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Buchcover Barbara Iland-Olschewski: Tiergeister AG - Achtung, gruselig!

Rezension von Stefanie Boor

Rauhaardackel Arik ist durch einen Unfall zum Tiergeist geworden und versteht zunächst die Welt nicht mehr. Gut, dass seine neuen Mitschüler ihm freundlich und behutsam in seinem „neuen Leben“ zur Seite stehen: In der Schule Spuk Ekelburg lernen nämlich verstorbene Tiere jede Nacht, wie man Menschenkinder zum Gruseln bringt. Das ist aber heutzutage gar nicht mehr so einfach...
Sanfter Gruselspaß mit originellen Charakteren, verzwickter Freundschaftsgeschichte und einer Sprache, die gut zu lesen ist und gleichzeitig den Wortschatz bereichert.

BuchtitelTiergeister AG - Achtung, gruselig!
AutorBarbara Iland-Olschewski (mit Illustrationen von Stefanie Jeschke)
GenreAbenteuer
Horror & Grusel
Lesealter8+
Umfang155
Edition1. Auflage
VerlagarsEdition
ISBN978-3-8458-2042-2
Preis10,00
Erscheinungsjahr2018

Dackel Arik findet sich mitten in der Nacht in einem stockdunklen Wald wieder und hat keine Ahnung, wie er dort hingekommen ist. Als andere Tiere ihn finden, erklären sie ihm geduldig, dass er verstorben und nun eine geheime Schule sein neues Zuhause sei. Tagsüber ist die Sankt-Ethelburg-Schule eine ganz normale Grundschule für Kinder. Nachts jedoch wird sie zur geheimen Tiergeister-Schule Spuk Ekelburg. Die neuen Mitschüler sind allesamt tot und ihre Aufgabe ist es, Kinder zu erschrecken und zum Gruseln zu bringen. Dabei tarnen sie sich tagsüber als scheinbar ausgestopfte Tiere in der Biologie-Sammlung, nachts geht jedoch der Spuk los. Dafür erscheinen die Tiergeister in den Träumen der schlafenden Kinder. Außerdem stehen noch Schulfächer wie Geistermathe, Schauermusik oder Gestaltwandeln auf dem Stundenplan. Allerdings gibt es wie in jeder Schule fiese Lehrer und Schüler sowie ernsthafte Raumprobleme; eine zusätzliche Herausforderung für die Tiergeister besteht darin, dass sich die Kinder heutzutage nicht mehr so einfach erschrecken lassen. Nicht zuletzt steht die Freundschaft der Kinder Lisa und Matteo auf der Kippe.

Nach einigem Zögern entwickelt sich Arik zu einem mutigen Mitglied der Tiergeister AG und löst mit seinen Freunden so manches Problem bzw. Missverständnis. Doch dafür müssen die spukenden Haustiere einige Herausforderung meistern. Und was, wenn die Kinder hinter das Geheimnis der ausgestopften Tiere in der Schule kommen?

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Keine Angst, hier kommt eine nur leicht gruselige Geschichte! Das vermitteln Cover und Vorsatzpapier des Buches beim ersten Eindruck und machen gleichwohl neugierig. Der Protagonist des Romans, Rauhaardackel Arik, entwickelt sich in der Geschichte vom zunächst begriffsstutzigen Haustier zu einem mutigen Mitglied der spukenden Tiergeister-AG. Seine neuen Freunde und Mitschüler sind allesamt tot: Honig, das Kaninchen, Chili, die Wüstenmaus, Tara, die Katze und Plato, das griechische Chamäleon. Sie erklären Arik zu Beginn, dass auch er gestorben ist. Dabei bringen sie ihm diese Tatsache so schonend bei, dass weder Arik noch die Leser zu sehr erschreckt werden. Ergänzend besänftigt eine sorgfältige Bildsprache den für junge Leser durchaus gruseligen Aspekt der toten Tiere: Farbige Illustrationen und Vignetten zeigen zwar u. a. die Wüstenspringmaus mit kahlen Stellen im Fell und abgerissenem Ohr oder das Chamäleon mit einem großen Loch im Bauch, durch das man sogar die Rippen sehen kann. Die Bilder sind jedoch abstrahiert und haben mit gewalthaltigen Motiven nichts zu tun. Der Gänsehaut-Faktor bleibt altersgemäß.

Die Geschichte wird aus Ariks Perspektive erzählt. Anfangs ist es für ihn mühsam zu begreifen, dass er ums Leben gekommen ist. Zudem muss er sich an den Gedanken, nun die Tiergeister-Schule Spuk Ekelburg zu besuchen, erst gewöhnen. Mehr als einmal sehnt er sich nach seinen früheren Herrchen Tim und Jette zurück. Doch mit der Hilfe seiner neuen Freunde findet er sich schließlich in seinem neuen „Leben“ zurecht.
Die Geschichte gliedert sich zugunsten der Lesefreundlichkeit in kurze Kapitel und Sätze. Die einzelnen Charaktere und das Schulleben sind liebevoll und phantasievoll gezeichnet. Die Erzählweise und die Gedankenwelt von Dackel Arik ermöglichen den Lesern durch eine empathische Art und Weise, den Streit zwischen den Kindern Lisa und Matteo aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und abzuwägen. Die Kinder in der Geschichte finden eine Lösung und vertragen sich wieder. Die Botschaft ist recht verständlich. Das mag einerseits beschaulich wirken, andererseits ist es in der Geschichte gut eingebettet.
Die Sprache lässt den Leser wachsen, ist abwechslungsreich und mit einer Portion Humor und Situationskomik ausgestattet. Als Arik zu Beginn nicht begreift, dass er tot ist, und zudem immer wieder nach Hause zurückkehren möchte, mag zunächst keines der anderen Tiere das Wort „GESTORBEN“ aussprechen. Mit vielfältigen Formulierungen reden sie förmlich um den heißen Brei herum:
„Spuk Ekelburg ist jetzt dein Zuhause, Arik. (…) Eine Schule für Haustiere, die, äh, dahingegangen sind.“ (…) „Arik starrte verwirrt zurück. „Hä? Wohin sind die Haustiere denn gegangen?“ „Nicht weggegangen. Ich meine damit verschiedene Haustiere.“ (…) „Verschiedene? Aber ist doch klar, dass wir alle unterschiedlich sind!“ (…) „Von uns gegangene Haustiere. (…) Aus dem Leben geschieden!“
Das Thema Tod wird so nebenbei, auch im Fortgang der Geschichte, wortwörtlich enttabuisiert.
Die Spannung beginnt auf der ersten Seite und wird konsequent als tragfähiger Bogen fortgeführt. Immer größer werdende Abenteuer und Aufgaben der Tiergeister sorgen für wohlige Schauer. Dabei verknüpft die Autorin geschickt die zwei Welten der ausgestopften Tiergespenster und der Kinder miteinander. Ein Cliffhänger lässt am Ende der 155 Seiten ahnen, dass Band 2 bereits veröffentlicht ist…
Die Geschichte ist aufgrund von Typografie (Schriftgröße und Zeilenabstand), trotz der auflockernden Illustrationen und Schriftarten, eher für geübtere Leseanfänger bzw. Leser geeignet. Der Titel dürfte jedoch auch bei jüngeren Lesern spontan für Neugierde und eine unterhaltsame (Vor)Lesezeit sorgen.

Eine klare Sprache, die verständlich und spannungserzeugend ist, in Kombination mit „entschärfenden“ Illustrationen ist die Stärke des Buches. Die Geschichte verknüpft die Lebenswelt von Kindern mit der leicht gruseligen Phantasiewelt der Tiergeister-Schule.
Für Leser in der Altersgruppe 8+, die sich vor zu hohem Textanteil noch scheuen, bietet sich der Titel auch gut zum Vorlesen bzw. gemeinsamen Lesen mit Eltern, Lehrkräften oder Lesementoren an.

Im Hinblick auf das Thema ist es ein unterhaltsames Buch besonders für die dunkle Jahreszeit und schaurige (Halloween-)Lesemomente – als Privatlektüre oder für die offene Leseförderung geeignet.

Der Titel kann sehr gut für Bücher Castings oder Formate wie Buch-Steckbriefe eingesetzt werden. Als Leseanimation sind auch kreative Umsetzungsideen von eigenen Tiergeistern möglich, etwa im Kunstunterricht.