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Buchcover Dean Bakopoulos: Please Don’t Come Back From the Moon

Rezension von Stella Mpalampanis

Michael ist 16, als sein Vater die Familie verlässt. Sein Vater ist nur einer von vielen Männern, die aufgrund der wirtschaftlichen Situation Maple Rock, einem Arbeitervorort von Detroit, den Rücken kehren. Der Protagonist beschreibt, wie eines Nachts sein Onkel nach einer Schlägerei vor der Stammkneipe ohne Erklärung in seinen Truck steigt und für immer die Stadt verlässt, vor den Augen seiner Frau und seines Sohns. Die anderen Männer machen es ihm nach: Einige hinterlassen ihren Familien lange Briefe, andere die einfache Nachricht „I'm going to the moon“...

BuchtitelPlease Don't Come Back from the Moon
AutorDean Bakopoulos
GenreComing of Age
Umfang317 Seiten
VerlagBlack Swan
ISBN0-552-77317-4
Preis£ 7.99

Michael ist 16, als sein Vater die Familie verlässt. Sein Vater ist nur einer von vielen Männern, die aufgrund der wirtschaftlichen Situation Maple Rock, einem Arbeitervorort von Detroit, den Rücken kehren. Der Protagonist beschreibt, wie eines Nachts sein Onkel nach einer Schlägerei vor der Stammkneipe ohne Erklärung in seinen Truck steigt und für immer die Stadt verlässt, vor den Augen seiner Frau und seines Sohns. Die anderen Männer machen es ihm nach: Einige hinterlassen ihren Familien lange Briefe, andere die einfache Nachricht „I'm going to the moon“. Als Michaels Vater seinen Job verliert, dauert es nicht lange, bis auch er verschwindet.

Michael und seine Freunde, die alle das gleiche Schicksal teilen, müssen früh lernen, die Rollen ihrer Väter zu übernehmen. Neben der Schule arbeiten sie, um ihre Mütter finanziell zu unterstützen, abends sitzen sie in der Kneipe, in der schon die Väter ihre Abende verbrachten. Haben sie anfangs noch die Hoffnung, ihre Väter zu finden, schlägt diese zunächst in Wut und schon bald in Resignation um. Als Michaels Mutter einen neuen Mann kennenlernt, mit ihm ein neues Leben beginnt und zusammen mit Michaels Bruder aus Maple Rock wegzieht, ist er auf sich selbst gestellt. Allein in seinem Elternhaus zurückgelassen beginnt für ihn das Leben eines Heranwachsenden, der viele Fragen an seinen Vater hat.

Leseprobe 1:
Peter Stolowitz's father owned Sol's Shoes on Six Mile Road. One day he left the store unattended, the front door propped wide open with a rock. Across the front windows he had lettered FREE SHOES in huge stokes of brown latex paint. He'd taken all the cash from the register and the safe and left a note: 'I'm going to the moon,' it said. 'I took the cash.'
Everyone in town went and helped themselves to a new pair of sneakers. We opened the boxes in the stockroom like it was Christmas, tossing lids aside, tearing out white tissue paper. Some people left there old shoes behind: a formidable pile of castaway footwear grew by the fire exit. Old men took home shiny wingtips, young women took high-heeled sandals. Nick and I helped ourselves to some Converse high-tops.
I was friends with Peter Stolowitz. I stood there in my new shoes as he walked into his father's store, holding his mother's arm. She wailed and he wept. 'All that we worked for,' his mother sobbed. 'All that I worked for.'
Peter glared at Nick and me. I pointed to the FREE SHOES sign and shrugged. The gleam of white sneakers was too much to resist. I left with the shoes.
After that, other men began using Mr Stolowitz's line. 'We're going to the moon,' they'd say, walking away from us. 'I'll be on the moon,' they'd say, their eyes staring through us.
(p. 17-18)

Leseprobe 2:
On a cold aimless autumn afternoon, Nick and I skipped class and drove out to a mall in Novi to get a gift at Victoria's Secret for one of his girlfriends. I was envious of him, having girlfriends at that level of sophistication.
At the mall, I made Nick go into the lingerie store alone and I went over to the drugstore to look at baseball cards. I wandered up and down the rows of toiletries and stopped near a display of razors. There stood a life-size cardboard cutout of a man with a towel wrapped around him, his face covered in shaving cream, the razor about to touch his cheek.
When Nick found me, I was smelling a bottle of Old Spice and tears were in my eyes. Nick asked me what I was doing. I shrugged, and smelled the Old Spice a little more. Nick stood there, a white gift bag stuffed with tissue paper in his right hand.
'Are you crying?' he said.
'No,' I said, my nose still hovering over the bottle of Old Spice that smelled like my father.
'You're crying,' he said.
I handed the bottle to Nick. 'Try it.'
He took the bottle and put it under his nose. He inhaled slowly and deeply, then he recapped the bottle and set it back on the shelf. He walked up and down the aisle, found a bottle of Brut, and inhaled. He closed his eyes, dropped his head, and inhaled again.
The manager kicked us out. 'This isn't a “free smell” store,' he said.
(p. 27-28)

Der Ich-Erzähler in seiner Welt
Michaels Geschichte ist nicht die eines typischen Teenagers, der gegen irgendwelche Normen rebelliert oder bestimmte Lebensentwürfe verweigert. Michael wird zu schnell erwachsen, dementsprechend sind seine Träume und Hoffnungen begrenzt. Sein einziges Ziel ist, nicht die gleichen Fehler wie sein Vater zu machen, dennoch ähneln sich ihre Biographien. Während die Mütter Maple Rock verlassen, um mit wohlhabenderen Männern in besseren Vororten ein neues Leben zu beginnen, bleiben Michael und seine Freunde in den Häusern ihrer Väter zurück. Auch wenn Michael, wie bereits sein Vater, unter den (heranwachsenden) Männern der vernünftigste zu sein scheint, führen er und seine Freunde zunächst ein ähnlich perspektivloses Leben: Sie haben einfache Jobs, verbringen ihre Abende in Kneipen und lassen sich von ihren Freundinnen vorwerfen, sie seien unfähig zu lieben.

Aus Michaels Versprechen an sich selbst, die Fehler seines Vaters zu vermeiden, entsteht ein Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Schicksalsgemeinschaft. Dieses Verantwortungsgefühl wirkt sich sowohl auf seine Beziehungen mit Holly und Ella aus – beides junge Mütter, für deren Wohlergehen er sich verantwortlich fühlt – als auch auf fast all seine Entscheidungen, wie zum Beispiel die, in seinem Elternhaus in Maple Rock zu bleiben. Dies kann als Michaels Dilemma gesehen werden, welches die Ohnmacht, die Gemäuer der Väter hinter sich zu lassen, widerspiegelt. Für Michael ist es jedoch vor allem die Aufgabe, ein Leben zu führen, das sein Vater nicht imstande war durchzuhalten.

Auf emotionaler Ebene besonders einnehmend ist, dass Michaels Welt nicht ohne seine Freunde, insbesondere seinen Cousin Nick, existiert. Auch wenn ihr Kommunikationsverhalten zeigt, dass sie alle zu sehr Männer sind, um über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen, eint sie das Bewusstsein um ihr gemeinsames Schicksal. Michael, der sich allein durch sein weniger chauvinistisches Verhalten gegenüber Frauen und durch sein insgesamt vernünftigeres Benehmen von den anderen abgrenzt, steht im Zentrum der Erzählung. Trotzdem sieht er sich nicht auf sich allein gestellt, sondern versteht sich vielmehr als Repräsentant einer vaterlosen Generation, die verstehen muss, dass ihre Väter als Vorbilder gescheitert sind.

Verstehen durch Erzählen
Michaels mentale Ausgangslage ist die eines erwachsenen Mannes, der seine Geschichte in der Retrospektive erzählt, wodurch der Protagonist bereits im Teenager-Alter sehr reif wirkt. Michael versteht scheinbar früh, dass er die Dinge oft nicht ändern kann und Enttäuschungen, wie das Verlassenwerden von Menschen, die ihm nahe stehen, zum Leben dazugehören. Dementsprechend nüchtern ist seine Selbstwahrnehmung: Auch wenn man als Leser in Michael einen sehr cleveren, in sich gekehrten jungen Mann sieht, der sich durch seine feinfühlige Art von den anderen abgrenzt, sieht er sich selbst als bloßen Teil einer Generation von Arbeitersöhnen, denen ein scheinbar besseres Leben verwehrt bleibt. Bis zum Ende besteht er darauf, seine Herkunft nicht zu verleugnen und seine Lebensumstände als einfaches Schicksal anzuerkennen.

Buchcharakter
Das Cover der britischen Ausgabe ist sehr schlicht, dennoch durch den Prägedruck ansprechend. Das Buch ist in zehn Kapitel unterteilt, wovon die beiden längsten ca. 70 Seiten umfassen, die meisten jedoch nur ca. 20 Seiten. Sowohl das Vokabular als auch die Syntax betreffend ist der Roman in leicht verständlichem Englisch verfasst. Schwierige Wörter treten kaum auf, Umgangssprache wird vermieden, die Sätze sind überwiegend kurz. Dies ist umso wichtiger, da leider keine deutsche Übersetzung vorliegt.

Fazit
Please Don't Come Back from the Moon
ist eines dieser Bücher, die man in einer Nacht verschlingt und danach jedem Menschen empfiehlt, der einem über den Weg läuft. Auch wenn sich Michael in einer besonderen Situation befindet, repräsentiert er mehr als eine vaterlose Generation; durch seine zugängliche, wenn auch einfache Sprache, fällt es dem Leser leicht, Empathie für ihn zu empfinden und sich in seinen Beschreibungen wiederzufinden. Was das Buch besonders für junge männliche Leser attraktiv macht, sind Michaels eher emotionslosen Schilderungen. Gefühle sind zwar keineswegs ein Tabu-Thema, doch werden sie kaum tatsächlich verbalisiert. Dies hat zum einen den Effekt, dass Michael als junger Heranwachsender überzeugt, der Ängste vor Fehlern hat, diese aber nicht imstande ist zu formulieren und zum anderen, dass dem Leser viel Raum für die eigene Meinungsbildung gelassen wird. Der inhaltliche Anspruch des Romans liegt deshalb in seiner formalen Einfachheit; nämlich darin, sich in Michaels Einstellungen einzufühlen, ohne sie ganz zu verstehen als auch darin, zu akzeptieren, dass es für vieles keine Antwort gibt und Coming-of-Age manchmal schwieriger ist und länger dauert, als einem lieb ist.

Das Buch eignet sich für motivierte Leser als Heimlektüre. Es kann aber auch sehr gut im Unterricht eingesetzt werden, da es die literarischen Kompetenzen fördert und vor allem durch die Thematisierung von Michaels Einstellungen, zur persönlichen Bereicherung der männlichen als auch weiblichen Schüler beiträgt.

Unterrichtsentwurf für den Einsatz des Buchs im Unterricht:
www.ebook.de/de/product/16133219/julia_selbach_romane_im_fremdsprachlichen_unterricht_englisch_am_beispiel_des_romans_please_don_t_come_back_from_the_moon_von_dean_bakopoulos.html