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Buchcover Alex Wheatle: Liccle Bit. Der Kleine aus Crongton

Rezension von Barbara Reidelshöfer

Ein unbedachter Schritt und auf einmal bewegt sich der vierzehnjährige Liccle Bit ungewollt im Gangsta-Milieu. Dabei ist sein Leben auch ohne den aufkeimenden brutalen Bandenkrieg schon kompliziert genug: prekäre Familienverhältnisse, Stress in der Schule und ein unglücklich verlorenes Herz machen dem Teenager zu schaffen.
Ob und wie Liccle Bit es schafft, sich aus dieser Misere zu befreien, zeigt der fesselnde, berührende und authentische Roman ohne jede falsche Betroffenheit, dafür aber mit viel Humor und vielschichtiger Figurenzeichnung. Unbedingt lesen!

BuchtitelLiccle Bit. Der Kleine aus Crongton
AutorAlex Wheatle (übersetzt von Conny Lösch)
GenreComing of Age
Gegenwart & Zeitgeschichte
Lesealter14+
Umfang256
Edition1. Auflage
VerlagKunstmann
ISBN978-3-95614-231-4
Preis18,00
Erscheinungsjahr2018

Der vierzehnjährige Liccle Bit hat zuhause mit schwierigen Verhältnissen zu kämpfen. Sein Vater hat die Familie schon vor langer Zeit verlassen und lebt bei seiner neuen Familie, was Liccle Bits völlig überlastete und vom Leben enttäuschte Mutter immer noch nicht akzeptieren kann. Seine große Schwester lebt mit ihrem unehelichen Kind in der sowieso schon viel zu kleinen Wohnung und ist für ihre schlechte Stimmung bekannt. Die liebevolle Großmutter versucht zwar nach bestem Wissen und Gewissen, die Familie zu unterstützen, aber die Wohnung ist einfach zu klein für fünf Personen. Dass zusätzlich auch das Geld mehr als knapp ist, erleichtert die Situation für Liccle Bit nicht gerade. Und ob ihm sein Zeichentalent dabei helfen wird, das begehrteste Mädchen der Schule zu erobern, in das er sich unsterblich verliebt hat, steht in den Sternen.
Die Aussicht auf ein bisschen Taschengeld verleitet ihn dazu, einen Auftrag des Gangsta-Chefs Manjaro anzunehmen. Doch es soll nicht bei diesem ersten bleiben. Bald verflucht Liccle Bit die hartnäckige Aufmerksamkeit Manjaros und seiner Gang, die ihn nun als einen der ihren ansehen. Nachdem er endlich begriffen hat, dass sein Kurierdienst etwas mit dem zunehmend brutaleren Bandenkrieg zu tun hat, spitzt sich sein Gewissenskonflikt weiter zu. Als es dann auch noch zu einem Toten im Viertel kommt, scheint alles zu spät.
Aber die Rettung aus der ausweglosen Situation naht aus einer Richtung, mit der Liccle Bit am wenigsten gerechnet hätte...

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

Mit seinem ersten Jugendbuch schafft es Alex Wheatle, ein ernstes Thema auf mitreißende und leichte Art zu erzählen. Und obwohl für viele deutsche Jugendliche das Setting im fiktiven britischen Stadtteil Crongton, in dem es zwischen North- und South-Crongton zu extremen Rivalitätskonflikten mit Waffengewalt und Toten kommt, wohl eher unbekannt ist, gewinnt der Hauptcharakter des ersten Bands der Crongton-Trilogie schnell das Leserherz.

Denn das, was Liccle Bit, der kleine, unscheinbare vierzehnjährige Junge mit Zeichentalent, erlebt, mag in vielerlei Hinsicht fremd sein. Aber er erlebt eben auch viele Konflikte, die prägend für jeden Heranwachsenden sind: Auseinandersetzungen innerhalb der Familie, das Behaupten im Freundeskreis, die erste Liebe. Die eigentlich zentrale Sozial- und Milieustudie des Romans bildet eher den Hintergrund. Als Leser muss man sich nicht mit sozialen Problemen, Alltagsrassismus und mafiösen Strukturen in diesem Unterschichtsviertel beschäftigen. Aber man wird es über die Identifikation mit Liccle Bit dennoch tun.

Die Spannung in diesem gesellschaftskritischen Coming-of-age Roman ist hoch und der Leser fiebert mit, wenn Liccle Bit seinen Kurierdienst für den Bandenchef Manjaro erledigt, nachts durch tabuisierte Straßen in North Crongton streift und wochenlang mit einer Pistole im Rucksack umherläuft. Dies alles ist abenteuerlich, nervenaufreibend, aber immer auch sehr witzig und humorvoll geschildert.

Vor allem im erzählerischen Können liegt die große Stärke dieses Romans, der immer mitreißend und berührend ist, ohne kitschig zu werden. So differenziert werden die verschiedenen Charaktere gezeichnet, dass man schon nach wenigen Seiten das Gefühl hat, Familie und Freunde Liccle Bits genau zu kennen. Selbst Manjaro und seine Gangmitglieder werden nicht eindimensional dargestellt und billig verteufelt, sondern in ihrer Handlungsweise ernst genommen, sodass der Zusammenhang zwischen Unterstützung und Brutalität in mafiösen Bandenstrukturen deutlich wird.
Und auch Liccle Bit selbst ist in seinem Handeln, seinen Gefühlen und Träumen so gut getroffen, dass man sich als erwachsener Leser in sein Teenager-Empfinden zurückversetzt fühlt und sich als Jugendlicher vielleicht manchmal ertappt fühlt von der Achterbahn des Pubertätswahnsinns und im besten Fall darüber lachen kann, wie uneinsichtig selbstbezogen das Heranwachsen manchmal ist.

Besonders gelungen ist in dem Roman, dass die Charaktere menschlich unvollkommen bleiben. Jeder macht Fehler, aber jeder kann auch Fehler wiedergutmachen. Oder zumindest trotz schlechter Entscheidungen wieder auf die rechte Bahn des Lebens zurückkommen. Manchmal müssen diese schlechten Erfahrungen auch erst gemacht werden, um zu erkennen, wie schwierig es ist, richtige Entscheidungen zu treffen.

Und es ist wunderbar, dass es in diesem Roman viele Figuren gibt, die mit sich und dem Leben und ihren Entscheidungen ringen. Als Leser kann man in „Liccle Bit“ dabei distanziert zusehen, mitfühlen und mitfiebern, etwas über sich oder die Gesellschaft lernen – je nachdem, wozu man bereit ist. Unterhalten wird man auf alle Fälle und sicherlich auch wissen wollen, wie das Leben in South Crongton weitergeht. Zum Glück gibt es zwei Nachfolgebände, wovon der erste („Die Ritter von Crongton“) bereits erschienen ist.

Der Roman eignet sich sowohl als Klassenlektüre als auch für alle anderen Leseförderungsmaßnahmen (Buchvorstellung, Vielleseverfahren, schulische Leseecke sowie öffentliche Bibliotheken).
Das Buch ist der erste Band einer Trilogie, deren Einzelbände aber auch unabhängig voneinander lesbar sind und jeweils unterschiedliche Figuren aus dem Kosmos Liccle Bits fokussieren.