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Buchcover Kirsten Boie: Der kleine Ritter Trenk und der ganz gemeine Zahnwurm

Rezension von Sabrina Arndt

In Der kleine Ritter Trenk und der ganz gemeine Zahnwurm bekommt Trenk Zweifel, ob er wirklich immer noch unbedingt Ritter werden möchte. Schließlich rechnete er nicht damit, dass auch das ständige Ausmisten der Pferdeställe zu seiner Ausbildung gehört. Diese Zweifel zerstreuen sich allerdings ganz schnell, als die Ritterstochter Thekla in den Pferdestall kommt und Trenk von der Gefangenschaft seiner kleinen Schwester Mia-Mina beim gemeinen Ritter Wertolt dem Wüterich erzählt...

BuchtitelDer kleine Ritter Trenk und der ganz gemeine Zahnwurm
AutorKirsten Boie
GenreFantastischer Realismus
Umfang64 Seiten
Edition1. Auflage
VerlagOetinger
ISBN978-3-7891-3196-7
Preis10,95 €

In Der kleine Ritter Trenk und der ganz gemeine Zahnwurm bekommt Trenk Zweifel, ob er wirklich immer noch unbedingt Ritter werden möchte. Schließlich rechnete er nicht damit, dass auch das ständige Ausmisten der Pferdeställe zu seiner Ausbildung gehört. Diese Zweifel zerstreuen sich allerdings ganz schnell, als die Ritterstochter Thekla in den Pferdestall kommt und Trenk von der Gefangenschaft seiner kleinen Schwester Mia-Mina beim gemeinen Ritter Wertolt dem Wüterich erzählt. Dort muss sie als Küchenmagd die schlimmsten Arbeiten verrichten und bekommt nur ganz wenig zu essen.

Sofort macht Trenk sich auf den Weg, seine Schwester zu befreien. Aber ob Trenk es ganz alleine mit dem gemeinen und gefährlichen Ritter Wertolt aufnehmen kann? Für seine Freundin Thekla und sein Schwein Ferkelchen ist es selbstverständlich, ihn zu begleiten, und es kommt ihnen sehr gelegen, dass Ritter Wertolt gerade der Zahnwurm, den es ja eigentlich gar nicht gibt, plagt. Kein Wunder also, dass Thekla auch dieses Mal wieder eine gute Idee parat hat: Unter Ritterhelmen versteckt und mit einem Ferkelchen als verzaubertem Magier sollte es ihnen doch gelingen, Mia-Mina zu befreien, oder nicht?

Dieses Abenteuer des kleinen Ritter Trenks spielt noch zu einer Zeit als Trenk gerade von Zuhause ausgerissen, auf die Burg Hohenlob gekommen und noch lange kein Drachenkämpfer geworden ist.

„Etwas Schlimmes?“, fragte Trenk und sah sich zufrieden im Pferdestall um. Natürlich mochte er nicht gerne ausmisten, aber wenn dann alles fertig war und sah so blitzblank und schön aus, war er eigentlich immer ganz stolz. So geht es dir ja vielleicht auch, wenn du dein Zimmer aufgeräumt hast. „Schlimme Nachrichten aus der Küche? Gibt es heute etwa Graupensuppe?“ „Phhht, Graupensuppe, ja Pustekuchen!“, sagte Thekla. „Glaubst du wohl, deswegen würde ich extra zu dir kommen?“ Und jetzt sah Trenk auch, dass sie vor lauter Aufregung ganz rote Wangen hatte. „Etwas wirklich Schlimmes, Trenk Tausendschlag! Der grässliche Ritter Wertolt der Wüterich hat deine kleine Schwester Mia-Mina gefangen genommen! Er hat sie zu sich auf die Burg geholt!“ Da ließ Trenk vor lauter Schreck die Schaufel fallen, dass der Mist über den Boden spritzte, und während er sich von seinem Schreck erholt, muss ich dir schnell erklären, was es mit Mia-Mina und dem Ritter Wertolt überhaupt auf sich hatte. (S. 12f)

Der kleine Ritter Trenk und der ganz gemeine Zahnwurm ist der fünfte Band aus Kirsten Boies Reihe Der kleine Ritter Trenk. Die Geschichte spielt allerdings noch bevor Trenk zum Drachenkämpfer wurde und seine Familie somit aus der Leibeigenschaft befreien konnte. Boie gibt auf den ersten Seiten einen Überblick über das bisher Geschehene, so dass das Buch auch ohne den ersten Band gelesen zu haben verständlich und lesbar ist.
Die Reihe um den kleinen Ritter Trenk spielt im Mittelalter und ist gespickt mit phantastischen Elementen. Wir haben es also mit einem historischen Kinderroman zu  tun, der sich vor allem mit dem Rittertum auseinandersetzt. Neben phantastischen Wesen wie Drachen und Magier nutzt Boie auch das „Nichtwissen“ im Mittelalter als phantastisches Element. In diesem Buch fällt darunter zum Beispiel der Zahnwurm. Dieser ist der Phantasie entsprungen, jedoch glaubt unter anderem Ritter Wertolt daran, weil er es damals noch nicht besser wissen konnte.

Barbara Scholz hat das Cover genauso schön gestaltet wie die Illustrationen im Buch. Auf dem Cover ist Ritter Wertolt mit einer dicken Wange und einem Tuch um seinen Kopf gewickelt zu sehen. Sein Gesichtsausdruck ist eher grimmig. Daneben steht Trenk, der etwas zu erklären scheint, und Ferkelchen hockt etwas unsicher schauend vor Wertolt.
Das Buch ist nicht in mehrere Kapitel unterteilt. Durch die vielen großen Illustrationen von Barbara Scholz und dem nicht die kompletten Seiten ausfüllenden Text, lassen sich die 64 Seiten gut lesen und sind nicht zu überladen. Ein ebenso wie die Schriftgröße, die weder zu klein noch zu groß ist, wichtiger Punkt, um auch Leseanfängern die Möglichkeit zu geben, dieses Buch gerne zu lesen, ohne sofort entmutigt zu werden.
Wie die vorherigen Bände hat Kirsten Boie auch diesen Band aus der Sicht eines allwissenden Erzählers geschrieben, der den Leser neben der Erzählung über Trenk, seine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle immer wieder persönlich anspricht. Die persönlichen Ansprachen nutzt der allwissende Erzähler zum einen, um über das im ersten Band der Reihe Geschehene nachträglich zu informieren, und zum anderen, um die Empathie des Lesers anzusprechen, über Vergleiche zwischen dem Mittelalter, den phantastischen Elementen und unserer Lebenswelt immer die Realität im Hinterkopf zu behalten und darüber auch die Moral und das Verhalten des Lesers zu beeinflussen.
Kirsten Boie schreibt in sehr komplexen, verschachtelten Sätzen und gerade die Aneinanderreihung mehrerer Sätze durch ein Semikolon kann den Leser im ersten Moment irritieren. Man gewöhnt sich allerdings sehr schnell daran und die verwendete Alltagssprache gepaart mit dem Witz und Humor in Boies Schreibstil erleichtert das Lesen wiederum.

Seine Familie aus der Leibeigenschaft des gemeinen Ritter Wertolts zu befreien, ist für Trenk unheimlich wichtig. Auch wenn er am Anfang dieses Buchs daran zweifelt, ob er immer noch unbedingt Ritter werden möchte, zerstreuen sich diese Zweifel sofort, als er davon erfährt, dass seine Schwester Mia-Mina von Ritter Wertolt auf der Burg gefangen gehalten wird und als Küchenmagd die schlimmsten Arbeiten verrichten muss. Für Trenk ist sofort klar, dass er Mia-Mina befreien muss, auch wenn er alleine vielleicht keine wirkliche Chance gegen den Ritter hat und eigentlich auch noch gar nicht weiß, wie er die Befreiung anstellen soll. Im Buch durchlebt Trenk die verschiedensten Gefühle von Wut, über Angst bis hin zu Mut.
Thekla steht ihm sofort zur Seite und hilft ihm – obwohl sie eigentlich die Tochter des Ritters Hans ist und sie sich mit Sticken, Suppe kochen und Harfe spielen beschäftigen sollte. Thekla emanzipiert sich von diesen typischen Vorstellungen einer Frau im Mittelalter soweit es geht, ohne dass ihr Vater das mitbekommt, und ist der kluge Kopf im Buch. Ihr kommt die rettende Idee, als sie und Trenk von Wertolts Zahnschmerzen erfahren. Die weitere Handlung zeigt, dass nicht immer der Stärkere und im Rang Höhere siegt, sondern Klugheit und ein bedachtes Handeln durchaus von Nutzen sein können.
Viele dieser Themen sind in die Lebenswelt der heutigen Kinder übertragbar. Trenk muss lernen, dass sein Wunsch, Ritter zu werden, auch mit Aufgaben verbunden ist, die er nicht immer gerne macht – etwas, das einem in vielen Lebenssituationen immer wieder begegnet. Außerdem sind Trenks Gefühle vielen Kindern wahrscheinlich vertraut und sie können lernen, dass es wichtig ist, seine eigene Meinung zu haben und seinen eigenen Weg zu gehen, wie es Trenk tut – sei es in der Schule, bei der späteren Berufswahl oder im Familien- und Freundeskreis. Ebenso hat auch die Emanzipation der Frau in unserer heutigen Gesellschaft immer noch eine große Bedeutung, selbst wenn sie weiter fortgeschritten ist. Probleme wie Wertolts Zahnschmerz sind auch heute noch Alltagsprobleme, die Kirsten Boie zusätzlich nutzt, um auf die richtige Pflege der Zähne aufmerksam zu machen. Die Geschichte des Buchs lässt sich also durchaus in die heutige Zeit übertragen.

Das Buch Der kleine Ritter Trenk und der ganz gemeine Zahnwurm ist seinen Vorgängern in der Machart sehr ähnlich. Durch Kirsten Boies Erzählweise und die schönen Illustrationen von Barbara Scholz, ist  es Kindern möglich, in die mittelalterliche Welt um Trenk Tausendschlag mühelos einzutauchen, aber gleichzeitig nicht den Bezug zur Realität zu verlieren. Das Buch ist eher zum Vorlesen geeignet, da es als Erstleseliteratur noch zu anspruchsvoll ist. Die Kürze dieses Buchs ermöglicht es allerdings auch sehr guten Leseanfängern, Lust am eigenen Lesen zu bekommen, da Text und Bilder in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Die Thematik rund um Ritter spricht Jungen in der Regel an, auch wenn Mädchen durch die Rolle Theklas wahrscheinlich nicht abgeneigt von dem Buch sind. Somit eignet sich dieses Buch sehr gut zur Lesemotivation und -förderung von Jungen. Der Vorteil an diesem Buch ist, dass es das Lesen der vorangegangenen Bände nicht zwangsläufig voraussetzt, es aber gleichzeitig dazu anregt, diese im Nachhinein noch zu lesen, da auf sie verwiesen wird. Die gegebenen Informationen reichen aus, um in der Geschichte mitzukommen. Allerdings könnten Leser der vorherigen Bände enttäuscht sein, dass der Band nicht an den Vorangegangenen anschließt, sondern in eine frühere Zeit zurück geht und somit nicht Trenks weitere Entwicklung beschreibt.

Das Buch Der kleine Ritter Trenk und der ganz gemeine Zahnwurm ist eher zum Vorlesen gedacht, als zum eigenständigen Lesen, kann aber die Lesemotivation von Kindern, insbesondere von Jungen, trotzdem fördern. Sehr gute Leseanfänger schaffen es vielleicht auch, das Buch eigenständig zu lesen, zumal es im Vergleich zu anderen Büchern der Reihe verhältnismäßig wenig Seiten hat und sich Text und Illustrationen gut ergänzen. Die aufgenommenen Themen rund um das Mittelalter und das Rittertum in Kombination mit phantastischen Elementen sprechen Jungen im Alter 6+ in der Regel sehr an.
Anregend ist bei der Trenk-Reihe mit Sicherheit auch der Medienverbund. Die Bücher sind als E-Book erhältlich und zudem wird eine TV-Serie produziert, zu der es ein passendes Hörspiel gibt.