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Buchcover Ursula Poznanski: Thalamus

Rezension von Ines Heiser

Ein Motoradunfall bringt Timo mit einem Schädel-Hirn-Trauma in die abgelegene Reha-Klinik Markwaldhof. Bald entdeckt er, dass hier merkwürdige Dinge vorgehen: Ein fast geheilter Patient verstirbt plötzlich, ein anderer kann elektrische Geräte kontrollieren und Timos Bettnachbar, der offiziell im Wachkoma liegt, bedroht ihn nachts… Schade nur, dass Timo niemandem von seinen Beobachtungen erzählen kann, weil sein Sprachzentrum blockiert bleibt. Auf der Suche nach einer Erklärung für die seltsamen Ereignisse wird er von verschiedenen Seiten bedroht...
Ein Wissenschaftsthriller mit realistischem Hintergrund, der von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleibt.

BuchtitelThalamus
AutorUrsula Poznanski
GenreKrimi & Thrill
Lesealter14+
Umfang447
Edition1. Auflage
VerlagLoewe
ISBN978-3-7855-8614-3
Preis16,95
Erscheinungsjahr2018

Nach einem Motoradunfall wird Timo mit einem Schädel-Hirn-Trauma in die abgelegene, aber sehr renommierte Reha-Klinik Markwaldhof gebracht. Sein Zustand bessert sich schnell, nur sein Sprachzentrum bleibt blockiert, so dass er niemandem davon berichten kann, dass er immer wieder Patienten beobachtet, die eigenartige Fähigkeiten haben und geheimnisvolle Dinge tun. Timo macht sich auf die Suche nach einer Erklärung, erschwert dadurch, dass er seinen Körper immer häufiger nicht selbst unter Kontrolle hat – er hört plötzlich Stimmen und beginnt schlafzuwandeln. Er findet heraus, dass die Klinik heimlich medizinische Versuche durchführt: Mehreren Patienten wurden ohne deren Zustimmung Nanobots implantiert, die beeinträchtigte Hirnfunktionen reparieren sollen. Die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle, als eine ältere Generation von Bots sich unkontrolliert vermehrt und so das Leben ihrer Träger gefährdet und die neue Generation, die auch Timo eingepflanzt wurde, sich von der Steuerung ihrer Entwickler zunehmend unabhängig macht. In letzter Sekunde gelingt es Timo, Updates für die ältere Bot-Version zu installieren und dadurch seine Freunde zu retten. Er kann zwar nicht verhindern, dass der für die Experimente verantwortliche Arzt durch einen Brand die Klinik zerstört, um so die Beweise zu vernichten, aber durch eine rechtzeitige Evakuierung überleben alle Patienten.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

Die für ihre Krimis und Jugendbücher bekannte Autorin Ursula Poznanski legt mit "Thalamus" einen Wissenschaftsthriller vor, der sich auf der einen Seite als temporeicher Pageturner mit hohem Spannungspotenzial erweist, auf der anderen Seite aber auch sehr ernsthafte Fragen um Medizinethik, technischen Fortschritt und den Umgang mit Krankheiten aufwirft.
Der Aufbau der äußeren Spannung orientiert sich dabei an gängigen dramaturgischen Regeln: Eine zuerst alltäglich scheinende Situation kippt zunehmend ins Geheimnisvolle und Bedrohliche, je mehr Timo dahinter kommt, dass in der Klinik nicht nur menschenfreundliche Ziele verfolgt werden. Er erlebt einen zunehmenden Kontrollverlust: Timo muss feststellen, dass er sich selbst nicht mehr vertrauen kann, weil die ihm implantierten Bots die Kontrolle über bestimmte Körperfunktionen nur in bestimmten Situationen freigeben. Auf die Freunde, die er in den ersten Tagen in der Klinik gefunden hat und die ihn zuerst unterstützen, kann er sich ebensowenig verlassen: Die Bots der älteren Generation bemerken, dass Timo ihre Vermehrung aufhalten will und setzen ihre Wirte – Timos Freunde – dazu ein, um ihn aus dem Weg zu räumen, so dass sich Vertraute plötzlich und unerwartet gegen ihn wenden. Gegen Ende steigert sich die Spannung nochmals: Ausgelöst durch einen Sturm, kommt es zu einer closed room-Situation. Weil der Markwaldhof von der Außenwelt abgeschnitten ist, können sich Timo, der korrupte Arzt Dr. Kleist und die Bot-infizierten Patienten nicht mehr aus dem Weg gehen, aber auch keine äußere Hilfe anfordern; der Showdown ist also unvermeidlich.
Poznanskis Protagonist Timo ist dabei facettenreich und durchgehend sympathisch und glaubwürdig gezeichnet. Zuerst hat er damit zu kämpfen, seine neue und teils entwürdigende Situation als körperlich eingeschränkte Person zu akzeptieren. Im Verlauf der Handlung richtet sich sein Fokus aber immer stärker zurück auf die Außenwelt, er übernimmt Verantwortung für seine Freunde und setzt sich mit all seinen Möglichkeiten für sie ein. Dabei bleibt er stets integer und bemüht sich auch um Figuren, die seine Ziele nicht teilen oder ihn gefährden, wie sein Zimmergenosse Magnus.
Die wissenschaftskritische Thrillerhandlung knüpft an aktuelle Forschungsergebnisse an und wirft interessante medizin- und forschungsethische Fragen auf: Was darf für wissenschaftlichen Forschritt riskiert werden? Wie weit darf man mit technischen Möglichkeiten in den menschlichen Organismus eingreifen? Daneben stehen aber genauso Fragen im Zentrum, die zutiefst menschliche Probleme betreffen, die durch Krankheiten bzw. durch Unfallfolgen entstehen: Die jungen Patienten reflektieren ihre eigene Identität und ihre Beziehung zu anderen vor dem Hintergrund ihrer durch die körperliche Beeinträchtigung veränderten Situation neu, sie müssen für sich definieren, was sie selbst eigentlich ausmacht.
Die kurzen Kapitel erzählen flüssig und glaubwürdig aus Timos Perspektive, sie enden häufig mit einem Cliffhanger und entwickeln einen temporeichen Sog, der geeignet ist, auch Wenigleser mitzureißen. Aufgelockert wird die spannende und durchaus ernsthafte und bedrohliche Atmosphäre dabei immer wieder auch durch humorvolle Szenen, in denen spielerisches Geplänkel zwischen den jungen Patienten zeigt, dass sie auch ganz normale Jugendliche sind.
Insgesamt entsteht so ein Thriller mit Tiefgang, der nicht nur auf Spannung setzt, sondern ernsthafte Themen auf verständliche, gut lesbare Weise anbietet, ohne seine Leser zu bevormunden oder ihnen bestimmte Sichtweisen nahezulegen.

Mit seiner temporeichen Krimi-Handlung spricht „Thalamus“ als Privatlektüre sicherlich ein sehr breites Lesepublikum an, besonders spannend dürfte der Roman zudem für alle Leser sein, die sich für technische Neuerungen und Bionik interessieren, ggf. auch für solche, die einen persönlichen Bezug zu chronischen Krankheiten haben.
Wegen des breiten Adressatenkreises kann das Buch ebenso sehr gut seinen Platz in öffentlichen Bibliotheken und Schülerbüchereien finden.
In der Schule ist v.a. eine auszugsweise Arbeit mit „Thalamus“ gut vorstellbar, etwa im Bereich eines fächerverbindenden Projekts zu Zukunftstechnologien (gemeinsam mit Biologie und Ethik/Religion); hier könnte es z.B. auch Gegenstand einer Buchpräsentation sein.