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Buchcover Christian Linker: Der Schuss

Rezension von Tanja Hattermann

Das Leben des 17- jährigen Robin steht plötzlich auf dem Kopf. Er wird Zeuge eines Mordes in der rechten Szene, den die Täter für politische Propaganda im Bundestagswahlkampf instrumentalisieren. Die aufgeheizte Stimmung im Wohnblock eskaliert und Robin muss Stellung beziehen. Realistischer Jugendroman von aktueller Brisanz über Rechtspopulismus und Zivilcourage, der durch die spannende Krimihandlung und die lässige Sprache überzeugt.  

BuchtitelDer Schuss
AutorChristian Linker
GenreKrimi & Thrill
Gesellschaftskritik
Lesealter14+
Umfang320
Verlagdtv
ISBN978-3-423-74027-2
Preis14,95
Erscheinungsjahr2017

Der 17-jährige Robin ist ein Einzelgänger, der in einem tristen Brennpunktstadtteil lebt und versucht, jedem Ärger aus dem Weg zu gehen. Doch eines Nachts ist er zufällig am Tatort, als ein Abtrünniger der „Deutschen Alternativen Partei“ von den eigenen Genossen ermordet und ein weiterer Mann schwer verletzt wird. Robin rettet dem Investigativ-Journalisten Magnus Mahlmann das Leben und gerät dadurch unversehens in einen Strudel der Gefahr. Denn er kennt die Täter, rechte Schläger aus dem Block. Zudem wird ihm ein USB-Stick mit brisantem Beweismaterial gegen Fred Kuschinski, den aussichtsreichen Wahlkreiskandidaten der rechtspopulistischen Partei, zugespielt. Aus Angst vor Scherereien sowie aus Loyalität zu Fred, den er seit Kindertagen kennt, schweigt Robin zunächst, auch als ein Unschuldiger verhaftet wird. Während die Rechten den Mordfall politisch ausschlachten und gegen Migranten hetzen, lernt Robin die Praktikantin des Journalisten Mahlmann kennen und verliebt sich in sie. Trotz anfänglicher Skepsis schmiedet er zusammen mit der couragierten „Henry“ Pläne, um Fred Kuschinskis Beteiligung an einem Brandanschlag auf die Moschee noch vor der Bundestagswahl publik zu machen. Unterdessen sympathisiert Robins Schwester Mel offen mit den Rechtspopulisten und begeht einen folgenschweren Verrat. Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu und Robin muss Haltung zeigen. 

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Linkers Jugendroman „Der Schuss“ überzeugt durch die thematische Schwerpunktsetzung: In Zeiten von AfD und Pegida entfalten zentrale Szenen des Buches eine geradezu beklemmend reale Wirkung. Die Themen Rechtspopulismus, Zivilcourage und Loyalität, hier raffiniert in einen mysteriösen Kriminalfall eingebettet, bieten somit vielfältige Anknüpfungspunkte an aktuelle gesellschaftlich-politische Entwicklungen.  
 
Neben der spannungstreibenden Geschichte über die Aufklärung rechts motivierter Gewalttaten und die Verstrickungen des DAP-Politikers Kuschinski zeigt der Roman  eindrucksvoll, wie sich ein passiver Jugendlicher im Laufe der Geschichte entwickelt und Verantwortung für sich selbst und andere übernimmt.  
Der Protagonist ist eine vielschichtige, differenziert gezeichnete Figur mit Identifikationspotenzial. Robin erscheint zunächst als klassischer Antiheld: in der Schule gescheitert, vom „Ghetto“-Boss drangsaliert, zur Bewährungsstrafe verurteilt, nerdiger Schrott-Bastler ohne Zukunftsperspektive. Von Anfang an lebt die Spannung des Romans auch von der Figurenkonstellation und der Frage, welches prägende Erlebnis ihn so eng mit dem aufstrebenden Jungpolitiker Fred Kuschinski verbindet, dass er um keinen Preis gegen ihn aussagen will. Nach und nach erfährt der Leser Bruchstücke aus Robins Vergangenheit (z.B. Tod des Vaters), die sich puzzleartig zu einem Gesamtbild zusammenfügen und seine inneren Konflikte  nachvollziehbar machen. Indem er dem schwer verletzten Journalisten Mahlmann durch gezielte Erste-Hilfe-Maßnahmen das Leben rettet, zeigt Robin z.B. gleich zu Beginn Zivilcourage, und das, obwohl er sich dadurch selbst in Gefahr bringt. Durch die Beziehung zu Henry lernt Robin neben Freundschaft und Liebe auch ein Gefühl der Selbstwirksamkeit kennen und beginnt, sein Leben aktiv zu gestalten und Position zu beziehen.  
 
Die Erzählkonstruktion ist ein weiterer Pluspunkt. Ein Drittel der 69 kurzen Kapitel wird aus Robins Sicht erzählt, in den übrigen Kapiteln kommen abwechselnd alle anderen Figuren zu Wort. Durch das multiperspektivische Erzählen erhält der Leser Einblicke in die unterschiedlichen (politischen) Handlungsmotive und Standpunkte der Figuren und wird dazu aufgefordert, sich eine eigene Meinung zu bilden. Bedingt durch den stetigen Wechsel der Erzählperspektive kommt es allerdings stellenweise zu Einbrüchen im Spannungsbogen, dies muss als kleiner Kritikpunkt angeführt werden.  
 
Das dargestellte soziale Milieu wirkt sehr realitätsnah, auch das skizzierte Beziehungsgeflecht der Bewohner trägt zu diesem authentisch gezeichneten Bild bei.  
Passend dazu beeindruckt der Roman durch eine leicht zugängliche, glaubhafte Jugendsprache, dies gilt in besonderem Maße für die aus Robins Perspektive erzählten Kapitel.   
Durch die Abbildung einer trostlos wirkenden Hochhaussiedlung verweist das Buchcover direkt auf den zentralen Handlungsort, auch die Farbgebung erscheint stimmig.  
 
Fazit: Ein empfehlenswertes Buch von aktueller Relevanz, das aufgrund der inhaltlichen Schwerpunktsetzung und der sprachlichen Gestaltung auch wenig leseaffine Jugendliche zur Lektüre motivieren kann.  
 
 
 

Aufgrund der hochaktuellen Thematik und der zahlreichen Realitätsbezüge (AfD, Lügenpresse, Fake News usw.) fordert der Roman zur kritisch-reflektierten Auseinandersetzung heraus und eignet sich daher besonders gut als gemeinsame Schullektüre, ggf. auch im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichtsprojekts (Deutsch, Politik, Sozialkunde, Ethik). Mit Blick auf das literarische Lernen könnten z.B. die wechselnden Erzählperspektiven sowie die Entwicklung des Protagonisten fokussiert werden.  
Als Freizeitlektüre ist das Buch besonders für jugendliche Leser mit ausgeprägtem Interesse an gesellschaftlich-politischen Entwicklungen zu empfehlen.