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Buchcover Suzanne Main: Mist, Oma ist ein Alien (und ich bin schuld!)

Rezension von Sebastian Tatzel

Mist, so hat sich Mike seine Sommerferien nicht vorgestellt: Er findet ein mysteriöses Ding in seinem Garten und verwandelt seine Oma damit aus Versehen in einen fiesen Alien, der die Weltherrschaft will. Gelingt es Mike mit der Hilfe seines besten Freundes Elvis, die Oma zurückzuverwandeln und die gesamte Menschheit vor einer Alien-Invasion zu retten? Eine außerirdisch turbulente Verfolgungsjagd für junge Leser ab 10 Jahren.

BuchtitelMist, Oma ist ein Alien (und ich bin schuld!)
AutorSuzanne Main (mit Illustrationen von Marek Bláha)
GenreScience Fiction
Lesealter10+
Umfang235
Verlagars-edition
ISBN978-3-8458-2204-4
Preis12,99
Erscheinungsjahr2017

Mike findet in seinem Garten ein merkwürdiges Gerät. Was er jedoch nicht weiß: Es handelt sich nicht um eine Spielzeugpistole, wie er denkt, sondern um ein außerirdisches Transplantationsgerät, in dem sich der feindselige Alien Xylon befindet. Als Mike mit dem „Alienator“ aus Spaß auf seine Oma zielt, geschieht das Unglück: Xylon wird aus dem Gerät befreit und nistet sich in Omas Körper ein. Oma sieht zwar noch aus wie sie selbst, in Wahrheit ist sie jedoch nun ein Alien – und zwar kein besonders freundliches.

Xylon versucht, sein abgestürztes Raumschiff zu finden, um mithilfe eines Wurmlochs  den Bewohnern seines Heimatplaneten „Fettkloß“ zu ermöglichen, die Erde für sich einzunehmen. Nur Mike und sein bester Freund Elvis wissen von „Alien-Omas“ Geheimnis und versuchen nun, Xylon aufzuhalten und die Menschheit zu retten. Unterstützt werden sie dabei von Nachbarshund Houdini und dem verrückten Alienwissenschaftler Bill. Letztendlich gelingt es dem Team mit einem aberwitzigen Plan tatsächlich, Oma zu befreien und die feindlichen Aliens von einer Übernahme der Erde abzubringen.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

„Heute Nachmittag, um exakt 4 Uhr 23, habe ich meine Oma in einen Alien verwandelt. Ich hatte schon bessere Tage“ (S. 5). Ebenso witzig wie unvermittelt spannend leitet Main in die verrückte Geschichte um die Alien-Oma ein. Sie erzählt hierbei in einem klaren Stil, in knappen Sätzen und mit einem pointierten Humor, der es jüngeren (unerfahreneren) wie älteren Lesern gleichermaßen ermöglicht, herzhaft lachen zu können. Die Sprache der beiden Protagonisten ist hierbei authentisch und die Witze sprechen nicht nur jüngere Leser an: „‚Du kannst jetzt zu beten aufhören’, flüsterte ich Elvis zu, während ich nach Luft schnappte. ‚Eigentlich habe ich das Siebzehner-Einmaleins aufgesagt. Es entspannt mich’“ (S. 38).

Die beiden Protagonisten Mike und Elvis sind zwar mutig und clever, sodass es ihnen zum Ende gelingt, die Aliens des Planeten „Fettkloß“ zu überlisten, dennoch läuft nicht immer alles nach Plan: Mike leidet darunter, dass sein Vater viel arbeitet und wenig Zeit für ihn findet. Zudem findet er es mehr als ungerecht, dass seine Mutter die einjährige Grace immer bevorzugt. Er wird dagegen für jede Tollpatschigkeit gleich bestraft. Nicht auszudenken, wie seine Mutter reagieren würde, wüsste sie davon, dass er seine Oma in einen Alien verwandelt hat! Mike ist ein „typischer Junge“, dem zwar viele Missgeschicke geschehen, der das Herz aber doch am rechten Fleck trägt und der vor allem seine Oma unbeschadet aus den Fängen Xylons retten möchte.  

Sein Freund Elvis ist sehr clever und hat auch für die verrücktesten Alienprobleme die passenden Lösungsideen. So enttarnt er das verlorene Raumschiff dadurch, dass er bestens über die Moosbildung an Steinen Bescheid weiß, installiert Kameras in Omas Haus, um Xylon ausspionieren zu können oder erklärt sowohl Mike als auch den Lesern, was ein Wurmloch ist. Das nerdige Verhalten seines besten Freundes findet Mike nicht immer cool; so ist es für ihn eher peinlich, wenn Elvis anderen Kindern erzählt, dass die beiden lieber freiwillig in die Stadtbücherei gehen als mit den anderen Fußball zu spielen. Und dennoch ist es am Ende ausgerechnet der unsportliche Elvis, der Mike mit einem zielsicheren Harpunenschuss vor einer Attacke der Alien-Oma rettet.  

Die Komik des Romans entsteht vor allem durch eben diese Kombination der beiden Jungen Mike und Elvis: So unterschiedlich die beiden auch sind, so gut ergänzen sie sich doch im Kampf gegen die Aliens.

Die beiden Jungen sind witzig aber dennoch nicht eindimensional, sondern authentisch gezeichnete Charaktere und bieten damit ein besonders großes Identifikationspotential für (männliche) Leser.  

Obwohl die äußere Handlung um die Alien-Oma überwiegt, zeigen sich doch auch vereinzelt Fokussierungen auf die charakterliche Entwicklung des Protagonisten. Trotz der außerirdischen Handlung sind die Entscheidungen, die Mike trifft, umso realistischer: Der Leser versteht Mike und findet in ihm einen sympathischen Protagonisten, mit dem er mitfiebert. 

Main ist sich dieser Beliebtheit ihrer Protagonisten offensichtlich bewusst, denn sie veröffentlichte 2017 einen weiteren Roman mit den Jungen Mike und Elvis als Protagonisten („How not to stop a kidnap plot“), dieser ist auf Deutsch jedoch (noch) nicht erhältlich.

Neben der genretypischen Thematik des Konflikts zwischen menschlichem und außerirdischem Leben und dem Kampf um den Planeten Erde bietet Mains Geschichte zudem auch eine Geschichte über die Freundschaft zwischen den beiden doch sehr unterschiedlichen Jungen Mike und Elvis, die in dieser außergewöhnlichen Situation auf die Probe gestellt wird. Trotzdem halten die beiden am Ende zusammen und nur dadurch gelingt es ihnen, den fiesen Xylon zu stoppen.  

Dieses breite Themenfeld zeigt: „Mist, meine Oma ist ein Alien (und ich bin schuld!)“ eignet sich nicht nur für Sci-Fi- und Alien-Begeisterte, sondern auch für Leser, die auf der Suche nach einer witzigen und/oder spannenden Abenteuer- und Freundschaftsgeschichte sind.

Das Buch wirkt mit 235 Seiten und nur kleinen illustrierten Vignetten zu Beginn des Kapitels recht umfangreich. Allerdings ist die aus Mikes Perspektive erzählte Geschichte in 34 kurze Kapitel á maximal zehn Seiten eingeteilt, welche mit einem großzügigen Rand oft nur halbseitig beschrieben sind. Diese stellen somit überschaubare Leseportionen dar, die auch leseschwächere Schüler nicht abschrecken werden.  

Insgesamt überzeugt der Roman von Anfang an mit einem lustigen, zum lesen einladenden Cover sowie mit (Wort-)Witz und Spannung, weshalb es auch für ältere Leser spätestens nach dem zweiten Kapitel schwer wird, das Buch zur Seite zu legen.

Mains Geschichte ist in erster Linie spannend und lustig und damit ausgezeichnet für die private Lektüre geeignet. Der eingängige Schreibstil ist leicht verständlich und der sympathische Protagonist bietet viel Identifikationspotential für junge Leser.

Weiterhin ist „Mist, meine Oma ist ein Alien“ auch als freie Lektüre im schulischen Kontext denkbar, z.B. im Rahmen von Lesekisten oder als Bestandteil der Klassen- oder Schulbücherei. Das giftgrüne Cover sowie der Verweis auf die Alienthematik wird auch weniger lesebegeisterte Jungs zu diesem Buch greifen lassen.  

Das offene Ende der Geschichte kann zudem zu literarischen Anschlusshandlungen auffordern. So verlangt die Autorin beinahe danach, die Geschichte weiter bzw. zu Ende zu erzählen, was in Form von handlungs-und produktionsorientierten Methoden im (offenen) Unterricht sicher denkbar wäre.