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Buchcover Adam Stower: König Guu

Rezension von Christine Garbe

Ben wird in der Schule von dem fiesen Monty und seiner Bande übel mitgespielt; auf der Flucht vor seinen Peinigern gerät er in einen unterirdischen, geheimnisvollen Wald, in dem König Guu und das knuffige Wombat im schönsten Baumhaus der Welt residieren. Gemeinsam mit Guu und dem Wombat gelingt es Ben, Montys Bande das Handwerk zu legen und gleich noch seinen Vater, den Bürgermeister des Ortes, und dessen Helfer der Korruption zu überführen. Eine rasante Geschichte in Form eines Comicromans erzählt, mit englischem Humor, skurrilen Ideen und großartigen Illustrationen, die Jungen begeistern wird.   

BuchtitelKönig Guu
AutorAdam Stower
GenreFantastischer Realismus
Lesealter8+
Umfang176
VerlagAladin Verlag Hamburg
ISBN978-3-8489-2100-3
Preis11,95
Erscheinungsjahr2018

Der pfiffige, aber spindeldürre und unsportliche Ben ist in der Schule immer auf der Hut vor dem fiesen Monty und seiner Schlägergang, doch eines Tages erwischen sie ihn und spielen ihm übel mit. Auf der Flucht vor seinen Peinigern gerät Ben durch Zufall in das unterirdische Reich von König Guu und seinem knuffigen Haustier, einem Wombat, die in einem riesigen Baumhaus in einem paradiesischen Urwald unter der Stadt residieren. Es stellt sich heraus, dass „König Guu“ ein quirliges Mädchen mit Krone und riesigem Rauschebart ist, die – ähnlich wie Pippi Langstrumpf – über ihre geheimnisvolle Herkunft immer neue (Lügen-)Geschichten erzählt. Guu und Ben werden Freunde und setzen sich mit allerhand kreativen Einfällen gegen Monty Grabbe und seine Bande zur Wehr, die das Reich von König Guu entdeckt haben und ihre fiesen Attacken dort fortsetzen. Montys Vater, der Bürgermeister der Stadt, steht mächtig unter Druck, denn mysteriöse Feinde graben unterirdische Tunnel und hinterlassen überall in der Stadt Senklöcher, eine wahre Plage, die die Bürger in Rage treibt. Monty entdeckt bei seinen Exkursionen in die Unterwelt, dass das Wombat von König Guu der Übeltäter ist. Zusammen mit dem Helfer des Bürgermeisters, dem geldgierigen Reporter Ted Töhdlig, will er das Wombat einfangen und die große Belohnung kassieren, die der Bürgermeister auf die Lösung des Falles ausgesetzt hat. Doch König Guu und Ben sind schlauer: Sie überlisten die Eindringlinge mit Hilfe ihrer genialen Erfindung, einem „Wombatisator“, und können dem korrupten Bürgermeister, seinem fiesen Sohn Monty und deren zwielichtigen Gehilfen in einem großen Showdown das Handwerk legen. So können Ben und König Guu nun unbeschwert die Sommerferien in Guus phantastischem Paradieswald genießen.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Adam Stower, der Autor und Illustrator des vorliegenden Buches, ist ein erfolgreicher englischer Bilderbuch-Illustrator, der in seinem Metier schon viele Preise gewonnen hat. „König Guu“ ist sein erstes Kinderbuch, in dem er nun beide Rollen – die des Autors und Illustrators – vereint. Seine Leidenschaft fürs Zeichnen und Illustrieren ist auch diesem Buch deutlich anzumerken: Jede Seite ist reichhaltig mit witzigen schwarz-weiß-Zeichnungen illustriert, passagenweise wird die Geschichte über mehrere Seiten sogar als Comic erzählt, mit Panels und Sprechblasen. Jede der Hauptfiguren wird in einem ganzseitigen Steckbrief mit witzig-ironischen Kommentaren vorgestellt, die Handlung wird fortlaufend mit dynamischen, aktionsreichen Zeichnungen illustriert, die Schriftpassagen dazwischen sind in gut lesbarer Schriftgröße und mit großzügigem Zeilenabstand gesetzt, so dass das Buch auch für ungeübte Leser/innen ab 8 Jahren attraktiv und gut zu bewältigen sein dürfte. Das in gelb und schwarz gehaltene Cover stellt auf Vorder- und Rückseite die drei Hauptprotagonisten der Handlung vor: vorne König Guu mit Rauschebart, Krone und Speer, der sich an einem Seil wie Tarzan durch den Urwald schwingt, gefolgt von seinem treuherzig dreinblickenden, kuscheligen Wombat; auf der Rückseite die männliche Hauptfigur Ben zwischen Vögeln und Schnecken, der eben auf einer Strickleiter den Ast eines riesigen Baumes erreicht hat. 

Ebenso originell wie die äußere Gestaltung des Buches ist auch sein Inhalt: Die Erzählung changiert nicht nur zwischen Printliteratur und Comic, sondern spielt auch mit verschiedenen Genres. Ben scheint zunächst eher Anti-Held statt heldenhafter Protagonist zu sein: Als kleiner, spindeldürrer Schüler ist er das prädestinierte Opfer für die fiesen Schlägertypen, die der bösartige Bürgermeistersohn Monty Grabbe um sich versammelt hat. Doch mit Bens zufälliger Entdeckung der „Unterwelt“, des Urwaldreiches von König Guu, wendet sich das Blatt.  
 
Guu, die phantastischen Heldinnen Astrid Lindgrens wie Pippi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter nachempfunden ist, freundet sich mit Ben an und lässt ihn an ihrem phantastischen Reich im größten Baumhaus aller Zeiten teilhaben. Sie weiht ihn in ihre Geheimnisse und Fallen zur Verteidigung ihres Reiches ein und lädt ihn ein, ihr Helfer und Spielkamerad zu werden. Mit ihrem Mut, ihrer Geschicklichkeit und ihrem Einfallsreichtum wird sie zu einer Art Mentorfigur für Ben, der seine Ängste vor den körperlich überlegenen Fieslingen mehr und mehr verliert und zu einer selbstbewussten Persönlichkeit heranwächst. Gemeinsam gelingt es den beiden nicht nur, das paradiesische Reich von König Guu gegen die bösartigen Eindringlinge zu verteidigen, sondern darüber hinaus die kriminellen Machenschaften des Bürgermeisters und seiner Helfer aufzudecken und die Übeltäter einer gerechten Bestrafung zuzuführen; somit sind neben Helden- und Anti-Heldengeschichte in einer fantastischen Zwei-Welten-Konstellation auch Elemente einer Detektivgeschichte verarbeitet.
 
Originell ist schließlich die Idee, mit Genderstereotypen zu spielen, insofern die titelgebende Hauptfigur, König Guu, ein Mädchen ist, das sich die klassisch männlichen Insignien eines Königs – Rauschebart, Krone, Speer usw. – angeeignet hat und damit spielt, indem sie z.B. ihren Bart von Zeit zu Zeit wechselt oder wahlweise als traditionelles Mädchen verkleidet auftritt. Ihre Herkunft, über die sie immer wieder neue Geschichten erfindet, bleibt bis zum Schluss offen – mit einem ironischen Augenzwinkern des Autors, dessen britischer Humor auch erwachsenen Lesern viel Vergnügen bereiten wird.   
 
Die Geschichte wird aktionsreich erzählt und illustrativ gestaltet; Ben gerät nach einer knappen Exposition sofort in Schwierigkeiten und gelangt bereits nach wenigen Seiten in die fantastische Unterwelt von König Guu, so dass der Spannungsbogen früh einsetzt und durch eine rasant erzählte Geschichte trägt. Mobbing und Intrigen auf der einen Seite, Freundschaft und gegenseitige Unterstützung sowie der Einsatz für die ´gerechte Sache´ und die Wiederherstellung einer bedrohten Ordnung auf der anderen Seite sind die Themen, die sicherlich viele junge Leser (und Leserinnen) in ihren Bann ziehen werden. Der Übersetzung von Sabine Schulte gelingt es überzeugend, die fantasiereiche Erzählung mit vielen witzigen Anspielungen auch in der deutschen Sprache zugänglich zu machen. 

 Da das vorliegende Buch zu einem großen Teil seine Wirkung durch die zahlreichen ansprechenden Illustrationen entfaltet, eignet es sich nur bedingt zum Vorlesen, dafür aber umso besser für junge Leser im Übergang vom Bilderbuch zum Kinderbuch. Eltern, Lesementoren oder Erzieher/innen können dieses Buch mit einem Kind oder einer kleinen Gruppe von Kindern jedoch sehr gut im Modus des gemeinsamen Bilderbuch-Anschauens (und Vorlesens der Textpassagen) erschließen, sicherlich auch schon mit jüngeren Kindern. 
 
Im Hinblick auf Themen und Genres ist „König Guu“ vor allem ein unterhaltsames Buch, das nicht unbedingt im Unterricht besprochen werden muss; es kann daher sehr gut in offenen Formaten der Leseförderung eingesetzt werden, etwa in Viellese-Formaten (Lese-Olympiade, freie stille Lesezeiten, unterstützte stille Lesezeiten) oder in Formaten der Leseanimation. Es ist sicher gut geeignet, in Klassenbibliotheken oder Leseecken in der Grundschule angeboten zu werden; im Rahmen von Buchvorstellungen im Deutschunterricht kann dazu etwa ein Poster oder eine Leserolle gestaltet werden.

Für eine Besprechung im Unterricht wäre das Thema „Geschlechterrollen / Geschlechterstereotypen“ lohnenswert, da diese Geschichte mit traditionellen Zuschreibungen insbesondere im Hinblick auf die Titelfigur bricht.