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Buchcover Neal Shusterman: Scythe – Die Hüter des Todes

Rezension von Barbara Reidelshöfer

Citra und Rowan wurden auserwählt. Gegen ihren Willen. Bald wird einer der beiden als todbringender Scythe über Leben und Tod entscheiden müssen.
Aber in der Scythes-Gemeinschaft bahnt sich Unheilvolles an und die beiden Scythes-Anwärter stehen inmitten eines Strudels aus Intrigen, Macht und Gewalt, der auch ihr eigenes Leben bedroht.
Einfallsreicher Plot, tiefgründige Themen, überraschende Wendungen – ein absolut fesselnder Reihenauftakt, der einem beim Lesen den Atem nimmt.

BuchtitelScythe – Die Hüter des Todes
AutorNeal Shusterman
GenreScience Fiction
Lesealter14+
Umfang513
VerlagFischer
ISBN978-3-7373-5506-3
Preis19,99
Erscheinungsjahr2017

In einer scheinbar utopischen Welt der nahen Zukunft, in der alle heutigen Probleme gelöst sind, werden die Menschen von einer künstlichen Intelligenz regiert.
Da der Mensch inzwischen auch unsterblich geworden ist, muss die Bevölkerungszahl durch aktives Töten reguliert werden. Diese Aufgabe haben seit Überwindung des natürlichen Todes die sogenannten Scythe übernommen: Sie töten, streng reglementiert, mit einer Art Ehrenkodex ausgestattet. Widerstand gegen diese Art der „Nachlese“ ist nicht möglich, Versuche werden streng bestraft.
 
Zwei Jugendliche, Citra und Rowan, werden vom ehrenwerten Scythe Faraday gegen deren Willen als Lehrlinge auserwählt. Nach und nach wird klar, dass es eine Gruppe Scythe gibt, die um des Tötens willens töten. Scythe Goddard, einer der machtbesessenen „Killer-Scythe“, bringt die Gemeinschaft dazu, dass die Ausbildung Citras und Rowans in nur einer Nominierung zum Scythe enden wird. Der Gewinner wird den anderen nachlesen. Diese Wendung führt dazu, dass Faraday sich anscheinend umbringt. Daraufhin wird die Ausbildung von Citra durch Scythe Curie, die mit Faraday eng befreundet war, übernommen. Rowan dagegen muss seine Ausbildung beim blutrünstigen Goddard absolvieren.
 
Während Citra unter Einsatz aller ihrer Fähigkeiten versucht, den Mord an Faraday zu beweisen und dabei selbst unter Mordverdacht gerät, macht sie eine unvermutete Entdeckung. Von ihrer Ausbilderin Curie wird unterdessen ihre Unschuld bewiesen, sodass sie zur Abschlussprüfung ihrer Lehrzeit zugelassen wird. Dort trifft sie auf Rowan, dem es gelungen ist, Goddard und dessen Helfer umzubringen und diese Tat zu verschleiern.
Die Scythe erwählen Citra. Rowan kann mit ihrer Hilfe fliehen. Der Roman endet mit einem Nachlese-Tagebucheintrag, der darauf hinweist, dass das Scythetum weiterhin in Gefahr ist, und eine unbekannte Person namens Luzifer korrupte Scythes umbringt – worum es dann in Band 2 der Trilogie gehen wird.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

 
Interessant ist es, wie es Shusterman schafft, eine so – scheinbar – perfekte Welt zu entwerfen. Langwierige Beschreibungen werden nicht benötigt, der Leser wird sofort in das Setting versetzt und versteht nach und nach, wie dieses aufgebaut ist und funktioniert. Durch die Darstellung scheinbar kleiner Details wie die Möglichkeit der Verjüngung oder die Abwesenheit von Schmerz wird implizit die Frage gestellt, ob so eine Zukunft wirklich erstrebenswert ist. Ist ein Leben, in dem alles Wissen schon vorhanden ist, keine Krankheit und nicht einmal der Tod unüberwindbar sind, wirklich eine Utopie? Diese Fragen werden durch die Lektüre zur Diskussion gestellt, dominieren aber nicht die Handlung.
 
Die vielen, häufig auch unerwarteten Wendungen halten den Spannungsbogen durchweg hoch, sodass auch ungeübtere Leser den Roman trotz des hohen Umfangs bewältigen können. Die wechselseitige personale Erzählform schafft es zudem, die beiden Protagonisten, Citra und Rowan, genau zu beleuchten und auch ihre unterschiedlichen Charaktere sowie ihre Entwicklung plastisch und gut nachvollziehbar zu gestalten, sodass die beiden auch als Identifikationsfiguren für jugendliche Leser dienen können.
 
Besonders interessant wird die Geschichte durch eingeschobene Tagebucheinträge verschiedener Scythe, die zum einen deren Denken und Handeln genauer darlegen und damit die utopische Welt samt ihres Regelwerks beleuchten. Zum anderen wird damit eine Reflexionsebene eingezogen, in der Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Rolle des Todes und des Scythetums auch direkt angesprochen werden.
 
Gerade der eher sachliche Erzählton im Umgang mit emotional besetzten Themen wie Tod, Selbstmord oder auch etlichen durchaus brutalen Tötungsszenen führt dazu, dass man als Leser in Distanz zum Geschehen treten kann und keine Nachahmungsfantasien hegen wird, sondern in eine reflektierende Haltung versetzt wird.
 
Neben dem hohen Maß an Spannung zeichnet sich der Roman insgesamt vor allem dadurch aus, dass – passend zu den eher nachdenklichen Charakteren der Protagonisten – auch tiefergehende Reflexionen nicht zu kurz kommen.

„Scythe“ ist also ein klassischer Page-Turner – alllerdings einer mit Substanz, der in den  USA zurecht bereits mehrere Nominierungen und Preise erhalten hat (ALA Michael L. Printz Award Honor Book / ALA/YALSA Best Fiction for Young Adults - Top Ten / California Book Award Finalist / Florida Teens Read Master List / Green Mountain Book Award Master List (VT) / PEN USA Literary Award Finalist / Pennsylvania Young Reader's Choice Award Nominee)

Shustermans „Scythe – Die Hüter des Todes“ eröffnet eine Trilogie, die bereits vollständig in den USA erschienen ist. Ein besonderes Potenzial im Bereich Leseförderung besteht durch das gleichbleibend hohe Maß an Spannung – man kann das Buch bis zur letzten Seite nicht aus den Händen legen.
Mit Rowan liegt eine männliche Identifikationsfigur vor, die gerade aufgrund des Handlungsverlaufs besonders interessant wird: Denn im Gegensatz zu Citra muss er seine Ausbildung bei einem amoralischen Scythe weiterführen, wodurch die Legitimierung des Scythetums im Allgemeinen, aber auch seine individuelle Haltung und sein Verhalten in den Mittelpunkt rücken.   
„Scythe“ eignet sich aber nicht nur für Leser, die sich für dystopische Stoffe interessieren, sondern auch für Jugendliche, die sich über Themen wie ewiges Leben, Moral und Gesellschaft Gedanken machen. Interessant ist auch der Aspekt der künstlichen Intelligenz, der zwar im 1. Band noch keinen großen Raum einnimmt, aber im 2. Band fokussiert wird.
„Scythe – die Hüter des Todes“ ist zur Privatlektüre ebenso zu empfehlen wie für die Anschaffung von Lesekisten, Schulbüchereien oder als Auswahllektüre im Rahmen von Vielleseverfahren.