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Buchcover Tom Limes: TickTackF*ck. #echthartezeiten

Rezension von Johannes Groschupf

Xaver ist 16 und hat noch immer nicht mit einem Mädchen geschlafen – jetzt wird es aber Zeit! Tom Limes erzählt in "Tick Tack Fuck" mit viel Situationskomik und Einfühlungsvermögen vom hormonellen und emotionalen Durcheinander während des "Projekts Entjungferung". Ein flotter und unterhaltsamer Roman speziell für Jungs.

BuchtitelTickTackF*ck. #echthartezeiten
AutorTom Limes
GenreComing of Age
Lesealter14+
Umfang270
VerlagArena
ISBN978-3401604107
Preis12,95
Erscheinungsjahr2018

Xaver hat in 27 Tagen seinen 17. Geburtstag und muss ständig an Sex denken. Er hat noch nicht mit einem Mädchen geschlafen und startet nun sein „Projekt Entjungferung“ mit einem Countdown, der dem Buch auch seinen Titel gibt.

Die Klassenschönste Charly geht zwar auf seine Avancen ein, aber nur, um ihn für Hausaufgaben und Nachhilfe in Mathe auszunutzen. Mal um Mal wird er vertröstet, versetzt oder vorgeführt. Xaver seinerseits lässt seine frühere Kindheitsfreundin Toni, die sich ihm freundlich nähert, immer wieder auflaufen.

Er entdeckt auch die Welt des käuflichen Geschlechtsverkehrs, probiert mit einem Freund einen Stripclub und ein Bordell aus, aber all das endet stets peinlich und unbefriedigend. Eher nebenher entdeckt Xaver die Kraft der Musik und die Notwendigkeit, in der Schulklasse für sich einzustehen. Dadurch gewinnt er den Respekt der Jungs und auch der Mädchen, und er lässt sich nicht länger von Charly ausnutzen.

Die Begegnung mit dem wilden und ungestümen Punkmädchen Miri verspricht eine echte Affäre zu werden, doch als es mit ihr endlich zum ersten Mal kommt, erkennt er Miris seelische Einsamkeit und Xavers Ziel verändert sich: Er will nicht mehr einfach nur Sex haben, sondern wirkliche Liebe finden, und also geht es ihm nun nicht um Miri, sondern um Toni. Das Projekt Entjungferung ist hinfällig geworden: „Vielleicht weil es zu so viel mehr wurde als bloßes Rein-Rais. Weil letztendlich ihre gemeinsame Geschichte zählte und sein erstes Mal nichts weiter war, als ein Kapitel dieser Geschichte.“ 

Eine Leseprobe kann auf Amazon eingesehen werden.

Der Autor Tom Limes schreibt über ein Thema, das vermutlich alle Jungs im Alter von 14 bis 16 Jahren nachhaltig beschäftigt: das Erwachen der Sexualität. Trotz der heutigen medialen Übersexualisierung ist dieses Feld immer noch bestimmt von Scham, Peinlichkeit, eigenartigen Projektionen und tollpatschigen Aktivitäten infolge ungewohnter Hormonschübe. Limes gelingt es gut, die ganz normalen Wirrnisse der Pubertät mit dem nötigen Humor zu erzählen. Dies ist kein Roman um tiefen Weltschmerz oder heroische Individuation, sondern es geht schlicht und einfach um „das erste Mal“. Die Ereignisse und die beteiligten Protagonisten sind entsprechend vorhersehbar. Der junge Leser wird also keineswegs überfordert und auch in Hinsicht der sexuellen Thematik nicht wirklich strapaziert. Ein Hinweis auf Masturbation fehlt selbst in Situationen höchster Anspannung, nach dem Besuch des Stripteaselokals etwa. Das Phänomen der „Friendzone“ wird dafür ausgiebig geschildert, ebenso die zunehmende Unruhe, noch nie mit einem Mädchen geschlafen zu haben.

Xaver ist zunächst hinter der blonden Charly („optisch einfach der Hammer“) her und wird von ihr immer wieder hingehalten oder versetzt. Die übliche Enttäuschung und Frustration ist nachfühlbar und stets mit Witz und Situationskomik aufgefangen. Die Begegnung mit der jungen Prostituierten Cindy wird ein Reinfall und vom Erzähler auch moralisch verurteilt. Gelungen ist die Darstellung des „ersten Mals“, das dann natürlich ganz anders wird als vorher erträumt. Dabei fehlt dem Roman auch der emotionale Tiefgang nicht. Die Beziehung zur Kindheitsfreundin Toni ist einfühlsam erzählt, und mit ihrer Wiederentdeckung und dem Beginn einer wirklichen Beziehung zwischen den beiden bekommt der Roman dann auch einen pädagogisch wertvollen, nicht allzu aufdringlichen Schluss.  

Für männliche Jugendliche ab 14 ist der Roman besonders zu empfehlen, weil er einen männlichen Protagonisten vorstellt, der differenziert beschrieben und ausgelotet ist, der seine Stärken und auch klaren Schwächen und Macken hat – ein alltäglicher, aber vertrauenswürdiger Charakter. Wohl jeder Junge kann sich in Xavers Gefühlswelten hineinversetzen.

Sprachlich ist der Roman handwerklich solide Unterhaltung, allerdings verzichtet Limes dabei nicht auf einige Klischees und Gemeinplätzen. Die Jugendsprache ist überwiegend angemessen, teilweise allzu dick aufgetragen. Ungeübte Leser werden das nicht merken. Der Roman ist leicht zu lesen.

Die Aufmachung des Buches ist gelungen. Das helle Cover mit einem tag-ähnlichen Titel-Schriftzug zielt klar auf Jungs. Der grinsende Mettigel neben den Füßen eines (allein!) Schlafenden trifft recht gut die leichte, komödiantische Stimmung des Romans.

Der Roman eignet sich vor allem als private Lektüre für Leser, die auch nur wenig Leseerfahrung haben. Die Sprache ist einfach und betont jugendlich.

Auch für freie Lektüre im schulischen Kontext ist der Roman durchaus denkbar. Die angesprochenen Themen von Sexualität, Scham, Beziehungssuche, Liebe, Projektionen betreffen so gut wie alle Schüler und Schülerinnen in diesem Alter und können Fragen aufwerfen, die interessante Diskussionen versprechen, zumal hier nur selten der pädagogische Zeigefinger erhoben wird, sondern meist aus einer frischen jugendlichen Perspektive heraus erzählt wird.
Ebenso ist der Roman, wenn das Thema auch mit 14 an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist, durchaus als Klassenlektüre geeignet. Sowohl Jungen wie auch Mädchen haben in Xaver und den verschiedenen Mädchengestalten mehrere Identifikationsangebote.