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Buchcover Annabel Wahba: Tausend Meilen über das Meer

Rezension von Maurice Flatscher

Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit und gibt einen anschaulichen, kritischen, aber auch hoffnungsvollen Einblick in das Leben eines 15-jährigen Jugendlichen, der vor dem Bürgerkrieg in Syrien über das Mittelmeer nach Deutschland geflohen ist. Die Geschichte führt dem Leser vor Augen, dass es bei der Flüchtlingsthematik nicht um bloßes Zahlenwerk geht, sondern um ergreifende Einzelschicksale.

BuchtitelTausend Meilen über das Meer. Die Flucht des Karim Deeb
AutorAnnabel Wahda
GenreGesellschaftskritik
Lesealter14+
Umfang249
Verlagcbj
ISBN978-3-570-40335-8
Preis8,99
Erscheinungsjahr2016

Die Geschichte, die auf wahren Begebenheiten basiert, wird aus der Ich-Perspektive des Jungen Karim Deeb erzählt, der zusammen mit seinem Onkel Amir aus der syrischen Bürgerkriegsstadt Homs nach Deutschland geflohen ist. Die beiden leben nun in Konstanz. Der Text gliedert sich zeitlich in zwei Erzählebenen: Zum einen erzählt Karim vom schwierigen Alltag in Syrien und den Gefahren auf der Flucht, zum anderen berichtet  er von seinem Leben in Konstanz.  

Zu Beginn des Bürgerkriegs ist die Welt von Karims Familie noch in Ordnung. Der Vater besitzt eine eigene Firma und lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Homs. Schnell offenbart der Bürgerkrieg seine Grausamkeiten (u.a. wird ein Freund Karims namens Omar erschossen) und die Familie flieht zunächst noch in einen anderen Stadtteil von Homs (Al Waar), dann nach Palmyra und schließlich nach Kairo. Dort unternehmen Karim und sein Onkel den Versuch, über das Mittelmeer nach Europa (nach Schweden oder Deutschland) zu gelangen. Der erste Versuch scheitert, während der zweite nach mehreren Tagen der Todesgefahr auf hoher See gelingt. So erreichen die beiden Deutschland und landen schließlich in einem Asylbewerberheim in Konstanz. Dort hat Karim mit einigen Problemen zu kämpfen, bekommt aber Unterstützung von Freunden und einer Lehrkraft.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

„Und so liege ich in nun in meinem Bett in Konstanz. In Sicherheit – und fühle mich doch wie in jener Nacht auf der Sandbank im Mittelmeer, als uns der Kapitän unserem Schicksal überließ. Allein. Voller Angst, unterzugehen“, heißt es auf Seite 50 des Romans. Dass mit der Ankunft in Deutschland die Probleme von Flüchtlingen nicht enden, führt die aus der Ich-Perspektive erzählte Geschichte des syrischen Jugendlichen Karim Deeb anschaulich vor Augen. Es handelt sich dabei nicht um eine rein fiktive Geschichte, sondern um eine auf tatsächlichen Begebenheiten fußende Erzählung. Hierzu führte die Autorin Annabel Wahba mehrere Gespräche mit einem geflüchteten Jugendlichen. Dieser hohe Grad an Authentizität ist sicherlich ein Aspekt, der das Buch für jugendlich-männliche Leser attraktiv macht. Der Roman ist sprachlich einfach gehalten ist und ist daher auch für literarisch eher ungeübte Jugendliche sehr gut geeignet.

„Tausend Meilen über das Meer“ liefert eine Vielzahl an interessanten Themen: Freundschaft, die Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien, die schwierigen Bedingungen auf der Flucht oder auch Beispiele von großer Menschlichkeit in menschenunwürdigen Situationen. All dies wird aus der Perspektive des 15-jährigen Karim geschildert. Dadurch liefert das Buch – ganz im Sinne der Autorin, wie sie im Nachwort schreibt – einen wertvollen Beitrag dafür, die Beweggründe geflüchteter Jugendlicher zu verstehen und sich in ihre Lage versetzen zu können.

Innerhalb der Geschichte duchläuft der Protagonist Karim eine nachvollziehbare Entwicklung, die ihn erwachsener und reifer werden lässt. Das deutet bereits das gelungene Buchcover an: Ein Junge steht alleine in einem Schlauchboot mitten auf dem Meer und blickt in die Ferne. Karim nimmt im Laufe der Handlung sein Schicksal in die eigene Hand: „Nun war ich derjenige, der unserer Familie eine Zukunft bieten konnte, indem ich über das Meer ging.“ Der Junge wird allerdings erfreulicherweise nicht als unfehlbar und komplett furchtlos geschildert, sondern der Angst und den Selbstzweifeln des Protagonisten wird in dem Buch auch Raum gegeben. Karim benötigt an mehreren Stellen auch die Hilfe von Freunden und Bekannten, um brenzlige Situationen zu überstehen. So entgeht er dem Rauswurf aus der deutschen Schule (ein Mädchen bezichtigt ihn fälschlicherweise des Mobbings) nur mit der Hilfe seines Freundes Petrit. Annabel Wahda erschafft mitKarim einen sowohl komplexen als auch realistischen Charakter.

Bei „Tausend Meilen über das Meer“ handelt es sich insgesamt um ein gut zu lesendes und gelungenes Buch, das einen überzeugenden Beitrag zum besseren Verständnis der Schicksale jugendlicher Flüchtlinge liefert.

„Tausend Meilen über das Meer“ eignet sich grundsätzlich zur Leseförderung. Es bietet sich sehr für eine private Lektüre an, da es zum einen interessante Themen anspricht und zum anderen sprachlich-stilistisch recht angenehm zu lesen ist und mithin auch literarisch ungeübte jugendlich-männliche Leser ab 14 nicht überfordert.

Die Lektüre und Analyse der Buches als Ganzschrift im Unterricht erscheint durchaus denkbar und fruchtbar. Zu denken wäre hier an die achte (zum Ende des Schuljahres) oder neunte Jahrgangsstufe. Eine Analyse könnte zum einen den Fokus auf die genaue Untersuchung der Hauptfigur Karim legen. Hier zeigt sich, dass Karim eine Entwicklung durchläuft und ihm am Ende andere Merkmale durch den Text zugewiesen werden als am Anfang. Zudem könnte ein Blick auf die Ebene der Vermittlung gelegt werden, da hier u.a. zwei Ebenen (1. Erzählung vom Bürgerkrieg und der Flucht und 2. Erzählung vom Leben in Deutschland) unterschieden werden. Dies zeigt sich beispielsweise auch sprachlich. Die Erzählung vom Bürgerkrieg etc. ist im Präteritum verfasst, wohingegen die Erzählung von den Geschehnissen in Deutschland im Präsens erfolgt. Als dritter Analyseaspekt könnte der Gegensatz zwischen der arabischen Welt und der europäischen Welt herausgearbeitet werden und in diesem Zuge dann auch ein Beitrag zum interkulturellen Lernen geliefert werden.