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Buchcover Sandra Grauer: Evil Hero. Superschurke wider Willen

Rezension von Bartholomäus Figatowski

Die Ausbildung fieser Superschurken ist das Hauptgeschäft der „Evil Äcädemy“. Ausgerechnet dort will der Superheldensohn John Nachforschungen anstellen zum Aufenthaltsort von „The Rockstar“, dem geheimnisumwitterten Erzfeind seines Vaters. Als Johns Tarnung auffliegt, wird er jedoch mit einem Mal selbst zum Gejagten. Der sympathische Ich-Erzähler, viel Action und eine einfache Sprache machen dieses Buch zu einem Pageturner auch für ungeübte Leser.

BuchtitelEvil Hero. Superschurke wider Willen
AutorSandra Grauer
GenreKrimi & Thrill
Science Fiction
Lesealter10+
Umfang347
VerlagPlanet!
ISBN978-3-552-50548-2
Preis12,99
Erscheinungsjahr2017

John Taylor, Halbwaise und Sohn des ermordeten Superhelden „Eagleman“, würde normalerweise nie auf die Idee kommen, die Schulbank in der „Evil Äcädemy“, einem noblen, englischen Schurken-Internat, drücken zu wollen. Doch John verfolgt ganz eigene Pläne, als er dort angenommen wird: Er erhofft sich an der Evil Äcädemy mehr über den Superschurken „The Rockstar“ zu erfahren, den er verdächtigt, seinen Vater ermordet zu haben. Vom ersten Schultag an wird John viel abverlangt. Er muss Fächer wie Schurkische Etikette oder Superwaffenkunde absolvieren.  Zudem werden seine Recherchen massiv durch die Sabotageaktionen und Angriffe von Kyle, einem älteren Mitschüler, behindert. Zum Glück ist John aber nicht ganz auf sich allein gestellt; seine Mitschüler Max und Serena stellen sich als erstaunlich hilfsbereit heraus – für Schurkenkinder wohlgemerkt. Nach intensiven Recherchen erfährt John, dass The Rockstar nicht nur ein ehemaliger Schüler der Akademie ist, sondern sich immer noch als Lehrer in der Einrichtung aufhalten könnte. Als Johns Tarnung immer löchriger wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Nur dank der Hilfe von Max und Serena vermag John Kyle abzuwehren und hinter die Identität von The Rockstar zu kommen. Überraschenderweise stellt sich dieser nicht als Mörder, sondern als alter Freund seines Vaters heraus. Johns Suche nach den Verantwortlichen für die Ermordnung seines Vaters ist somit noch nicht zu Ende, doch ist er dabei ein gutes Stück weiter.

„Ich bin hier, weil ich mich an Dads Mörder rächen will.“ (S. 298) – Johns Mission ist glasklar, doch der Weg zu diesem Ziel ist beinahe unmöglich. Originell und spannend schildert Grauers Jugendroman, wie es den Superheldensohn John ausgerechnet an ein berühmt-berüchtigtes Internat für Superschurken-Nachwuchs verschlägt. In der unterhaltsamen Geschichte werden dabei so gekonnt actionreiche, rätselhafte und humorvolle Handlungselemente miteinander in Einklang gebracht, dass der junge Leser das Buch vermutlich gar nicht mehr aus der Hand legen kann. John, dessen Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, ist ein sympathischer Protagonist, der in vielen brenzligen Situationen große List an den Tag legt und niemals aufgibt. Viele Leser werden sich daher mit ihm identifizieren können, obwohl John in der Welt der Schurken eine Außenseiterfigur darstellt. Zum Glück findet er an der Schule Freunde, die ihn tatkräftig unterstützen. Serenas Schlagfertigkeit und die Hackerfähigkeiten von Max kommen John bei seinen Recherchen sehr gelegen und vermitteln ihm etwas Schutz an der Evil Äcädemy. Die Zusammenarbeit zwischen dem Superheldensohn und den Schurkenkindern, die schließlich auch Johns Enttarnung überdauert, zeigt somit, dass echte Freundschaft über Vorurteile und Schubladendenken erhaben ist.

"Evil Hero" spricht den Leser auf unterschiedlichen Ebenen an: Ein Superschurken-Internat ist ein ungewöhnlicher Handlungsschauplatz. Der Leser wird gut unterhalten, wenn das aus gewöhnlichen Schulen bekannte Unterrichtsgeschehen parodiert wird, und gleichzeitig an das berühmte Zauberinternat Hogwarts aus der Harry-Potter-Welt erinnert. Hervorzuheben ist zum anderen die Detektivgeschichte, die durch die mysteriöse Ermordung von Johns Vater und dem Verdacht, dass sich der Mörder im Dunstkreis der Evil Äcädemy bewegen könnte, in Gang kommt. Grauer entfaltet hier ein spannendes Katz- und Maus-Spiel, wobei nie ganz klar ist, wer die Katze und wer die Maus ist. So werden bis zur letzten Seite des Romans neue Leseanreize geschaffen.

Gelungen ist auch die Vermittlung der Superhelden-Thematik, indem von der Autorin eine Welt entworfen wird, in der Superheld oder Superschurke gängige Berufsabschlüsse sind. John ist dabei an der Evil Äcädemy in der Situation des Underdogs, eines typischen Antihelden, dem eigentlich das nötige Hintergrundwissen fehlt, um diese Schule ‚erfolgreich‘ zu besuchen. Dies wird an verschiedenen Stellen sehr unterhaltsam in Szene gesetzt: „Mr Horn schien sich persönlich angegriffen zu fühlen, weil ich ihm nicht sagen konnte, wo man auf dem Schwarzmarkt am besten einen garantiert giftigen Kugelfisch kaufen konnte“ (S. 161). Dass John sich aber nicht allzu dumm anstellen darf, um nicht geschnappt zu werden, bereitet ihm Schweißausbrüche und lässt den Leser mitfiebern.

Sandra Grauers Jugendroman ist durchgehend sehr flüssig zu lesen – was nicht zuletzt den vielen sehr kurzweiligen Dialogsequenzen geschuldet ist – und trumpft mit einem actionreichen Showdown auf, bei dem John zeigt, dass ihm kein Opfer zu groß ist, um dem Mörder seines Vaters das Handwerk zu legen. Obwohl es im Roman an Action nicht mangelt, wird die Gewaltdarstellung jedoch nie übertrieben. Schlussendlich ist auch das Cover positiv zu erwähnen, das die Protagonisten des Romans dem Leser  spektakulär wie stimmungsvoll – gezeigt wird eine Fluchtszene vor einem Mondpanorama – vorstellt.

„Evil Hero“ eignet sich als packender Pageturner sehr gut für die Privatlektüre, wobei Jungen besonders durch die sympathische Hauptfigur zum Lesen angeregt werden. Der Roman bietet sich aber auch für einen Einsatz in der Schule an: Literaturprojekte in der Mittelstufe sind z.B. gut denkbar, weil „Evil Hero“ wegen der populären Superheldenthematik und eines Internats als Schauplatz der Handlung viele junge Leser anspricht.