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Buchcover Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschiche. Nacherzählt von Uschi Luhn

Rezension von Nina Vogel

Charles Dickens Weihnachtsgeschichte ist ein zeitloser Klassiker, der bis heute die Herzen der Menschen berührt. Die Geschichte um Ebenezer Scrooge, der sich vom Geizkragen zum gutmütigen Gentleman entwickelt, ist in dieser illustrierten Ausgabe des Ellermann-Verlags besonders für kindliche und jugendliche Leser zu empfehlen.

BuchtitelEine Weihnachtsgeschichte
AutorCharles Dickens. Nacherzählt von Uschi Luhn und illustriert von Tobias Kuhlmann
GenreGesellschaftskritik
Lesealter8+
Umfang128
VerlagEllermann
ISBN978-3770723768
Preis16,99
Erscheinungsjahr2016

Charles Dickens Klassiker erzählt von dem alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der in ganz London aufgrund seiner Art gefürchtet ist. Keinen Penny hat er für die Armen übrig, kein freundliches Wort für seinen Neffen, und auch keine Geste der Großzügigkeit für seinen armen Angestellten. Nicht einmal an Weihnachten macht er eine Ausnahme, denn der Feiertag ist für Scrooge bloß Unsinn und Schwindel. Doch in der Nacht vor Weihnachten soll sich das ändern, denn in der Dunkelheit seiner einsamen Wohnung wartet der Geist seines alten Geschäftspartners Jacob Marley auf ihn, der zu Lebzeiten ein nicht minder großer Geizhals war wie Scrooge. Jacob Marley prophezeit Scrooge, dass er von drei Geistern besucht wird, die ihm helfen, sein Leben zum Guten zu wenden. Und während sich Ebenezer Scrooge mit dem Geist der vergangen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht auseinandersetzt, geschieht ein kleines Wunder.

„Höre mir gut zu!“, rief der Geist. „Meine Zeit ist bald abgelaufen.“
„Ich will ja, ich will ja!“, rief Scrooge. „Aber sei nicht so grausam zu mir. Sprich gerade heraus, Jacob! Bitte!“
„Warum du mich heute sehen kannst, darf ich nicht sagen. Ich habe schon vorher viele Tage neben dir gesessen.“
Diesen Gedanken fand Scrooge nicht besonders angenehm. Er wischte sich den Schweiß aus der Stirn.
„Der heutige Abend ist nicht leicht für mich“, sagte der Geist.
„Ich bin hier, um dich zu warnen. Noch kannst du das Rad herumreißen. Noch kannst du dein Schicksal zum Guten wenden. Nutze dein Glück, Ebenezer.“
„Du bist mein Freund gewesen“, sagte Scrooge. „Ich danke dir dafür.“
„Dann höre mir gut zu“, wiederholte Marley. „Drei Geister werden dich besuchen.“
Das Gesicht von Scrooge wurde lang. „Wie?“, fragte er und konnte seine Enttäuschung kaum verbergen. „Geister? Du schenkst mir Geister?“
„Ja.“
„Dann möchte ich lieber verzichten“, sagte Scrooge.
„Aber ohne ihren Besuch bist du verloren. Erwarte den ersten Geist morgen, wenn die Glocke eins schlägt.“
„Können nicht alle drei auf einmal kommen? Dann hätte ich es hinter mir, Jacob“, schlug Scrooge vor.
„Der zweite wird in der nächsten Nacht zur selben Stunde kommen. Der dritte in der darauffolgenden, nach dem letzten Schlag der zwölften Stunde. Sorge dafür, dass wir uns nie mehr wiedersehen, und vergiss auf keinen Fall, was wir heute besprochen haben.“
Scrooge wagte nun endlich wieder, den Blick zu heben. Gerade rechtzeitig, um seinen nächtlichen Besucher von oben bis unten zu betrachten.
(S. 32f.)

Charles Dickens Roman „Eine Weihnachtsgeschichte“ aus dem Jahr 1843 ist ein Klassiker der Weltliteratur, der bis heute nichts an Aktualität und Zauber verloren hat.  Die Erzählung handelt von dem selbstsüchtigen alten Geizkragen Ebenezer Scrooge, der sich mit Hilfe der Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht in einen gütigeren, herzlicheren Menschen verwandelt und den wahren Zauber von Weihnachten erkennt.

Der Roman beginnt mit der Beschreibung von Scrooge, der seinem armen Angestellten am liebsten den freien Tag an Weihnachten verwehren will, zwei Männern, die für Armenhäuser Spenden sammeln, keine Spende gibt und sie unsanft hinausbefördert, und nicht mal ein freundliches Wort für seinen Neffen übrig hat. Scrooge ist nicht nur überaus geizig, sondern auch ein durch und durch griesgrämiger, cholerischer und gefühlskalter Mann, der zu allem Überfluss auch noch stolz auf seine kalte Art ist. Doch schon bald bemerkt er, dass unheimliche Dinge vor sich gehen. So erscheint ihm ein Türknauf in Gestalt seines alten Geschäftspartners Marley. Doch was der alte Mann als Unsinn abstempelt, soll schon bald noch schaurigere Züge annehmen, als Marley tatsächlich als Geist vor ihm auftaucht. Marley, zu Lebzeiten genauso ein unangenehmer Mann wie Scrooge, ist als Geist in Ketten gefesselt, die er sich zu Lebzeiten selbst angelegt hat und die ihn jetzt davon abhalten, in Frieden zu Ruhen. Da Scrooge ein ähnliches Schicksal erwartet, will Marley ihm nun helfen.

Drei Geister werden dem Protagonisten insgesamt erscheinen, alle mit einer besonderen Botschaft. Der erste Geist ist der Geist der vergangenen Weihnacht und zeigt Scrooge die Weihnachtsfeste, die bereits vergangen sind. So kann der Leser sehen, wie sich Scrooge von einem einfachen, aber fröhlichen Jungen in den kalten, hartherzigen Mann verwandelt. Die Botschaft des Geistes ist klar. Es braucht nur wenig, um die Menschen zu erfreuen, eine freundliche Geste ist meistens genug. Scrooge hat das im Laufe der Zeit vergessen, jetzt wird es ihm wieder vor Augen geführt. Und auch die anderen Geister verkörpern jeweils eine wichtige Botschaft. Der zweite zeigt, dass man auch ohne viel Geld glücklich sein kann, so lange man seine Familie und Freunde um sich versammelt. Der dritte Geist veranschaulicht, dass all die schlechten Taten, die wir in unserem Leben begehen, Konsequenzen haben.

Scrooge reist mit den Geistern durch Raum und Zeit, und bleibt dabei nicht der Einzige, der eines Besseren belehrt wird. Auch der Leser fühlt sich im Laufe der Erzählung dazu aufgerufen, ein wenig besonnener zu sein. Für ein freundliches Wort oder eine Geste der Nächstenliebe braucht es immerhin nicht viel.

„Eine Weihnachtsgeschichte“ ist heute genauso aktuell wie zur Veröffentlichung. Den Armen helfen, zu einander freundlich sein, Zeit mit der Familie verbringen, das alles ist heute genauso wichtig wie damals. Verpackt in diese zauberhafte Erzählung  werden diese Werte jedoch subtil vermittelt und nicht als offensichtliche Moralpredigt.

Die Ausgabe des Ellermann-Verlages ist zudem äußerst ansprechend gestaltet. Die Schrift ist groß und auf den meisten Seiten finden sich kleine oder größere Illustrationen von Torben Kuhlmann, die sowohl das Lesen als auch das Vorlesen zum Vergnügen machen. Jungen werden gerade deswegen angesprochen, weil nicht nur der Protagonist, sondern auch einige Nebencharaktere, deren Schicksal man mitverfolgt, männlich sind. Da ist zum einen Scrooges Neffe, der den Onkel vom Zauber der Weihnacht überzeugen möchte, der Schreiberling Bob Cratchit, und auch dessen kranker Sohn, der kleine Tim.

Insgesamt eignet sich dieses Buch hervorragend für junge und alte und auch für Viel- und Wenig-Leser. Die einen können es selbst in die Hand nehmen und darin stöbern, die anderen finden beim gemeinsamen Lesen Zugang zu der Geschichte.