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Buchcover Akram El-Bahay: Wortwächter

Rezension von Frank Münschke

Der lesefaule 12-jährige Tom besucht in den Schulferien seinen Onkel in England, doch bereits in der ersten Nacht wird dieser entführt und Tom gerät unvermittelt in ein gigantisches Abenteuer. Er wächst dabei über sich selbst hinaus, entdeckt ungeahnte Fähigkeiten – und erfährt ganz nebenbei immer mehr über die Macht und die Kraft der Literatur. Der Roman ist ein klassischer Page-Turner voller Fantasie, Spannung und mit einem herrlich-skurrilen Figurenarsenal.
 

BuchtitelWortwächter
AutorAkram El-Bahay
GenreAbenteuer
Fantasy
Lesealter12+
Umfang356
Verlagueberreuter
ISBN978-3764151188
Preis14,95
Erscheinungsjahr2018

Der 12-jährige Tom verbringt seine Schulferien bei seinen Onkel David auf dessen englischen Landsitz. Tom ist internetsüchtig, doch auf dem Anwesen gibt es weder WLAN noch einen Fernseher, nur jede Menge Bücher – er rechnet mit dem langweiligsten Urlaub seines Lebens. Doch direkt in der ersten Nacht wird er in ein Abenteuer gezogen: Sein Onkel David ist verschwunden und Tom macht sich auf die Suche nach ihm. 
 
Doch von wem wurde David entführt? Tom findet schnell heraus, dass es einen Geheimbund der „Lesenden“ und einen Geheimbund der „Schreiber“ gibt. Die „Lesenden“ können auf Buchseiten sehen, wie sich ihr Leben in den nächsten Momenten entwickeln wird. Die „Schreiber“ können ihre eigene Geschichte verändern, es gibt nur ganz wenige Menschen mit dieser Fähigkeit. Um auch die Geschichte der Menschheit beeinflussen zu können, brauchen die Schreiber eine magische Feder, die in vier Teile aufgeteilt auf ist – die einzelnen Teile sind an unterschiedlichen Orten der Welt versteckt (London, Paris, Ägypten, Amerika). Der Geheimbund der „Schreiber“ hat Toms Onkel entführt, um dadurch an die vier Federteile zu gelangen.  
 
Tom möchte seinen Onkel finden. Dabei helfen ihm das lesehungrige Mädchen Josephine, deren Vater ebenfalls verschwunden ist, Onkel Davids Diener Will und im Verlauf der Geschichte weitere Menschen bzw. Statuen, denn: Sowohl Will (eine steinerne Nachbildung William Shakespeares) als auch andere Figuren, die David auf dem Weg begegnen, sind Nachbildungen berühmter Autoren (von den Gebrüdern Grimm über Mary Shelley bis Michael Ende ist hier die halbe Literaturgeschichte vertreten), die Teil des Geheimbundes der „Lesenden“ sind und Tom unterstützen oder aufhalten wollen. Vier Rätsel müssen Tom und seine Gefährten lösen und an weit verstreuten Orten die Teile der Feder finden, um großes Unheil zu vermeiden und Onkel David zu retten. Am Ende gelingt es ihnen mit viel Glück (oder doch nicht?) und Geschick und es stellt sich heraus: Tom, der zu Beginn der Geschichte nichts mit Büchern anfangen konnte, ist nicht nur selbst ein „Lesender“, sondern auch ein „Schreiber“. Eine Fortsetzung folgt bestimmt. 

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Der Leser wird zunächst in den Handlungsort des Romans eingeführt und dem Autor gelingt es durch die einfache Sprache und die klaren Beschreibungen, diesen ab der ersten Seite an die Hand zu nehmen. Man betritt zusammen mit Tom das unwirkliche Anwesen seines Onkels. Gleichzeitig wird durch diese kurze Exposition die Hauptfigur klar gezeichnet: Tom ist ein sympathischer, aber eher antriebsloser Jugendlicher, der sich seinem Urlaub am liebsten mit seinem Smartphone beschäftigen möchte. Das schafft zuerst ein gewisses Identitätspotential, denn Tom ist ein Junge wie viele andere auch. Doch er ist eine dynamische Figur, er wird ungewollt in das Abenteuer gezogen und wächst dabei über sich hinaus. Er trifft (fast) immer die richtigen Entscheidungen, übernimmt Verantwortung für sich und seine Mitstreiter – und am Ende stellt sich heraus, dass er ganz besondere Fähigkeiten besitzt. Tom entwickelt sich also von einem normalen Jungen zu einem Helden und überwindet auf dem Weg dahin nicht nur äußere Hindernisse, sondern etwa auch Vorurteile – nicht nur gegenüber der Macht von Büchern. Und der Leser ist dabei ständig an und auf seiner Seite. 
 
Die restlichen Figuren sind ebenfalls liebevoll gezeichnet, gerade die ganzen steinernen Nachbildungen berühmter Schriftsteller. Diese sind meistens auf wenige Eigenschaften reduziert, welche allerdings treffend sind und die Handlung voranbringen. Wer sich noch tiefer mit Mary Shelly oder Antoine de Saint-Exupéry beschäftigen möchte, findet am Ende eine Liste mit den im Buch auftretenden Schriftstellern. Auch Josephine ist eine interessante und sympathische Figur und gerade durch die Gespräche (und Konflikte) mit ihr entwickelt Tom im Laufe der Geschichte eine Faszination für Bücher.  
 
Die äußere Spannung setzt direkt nach wenigen Seiten ein, dann geht es Schlag auf Schlag oder besser: Der Leser kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen und begleitet Tom auf seinem gigantischen Abenteuer. „Wortwächter“ ist ein klassischer Page-Turner und El-Bahay gelingt es, die Spannung bis zum Ende aufrechtzuhalten. An einigen Stellen sind die Wendungen zwar etwas konstruiert und vorhersehbar, zudem löst Tom manchmal etwas zu einfach scheinbar komplexe Aufgaben, aber das unterliegt alles dem äußeren Spannungsbogen, der durchgängig gut funktioniert.  
 
El-Bahay schreibt verständlich und klar, wodurch ein angenehmer Lesefluss entsteht, was gerade für die jugendliche Zielgruppe angemessen ist. Gleichzeitig entwirft er bildgewaltige Szenarien an bekannten und unbekannten Orten. Auch Kapitellänge und die Schriftgröße sind für einen 12-jährigen Leser absolut angemessen. Zudem ist die Buchgestaltung sehr gelungen: Auf dem Cover sind die Protagonisten, die goldene Feder und die berühmten Sehenswürdigkeiten, die diese aufsuchen, zu sehen, auf der Rückseite der Buchdeckel befindet sich eine Weltkarte, die zeigt, wohin es die Protagonisten verschlägt.  
 
Kurzum: Ein fesselndes, spannendes und fantasievolles Buch – sowohl für junge (und ältere) Vielleser als auch für Lesemuffel. 

„Wortwächter“ ist bei Antolin eingestellt und wird ab der 6. Klasse empfohlen. 
Es bietet sich zudem an, die Verweise auf bekannte Autoren und Werke der Literaturgeschichte spielerisch herauszuarbeiten, gerade „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry bietet sich hierfür an. Der Autor nimmt eine zentrale Rolle innerhalb des Romans ein und es werden ebenfalls Passagen aus „Der kleine Prinz“ nacherzählt bzw. darauf wird direkt verwiesen.