt in Schutt und Asche legen könnte…

»Ich kann mit diesen Schuhen über die Lava drüber laufen«, erklärte ich ihr schnell. »Am besten, ich nehme dich auf den Rücken.«

»Was?« Giulia blickte mich an wie einen gefährlichen Irren. Doch ich hatte jetzt keine Zeit für lange Erklärungen, wir mussten uns beeilen. Es war unheimlich, wie rasch die Ströme vorrückten.

Schnell peilte ich die Richtung. Der Strom, über den ich drüber musste, war etwa vier oder viereinhalb Meter breit. Dahinter kamen wir auf der Straße Richtung Hafen weiter.

»Steig auf!« Ich legte meinen Rucksack ab - den würde ich wohl zurücklassen müssen, nur den Datenstick mit Andrés Aufnahmen und das Satellitentelefon steckte ich ein. Dann bückte ich mich. Zögernd kletterte Giulia auf meinen Rücken und schlang die Arme um meinen Hals. Jetzt war es ein echter Vorteil, dass sie so klein und leicht war. Ich hakte die Hände unter ihre Knie, sie setzte sich zurecht und dann war es so weit.

Die Hitze des Stroms strahlte mir entgegen, ich spürte sie auf jedem Zentimeter meiner Haut, der nicht von Kleidung bedeckt war. Ich setzte einen Fuß auf das geschmolzene Gestein, spürte, wie es sich unter mir bewegte. Es trug mich. Dieses verdammte Zeug trug mich tatsächlich, wir sanken nicht ein! Es federte nur ein bisschen, so als würde ich über ein mit Wasser gefülltes Gummikissen gehen.

Am liebsten wäre ich über den Strom gerannt, aber das ging nicht, ich durfte auf keinen Fall straucheln. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen. Meine Füße waren warm, als hätte ich die Stiefel vor dem Anziehen direkt neben einen Kaminofen gestellt. Das war auszuhalten. Aber schon nach ein paar Schritten kam ich nicht mehr so gut voran, es war, als würden meine Schuhe an der Lava kleben, und das taten sie auch. Als ich hinunterblickte, merkte ich, dass die schmelzenden Sohlen der Wanderschuhe Fäden zogen. Sah aus, als sei ich in einen riesigen Kaugummi getreten. Wow, hier war es richtig, richtig heiß!

Jugendliche erkunden gerne ihre Grenzen und gehen dabei manchmal bereitwillig Risiken ein, ohne sich viele Gedanken über die möglichen Konsequenzen zu machen. Auch in "Vulkanjäger" ist der 16-jährige Protagonist Jan zunächst von den Gefahren, denen er sich bei seiner Reise mit seinem Vater ausgesetzt sieht, mehr fasziniert als verängstigt. Wie oft hat man schließlich in seinem Leben die Möglichkeit, mit einem feuerfesten Handschuh flüssige Lava in die Hand zu nehmen?

Doch bald lernt Jan auch die andere Seite der Medaille kennen, als sein Vater bei einer Eruption beinahe ums Leben kommt. Jan begreift, dass man nicht allein auf der Welt ist und dass man sich um die, die man liebt, große Sorgen macht wenn sie sich in Gefahr begeben.

Es ist für jeden Jugendlichen ein wichtiger Bestandteil des Erwachsenwerdens, zu lernen, solche Perspektivwechsel vorzunehmen, zu lernen, sich in andere hinein zu versetzen. Nun würde Katja Brandis wohl kaum jemanden überzeugen können, ihr Buch zu lesen, wenn sie mit dieser Erkenntnis wie mit einem Wink mit dem Zaunpfahl daherkäme. Sie verpackt sie aber elegant in eine sehr spannende Geschichte, bei der sie sich nicht mit mit der Darstellung des äußeren Geschehens zufrieden gibt, sondern sich auch intensiv mit den Gedanken und Gefühlen ihrer Hauptfigur beschäftigt.

Die Ereignisstränge der Geschichte wirken dabei manchmal etwas konstruiert. 

Das liegt daran, dass der Ablauf einer Reise von einer Station zur anderen geschildert wird und zudem an jeder dieser Stationen auch noch etwas Wissenswertes über Vulkane vermittelt werden soll (übrigens ergänzt um ein Fachbegriffe-Glossar im Anhang). Dieses Defizit fällt allerdings kaum ins Gewicht, weil Katja Brandis im Detail so hervorragend erzählen kann und so ein feines Gefühl für Sprache hat, dass die vereinzelten Längen der Geschichte gleich wieder von echten Page-turner-Passagen abgelöst werden.

Gerade im letzten Drittel der Geschichte, in dem der Vesuv auszubrechen droht und das Leben von Jans Freundin Giulia in Gefahr ist, mag man das Buch kaum noch aus der Hand legen. Und sogar hier, wo sich die Ereignisse überschlagen, schafft es Katja Brandis, ihren Lesern eine weitere Erkenntnis mitzugeben: Die Gefahr zu meiden ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Manchmal muss man sein Leben riskieren, um die, die man liebt, aus Gefahren zu retten.

Mit "Vulkanjäger" ist Katja Brandis ein echtes Kunststück gelungen, denn das Buch vereint in sich eine spannende Abenteuergeschichte, viele wissenswerte Informationen über Vulkane und dann auch noch Anregungen zur Persönlichkeitsentwicklung. Man sollte meinen, dass ein einziges Buch so viel auf einmal nicht vertragen kann, konstruiert und überfrachtet wirkt - aber es ist hier durchaus geglückt. 

Leider existieren zu "Vulkanjäger" bisher (Stand Juli 2015) keine Begleit- oder Unterrichtsmaterialien, wobei das Buch für einen fächerübergreifenden Workshop Deutsch - Erdkunde sehr gut geeignet wäre. Aber auch ohne ein solches Projekt kann das Buch im Rahmen des Erdkundeunterrichts beim Thema Vulkanismus als freie Lektüre im schulischen Kontext empfohlen werden. Im Verlauf der spannenden Erzählung wird viel Sachwissen über Vulkane vermittelt, ergänzt wird dies durch ein fünfseitiges Glossar am Ende des Buchs.