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Buchcover Walter Jury und Sarah Fine: Tate Archer. Im Visier des Feindes

Rezension von Eva Maus

Scheinbar will sein gefühlskalter Vater Tate Archer zu einem Superagenten ausbilden – und das alles wegen einer ominösen Familienverantwortung. So muss der 16jährige täglich verschiedene Kampfstile trainieren. Er lernt neben der Schule Chemie, Waffenkunde und diverse Sprachen und muss nach einem strengen Diätplan leben...

BuchtitelTate Archer. Im Visier des Feindes
AutorWalter Jury und Sarah Fine (übersetzt von Coralie Brandt)
GenreScience Fiction
Lesealter14+
Umfang398 Seiten
Edition1
Verlagcbt
ISBN978-3-570-30883-7
Preis8,99 €

Scheinbar will sein gefühlskalter Vater Tate Archer zu einem Superagenten ausbilden – und das alles wegen einer ominösen Familienverantwortung. So muss der 16jährige täglich verschiedene Kampfstile trainieren. Er lernt neben der Schule Chemie, Waffenkunde und diverse Sprachen und muss nach einem strengen Diätplan leben. Zum Glück hat Tate, der zunehmend gegen das strenge Regiment aufbegehrt, seine liebevolle Freundin Christina.

Als die beiden aus dem Labor seines Vaters einen geheimnisvollen Scanner entwenden und mit in die Schule nehmen, überschlagen sich die Ereignisse. Es kommt zu einer Schießerei und Tates Vater stirbt in seinen Armen. Plötzlich muss er mit Christina vor einem Feind fliehen, von dem er noch kurz zuvor nichts ahnte: Außerirdische, H2 genannt, bevölkern seit Jahrzehnten die Erde und verdrängen unbemerkt die Menschen und nun wollen sie den Scanner. Tate muss seine Freundin in Sicherheit bringen, herausfinden, wem er vertrauen kann und schließlich muss er sich entscheiden, welche Rolle er im Kampf zwischen den Spezies einnehmen will.

Als ich am Morgen meine Tür aufmache, steht da mein Frühstück. Auf einem Tablett. Gericht Nummer sechs. Zwei Schälchen mit Eisen angereichertes Getreide, eine Banane, ein Viertelliter Milch, ein Viertelliter Orangensaft, eine blaue Vitamintablette. Außerdem ein Zettel von meinem Dad, auf dem steht, dass er heute Abend erst spät aus Chicago zurückkommt und ich daran denken soll, dass Chicao heute Nachmittag vorbeikommt, um mir meine erste Zusatztrainingsstunde zu geben. Rein gar nichts über gestern.
Nichts außer einem Fläschchen mit Schmerztabletten, das er neben ein Glas Wasser mitten auf den Tisch gestellt hat.
Auch wenn Sonntag ist und ich gestern durch die Hölle gegangen bin, ist das kein Grund, nachlässig zu werden. Ich laufe auf meinem schmerzenden Bein in unseren Trainingsraum und komme nicht mehr heraus, bis ich mich angemessen bestraft habe. Dazu laufe ich etwa acht Kilometer auf dem Laufband und mache eine Stunde lang Krafttraining, wobei ich die ganze Zeit über Familienverantwortung nachgedenke und darüber, was zum Henker er wohl damit meinen könnte. Aber das führt zu nichts weiter als zu einem Brummschädel von den Ausmaßen Manhattans. Dann kommt die Putzfrau, um ihre Arbeit zu machen, und erfüllt die Wohnung mit einem Duft aus 2-Butoxyethanol und Natriumalkysulfonat – Glasreiniger und Putzmittel -, wovon mein ohnehin schon hämmernder Kopf zu explodieren droht.
Ah, aber kurz bevor das passiert, klingelt es… Vor der Tür steht Christina, in einem kurzen Rock und mit einer Schachtel Donuts in der Hand.
Keiner kann mir weismachen, dass ich nicht die beste Freundin der Welt habe.

Tate wächst in einer Welt auf, die unserer Realität gleicht. Nur seine Familie scheint außergewöhnlich zu sein. Tate versucht es seinem kontrollsüchtigen, strengen Vater recht zu machen und hat bereits diverse beeindruckende Fähigkeiten erworben. Trotzdem ist es nie genug. Dass Tate nicht einmal weiß, wozu sein Leben ein Boot-Camp ist, lässt den Leser schnell Tates Trotz und beginnende Rebellion verstehen. Umso härter ist der Bruch, als plötzlich H2 auftauchen, die Tates Vater erschießen und der 16jährige endlich erfährt, welche Verantwortung seine Familie innehat.

Da sich die meisten Außerirdischen zum größten Teil selbst für Menschen halten und die technischen Neuerungen, die Tates Vater entwickelt hat, im geheimen entstanden sind, fügen sich die fantastischen Elemente problemlos in die fiktive Gegenwart. Neue Technik ist dabei nur mittelbar von Bedeutung. Es geht um den Kampf der Spezies und Tate kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Nun erkennt er, wozu er gelernt hat, Bomben aus Putzmittel zu bauen und arabisch zu sprechen. Trotzdem ist er kein fehlerfreier Superheld. Er braucht seine Freundin, um den Anforderungen gewachsen zu sein und kennt auch Zweifel. Gelegentliche gefühlsduselige Textstellen, die zum Teil etwa störend wirken, können dabei verschmerzt werden. Insgesamt ergibt sich eine gelungene Balance zwischen actionreicher Handlung und Figurenentwicklung. Auch die jugendlich-flapsige Sprache erleichtert das bedingungslose Eintauchen des Lesers in die kurzweilige Geschichte.

Tate Archer ähnelt einem Agenten-Thriller voller turbulenter Verfolgungen und einer stetigen Abwechslung von Anspannung und Erleichterung. Komplex wird die Handlung, da die Fronten nicht eindeutig verlaufen. Radikale Menschen stellen eine genauso große Bedrohung dar wie die Führung der Außerirdischen. Damit wirft Tate Archer durchaus moralische Fragen auf und vermeidet Schwarz-Weiß-Malerei. Walter Jury und Sarah Fine halten die Spannung über die gesamte Geschichte aufrecht. Man mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen, bevor nicht alle Fragen beantwortet sind: Von welcher Familienverantwortung spricht Tates Vater? Was kann der geheimnisvolle Scanner? Wer gehört zu den außerirdischen H2? Wem kann Tate vertrauen? Nicht alle Fragen werden indes beantwortet, denn es handelt es sich um den ersten Teil einer Reihe…

Tate Archer eignet sich insbesondere zur Förderung der Leselust, da die aufgebaute Spannung zum Durchlesen des Buches animiert.