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Buchcover Jürgen Teichmann: Mit Einstein im Fahrstuhl: Physik genial erklärt

Rezension von Uta Woiwod

Physik – superspannend? Aber ja! ‚Mit Einstein im Fahrstuhl‘ führt durch die Experimente großer Physiker, und Autor Jürgen Teichmann vermag auch Beispiele aus dem Alltag äußerst anschaulich zu erklären. Durch das Buch wird man angeblich schlauer als Archimedes und vielleicht schon ein Viertel so klug wie Einstein – na, wenn das mal kein Grund zum Lesen ist.

BuchtitelMit Einstein im Fahrstuhl: Physik genial erklärt
AutorJürgen Teichmann (Autor); Thilo Krapp (Illustrator)
GenreSachbücher
Lesealter10+
UmfangAuf fast jeder der insgesamt 136 Seiten finden sich Illustrationen; diese sind farbig und teilweise beschriftet.
Edition5. Auflage, 2014, Arena Verlag (Taschenbuch)
VerlagArena Verlag
ISBN978-3-401-50249-6
Preis7,99 €

Der Buchtitel ‚Mit Einstein im Fahrstuhl‘ nimmt Bezug auf ein Gedankenexperiment des großen Physikers Albert Einstein: Was passiert, wenn man sich in einem Fahrstuhl im freien Fall befindet? Und was, so fragt Autor Teichmann, wenn man im Fahrstuhl gar von Europa durch den Erdmittelpunkt nach Neuseeland fällt? (Antwort: Man kehrt in Neuseeland um, ‚fällt‘ wieder zurück nach Europa und so weiter.) Das ist nur eines der vielen anschaulichen Beispiele, die Jürgen Teichmann in diesem Buch zusammengestellt hat, um Kindern ab elf Jahren das Thema Physik näherzubringen, insbesondere die Teilgebiete Mechanik und Gravitation.
Die beispielhaften Experimente teilen sich auf in theoretische und praktische Versuche, die teils der Geschichte der Physik entnommen sind wie ‚Einsteins Fahrstuhl‘, teils dem Alltag: Wie packe ich meinen Rollkoffer am besten? (Antwort: Die schwersten Sachen nach unten, damit der Schwerpunkt tief liegt und der Koffer bequem gezogen werden kann). Der Haupttext wird ergänzt durch die Abschnitte „Zum Tüfteln“ und „Zum Ausprobieren“. Diese fordern die jungen LeserInnen zum aktiven Mitmachen auf. Die Rubrik „Im Museum“ verweist dagegen auf Experimente und Ausstellungsgegenstände im Deutschen Museum in München – denn in Kooperation mit diesem ist das Buch entstanden. Ein umfangreiches Glossar versammelt am Ende noch einmal die großen Physiker der Wissenschaftsgeschichte und vertieft einige physikalische Begriffe aus den vorangegangenen Kapiteln. Zusätzlich veranschaulicht werden die erzählerisch informierenden Texte durch die farbigen Illustrationen von Thilo Krapp.

Die Leseprobe zu "Mit Einstein im Fahrstuhl: Physik genial erklärt" von Jürgen Teichmann und Thilo Krapp finden Sie hier.

Dies vorweg: Das Sachbuch hält, was der Untertitel verspricht – wie Autor Jürgen Teichmann physikalische Gesetze anschaulich und unterhaltsam erklärt, ist schon ziemlich genial. Bereits der Haupttitel des Buchs lockt mit niemand Geringerem als dem beliebten Vater der Relativitätstheorie (welche anfangs, so wird gemunkelt, nur wenige Menschen überhaupt verstanden). Ein ehrgeiziges und spannendes Unterfangen also, das sich auf die Spuren großer Physiker, mehr noch ihrer besonderen Ideen und Vorstellungen begibt.

Teichmann ist Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und langjähriger Betreuer des Bereichs „Bildung und Fortbildung“ am Deutschen Museum. In Kooperation mit dem Deutschen Museum, ebenfalls in München ansässig, ist das Buch dann auch entstanden. Es ist zudem als Audio-CD erhältlich.

Prof. Teichmann lockt in seinen einleitenden Worten mit der gewinnbringenden Lektüre des Buchs: „Danach bist du klüger als Archimedes und, wer weiß, vielleicht schon ¼ Einstein“ (S. 7). Welch ein Ansporn für einen jungen Leser (falls er dies liest, Einleitungen werden ja gern übersprungen) – geht das Buch doch über den Schulunterricht hinaus und verheißt etwas viel Spannenderes: Erwachsenenwissen!

Vorkenntnisse sind für die Lektüre kaum erforderlich, denn die Beschreibungen gehen vielfach von der Alltagserfahrung aus und leiten Gesetzmäßigkeiten Schritt für Schritt her. Zumindest teilweise knüpft der Hauptteil des Buchs auch an das Schulwissen der 5./6. Klasse an. Etwas anders verhält es sich mit dem Glossar am Buchende: Dieses liefert darüber hinaus ein vertieftes Wissen für besonders interessierte oder fortgeschrittene Leser und schreckt auch vor komplexeren Gleichungen nicht zurück, während der Haupttext des Buchs weitgehend ohne Gleichungen auskommt. Doch können im Glossar auch während der Lektüre des Hauptteils Begriffe und Namen nachgeschlagen werden.

Die physikalischen ‚Lektionen’ der Kapitel bauen logisch aufeinander auf, Sinnzusammenhänge sind kohärent erzählt, immer entlang des Ursache-Wirkungs-Prinzips sodass das Hauptthema (Mechanik, Gravitation) von Kapitel zu Kapitel vertieft wird: von der Beschleunigung über die Fallgesetze und die Schwerkraft bis zur Lichtgeschwindigkeit und der gekrümmten Raumzeit. Die Kapitelüberschriften wirken leseanimierend; sie lauten z.B. „Mit Archimedes mal richtig angeben“ oder „Mit dem Rennwagen zum Superstar Einstein“. Zusammenhänge erklärt Teichmann sprachlich flott, sozusagen im einnehmenden Plauderton, und auf Augenhöhe mit seinen jungen LeserInnen. Die Syntax ist vielfach hypotaktisch, was eine gewisse Dynamik und dadurch Spannung erzeugt. Teichmann stellt selbst Fragen, versetzt sich also in seine jungen Leser hinein und versucht anschließend, diesen Fragen auf den Grund zu gehen und sie verständlich zu beantworten. Den Lesern bietet sich hier die Aussicht, in den ‚Club der Eingeweihten‘, der ‚Physik-Insider‘ aufgenommen zu werden, was gerade für wissbegierige Jungen einen besonderen Leseanreiz schaffen kann.

Insgesamt ist die Erklärung der mechanischen Physik in einen historischen Abriss eingebettet: zum einen weil sich aus den Fragen und physikalischen Problemen, aber auch aus den frühen Lösungsansätzen die späteren Erkenntnisse logisch herleiten lassen; zum anderen wohl weil auch im Deutschen Museum auf Historisches eingegangen wird. Konkrete Bezüge zur Einrichtung des Museums sind zwischendurch eingefügt, und zwar in blauen Rahmen mit der Überschrift „Im Museum“. Daneben gibt es zwei weitere Kategorien in farbigen Rahmen: Aufgaben „zum Tüfteln“ (mit Lösungen hinten im Buch) und Experimente zum Selber-Ausprobieren. Während die Gedankenexperimente die Phantasie anregen, fördern die praktischen die Kreativität. Schmale, gelbe Textkästen fassen wiederum konkrete physikalische Gesetze kurz und prägnant zusammen. Alle diese Informationskästen erscheinen im Wechsel innerhalb der einzelnen Kapitel. Sie sorgen für eine abwechslungsreiche und die Aufmerksamkeit lenkende Gesamtpräsentation der einzelnen Kapitel.

Gerade im Sachbuch ist die Versuchung groß, mit der Lektüre mitten im Buch oder bei einem besonders interessanten Bild zu beginnen. Da hilft es, dass in der Marginalspalte neben den Textabschnitten das Thema jedes Abschnitts genannt wird. Diese Stichworte – maximal ein Satz wie „Newtons Krake gibt es nicht, Raum und Zeit sind ‚krumm‘“ (S. 79) – erleichtern den Balanceakt zwischen sukzessivem und Querlesen. So ermöglicht selbst ein Blick mitten ins Buch ein Erfolgserlebnis. Und dieses führt vielleicht zum ‚Rückwärts-Lesen‘ und im besten Fall zum erneuten Beginn, diesmal aber am Anfang!

Nicht nur der Haupttitel ‚Mit Einstein im Fahrstuhl‘ unterstützt die Assoziation, in die Nähe des Genies rücken zu können. Auch die Covergestaltung des Buchs verweist auf den zur Ikone gewordenen Physiker. Das Cover, das ja generell als ‚Eyecatcher‘ in Bibliotheken und Buchläden fungiert, spricht sowohl Jungen als auch Mädchen an. Auf der Coverillustration wirkt Einstein kauzig-menschlich, genau wie auf dem berühmten Foto, auf dem er dem Betrachter die Zunge herausstreckt. Längst gilt er unter jungen Menschen als ‚cool‘; es ist dieser Wiedererkennungseffekt, auf den die Buchgestaltung setzt.

Die leicht karikaturistischen, teils beschrifteten Illustrationen von Thilo Krapp bereichern auch den Innenteil des Buchs. Realistisch gezeichnete Bildelemente kombinieren sich mit liebevollen Details wie dem Schwerpunkt des Sumo-Ringers (wir lernen: „Je größer der Bauch, desto tiefer hängt der Schwerpunkt.“). Die Zeichnungen schlagen immer wieder eine Brücke zwischen kindlicher Phantasie und wissenschaftlich-nüchterner Realität (welche ja letztlich auch mit idealisierenden Modellen arbeitet). So veranschaulichen sie die kühnen Gedankenexperimente, von denen der Autor spricht, und setzen ebenso die praktischen Experimente nachvollziehbar ins Bild. Die Illustrationen werden meist in den Haupttext gesetzt und von diesem ‚umlaufen‘, wodurch sie sich auch optisch gut in den Text einfügen. Bildunterschriften sorgen zusätzlich dafür, dass die dargestellten Gegenstände und Szenen problemlos in den thematischen Zusammenhang einzuordnen sind.

Auf den Zeichnungen zu den Versuchsanordnungen finden sich Jungen wie Mädchen gleichermaßen abgebildet; und auch ausgehend von der Gesamtgestaltung ist hervorzuheben, dass das Buch sowohl Jungen als auch Mädchen anspricht. Gerade die Details in den Schilderungen des Autors wie in den Bildern des Illustrators könnten indes besonders Jungen begeistern. Fazit: ein rundum lohnenswertes Buch, das Lust auf das Schulfach Physik macht.

Infolge der vielen Querverweise auf den Ausstellungsbestand des Deutschen Museums in München eignet sich das Buch als Begleitlektüre für einen Besuch des Museums. Es ist als Taschenbuch im handlichen Format erschienen und bietet sich zum Mitnehmen und ‚Zwischendurch-Schmökern‘ an.

‚Mit Einstein im Fahrstuhl‘ ist als Familienlektüre geeignet, z.B. für einen Besuch des Deutschen Museums in München, aber auch als Privatlektüre: Der Text, obschon anspruchsvoll, nimmt junge Leser an die Hand und mit hinein ins Abenteuer Physik. Dabei vermögen es die anregenden, lustigen Bilder, die Aufmerksamkeit immer wieder zurück auf das Thema zu lenken. Die gelungene Bild-Text-Kombination kann sogar ein weiterführendes Interesse wecken: zum einen an einer Anschlusslektüre (wer war denn dieser Einstein eigentlich? Was gibt es im Weltraum noch? Wie funktioniert ein Motor?), zum anderen am Schulunterricht.

Daher erweist sich das Buch außerdem als sinnvolle Schulbücherei-Ergänzung. Auch als Klassenlektüre ist ‚Mit Einstein im Fahrstuhl‘ denkbar. Unterrichtsmaterial stellt der Arena Verlag in Form eines pdfs auf seiner Website zur Verfügung.