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Buchcover Joe Berger: Simons kleine Lügen - Pudding in Not

Rezension von Christine Garbe

Simon hat Stress: Der fiese Mitschüler Fyncher und sein ‚Höllenhund‘ wollen ihm und seiner Katze „Pudding“ an den Kragen, zu Hause tragen sich mysteriöse Missgeschicke zu und perfektionistische Schwestern, Mütter und Lehrerinnen nerven gewaltig. Da muss Simon ab und zu mit der Wahrheit kreativ umgehen, was die Dinge aber nicht einfacher macht…  Ein originell gezeichneter Comicroman mit viel britischem Humor und Hintersinn, der nicht nur ungeübten Lesern großen Spaß bereiten wird.

BuchtitelSimons kleine Lügen - Pudding in Not
AutorJoe Berger (übersetzt von Katja Frixe)
GenreHumor & Comedy
Lesealter8+
Umfang233
Edition1. Auflage
Verlagmixtvision
ISBN978-3-95854-121-4
Preis12,90
Erscheinungsjahr2018

Der neunjährige Simon sieht sich mit vielen Unbilden des Lebens konfrontiert: In der Familie nerven die perfekte ältere Schwester, die kontrollierende Mutter und der Gitarre-klimpernde Vater; in der Schule macht er sich ausgerechnet den Fiesling Peter Fyncher mit seinem „Höllenhund Fleischer“ zum Feind, und dann häufen sich zu Hause auch noch die Missgeschicke und Pannen, die man Simon in die Schuhe schiebt, obwohl sie eigentlich seine Katze „Pudding“ verursacht hat. Doch das darf natürlich niemand erfahren, sonst würde die ihm zugelaufene Katze womöglich wieder ausgesetzt werden. Was liegt da näher, als alle Schuld von sich zu weisen und die Kunst der Notlüge zu kultivieren? Doch leider verstrickt sich Simon schließlich so im Netz der Notlügen, dass er seine Strategie ändern muss; mit Hilfe seines Opas, des „großen Wunderoso“, beschließt er die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, doch um die Untaten von „Pudding“ zu decken, muss er auch dazu Geschichten erfinden…

Eine Leseprobe können Sie hier lesen.

Wie es sich für einen Comicroman gehört, ist der Protagonist ein echter Antiheld: Das Streben nach höheren Idealen ist ihm fremd, er ist stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht, folgt in seinem Handeln eher ‚niederen‘ Motiven und schreckt auch nicht davor zurück, seine streberhafte Schwester zum Lügen zu animieren, damit seine eigenen Untaten – den Pausensnack eines Mitschülers entwendet und verspeist zu haben – nicht ans Licht kommen. Besonders gut ist Simon darin, den Unschuldigen zu mimen, der von nichts weiß; doch leider hat es sich herumgesprochen, dass er es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, und daher ist zumindest seine Familie geneigt, die Schuld für alle seltsamen Vorkommnisse bei ihm zu suchen: Tennisbälle in der Erdnussbutter, zerbrochene Porzellanhunde und verschwundene Kartoffelsäcke können nur von Simon verursacht worden sein, oder etwa nicht? Immerhin hat Simon in Karli einen loyalen Freund, in seinem Opa einen verständnisvollen Helfer und in seiner Katze „Pudding“ ein treues Haustier, dem seine besondere Liebe und Fürsorge gilt. Denn „Pudding“ ist dem tyrannischen Mitschüler Fyncher entlaufen und entsprechend traumatisiert; darum richtet sie im Haushalt allerlei Chaos an, und Simon ist bestrebt, seine süße, großäugige Katze zu decken und zu verhindern, dass sie von der strengen Mutter des Hauses verwiesen und wieder ausgesetzt wird. Die Pointe der Geschichte besteht darin, dass Simon schließlich mit großem Pathos verkündet, er werde nun die Wahrheit enthüllen (und die Verantwortung für die Streiche in der Familie übernehmen) und dann doch wieder nur eine Geschichte erzählt, um seine Katze zu decken.

Die Geschichte hat vielleicht nicht sonderlich viel Tiefgang, lebt aber von der Komik in Wort und Bild, von skurrilen Ideen und karikaturenhaften Überzeichnungen der Charaktere, von Slapstick und Situationskomik ebenso wie von den selbstironischen Kommentaren des Ich-Erzählers Simon.
Das Buch ist sehr unterhaltsam gestaltet: mehr Comic als Roman, d.h. durchgängig in (schwarz-weißen) Bildern und Sprechblasen erzählt, die gelegentlich durch kurze Textpassagen aufgelockert werden. Besonders bemerkenswert ist die zeichnerische Vielfalt und die gestalterische Originalität; man merkt, dass der Verfasser ein passionierter Comiczeichner ist, wie er im Abspann seinen Lesern verrät. Der hintergründige britische Humor und das typisch britische Understatement dürften männlichen Lesern besonders gefallen; und da der überwiegende Teil der 232-seitigen Geschichte aus Bildern besteht, dürfte das Buch besonders auch bei wenig lese-affinen Jungen und ungeübten Lesern gut ankommen.

Da das vorliegende Buch zu einem großen Teil seine Wirkung durch die zahlreichen humorvollen Illustrationen entfaltet, eignet es sich besonders für junge und eher ungeübte oder unmotivierte Leser im Übergang vom Bilderbuch zum Kinderbuch und für Comic-Liebhaber. Da es sehr ‚parteiisch‘ aus der Sicht des – unangepassten – Kindes erzählt, ist es eher nicht für die gemeinsame Lektüre mit Eltern, Lesementoren oder Erzieher/innen geeignet, sondern sollte der individuellen Lektüre der jungen Leser (und deren lustvoller Identifikation mit den unangepassten Verhaltensweisen des Protagonisten) überlassen bleiben.

Im Hinblick auf Themen und Genre ist „Pudding in Not“ vor allem ein unterhaltsames Buch, das nicht unbedingt im Unterricht besprochen werden muss, sondern für die Privatlektüre zu Hause oder für offene Formate der Leseförderung eingesetzt werden kann, etwa in Viellese-Formaten (Lese-Olympiade, freie stille Lesezeiten, unterstützte stille Lesezeiten) oder in Formaten der Leseanimation. Es ist sicher gut geeignet, in Klassenbibliotheken oder Leseecken in der Grundschule angeboten zu werden; im Rahmen von Buchvorstellungen im Deutschunterricht kann dazu etwa ein Poster oder eine Leserolle gestaltet werden.