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Buchcover Frauke Scheunemann: Henry Smart – im Auftrag des Götterchefs

Rezension von Bartholomäus Figatowski

Ausgerechnet im beschaulichen Bayreuth muss Henry Smart, ein Junge aus San Francisco, seine Ferien verbringen. Doch er hat nicht die Rechnung mit der germanischen Sagenwelt gemacht: Wotan, der Götterchef, ist quicklebendig und leitet hinter der Fassade eines Pizza-Lieferdienstes einen Geheimdienst. Er kann Henry gut gebrauchen und schickt ihn nach England, um die Weltherrschaftspläne des fiesen Zwergenkönigs Alberich zu stoppen. Ein turbulentes und skurriles Abenteuer beginnt, das selbst hartnäckige Lesemuffel ansprechen wird.

BuchtitelHenry Smart – im Auftrag des Götterchefs
AutorFrauke Scheunemann
GenreFantasy
Lesealter10+
Umfang280
VerlagOetinger
ISBN978-3789104237
Preis16,99
Erscheinungsjahr2017

Selten ist eine einfache Pizza-Bestellung so schiefgegangen, wie dies Henry Smart in Frauke Scheunemanns gleichnamigen Roman erleben muss. Der Ich-Erzähler, ein zwölfjähriger Junge aus San Francisco, der die Ferien mit seinem Vater ausgerechnet in Bayreuth verbringt, wird von einem Riesen und zwei weiteren Mitarbeitern von „Papas Pizza“ verdroschen – verrückterweise halten diese ihn sogar für einen Spion. Nur dank dem beherzten Eingreifen der kecken Hilda – ihrer Tante gehört die Ferienpension – vermag Henry aus dieser brenzligen Situation zu entkommen.

Schnell findet Henry heraus, dass die germanische Sagenwelt nicht nur ein Thema aus einem von Spinnweben überzogenem Geschichtsbuch ist. Seine Recherchen ergeben, dass hinter der Fassade des Pizza-Lieferdienstes ein Geheimdienst steckt, der von niemand Geringerem als Wotan, dem germanischen Göttervater, geleitet wird. Götterchefs können clevere Mitarbeiter aber immer gut gebrauchen und so ist man schnell beim ‚Du‘: „Nun lass mal das alberne ‚Herr‘ weg, Henry. Wotan reicht völlig“ (S. 57). Schon bald steht die erste Mission in England an. Zusammen mit Hilda, in Wahrheit Wotans Tochter Brunhild, soll Henry die Weltherrschaftspläne des Zwergenkönigs Alberich durchkreuzen, der die Kronjuwelen aus dem Tower von London stehlen will. Besonders ist der Bösewicht an Schätzen interessiert, die aus Nibelungengold bestehen und über eine „unheimliche Macht“ (S. 64) verfügen, um daraus einen neuen magischen Ring zu schmieden. Nach einem schmerzhaften Zusammenstoß mit Alberichs Zwergenarmee stellt Henry fest, dass eine Reise in die englische Vergangenheit – ins Jahr 1216, um genau zu sein – unausweichlich ist. Dort soll sich ein aus dem Nibelungengold gegossener Löffel im Besitz eines gewissen King John befinden. Nach der nicht ganz ungefährlichen, mit einem Schiff (!) unternommenen Zeitreise im Mittelalter angekommen, muss Henry erkennen, dass der einflussreiche Alberich so leicht nicht abzuschütteln ist.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Nicht erst seit der Percy-Jackson-Serie von Rick Riordan erscheinen zunehmend Kinder- und Jugendbücher, in denen alte Götter und Sagengestalten im Mittelpunkt stehen. Frauke Scheunemann wirft in ihrem Roman „Henry Smart – im Auftrag des Götterchefs“ eine neue Perspektive auf diesen literarischen Stoff, wobei sie bereits ab der ersten Seite – ausgehend von der vermeintlich alltäglichen Situation einer Pizzabestellung – die Aufmerksamkeit des Lesers gewinnt. Überzeugend ist auch Scheunemanns Wahl der Schauplätze für ihre Geschichte; angefangen beim verschlafenen Bayreuth, das so herrlich mit der Idee einer Existenz quicklebendiger germanischer Gottheiten kontrastiert wird, über London bis zur englischen Ostküste, überall ist für Action und Abwechslung gesorgt.

Scheunemanns Roman überzeugt durch lebendige Dialoge und ein vielfältiges Figurenspektrum, sodass sicherlich viele Leser zusätzlich angesprochen werden. Henry eignet sich gut als Identifikationsfigur für Jungen, er ist hartnäckig und gewieft, kein omnipotenter Superheld, sondern jemand, der mit den Aufgaben wächst und erst im Doppelpack mit Hilda beinahe unschlagbar wird. Bei dem „Wettrennen ums Gold mit dem Giftzwerg“ (S. 69) werden Henry und Hilda von dem großen germanischen Helden Siegfried unterstützt, der in Scheunemanns Geschichte aber seiner Umgebung wegen seines ausgeprägten Narzissmus gehörig auf die Nerven geht: „Team, Vater? Für Siegfried bedeutet TEAM doch nur: Toll, Ein Anderer Macht’s“ (S. 102). Die Querelen zwischen Siegfried und Hilda werden dabei mit viel Wortwitz vermittelt und Siegfried wird in der Regel als ziemlich unterbelichteter Macho-Haudrauf entlarvt. Dass Henry und Hilda aber mutig sein dürfen und Abenteuer bestehen, ohne den gängigen Geschlechterstereotypen zu entsprechen, dürfte für einige Leser zusätzlichen Leseanreiz schaffen.
 
Als Fazit lässt sich festhalten: Frauke Scheunemanns Roman kann den Leser ab Beginn in die Handlung einbeziehen und ist spannend und unterhaltsam genug, so dass der Leser die Geschichte unbedingt bis zum Schluss lesen möchte. Auch auf der thematischen Ebene ist der Roman gelungen, indem Scheunemann den mythischen Stoff um den „Der Ring des Nibelungen“ als Erzählprämisse für eine spannende und originelle Abenteuerhandlung aufbereitet. Positiv hervorzuheben ist schließlich das wertige Cover, das die Protagonisten des Romans stimmungsvoll und witzig – mag Henry Smart den Boden unter den Füßen verlieren, er ist doch nicht allein auf sich gestellt – in Szene setzt.

„Henry Smart“ eignet sich trotz der Buchlänge von ca. 280 Seiten gut für die Privatlektüre, wenn der junge Leser zumindest einigermaßen geübt ist. Der Roman bietet sich auch für einen Einsatz in der Schule an: Literaturprojekte ab der 6. / 7. Jahrgangsstufe wären denkbar, auch weil Mythen und Götterfiguren bei vielen Jungen momentan recht populär sind. Schlussendlich ist der Umgang mit den gängigen Geschlechter-Stereotypen angenehm und erfrischend, sodass weitere Leseanreize geschaffen werden.