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Buchcover Magnus Myst: Das kleine Böse Buch

Rezension von Stefanie Boor

Nicht nur das gruselig-liebenswerte Cover zieht den Betrachter sofort in seinen Bann – das Buch selbst spricht den Leser von der ersten Seite direkt an und fordert ihn auf, mutig zu sein und loszulesen. Buch und Leser sind schließlich Komplizen, die aus dem Blätterwerk einen vielgelesenen Wälzer machen wollen. Dabei springt man bei diesem interaktiven Titel zwischen den Seiten hin und her: Rätsel müssen gelöst werden, um zu erfahren, auf welcher Seite es weitergeht. Illustrationen und Gestaltung werden ungeübte oder wenig motivierte Leser begeistern.

BuchtitelDas kleine Böse Buch
AutorMarkus Myst (mit Illustrationen von Thomas Hussung)
GenreFantastischer Realismus
Lesealter8+
Umfang117
VerlagUeberreuter
ISBN978-3-7641-5124-9
Preis12,95
Erscheinungsjahr2017

Ein Gruselbuch, das seinen Leser direkt anspricht und mit ihm in Interaktion tritt.
Die Geschichte: Das kleine Buch möchte (nein, es will!) ein kleines böses Buch werden und dazu braucht es einen mutigen Leser – auf keinen Fall einen Angsthasen. Dieser Leser soll als Opfer das Buch lesen. Denn das kleine böse Buch braucht Aufmerksamkeit und will seine gruseligen Geschichten von platzenden Mädchen und sich wortwörtlich totlachenden Jungs endlich an jemandem ausprobieren, damit es irgendwann ein abgegriffenes, zerfleddertes und mit Eselsohren versehenes Buch wird. Geliebt und gefürchtet.

Dabei springt der Leser auf den Buchseiten ständig vor und zurück: Immer wieder gibt es Aufgaben oder Rätsel zu knacken. Die Antworten und Lösungen geben jeweils den Hinweis, auf welcher Seite er weiterlesen kann. Außerdem halten Lügen und Geheimnisse, ein Kerker sowie Zaubersprüche den Leser auf Trab. Und dann gibt es noch Finster, ein zweiter Leser, der als Geist zwischen den Seiten spukt und versucht, in das Geschehen einzugreifen.

Am Ende fragt das kleine (inzwischen böse?) Buch seinen Leser flehentlich, ob es ihm Angst einjagen konnte. Schließlich möchte es nicht allzu weit weggelegt werden, sondern bald einen neuen Leser finden…um eines Tages doch noch ein zerfledderter Wälzer zu werden!

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Gruseln für (Lese-)Anfänger! Dieses Buch fesselt im Handumdrehen. Bereits die Cover-Fratze zieht den Betrachter sofort in ihren Bann. Der geheimnisvolle Autor Magnus Myst, selbst Magier und dem Verlag zauberhafterweise unbekannt, lässt sein Buch vom ersten Wort an mit dem Leser Kontakt aufnehmen. Das kleine Buch will endlich so richtig böse werden, und das gelingt ihm nur mit einem mutigen Leser, mit dem es fortan die gesamte Lesezeit plaudert. Das Buch muss vier Aufgaben bewältigen: Dem Leser etwas klauen, etwas Verbotenes tun, den Leser hereinlegen und am Ende eine besonders gruselige Geschichte erzählen.

Was kann ein Kinderbuch schon klauen? Prompt erklärt das kleine Buch, dass es seinem Leser so einiges klauen könnte: seine Aufmerksamkeit, den Verstand, Hoffnungen – oder etwas, das man für kein Geld der Welt kaufen kann: Zeit. Und schon steckt man mitten drin, in den Abenteuern, Rätseln, Aufgaben und kleinen Gruselgeschichten, von denen es gleich mehrere gibt.

Was es nicht gibt, sind feste Kapitel und Seiten voller Text. Stattdessen liest sich der Leser durch eine abwechslungsreiche, reich bebilderte Typographie spielerisch und locker von einer Episode zur nächsten. Gleichwohl stellt die lineare Handlung eine für das Grusel-Genre typische Entdeckungsgeschichte dar. Aber in diesem Titel geht es keineswegs in der üblichen Weise von einer Seite zur nächsten. Stattdessen springt der Leser vor und zurück. Immer wieder muss er Rätsel knacken und Aufgaben lösen, um so die richtige Seitenzahl zu entschlüsseln und weiterlesen zu können. Hier greifen geschickt Neugier und Wettkampfgeist ineinander, so dass auch ungeübtere Leser ihre Lust am Lesen entdecken können.

Die farbigen Illustrationen, verschiedene Schriftarten, -größen und -farben, Totenkopf-Vignetten und viele andere, oft witzige Details vermitteln zudem bereits beim ersten Durchblättern schnell den Eindruck, dass hier keine Bleiwüste zu erwarten ist. Leser, die sich bisher nicht an ein ganzes Buch herangewagt haben, können so gut motiviert werden, das Buch nicht so schnell aus der Hand zu legen. Leser, die längeren Geschichten schon gut selbst folgen können, erleben ab Seite 1 eine neue, interaktive Kommunikation mit dem Medium Buch. Sprachlich ist dieser Titel ebenfalls sehr gelungen. Es gibt Schimpfwörter, die nicht zu derb und dennoch cool sind. Kurze Sätze und Dialoge erleichtern das Lesen. Nebenbei sorgen ein gewisser Sprachwitz sowie unblutige Beschreibungen dafür, dass die Gruselgeschichten für Gänsehaut sorgen, ohne sich in Details zu verlieren. Dafür kommt das eigene Kopfkino zum Zuge.

Im Laufe der Handlung zeigt das kleine Buch übrigens hin und wieder seine zweite Seite. So böse und gruselig ist es nämlich gar nicht. Das Buch wird immer mehr zu einer Art Freund und Verbündetem. Dagegen wird ein anderer Leser, der zwischen den Seiten herumirrende Junge namens Finster, immer unangenehmer. Finster versucht sich in die Freundschaft zwischen Buch und Leser einzumischen, spinnt Intrigen und will das große Geheimnis lüften. Hier bahnt sich die eigentliche Spannung und Konfrontation an, geschickt in die Rätsel und Gruselgeschichten verwebt. Durch eine Prise Humor entmachtet der Autor diese und andere Grusel-Elemente jedoch.

Und auch das Ende der Geschichte zeigt, dass das Gruselniveau in Kinderbüchern schlicht harmloser als in Jugend- oder Erwachsenenliteratur ist. Für diese Altersgruppe geht es darum zu zeigen, dass Ängste durchaus beseitigt werden können und das Böse als eigentlich harmlos zu erkennen ist.

Ein hoher Unterhaltungswert, Spannung, starke Gefühle beim Leser und nicht zuletzt der Abbau von Hemmschwellen beim Lesen längerer Texte – das gelingt dem kleinen bösen Buch auf rundum überzeugende Weise.

„Das kleine Böse Buch“ mit seiner besonderen Gestaltung sowie seinem hohen Unterhaltungswert mit spannenden und lustigen Elementen eignet sich hervorragend zur privaten Lektüre sowie zur freien Lektüre im offenen, schulischen Kontext, für den Bestand einer Schul- oder Klassenbibliothek.
Es ist sehr gut geeignet, leseungeübte Schüler/innen zu motivieren und ihnen die Sorge vor längeren Texten zu nehmen.

Als Vermittlungsmethode bieten sich beispielsweise eine Buchspurensuche oder das Schreiben von eigenen Rätseln im Stile des Buches an. Sicher kann auch die (freie) Erzählkompetenz von (Schauer-)Geschichten, etwa im Rahmen einer Lesenacht, vertieft werden.