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Buchcover Die Knallerbsenbande

Rezension von Eva Maus

Die Mitglieder der Knallerbsenbande sind frech, witzig und erleben in ihrer letzten Ferienwoche ein spannendes Abenteuer. Auf wenigen Seiten und auch für Leseanfänger bestens geeignet  steckt in diesem ersten Band der Reihe jede Menge Spaß für Groß und Klein.

BuchtitelDie Knallerbsenbande
AutorSandra Grimm
GenreAbenteuer
Umfang96
VerlagCarlsen
ISBN978-3-551-55660-8
Preis9,99 Euro
Erscheinungsjahr2016

Die Ferien neigen sich dem Ende zu. Die vier Jungs Semmel, Matti, Jolle und Muckel verbringen ihre Tage damit, getrocknete Erbsen gegen alles zu flitschen, was dabei ordentlich Lärm macht. Darum nennen sie sich auch die Knallerbsenbande. Am liebsten sind sie im Kornbacher Wald unterwegs – wäre da nur nicht der gruselige Henker, der in Wirklichkeit Alfred Henk heißt und den Jungs mit seiner Knarre droht. Ob der auch den vermissten Jäger auf dem Gewissen hat?
Als Mattis großer Bruder seinen Job verliert, weil er angeblich Elektrogeräte gestohlen hat, beschließen die Knallerbsen, Geld für ihn zu verdienen. Dabei finden sie ausgerechnet das Diebesgut. Matti weiß gleich, was zu tun ist: Sie müssen alles verkaufen und den Erlös seinem Bruder geben. Aber dann werden sie vom wahren Dieb erwischt, als Geiseln genommen und fast enden die Ferien tödlich.

„Habt ihr gehört, dass der Henker einen entführt hat?“, platzte Matti heraus.
„Entführt?“ Jolle wurde blass. „Und auch gekillt?“
„Vermutlich“, sagte Matti nachdenklich.
„Was?“, sagte ich schmatzend. „Quatsch. Da ist nur einer verschwunden.“
„Beim Henker?“, fragte Muckel neugierig.
„Nee, im Wald“, antwortete ich.
„Im Kornbacher Wald? Wo soll man denn da verschwinden?“, fragte Jolle.
„Im Henkerhaus“, flüsterte Matti unheimlich.
„Da geh ich nie wieder hin“, sagte Jolle entschieden.
„Doch“, sagte Matti und schlug mit der flachen Hand so heftig auf den Tisch, dass mein Brötchen in die Luft flog. „Genau das tun wir.“ Mein Brötchen landete in der Kakaotasse. Jetzt war es platt UND nass. Ich ließ es abtropfen.
„Dann los“, sagte ich, stopfte mir den Kakao-Teigklumpen in den Mund und suchte meine Turnschuhe.

(S. 16f.)

Die Knallerbsenbande verlebt wunderbare Ferien: Eltern spielen keine echte Rolle, Wald und Stadt stehen ihnen offen und die größte Sorge der vier Jungen ist die Frage, wie sie an Erbsen-Nachschub kommen. Sandra Grimm erschafft eine durch und durch chaotisch-sympathische Bande, die aus dem ängstlichen Jolle, dem kleinen Muckel, dem (über)mutigen Anführer Matti und dem Ich-Erzähler Semmel besteht. Schnell wachsen dem Leser die etwas vorlauten und herzensguten Jungen ans Herz. Damit stehen jungen Lesern gleich vier attraktive Identifikationsfiguren zur Verfügung. Ihre Ferien zwischen aufgeschürften Ellenbogen, Splittern im Finger, selbstgebauten Buden und Erbsenschieß-Wettbewerben erinnern an eine Bullerbü-Idylle, sind aber gleichzeitig frech und modern. Die vier Jungen müssen sich von niemandem abgrenzen und spüren höchstens am Rande gesellschaftliche Zwänge, wenn zum Bespiel die Küche nicht verwüstet zurückgelassen werden soll, weil Semmels Mutter sonst einen „Meckerkrampf“ bekommt. So beschreibt Grimm von den ersten Seiten des Buches an echte kindliche Freiheit, die beim Lesen richtig Spaß macht.

Dass ein Jäger im Wald verschwindet und Mattis großer Bruder Gero des Diebstahls bezichtigt wird, sind zunächst nur Anlässe für neue ‚Spielereien‘. Doch als die Bande das Diebesgut im Wald findet, geraten sie tatsächlich in einen echten Kriminalfall und schließlich sogar in Lebensgefahr. Dass Semmel in größter Aufregung immer Kichern und ganz schnell auf die Toilette muss, ist nur ein Mittel, mit dem die Balance zwischen Spannung und Humor durchweg gehalten wird. Auch die lustigen Bilder von Meike Haberstock tragen dazu bei, dass das Buch zum Dauerschmunzeln einlädt.

Die maximal zehnseitigen Kapitel werden jeweils von einer krakelig geschriebenen Liste eingeleitet, in der die Anzahl der im Kapitel verschossenen Erbsen, der Feinde, der Verletzten und der Toten aufgeführt wird. Natürlich entpuppen sich die Todesfälle entweder als Irrtum oder als Kleintiere. Trotzdem machen diese Listen neugierig auf das Kapitel. Auch darüber hinaus punktet das Buch mit altersgerechter Lesefreundlichkeit: Der Ich-Erzähler Semmel schildert das Geschehen chronologisch in einfachen Sätzen, flankiert von zahlreichen Bildern. Am erstaunlichsten bleibt aber, dass der Leser nach einer Lektüre von unter 100 Seiten das Gefühl hat, die Figuren wirklich zu kennen und mit ihnen eine Fülle an Abenteuern erlebt zu haben.
 
Sandra Grimm gelingt mit „Die Knallerbsenbande“ Erstaunliches: Das Buch ist absolut geeignet als Nachfolgelektüre von Erstlesebüchern und macht gleichzeitig auch älteren (und sogar Erwachsenen) Spaß. Da kann man sich nur auf den zweiten Band der Reihe freuen.

„Die Knallerbsenbande“ eignet sich wegen seines geringen Umfangs und der altersgerechten Gestaltung hervorragend als Lektüre im privaten Kontext und für den Einsatz in der Grundschule. Hier kann das Buch sowohl zur freien Lektüre als auch als Klassenlektüre eingesetzt werden.

Von Vorteil dürfte dabei sein, dass vier sehr unterschiedliche Identifikationsfiguren eingeführt werden. Dies könnte zum Beispiel genutzt werden, um niedrigschwellig zu üben, Charaktereigenschaften zu analysieren.

Zudem findet trotz der einfachen Struktur des Buches ein Erzählerwechsel statt: Als Semmel, Matti und Jolle auf der Flucht sind, springt Muckel, der mit der Polizei nach ihnen sucht, als Erzähler ein. Die Autorin steigert damit noch einmal die Spannung, was mit den anderen Jungen geschehen ist. Gekennzeichnet wird die Passage durch eine andere Schriftart. Hier bietet „Die Knallerbsenbande“ einen einfachen Einstieg sowohl in die Analyse der Erzählweise als auch in die Fähigkeit, etwas aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Wichtigster Grund für die Lektürewahl dürfte aber Spannung und Spaß sein.

Da es sich um den ersten Band einer Reihe handelt, motiviert die Lektüre vielleicht auch dazu, weitere Bände zu lesen und damit den liebgewonnen Knallerbsen durch ein weiteres Abenteuer zu folgen.