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Buchcover Christine Ziegler: Jaguarkrieger

Rezension von Tanja Hattermann

In einem dystopischen Berlin ist der 16-jährige Will, Produkt einer Genmanipulation,  als „Rückläufer“  zu einem gefährlichen Leben im Untergrund verdammt.  Doch in der e-Sport-Szene hat der Anführer eines legendären Gamer-Clans Heldenstatus. Auf der Flucht vor den Fängen der Biotechnologiefirma beginnt nicht nur für Will ein dramatischer Kampf um Leben und Tod.
Dieser Pageturner garantiert ein spannendes Leseabenteuer und lädt nebenbei zur Reflexion ethischer und gesellschaftspolitischer Fragen ein.

BuchtitelJaguarkrieger
AutorChristine Ziegler
GenreKrimi & Thrill
Abenteuer
Lesealter14+
Umfang352
Edition1. Auflage
VerlagSüdpol
ISBN978-3-943086-80-5
Preis18,90
Erscheinungsjahr2018

Nach einem verheerenden Cyberwar ist Deutschland weitgehend zerstört und atomar verseucht. Will, ein genoptimierter Junge, wurde im Alter von 9 Jahren von seinen Eltern „reklamiert“ und verbrachte den Großteil seiner Kindheit als sogenannter „Rückläufer“ im Kinderheim der Firma Optigenio. Nach seiner Entlassung versteckt Will sich zusammen mit anderen Rückläufern in verwaisten Häusern rund um Berlin. Bei illegalen Computerspielwettkämpfen tritt er als Anführer des erfolgreichen Gamer-Clans „Jaguarkrieger“  auf.  Als Optigenio beginnt, nach ihm zu fahnden, beschließt Will zu fliehen. Auf der Flucht verliebt er sich in Mia, die aus Sektor 1 stammt, dem hermetisch abgeriegelten Bezirk der privilegierten Schicht. Gemeinsam finden sie Unterschlupf bei Hannibal, einem Clanmitglied der „Jaguarkrieger“. Will erfährt, dass einige seiner Freunde getötet worden sind. Um Geld für Wills Flucht zu erspielen, nimmt der Clan an einem Gaming-Event in Berlin teil. Dabei wird Will von dem Optigenio-Mitarbeiter Daniel attackiert, kann jedoch entkommen. Recherchen ergeben, dass sein Verfolger nicht mehr im Auftrag von Optigenio handelt, sondern von einem perfiden Racheplan besessen ist und eigenmächtig alle Rückläufer eliminieren will. Als Daniel droht, außerdem auch Mia zu töten, spitzt sich die Lage dramatisch zu…

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Zieglers Roman greift mit den Gamer-Clans eine bei Jugendlichen überaus populäre Variante des e-Sports auf. Eingebettet in ein dystopisches Setting verarbeitet die Autorin diese Thematik auf originelle Weise in einem Genre-Mix aus Abenteuerroman, Thriller und zarter Liebesgeschichte.
Der tragende Spannungsbogen des Romans setzt bereits im ersten Kapitel mit Wills Flucht ein und erfährt erst im finalen Showdown im vorletzten Kapitel eine Auflösung. Der Einstieg führt den Leser direkt in die Szenerie der Gamer ein, zugleich wird ein Einblick in die dystopische Welt und die Lebensbedingungen der „Rückläufer“ gewährt. Im Verlauf speist sich die Handlungsspannung in erster Linie aus der Figurenkonstellation und der direkten Konfrontation zwischen Will und seinem Gegenspieler Daniel.
Neben dem durchgängig hohen Maß an Spannung punktet der Roman mit einer differenzierten Figurengestaltung  und mitunter auch witzig-skurrilen Dialogen, vor allem zwischen Will und Hannibal.
Der Protagonist Will ist von Beginn an Sympathieträger, eine vielschichtige, nuanciert gezeichnete Figur mit hohem Identifikationspotenzial für jugendliche Leser. Auf der einen Seite ist Will ein erfolgreicher Clanführer, der in der virtuellen Community als Held verehrt wird und mit den erspielten Preisgeldern auch den Lebensunterhalt seiner WG-Freunde finanziert. Geprägt von den schrecklichen Erlebnissen seiner Kindheit und getreu seines Lebensmottos „WILL RESIST“ strebt er nun nach Unabhängigkeit und hegt großes Misstrauen gegenüber Fremden. Selbst zu seinen Freunden wahrt er eine gewisse Distanz und steht sich selbst keinerlei Gefühlsregungen zu. Mit eiserner Selbstdisziplin absolviert er sein tägliches Fitnessprogramm und hofft, die Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können. Auf der anderen Seite offenbart auch Will im Verlauf der Geschichte menschliche Schwächen und muss sich schließlich eingestehen, dass er sich der Macht der Liebe nicht entziehen kann.
Auf Seiten der Nebenfiguren überzeugen besonders die eigensinnige Mia und der liebenswerte Computernerd Hannibal als lebendige und authentisch wirkende Charaktere.
Die Darstellung der dystopischen Welt wirkt überaus beklemmend: Überwachungsdrohnen, Gesichtserkennung und Ortungschips prägen neben Armut, Hunger und Krankheiten den trostlosen Alltag der normalen Bevölkerung, während die elitäre Schicht in Sektor 1 ein Leben nach unserem heutigen Standard führt.
Themen wie Genmanipulation, Medizinethik und Computerspielsucht bieten vielfältige Anknüpfungspunkte für eine tiefergehende Auseinandersetzung, aber sie überlagern niemals die spannungstreibende Handlungsebene.
Von vereinzelten Rückblenden abgesehen wird die Geschichte chronologisch erzählt. Überschaubare Kapitel, relativ große Schrift und eine leicht zugängliche Sprache ermöglichen auch ungeübteren Lesern den Einstieg in die Lektüre. Das farblich stimmige Buchcover verweist mit der Abbildung eines computergenerierten Gesichts hinter einer helixartigen Struktur direkt auf den zentralen Handlungsstrang.

Fazit: Der Roman garantiert spannende Unterhaltung mit Tiefgang, nicht nur für Computerspielfans.

Das Buch bietet mit Will und Mia sowohl für Jungen als auch für Mädchen geeignete Identifikationsfiguren. Aufgrund der inhaltlichen Schwerpunktsetzung (Gaming Clans, dystopischer Hintergrund) eignet sich der Roman primär als private Einzellektüre für flüssig lesende Jugendliche. Darüber hinaus ist der Einsatz des Buches in freien Leseformaten im schulischen Kontext ebenfalls vorstellbar, z.B. als Bestandteil von themenspezifischen Bücherkisten oder im Rahmen von Buchvorstellungen.