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Buchcover Infinity Drake – Jagd in der Verbotenen Stadt

Rezension von Eva Maus

Jede Menge technische Details, vier todesmutige Helden in Nanogröße und ein Bösewicht, der die Weltherrschaft will: Das ist das Grundszenario der Buchreihe Infinity Drake. Auch ihr zweiter Teil kann mit Spannung, Action und haarsträubenden Erfindungen punkten.

BuchtitelInfinity Drake - Jagd in der verbotenen Stadt
AutorJohn McNally
GenreScience Fiction
Lesealter12+
Umfang448
VerlagLoewe
ISBN978-3-7855-8079-0
Preis17,95 Euro

Infinity Drake ist ein ungewöhnlicher Junge, denn er ist nur 9,8 Millimeter groß. Seinem Onkel Al ist es im ersten Band der Buchreihe gelungen, drei Spezialeinsatzkräfte zu verkleinern – er hat dabei jedoch versehentlich auch Finn auf Nanogröße geschrumpft. Da ihm bisher die Technik fehlt, um sie wieder auf Normalgröße zu bringen, muss Finn seinen dreizehnten Geburtstag innerhalb des sicheren Labors feiern.

Sein Leben als Winzling findet er wahnsinnig langweilig. Doch dann beginnt der teuflische Kaparis, seinen neuen Plan umzusetzen: Mit Hilfe von winzigen, sich selbst reproduzierenden Nanobots will er über alle elektronischen Geräte der Welt Macht erhalten. Gleichzeitig versucht er, Finn und seine Oma zu kidnappen. Doch Finn kann ihm knapp entkommen und stürzt sich in einen Kampf gegen Nanobots, die Zeit und Kaparis‘ grausame Helfer. Dieser Kampf scheint fast aussichtslos, aber Finns Heldenmut angesichts buchstäblich größter Gefahr ist riesig und er ist nicht allein. Die anderen Geschrumpften, Finns genialer Onkel, seine nervenstarke Oma, sein bester Freund und sein treuer Hund setzen gemeinsam mit Staatoberhäuptern und internationalen Geheimdiensten alles daran, die Welt zu retten.

Kaparis. Kein Zweifel, bei den Kidnappern hatte es sich um Tyros gehandelt. Aber was wollte Kaparis mit Oma? Finn kannte die Antwort, tief in seinem Herzen. Wir lieben sie. Erpressung… Bei dem Gedanken, dass sie nun Geisel eines solchen Mannes war, wurde ihm schlecht.
Finn spürte, wie der Druck in seinen Ohren stieg. Sie knackten.
Der Jet ging runter. Er musste etwas unternehmen.
Er blickte sich um. Da unten in der weißen Kiste lag etwas neben Oma – ein Schnellverschlussbeutel aus Plastik, wie im matten Licht gerade so eben zu erkennen war.
Er steuerte darauf zu und löste auf dem Weg Omas Zwiebel-Expo-Besucherbutton vom Mantel. Mit der Anstecknadel durchstach er dann den Beutel, packte das Loch mit beiden Händen und riss einen Spalt hinein.
Drinnen stieß er auf das wirre Durcheinander von Omas Handtascheninhalt: Notizzettel, Make-up, Gummibänder, Briefmarken, Hundeleckerlis, ein kleines Porzellanglöckchen, eine Cambridge-University-Schneekugel, eine billige Perlenkette, ein Not-Nähset, ein einzelner Manschettenkopf und darüber hinaus alles, was sie für einen Nanoausflug so brauchten – sechs nRationspackungen17, seinen nPhone-Rucksack (mit leerem Akku) und das Wichtigste: Hudsons Inhalator.
Finn trat die Kappe vom Mundstück des Inhalators ab.
Da war er, der versteckte Käfer, deutlich zeichnete sich das Pockennarbenmuster der Schubdüsen durch die Wattepolsterung ab.
Finn riss die Polsterung fort, reckte sich an der Außenhülle zum Zündschalter empor und legte ihn hastig um. Mit einem jaulenden Sauggeräusch erwachte das Düsentriebwerk jäh zum Leben, der Käfer leuchtete auf, die Düsen schwenkten in Position und mit aktivierten Frontscheinwerfern hob das Gerät vom Boden ab.
Vorsichtig bugsierte er das stabil in der Luft schwebende Gefährt aus dem Mundstück heraus, um es rasch mit den nRationen und dem nPhone zu beladen. Schließlich riet ihm der Instinkt, noch eine Nadel aus dem Nähset zu ziehe und mitzunehmen – für den Fall der Fälle.

Nanoproviantpackungen, die in großen Mengengeschrumpft worden waren, um die Söhne des Scarlatti, wo immer sie sich auch aufhielten, mit ausreichend Nahrung und Wasser zu versorgen.

Milliarden sich selbst reproduzierende Nanobots drohen die gesamte Technik der Menschheit zu infiltrieren und gehorchen einem echten Bösewicht: dem gelähmten, reichen und grausamen Kaparis. Vier, kaum einen Zentimeter große Helden – einer von ihnen ist erst dreizehn Jahre alt – versuchen, sie zu stoppen. Fußnoten erklären technische und (zumeist fiktionale) wissenschaftshistorische Details. Kann das in einem Jugendbuch funktionieren? Ja, es kann.

John McNally hat vor der Buchreihe um „Infinity Drake“ Drehbücher verfasst und das merkt man auch seiner ersten Jugendbuchreihe an. In deren zweiten Teil gelingt es ihm, dass sich der Leser zunehmend sicher in scheinbar komplizierten (und größtenteils fiktionalen) Vorgängen der Physik und der Robotertechnik zurechtfindet, ohne sich zu langweilen oder überfordert zu fühlen. Das schafft er inhaltlich durch viel rasante Action und Spannung sowie durch einen Titelhelden, der zwar etwas farblos daherkommt, aber sympathisch wirkt, extrem mutig ist und sich als Identifikationsfigur für jugendliche Leser durchaus anbietet. Hier finden sich zahlreiche Überschneidungen zu klassischen Abenteuerromanen, sodass dieser Roman neben Science-Fiction-Fans auch Abenteuerfans begeistern dürfte.

Erzählerisch wechselt der Autor zudem häufig in kurzen Passagen von der dominierenden Sicht aus Finns Augen in andere Erzählperspektiven. So kann der Leser verfolgen, was in Kaparis Hauptquartier vorgeht. Der Leser erfährt, welche Tricks die von Kaparis als Geisel gehaltene Oma anwendet und wie Finns Onkel Al, der geniale Wissenschaftler, mit den Anführern der Welt um eine Lösung des Nanobot-Problems ringt. Auf diese Weise fließen im Showdown verschiedene Handlungsstränge zusammen und lassen das Ende des Romans völlig unvorhersehbar werden. Zusätzlich erhält der Leser Einsicht in Akten und Kommunikationsprotokolle. Trotzdem und auch trotz der dargestellten technischen Details bleibt die Handlung jedoch stets erstaunlich leicht zu verfolgen und nachzuvollziehen.

Die neue Technik, die der Roman vorstellt, kann lebende und tote Gegenstände schrumpfen lassen. Da die vier, bereits im ersten Band der Reihe verkleinerten Menschen nicht gefahrlos wieder vergrößert werden können, werden auch eine ganze Reihe neuer Erfindungen vorgestellt, die ihnen das Leben erleichtern – wie das Nanoradar oder das nPhone. Damit wird ein Heldentypus dargestellt, der sehr offensichtlich nicht durch körperliche Stärke und Größe triumphiert, sondern durch Mut, Geschick und Erfindungsreichtum. Der gewissenlose und grausame Kaparis hingegen nutzt diese neue Technik, um winzige Roboter anzufertigen. McNally denkt die Möglichkeiten der fiktiven Technik zu Ende und bewegt sich mühelos in dieser veränderten Welt, die von den beschriebenen Neuerungen abgesehen der realen, gegenwärtigen Welt gleicht. Dabei wirft er auch Fragen um künstliche Intelligenz auf, da einer der Nanobots durch einen Kurzschluss beginnt, Befehle zu hinterfragen und damit zu einem wichtigen Handlungsträger wird.

„Infinty Drake – Jagd in der Verbotenen Stadt“ kann also als Abenteuerbuch mit gelungenem Spannungsbogen gelesen werden und auch als Science-Fiction-Roman, der eine interessante Drohkulisse aufbaut. Neben Action und Wissenschaft bleiben die Figuren zwar etwas flach, aber oft durchaus liebeswert. Nur die Tyros –  Teenager, die durch neuroretinale Programmierung zu willenlosen Sklaven des bösen Kaparis gedrillt wurden –  und deren brutale „Erziehung“ wirken unangenehm übertrieben. Das kann das Lesevergnügen jedoch kaum trüben.

Für Leser, die eine komplexe, wenn auch nicht schwierige Handlung zu schätzen wissen und mit größerem Seitenumfang zurechtkommen, ist „Infinity Drake – Jagd in der Verbotenen Stadt“ eine empfehlenswerte Freizeitlektüre, die sich auch für offene Leseverfahren in der Schule ab Klasse 7 anbietet. Dabei ist es allerdings ratsam, zunächst den ersten Band „Infinity Drake – Scarlattis Söhne“ anzubieten, der dann neugierig auf den zweiten Band machen kann.