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Buchcover Salah Naoura: „Hilfe! Ich will hier raus!“

Rezension von Eva Stimming

Im Mittelpunkt des Romans steht der zehnjährige Henrik Gruber. Seine Familie, also Mama, Papa und Schwester Fabienne, ist laut Papas Aussage „großartig“: Es gibt keinen Streit, alles läuft nach „Fahrplan“ und jeder geht leidenschaftlich einem persönlichen Interesse nach. Henrik ist verunsichert, da er sich nicht wirklich mit irgendetwas identifizieren kann, etwas dass ihn besonders macht und somit wartet er auf ein Ereignis in seinem Leben, das ihm dieses Etwas gibt...

BuchtitelHilfe! Ich will hier raus!
AutorSalah Naoura
GenreFantastischer Realismus
Lesealter8+
Umfang156 Seiten (gebundene Ausgabe)
VerlagDressler Verlag
ISBN978-3-7915-1429-1
Preis12,95 €

Im Mittelpunkt des Romans steht der zehnjährige Henrik Gruber. Seine Familie, also Mama, Papa und Schwester Fabienne, ist laut Papas Aussage „großartig“: Es gibt keinen Streit, alles läuft nach „Fahrplan“ und jeder geht leidenschaftlich einem persönlichen Interesse nach. Henrik ist verunsichert, da er sich nicht wirklich mit irgendetwas identifizieren kann, etwas dass ihn besonders macht und somit wartet er auf ein Ereignis in seinem Leben, das ihm dieses Etwas gibt. Diese Wende folgt, als Oma Cordula überraschend bei der Familie Gruber auftaucht und kurzerhand aus dem abgebrannten Altersheim in deren Haus einzieht. Oma Cordula findet die Familie noch langweiliger als das Altersheim und sorgt somit „für ein bisschen Pfeffer“ und dafür, dass alle schon bald nur noch einem Interesse nachgehen: dem Graben von Löchern im Garten. Dort soll nämlich Omas Vater einen geheimen Schatz vergraben haben. Auch Henriks Freund und Dauergast Jonas und sein Spürhund „Nase“ verfallen dem Schatzsuchwahn. Die Suche wird immer turbulenter, sodass es zunehmend zu kleinen Intrigen und Streitigkeiten innerhalb der Familie und auch zwischen Henrik und seinem besten Freund kommt. Während das Geheimnis an die Öffentlichkeit gelangt, die gesamte Stadt beginnt im anliegenden Park nach dem Schatz zu graben und Oma Cordula schließlich von Papa aus dem Haus geworfen wird, entdeckt Henrik sein Interesse für Recherchearbeiten in der Bücherei. Als er eines Abends doch Omas Geheimnis auf der Spur ist, fällt er in eines der tiefen Löcher im Garten. Wie kommt er dort heraus, wo ist Oma Cordula und was wird aus dem geheimnisvollen Schatz?

Manche Nächte sind keine normalen Nächte. Man liegt in seinem Bett und sollte schon längst schlafen, aber es ist ganz und gar unmöglich, denn man bekommt kaum Luft, das Herz schlägt viel zu laut und schnell, im Bauch grummelt es und in den Zehen kribbelt es. Und weshalb? Weil man weiß, dass man etwas vorhat. Weil man sich sicher ist, dass man schon bald etwas ganz Besonderes, Ungewöhnliches und vollkommen Verrücktes tun wird- etwas, das man normalerweise niemals täte. Aber man wird es tun, weil man es einfach tun muss und gar nicht anders kann! Und danach, das wird einem plötzlich klar, wird nichts mehr so sein, wie es vorher einmal war. Genauso erging es Henrik in dieser Nacht. Der Mond schien durchs Fenster herein und von unten schallte das wunderbar beruhigende Schnarchen von Oma Cordula durch das Haus, aber Henrik war hellwach und dachte die ganze Zeit nur an den Schatz. (S. 59 f)

Zu Anfang des Romans lernt der Leser die perfekte Familie Gruber kennen. Schnell fällt ihm jedoch auf, dass nicht alles so großartig ist, wie es scheint. Als seine Schwester Henrik danach fragt, was ihn besonders macht, fällt ihm nichts ein und als Oma Cordula in das perfekte Familienleben einbricht und nicht mehr alles nach Papas Fahrplan läuft, beginnt die perfekte Fassade zu bröckeln.

Der Autor hat mit Oma Cordula einen einzigartigen Charakter entworfen, der von Anfang an die Familie durchschaut und durch seine berechnenden Handlungen alle Familienmitglieder gegeneinander ausspielt und aufhetzt. Trotz dieser Boshaftigkeit ist Oma Cordula ein echter Sympathieträger für den Leser, denn durch sie gerät Henrik in ein turbulentes Abenteuer, über welches die Familie und vor allem Henrik endlich das finden, was sie wirklich glücklich macht.

Mit viel Witz, Sarkasmus und durch das Spiel mit Klischees entwirft Salah Naoura eine Geschichte, die den Leser dazu einlädt, über Ungereimtheiten der Erwachsenenwelt nachzudenken und zu lachen.

Der Autor nimmt verschiedene Probleme der kindlichen Lebenswelt  in den Charakteren auf (z.B. Streit der Eltern, verschiedenen Familienformen, Geschwisterkonflikte, Generationenkonflikte, Eifersucht, Neid…), nimmt diese ernst und bietet dem Rezipienten eine breite Fläche zur Identifikation und Projektion.

Henrik durchlebt innerhalb der Geschichte eine Reifung seiner Persönlichkeit, indem er sich bewusst dafür entscheidet, einmal gegen die familieninternen Regeln zu verstoßen und sie in Frage zu stellen. Er entdeckt auf diese Weise seine Stärken und kann durch sie ein positives Ende herbeiführen. Somit wird der kindliche Rezipient in diesem besonderen literarischen Genuss am Beispiel von Henrik ermutigt, seine Probleme eigenständig anzugehen und Selbstvertrauen zu fassen.

Der Kinderroman eignet sich durch seine besondere Verbindung von kindlicher Alltagssprache und der Versprachlichung kindlicher Gefühle mit ästhetischen sprachlichen Mitteln dazu Kinder an die Literatursprache heranzuführen. Für schwächere Leser sollte eine Kombination aus eigenen Lesephasen und Vorlesen in Betracht gezogen werden, da sich die Sprache im Buch durch einen anspruchsvollen Satzbau auszeichnet und die Handlungen der teilweise vielschichtigen Charaktere sehr verflochten sind. Der Witz, das Abenteuer und die sympathischen Charaktere des Romans sowie seine Identifizierungsmöglichkeiten sind ein Beispiel für die positive Wirkung von Literatur und daher zur Förderung der Lesemotivation sehr gut geeignet. Der Kinderroman eignet sich auch als Schullektüre. Innere Konflikte der kindlichen Handlungsträger und andere lebensnahe Themen, die angeschnitten werden, können im Unterricht vertieft werden.