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Buchcover Margaret Peterson Haddix: Schattenkinder

Rezension von Julia Fränkle-Cholewa

Die Geschichte um Luke und seine Freunde nimmt den jungen Leser mit in eine Welt, in der Leben kein Grundrecht mehr ist. Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite garantiert.

BuchtitelSchattenkinder
AutorMargaret Peterson Haddix
GenreScience Fiction
Lesealter12+
Umfang176 Seiten
Editionenglisches Original 1998; Deutsche Übersetzung von Bettina Münch 2000.
Verlagdtv
ISBN978-3-423-70635-3
Preis6,95€

In unbestimmter Zukunft erlaubt die Regierung nur zwei Kinder pro Familie. Der 12-jährige Luke Garner jedoch ist das dritte Kind seiner Eltern und lebt als sogenanntes „Schattenkind“ in ständiger Angst, entdeckt und getötet zu werden. Seine einsamen Tage verbringt er alleine auf dem Dachboden des Hauses, während seine beiden älteren Brüder draußen herumtoben können.

Durch Zufall entdeckt Luke, dass in seiner Nachbarschaft ein weiteres Schattenkind lebt. Es gelingt ihm, Kontakt zu der 13-jährigen Jen aufzunehmen und sich mit ihr anzufreunden. Durch sie erfährt er, dass tausende von Schattenkindern über das Internet kommunizieren und eine Demonstration organisieren.
Aus Angst vor der Regierung nimmt er nicht an der Kundgebung teil, was ihm letzten Endes das Leben rettet. Jen jedoch wird von der Bevölkerungspolizei getötet. Ihr Vater, der nicht nur Regierungsmitglied, sondern auch ein Doppelagent ist, verhilft Luke zu einer neuen Identität. Er nimmt den Namen eines kürzlich verunglückten Jungen an und verlässt seine Familie in der Hoffnung, mit seinem neuen Ich eine bessere Zukunft zu finden.

„Und wenn ein Regierungsinspektor oder sonst jemand vorbeigekommen wäre?“
„Dann hätte ich mich versteckt. Wie immer.“
Der Vater schüttelte den Kopf. „Und sie in einem leeren Haus frisch gebackenes Brot riechen lassen? Ich glaube, du verstehst nicht, um was es geht. Du darfst kein Risiko eingehen. Das geht nicht. Weil…“
In diesem Moment klingelte die Uhr des Ofens. Laut wie eine Sirene. Der Vater warf Luke einen wütenden Blick zu und stapfte zum Ofen hinüber. Er zog die beiden Brottöpfe heraus und knallte sie auf den Herd. Dann schaltete er das Radio aus.
„Ich will dich in der Küche nicht mehr sehen“, sagte er. „Du versteckst dich, das ist ein Befehl.“
Ohne sich umzudrehen, ging er hinaus.
Luke flüchtete die Treppe hinauf. Er hätte gern mit dem Fuß aufgestampft, aber das ging nicht. Lärm war nicht erlaubt. In seinem Zimmer blieb er stehen, er war zu aufgewühlt zum Lesen, zu rastlos für irgendetwas anderes. Die Worte Du versteckst dich, das ist ein Befehl klangen in seinen Ohren. Aber er hatte sich doch versteckt. Er war doch vorsichtig gewesen. Wie zum Beweis – zumindest für sich selbst – kletterte er auf seinen Ausguck vor dem hinteren Ventilator und sah hinaus auf die stille Nachbarschaft.
Alle Einfahrten waren leer. Nichts bewegte sich, nicht einmal die Fahne an der Fahnenstange der Gold-Familie oder die Flügel der Windmühlennachbildung der Spatzenhirn-Familie. Doch da bemerkte Luke hinter einem der Fenster der Sport-Familie etwas aus den Augenwinkeln.
Ein Gesicht. Ein Kindergesicht. In einem Haus, in dem es bereits zwei Jungen gab.

(Seite 49-50)

Nach eigenen Angaben hatte Margaret Peterson Haddix nicht geplant, eine Fortsetzung zu „Schattenkinder“ zu schreiben, doch dann stieß das Buch auf ein großes Leserinteresse. In der Zwischenzeit ist die Serie um Luke und seine Leidensgenossen mit insgesamt sechs Bänden abgeschlossen. Im Jahr 2006 gewann „Schattenkinder“ den österreichischen Literaturpreis „Bücherlieblinge“ in der Kategorie „Jugendbuch 12 bis 14 Jahre“.
Der Roman bietet nicht nur eine spannende Handlung, sondern auch eine immanente Gesellschaftskritik, sowie eine sympathische Identifikationsfigur für junge Leser. Der zwölfjährige Luke verbringt sein Leben als sogenanntes „Schattenkind“ in Einsamkeit und in der ständigen Angst, gefunden und von der Regierung getötet zu werden. Innerhalb der Erzählung gelangt er immer wieder in brenzlige Situationen, sodass permanent ein hoher Spannungslevel gehalten wird.


Lukes Gefühle, Zweifel und Ängste sind für den Leser von der ersten Seite an greifbar und gut nachvollziehbar. Es scheint beinahe, als verstecke man sich gemeinsam mit dem Jungen auf dem Dachboden – und schaut mit ihm durch einen winzigen Spalt nach draußen in die Welt.


Die Geschichte um Luke nimmt eine überraschende Wendung, als er ein Mädchengesicht am Fenster des Nachbarhauses entdeckt. Durch Jen begreift er, dass er nicht das einzige verbotene Kind ist und dass es Mittel und Wege gibt, mit anderen Leidensgenossen zu kommunizieren. Über einen geheimen Chatroom planen die Schattenkinder gemeinsam eine Demonstration. In diesem Zusammenhang thematisiert der Roman die technischen Möglichkeiten und Grenzen des Internets und dessen Überwachung durch Regierungsmitglieder und die Bevölkerungspolizei.
Weiterhin erscheint die 13-jährige Jen als Vermittlerin einer immanenten Gesellschaftskritik. Denn „Schattenkinder“ befasst sich nicht nur mit einer fiktiven Regierung und deren dubiose Machenschaften. Zudem versucht die Autorin durch das Buch (und insbesondere durch die Figur Jen) all jene zum Nachdenken zu bringen, die andere Menschen ausgrenzen. Die Schattenkinder sind nicht nur die verbotenen dritten Kinder einer Familie, sondern stehen sinnbildlich für alle Kinder und Erwachsenen, die von anderen diskriminiert werden.


Auch wenn „Schattenkinder“ nicht dem Genre einer klassischen Dystopie entspricht, finden sich durchaus dystopische Elemente in diesem Roman. Die Begrenzung der erlaubten Kinderzahl einer Familie begründet die Regierung mit dem Problem des Nahrungsmangels. In diesem Zusammenhang wirft der Roman die Frage auf, wie die Lebensmittelversorgung unserer Gesellschaft in unbestimmter Zeit aussehen mag. Allerdings wird im ersten Teil der Schattenkinder-Reihe nicht klar, ob die Lebensmittelknappheit fiktive Realität oder nur ein Vorwand der Regierung ist.


Mit diesen gesellschafts- und sozialkritischen Fragestellungen eignet sich „Schattenkinder“ insbesondere für Leser, die sich für alternative Zukunftsentwürfe interessieren. Der Protagonist Luke dient von der ersten Seite an als sympathische Identifikationsfigur und dürfte demnach vor allem männliche Leser im Alter von 12 bis 14 Jahren ansprechen. Auch ist die Handlung spannend gestaltet, sodass man nach dem ersten Band direkt die weiteren Teile der Serie lesen möchte.


Durch die klare und leicht verständliche Sprache ist der Roman auch für ungeübte Leser empfehlenswert. Erzählt wird in der dritten Person Singular aus der Perspektive Lukes. Zudem ist die Handlung klar strukturiert und chronologisch aufgebaut, was den Roman ebenfalls leicht verständlich macht.


Das Cover zeigt Teile des Gesichtes eines Jungen, der durch einen Lüftungsschacht aus seinem Versteck herausschaut. So greift das Titelbild nicht nur direkt die Geschichte Lukes auf, sondern vermittelt durch die Schwarz-Weiß-Gestaltung auch die bedrückende Stimmung des Romans.

„Schattenkinder“ ist ein spannendes Buch, welches vielfältige Themen aufgreift und es durch einen sympathischen Protagonisten leicht macht, sich auf die Geschichte einzulassen. Durch die sprachliche Gestaltung und den überschaubaren Umfang eignet sich das Buch sowohl für erfahrene Vielleser als auch für weniger geübte Jugendliche.

Aufgrund der vielfältigen gesellschafts- und sozialkritischen Themen eignet sich „Schattenkinder“ für den Gebrauch im privaten und im schulischen Kontext. Die Autorin Margaret Peterson Haddix bietet auf ihrer Website an, für Referate oder andere schulische Aktivitäten, gezielte Fragen zu beantworten. Außerdem hat sie einige private und berufliche Infos in knappen Stichpunkten zusammengetragen. Dieses Material eignet sich ebenfalls als Grundlage für Unterrichtsaktivitäten.

Mehr dazu hier: www.haddix.de/referat.cfm