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Buchcover Mark Twain: Die Abenteuer des Tom Sawyer

Rezension von Elfriede Löwen

Das, was Tom Sawyer erlebt, wünschen sich wohl alle Jungen in seinem Alter – einmal ein Verbrechen aufzudecken und in der ganzen Stadt als Held anerkannt zu werden.

BuchtitelDie Abenteuer des Tom Sawyer
AutorMark Twain
GenreAbenteuer
Lesealter10+
Umfang296
EditionDressler (Klassiker)
VerlagDressler
ISBN978-3-7915-2005-6
Preis9,99
Erscheinungsjahr2015

Tom Sawyer ist ein Waisenjunge, der bei seiner Tante Polly lebt. Die Schulbank zu drücken, zählt nicht zu seiner Vorstellung von einem spannenden Leben, deshalb unternimmt er
viel lieber etwas mit seinen besten Freunden Huck und Joe, zum Leidwesen seiner Tante. Mit ihnen erlebt Tom spannende Geschichten. Ob er nachts auf dem Friedhof heimlicher Zuschauer eines Verbrechens wird oder sich mit seiner Freundin in unterirdischen Gängen verirrt, Toms Leben ist sicher nicht langweilig! Tom schafft es sogar, zu seiner eigenen Beerdigung zu erscheinen. Aber auch wenn Tom sich immer wieder neue Streiche einfallen lässt, hat er doch ein gutes Herz.

Am Abend waren Tom und Huck zu ihrem Abenteuer bereit. Sie trieben sich bis gegen neun Uhr in der Nachbarschaft der Schenke herum, einer, um den schmalen Weg, der andere, um das vordere Tor zu bewachen. Aber niemand betrat oder verließ den schmalen Gang, und niemand, der dem Spanier geglichen hätte, betrat oder verließ das Tor der Herberge. Die Nacht versprach, hell zu werden; und so ging Tom nach Hause, nachdem sie verabredet hatten, dass Huck, falls es doch noch dunkel werden sollte, kommen und miauen würde, worauf Tom sich dann wegschleichen und die Schlüssel ausprobieren wollte. Aber die Nacht blieb klar, und Huck gab gegen zwölf Uhr seine Wache auf und kroch dann in eine leere Zuckertonne, um sich auszuruhen.
Dienstagnacht hatten die Jungens das gleiche Pech, ebenso Mittwoch. Der Donnerstag aber versprach besser zu werden. Tom entwischte rechtzeitig von daheim, bewaffnet mit der alten Blechlaterne seiner Tante und einem großen Handtuch zum Abblenden. Er versteckte die Sachen in Hucks Zuckerfass und die Wache begann. Eine Stunde vor Mitternacht wurde die Schenke geschlossen und ihre Lichter – die einzigen ringsumher – ausgelöscht. Kein Spanier hatte sich blicken lassen und niemand hatte den schmalen Gang betreten. Alles sah günstig aus. Die Nacht war kohlrabenschwarz und die tiefe Stille wurde nur hin und wieder durch ein fernes Donnerrollen unterbrochen. Tom holte seine Laterne, zündete sie im Zuckerfass an, wickelte sie fest in das Tuch, und die beiden Abenteurer schlichen sich in der Dunkelheit zur Herberge. Huck stand Wache und Tom tastete sich vorsichtig den Gang entlang. Dann kam eine lange, fast unerträglich lange Wartezeit, die sich wie ein Berg auf Hucks Gemüt legte. Er sehnte sich danach, einen kleinen Schimmer der Laterne zu entdecken – es hätte ihn zwar erschreckt, aber es würde ihm doch zeigen, dass Tom noch lebte.
Stunden schienen verflossen, seit Tom verschwunden war. Gewiss lag er irgendwo ohne Bewusstsein oder am Ende war er gar tot, vielleicht war sein Herz gebrochen vor Schrecken und Aufregung. In seiner Angst drängte sich Huck dem Gang näher und näher, wobei er sich die grässlichsten Dinge vorstellte und jeden Augenblick eine Katastrophe erwartete, die ihm den Atem vollends rauben würde. Viel war da allerdings nicht mehr zu rauben, denn er war nur noch fähig, die Luft fingerhutweise einzuatmen, und sein Herz schlug in solchem Tempo, dass es jeden Augenblick aussetzten musste. Plötzlich zuckte ein Lichtstrahl auf, und Tom schoss keuchend an ihm vorüber. „Lauf“, schrie er, „lauf, so schnell du kannst!“.

Mark Twain hat mit seinem Abenteuerroman „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ einen Klassiker der Jugendliteratur geschaffen, der schon viele Jahrzehnte immer wieder gern gelesen wird. Auch wenn die Erstausgabe bereits 1876 erschien und die Geschichte somit in einem Zeitalter spielt, sind die Themen auch heute noch aktuell. Abenteuerlustige Jungen, die keine Lust haben die Schulbank zu drücken, gibt es wohl zu allen Zeiten und an allen Orten. Aber trotz allen Streichen und aller Unangepasstheit haben Tom und seine Freunde doch einen starken Gerechtigkeitssinn und zeigen auch in schwierigen und gefährlichen Situationen Courage.

Twain schafft es, den Leser mit in die Geschichte hineinzunehmen und die Charaktere leben zu lassen.  Man fühlt mit Tom, wenn sein Halbbruder ihn mal wieder verpetzt oder er in dunkler Nacht auf der Spur von Verbrechern ist oder sich die erste Liebe anbahnt. Der humoristische und teilweise auch satirische Stil von Twain lässt an keiner Stelle das Buch langweilig werden.

Die Neuausgabe von 2015 ist eine eher schlicht gehaltene Hardcoverauflage und enthält vereinzelte Illustrationen. Die Schriftgröße ist altersgerecht und die Einteilung des Buches in 36 übersichtliche Kapitel vereinfacht das Lesen.

Der auktoriale Erzähler lässt den Leser am Geschehen teilhaben und schafft es auf authentische Weise, die verschiedenen Perspektiven der Figuren nahezubringen.

Ob jung oder alt, Bücherwurm oder Gelegenheitsleser, das Schicksal von Tom Sawyer macht vor niemandem Halt.