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Buchcover R.T. Acron: Ocean City - Jede Sekunde zählt

Rezension von Eva Maus

Wer im 22. Jahrhundert in der auf dem Meer treibenden Megastadt Ocean City lebt, kann sich glücklich schätzen, oder? Immerhin gibt es hier – anders als auf dem Festland – Essen, Unterkunft und Sicherheit. Doch die Währung, mit der all das bezahlt wird, ist knapp und kostbar: Zeit. Als drei Jungen einen Weg finden, sich illegal mehr Zeit zu beschaffen, fordern sie damit das totalitäre System heraus, werden verfolgt und geraten in Lebensgefahr. Eine intelligente Dystopie voller rasanter Action, reichlich Spannung und – für alle, die mögen – auch Stoff zum Nachdenken. Diese Lektüre ist keine Zeitverschwendung!

BuchtitelOcean City - Jede Sekunde zählt
AutorR.T. Acron
GenreScience Fiction
Gegenwart & Zeitgeschichte
Lesealter12+
Umfang272
Edition1. Auflage
Verlagdtv
ISBN9783423761994
Preis14,95
Erscheinungsjahr2018

Im 22. Jahrhundert scheint Ocean City eine besonders lebenswerte Stadt zu sein. Die Megacity treibt auf dem Meer, aus dem die Einwohner Müll und Algen gewinnen, die zu allen nötigen Rohstoffen bzw. Lebensmitteln für ein relativ angenehmes Leben verarbeitet werden. Anders als auf den Kontinenten herrscht dort weder Chaos noch Gewalt oder Hunger. Bezahlt wird dafür mit der Währung Zeit. Doch für die meisten ist Zeit ein knappes Gut.
Der Schüler Jackson und seine Freunde, der wohlhabende Henk und der Rebell Crockie, entwickeln ein Gerät, mit dem sich Zeitkonten illegal manipulieren lassen. Als Crockie davon Gebrauch macht, erleben die Freunde, welchen Preis der bescheidene Wohlstand und die Ordnung in Ocean City hat: die kompromisslose Macht der Zentralbank und die Opferung von Freiheiten. Die Generalsekretärin der Zentralbank nimmt die Jungen ins Visier, die brutale Abteilung Z heftet sich an ihre Fersen und auch ein eigensinniger Polizeiermittler ist hinter ihnen her. Jackson muss fassungslos mit ansehen, wie Crockie gefasst wird und kurz darauf leblos im Wasser versinkt. Bald gerät auch er zwischen alle Fronten, von der Abteilung Z gejagt, von einer radikalen Rebellengruppe bedrängt, unsicher, was richtig ist und wem er noch vertrauen kann und immer auf der Suche nach Crockies Versteck für das Gerät zum Manipulieren der Zeitkonten. Der wahre Strippenzieher kennt derweil jeden von Jacksons Schritten und bleibt doch allen verborgen.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Die Idee ist bedrückend und scharfsinnig zugleich: Der Wettlauf um das immer effizientere Leben mündet in die Einführung der Zeit als Währung. In Ocean City regieren keine gewählten Politiker, sondern Geschäftsleute, die die Zeitkonten der Einwohner kontrollieren. Alles, was wir heute für Geld kaufen, kostet in Ocean City Zeit, die über einen implantierten Chip vom jeweiligen Zeitkonto abgebucht wird. Wer zu spät zur Schule kommt, muss Strafminuten zahlen. Um in einer sicheren Gegend zu wohnen, muss viel Zeit bei der Arbeit verdient werden. Freizeit ist purer Luxus und Computerspiele sind altertümliche Relikte aus der Vergangenheit. Frank Maria Reifenberg und Christian Tielmann, die sich hinter dem Pseudonym R.T. Acron verbergen, greifen in diesem Reihenauftakt viele gesellschaftliche Themen auf und haben doch einen actionreichen Jugendroman geschrieben, der sich auch unabhängig von den großen Themen als reine Abenteuergeschichte mit Genuss lesen lässt. Beide Lesarten – die spannungsbetonte wie die gesellschaftskritische, die der Leser im Idealfall kombiniert – profitieren davon, dass die Autoren keine eindeutigen Antworten geben. Ist das Gesellschafts- und Finanzsystem in Ocean City eine Diktatur, die bekämpft werden sollte, oder ist ihre straffe Organisation der einzige Weg, um in schweren Zeiten einen lebenswerten Ort zu erhalten? Sind die Rebellen gefährliche Fanatiker oder edle Freiheitskämpfer? Ist Crockie ein Krimineller, der Zeit gestohlen hat, oder ein Opfer des ungerechten Systems, das sich gegen sein Schicksal wehrt?
Ein weiterer Pluspunkt des Buches: Jackson ist ein sympathischer Held, mit dem sich viele Jungen und Mädchen schnell identifizieren dürften; aber er ist nicht perfekt. Er gibt sich große Mühe tapfer und integer zu sein, macht aber durchaus Fehler und ist sich nicht immer sicher, was er tun soll. Das beginnt bereits auf den ersten Seiten, als Jackson und Crockie von der Abteilung Z gejagt werden und Jackson beobachten muss, wie sein Freund leblos aus dem Wasser gezogen wird. So gelingt das Übernehmen von Jacksons Perspektive genauso schnell und leicht wie der Aufbau von Spannung. Und die dauert über das Ende des Buches hinaus, denn viele offene Fragen machen neugierig auf den nächsten Teil. In der Fortsetzung werden dann vielleicht auch noch nebensächliche Unklarheiten geklärt wie das genaue Verhältnis von echter Lebenszeit und der Währung Zeit.
Aber nicht nur der Inhalt überzeugt, auch die Buchgestaltung begeistert: Das Cover strotzt vor Details, die den Leser neugierig machen.

Fazit: Ocean City – Jede Sekunde zählt ist ein Abenteuerroman, der einfach allen Jungen (und Mädchen) zu empfehlen ist, die Action und Spannung mögen, und gleichzeitig eine Dystopie voller Anregungen zum Nach- und Weiterdenken. Unbedingt lesen!

Durch den früh etablierten und durch die gesamte Handlung tragenden Spannungsbogen ist „Ocean City – Jede Sekunde zählt“ eine vielversprechende Lektüre für die private Leseförderung. Die Komplexität und der Aufbau des Buches überfordert zudem auch etwas ungeübtere Leser nicht; und wer sich einmal in Jackson hineingedacht hat, will sicherlich wissen, wie er in den nächsten Bänden aus seiner schwierigen Situation herausfindet. Zudem liegen Dystopien im Trend. Alle, die sich bereits für Serien, Computerspiele, Filme oder andere Bücher des Genres begeistern konnten, lassen sich leichter auch für diese Dystopie begeistern. Das Nebeneinander von spannendem Abenteuer sowie interessanten und lebendig geschilderten gesellschaftlichen wie ökologischen Problemstellungen kann zudem als Türöffner beim Übergang von reiner Unterhaltungsliteratur hin zu anspruchsvolleren Texten in dieser Hinsicht dienen. Der sympathische Protagonist Jackson lädt den Leser dabei ein, seine Perspektive zu übernehmen und mit ihm Abwägungen zu treffen. Auch stellt das Buch eine Vielzahl an Themen bereit, die gemeinsam – etwa bei einer begleiteten Lektüre – besprochen werden können. Da die Autoren mit vorgefertigten Lösungen und Eindeutigkeiten sparen, sind hier wertvolle Anregungen für eine interessante Anschlusskommunikation zu finden. Dies ist jedoch in keiner Weise Voraussetzung für ein subjektiv positives Leseerlebnis. Auch als Lektüre in einem institutionellen Rahmen, beispielsweise in Bibliotheken oder freien Leseformaten in der Schule, bietet sich „Ocean City – Jede Sekunde zählt“ durch seine Kombination aus Spannung und Action einerseits und großen Themen ohne vorgefertigten Lösungen andererseits an.

Ein kleiner aber feiner Bereich auf der dtv-Website lädt die Leser dazu ein, sich weiter mit dem Buch und seiner Entstehung zu befassen.