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Buchcover Erich Kästner: Emil und die Detektive

Rezension von Verena Beltz

"Emil und die Detektive" – der bekannteste Kinderroman Erich Kästners begeisterte bereits zahlreiche Generationen und überzeugt auch heute noch durch seine spannungsreiche Handlung und die liebevoll gezeichneten Figuren.

BuchtitelEmil und die Detektive.
AutorErich Kästner
GenreKrimi & Thrill
Lesealter10+
Umfang171 Seiten
Edition164. Auflage 2014
VerlagHamburg, Zürich: Dressler Verlag, Atrium Verlag.
ISBN9783791530123
Preis12 €

Ganz alleine fährt Emil Tischbein von Neustadt nach Berlin, um seine Großmutter zu besuchen. Im Zug betäubt und beklaut ihn ein Unbekannter. Zur Polizei gehen kann er nicht, weil er selber etwas ausgefressen hat – deshalb entschließt er sich, den Dieb selbst zur Strecke zu bringen. Unterstützung bekommt er dabei von einer Gruppe Berliner Jungen und ihrem Anführer Gustav mit der Hupe. Unter der Parole „Emil“ gründen sie gemeinsam eine Detektivbande und verfolgen den Dieb auf Schritt und Tritt. Eine rasante Verfolgungsjagd durch Berlin beginnt, die nicht immer ungefährlich ist.

„Wer hat denn eben hinter mir gehupt?“, fragte Emil.

„Na Mensch, ich natürlich. Du bist wohl nicht aus Wilmersdorf, wie? Sonst wüsstest du längst, dass ich ´ne Hupe in der Hosentasche habe. Ich bin hier nämlich bekannt wie ´ne Missgeburt.“

„Ich bin aus Neustadt. Und komme gerade vom Bahnhof.“

„So, aus Neustadt? Deswegen hast du so ´nen doofen Anzug an.“

„Nimm das zurück! Sonst kleb ich dir eine, dass du scheintot hinfällst.“

„Na Mensch“, sagte der andere gutmütig, „bist du böse? Das Wetter ist mir zum Boxen zu vornehm. Aber von mir aus, bitte!“

„Verschieben wir´s auf später“, erklärte Emil, „ich hab jetzt keine Zeit für so was.“ Und er blickte nach dem Café hinüber, ob Grundeis noch dort säße.

„Ich dachte sogar, du hättest viel Zeit! Stellt sich mit Koffer und Blumenkohl hinter die Zeitungsbude und spielt mit sich selber Verstecken! Da muss man doch glatt zehn bis zwanzig Meter Zeit übrig haben.“

„Nein“, sagte Emil, „ich beobachte einen Dieb.“

„Was? Ich verstehe fortwährend: Dieb“, meinte der andre Junge, „wen hat er denn beklaut?“

„Mich!“, sagte Emil und war direkt stolz darauf. „In der Eisenbahn. Während ich schlief. Hundertvierzig Mark. Die sollte ich meiner Großmutter hier in Berlin geben. Dann ist er in ein andres Coupé geturnt und am Bahnhof Zoo ausgestiegen. Ich natürlich hinterher, kannst du dir denken. Dann auf die Straßenbahn. Und jetzt sitzt er drüben im Café, mit seinem steifen Hut, und ist guter Laune.“

„Na Mensch, das ist ja großartig!“, rief der Junge. „Das ist ja wie im Kino! Was willst du nun anstellen?“

„Keine Ahnung. Immer hinterher. Weiter weiß ich vorderhand nichts.“

(…)

Der Junge mit der Hupe dachte ein Weilchen nach. Dann sagte er: „Also, ich finde die Sache mit dem Dieb knorke. Ganz große Klasse, Ehrenwort! Und, Mensch, wenn du nischt dagegen hast, helfe ich dir.“

Erich Kästners Roman „Emil und die Detektive“ ist nun schon 86 Jahre alt – und hat dennoch nichts von seiner Aktualität eingebüßt: Jemand stielt einem Jungen aus ärmlichen Verhältnissen Geld, das ruft auch heute noch Empörung hervor. Eine Gruppe von Kindern möchte die verlorene Gerechtigkeit wiederstellen – und das ganz ohne die Hilfe von Erwachsenen. Die solidarische Hilfsbereitschaft und der Elan, mit dem die Detektive ihrem Freund zu helfen versuchen, reißen die Lesenden mit. Die Verfolgungsjagd selbst ist nie wirklich gefährlich und doch fiebert der Leser mit, ob der Dieb gefasst werden kann und mit welchen Mitteln es den Kindern gelingen wird. 

Dass die Sprache altmodisch erscheint, stört beim Lesen nicht. Im Gegenteil – man fühlt sich sofort zurückversetzt in das Berlin der 1920er Jahre. Die Straßensprache sorgt dafür, dass man den Figuren beim Lesen ganz nah ist. Die Figuren selbst sind so unterschiedlich und liebenswert gezeichnet, dass man sich sofort mit ihnen identifizieren kann: Der kleine Dienstag ist ein bisschen ängstlich, dafür aber umso eifriger bei der Sache, Gustav mit der Hupe gibt sich frech, ist im Grunde aber ein sehr loyaler Freund, auf den Emil jederzeit bauen kann. Emil selbst ist ein gut erzogener, intelligenter Junge, der sehr an seiner Mutter hängt und ihr unter keinen Umständen Sorgen bereiten möchte: Hier tritt die Problematik einer alleinerziehenden Mutter mit Geldsorgen zu Tage. Es stellt sich die Frage, wie sich ein Kind in dieser Situation zu verhalten hat. Emil benimmt sich hierbei geradezu beispielhaft und hat durchaus Vorbildfunktion für den Leser. 

Das Schöne an Kästners Schreibstil ist, dass Emils Mustergültigkeit niemals überzogen oder unrealistisch präsentiert wird – der Leser bekommt keine Gelegenheit, Neid zu entwickeln, die Identifikation erleidet keinen Bruch. Im Gegenteil, beim Lesen fühlt man sich positiv bestärkt und bekommt Lust, der Hauptfigur nachzueifern. Dass das auch die Intention Erich Kästners war, wird schnell deutlich: „Emil und die Detektive“ nimmt wenig Bezug auf mögliche Beweggründe für kriminelles Verhalten, es erklärt auch nicht, warum die Welt manchmal ungerecht ist. Aber es gibt ein Positivbeispiel an die Hand, damit der junge Leser weiß, wie man sich als Mensch verhalten sollte, damit die Welt ein kleines bisschen besser wird.

Für Leseeinsteiger ist der Roman sehr abwechslungsreich mit Illustrationen von Walter Trier gestaltet. Zu Beginn des Buches werden alle wichtigen handelnden Figuren mit einem Bild präsentiert und auch während der Lektüre regen zahlreiche Zeichnungen von Hauptszenen das Vorstellungsvermögen an. Die Textform ist ebenfalls überaus leserfreundlich: Die Seiten sind angenehm überschaubar und die Illustrationen sorgen dafür, dass das Lesen nie anstrengend wird. Kästners Schreibstil tut sein Übriges – mit seiner leichtfüßigen Art gelingt es ihm, den Leser in seinen Bann zu ziehen und zu fesseln. Auch wenn dem modernen Jugendlichen einige Ausdrücke fremd vorkommen mögen, ist das nicht weiter störend. Sobald man in die Detektivgeschichte abgetaucht ist, versteht man alles wie von selbst.

„Emil und die Detektive“ ist alles in allem ein sehr empfehlenswerter zeitloser Kinderroman, der sich wunderbar leicht lesen lässt und gerade bei Leseanfängern Lust auf mehr macht.

Es gibt zahlreiche Begleitmaterialien, die eine Behandlung des Romans im Unterricht erleichtern. Zum einen wurde das Werk bis heute ganze acht Mal verfilmt; die allererste Verfilmung aus dem Jahr 1931 kommt dem Roman am nächsten, sie besticht neben einem Gastauftritt Kästners vor allem durch ihre Bilder und die Musik, denn ganz im Stil seiner Zeit erzählt der Film passagenweise auch ohne Dialoge. An dieser Stelle bietet sich für den Unterricht ein Ausflug in die Filmgeschichte der Weimarer Zeit an.

Zuletzt wurde "Emil und die Detektive" im Jahr 2001 unter der Regie von Franziska Buch verfilmt. Diese letzte Filmversion ist unserer heutigen Zeit angepasst und modernisiert worden, sodass auch Jugendliche, die mit der Lebenswelt der Weimarer Zeit fremdeln, auf ihre Kosten kommen. 

Es gibt außerdem auch eine Theaterversion des Romans, mit einer Schulklasse könnte man diese entweder nachspielen oder einen gemeinsamen Theaterbesuch organisieren. Zur Theateradaption gibt es eine bei Westermann erschienene Fachzeitschrift, die sich mit dem Schauspiel "Emil und die Detektive" und seiner Umsetzung im Unterricht beschäftigt. Eine weitere Fachzeitschrift des Verlags stellt die Zeitgeschichte, die dem Roman zugrunde liegt, in den Vordergrund: Hier müssen alte Fotos von Gebäuden den einzelnen Orten in der Geschichte zugeordnet werden. Beide Zeitschriften finden sich für 2,50€ auf der Webseite des Verlags zum Download. 

Im Bloomoon Verlag ist außerdem eine Reihe erschienen, die Kästners Vorlage sehr ähnlich ist: Die „Schattenbande“ besteht aus vier Kindern, die im Berlin der 1920er Jahre Kriminalfälle lösen und dabei große Abenteuer erleben. 

Für Leseeinsteiger hat Cornelsen das Arbeitsbuch "einfach lesen!" herausgegeben, darin finden sich begleitende Leseförderungsaufgaben zum Roman. Für die etwas Älteren gibt es von Schöningh im Rahmen von "EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle Kl. 5-7" ein Begleitwerk, dass die Behandlung des Textes im Unterricht durch Aufgaben und Hintergründe zu einzelnen Romanstellen vereinfacht.

Seit 2001 besteht das Musical "Emil und die Detektive", das ebenfalls zur Gestaltung des Unterrichts herangezogen werden kann, im Internet existieren darüber hinaus auch zahlreiche Hörbücher, die besonders bei Leseeinsteigern beliebt sind.

In Berlin finden ab und zu Planspiele zu "Emil und die Detektive" statt, die Teilnehmer haben hier die Möglichkeit, die Verbrecherjagd an realen Romanorten nachzuspielen. Spielerisch kann „Emil und die Detektive“ mittlerweile auch mit Hilfe von drei Brettspielen entdeckt werden.

"Emil und die Detektive" ist als Klassenlektüre zu empfehlen. Im Unterricht können altertümlich wirkende Wörter aus dem Text gemeinsam geklärt werden und auch die Aufbereitung des zeitgeschichtlichen Kontexts im Roman ist dazu geeignet, spielerisch die geschichtlichen Hintergründe des Romans kennenzulernen. Darüber hinaus kann man mit Hilfe der Begleitmaterialien auch kulturhistorische Projekte anleiten, z.B. ein Rechercheprojekt zum Thema "Kindheit in der Weimarer Republik" oder eine gezielte Analyse der Umsetzung des Textes in Theater, Musical oder Film. Die im Roman angesprochenen großen Themen "alleinerziehende Mutter", "Verantwortung", "Zusammenhalt" und „Gerechtigkeit“ lassen sich bestens in der Klasse diskutieren und in Fragen der Ethik einbinden. Da zu den Hauptprotagonisten auch Pony Hütchen, die Kusine Emil Tischbeins, gehört und man sich als Mädchen durchaus mit den Berliner Jungs identifizieren kann, ist die Behandlung des Romans in einer gemischten Klasse kein Problem.

"Emil und die Detektive" hat darüber hinaus ein hohes Leseförderungspotential, weil die spielend leichte Sprache Erich Kästners jeden jungen Leser sofort in ihren Bann zieht. Wenn man mit der Lektüre des Nachfolgeromans "Emil und die drei Zwillinge" fertig ist, bieten sich alle anderen Kinderromane Kästners zum Lesen an.

Im Bloomoon Verlag ist außerdem eine Reihe erschienen, die Kästners Vorlage sehr ähnlich ist: Die "Schattenbande" von Frank Maria Reifenberg und Gina Meyer besteht aus vier Kindern, die im Berlin der 1920er Jahre Kriminalfälle lösen und dabei große Abenteuer erleben. Ein Vergleich mit "Emil und die Detektive" würde sich hier anbieten.