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Buchcover Luc Blanvillain: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Rezension von Frank Münschke

Der hochbegabte Nils möchte an seiner neuen Schule nicht mehr als überintelligent gelten und setzt daher alles daran, sich als schulischer Versager zu inszenieren. Der Tagebuch-Roman von Luc Blanvillain steckt voller komischer Ideen und hat mit dem 12-jährigen Nils einen sympathischen Protagonisten, mit dem sich jugendliche Leser leicht identifizieren können – auch wenn nicht jeder Junge hochbegabt ist.

BuchtitelTagebuch eines Möchtegern-Versagers
AutorLuc Blanvillain
GenreAnti-Helden & Schelme
Lesealter12+
Umfang156
VerlagFischer KJB
ISBN978-3737340854
Preis12,99
Erscheinungsjahr2017

Die Geschichte wird in Tagebuch-Form aus der Perspektive des 12-jährigen Nils erzählt. Der Protagonist des Romans kommt zu Beginn des neuen Schuljahres auf eine neue Schule und findet sich in einer Art Eliteklasse wieder. Das entspricht genau den Vorstellungen seiner bildungsbürgerlichen Eltern, jedoch nicht seinen eigenen. Daher hat er sich vorgenommen: Er möchte von nun an ein ganz normales Leben führen – wie so viele andere Jungs in seinem Alter auch. Um das zu erreichen, muss er sich als schulische Null inszenieren.

An der Schule findet Nils zwei neue Freunde: Basile, der tatsächlich ein schulischer Versager ist, und die sehr begabte Mona, in die er sich verliebt. Beiden verschweigt er seine Hochbegabung. Mona gibt ihm aufgrund seiner schlechten Leistungen Mathe-Nachhilfe, bei der sich die beiden näherkommen.

Die Einzige, die von seinem Spiel erfährt, ist seine Schwester Heloise. Sie steht ihm anfangs zur Seite, aber nach einem Streit gibt sie sein geheimes Tagebuch an Nils` Klassenkameraden Engelbert weiter, der ihn damit erpressen möchte. Beim jährlichen Mathewettbewerb offenbart Nils dann allerdings, dass er ein Genie ist: Nils löst die schwierige Matheaufgabe ohne Probleme. Dies wird jedoch zunächst nicht erkannt, da sein Mathelehrer Nils` Lösung nicht einmal korrigiert. Einem Jury-Mitglied fällt aber noch rechtzeitig auf, dass Nils eine perfekte Lösung geliefert hat. Daraufhin wird er zum Sieger erklärt, wodurch sein gesamtes Lügengebäude einstürzt und Mona ihn nicht mehr beachtet.

Doch zum Schluss wendet sich doch noch alles zum Guten: Mit einer Party, bei der Mona zum Tanzen auffordert, kann er sie für sich gewinnen. Am Ende sind die beiden ein Paar und Nils ist in der Klasse integriert.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Durch die Erzählweise in Tagebuch-Form erinnert der Text zunächst an „Gregs Tagebuch“ und dessen vielfache Ableger und Nachahmer. Doch Blanvillain gelingt etwas Besonderes: Er dreht die Konventionen einer klassischen Greg-Antihelden-Geschichte einfach um. In „Tagebuch eines Möchtegern-Versagers“ haben wir es nämlich mit einem hochbegabten Jungen zu tun, der nur einen Wunsch hat: Ganz normal zu sein.

Nils sorgt gerade aufgrund seiner Bemühungen und seiner leichten Tollpatschigkeit immer wieder für Komik. Der Leser lacht allerdings nicht über ihn, sondern mit ihm, denn Nils schafft es fast immer, scheinbar ausweglose Situationen zu retten – und dabei zeigt er sehr viel Kreativität. Der Protagonist ist keine klassische Identifikationsfigur, aber eine Figur, die man aufgrund seiner Gewitztheit und seiner Gedankengänge gernhaben muss. Dafür sorgt auch sein Verhalten gegenüber seinen Eltern: Diese mag er zwar, findet ihr Verhalten aber oftmals viel zu elternmäßig. Und das geht wohl vielen Jugendlichen so, die am Anfang ihrer Pubertät stehen.

Apropos Pubertät: Die erste Liebe von Nils zu Mona könnte für einen jugendlich-männlichen Leser auch etwas störend sein. Doch Blanvillain gelingt es, jegliches Klischee zu umschiffen. Zwar geht es in einigen Momenten sehr emotional zu, doch die Komik steht auch hier an erster Stelle. Wenn Nils etwa Mona das erste Mal einen Kuss geben möchte, bemerkt er nicht, dass er noch seinen Motorradhelm trägt. Durch solche herrlich-ironischen Brüche schafft es der Autor, diese erste zarte Liebesgeschichte ganz unsentimental und ohne Kitsch zu beschreiben.

Spannung steht bei dieser Antihelden-Geschichte zwar nicht im Zentrum, kommt aber zumindest phasenweise auf. Gerade, wenn der große Mathe-Wettbewerb ansteht oder wenn Engelbert, Nils` Widersacher, das Tagebuch in die Hand bekommt und es Mona geben möchte.

Insgesamt ist „Tagebuch eines Möchtegern-Versagers“ ein witzig und spritzig geschriebenes Buch, das kurzweilig ist und viele Jugendliche zum Lachen bringen wird – und vielleicht auch zum Lesen.

Da der Roman in der Tradition eines Schelmenromans und dessen modernen Umsetzungen steht, bietet es sich sehr an, im Unterricht „Tagebuch eines Möchtegern-Versagers“ mit dem ersten Band von „Gregs Tagebuch“ zu vergleichen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten. Zudem kann das Lebensumfeld „Schule“ anhand des Textest im Unterricht behandelt werden.

Für eine Privatlektüre ist der Tagebuch-Roman ebenfalls sehr geeignet: Die geringe Seitenzahl ermutigt lesefaule Jungs zum Selberlesen, was auch durch die einfache Sprache unterstützt wird.