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Buchcover Gudrun Skretting: Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen

Rezension von Maurice Flatscher

Der Roman strapaziert die Lachmuskeln und führt den Leser von einem komischen Fall zum nächsten, ohne dabei klamaukhaft zu werden und anspruchsvollere Themen auszusparen. Die liebenswert gezeichneten Figuren, allen voran der 13-jährige Anton, werden vom Leser sofort ins Herz geschlossen.

BuchtitelMein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen
AutorGudrun Skretting
GenreHumor & Comedy
Lesealter12+
Umfang255
VerlagCarlsen
ISBN978-3-551-58370-3
Preis14,99
Erscheinungsjahr2016

Mit seiner geringen Köpergröße und den großen Ohren fühlt sich der 13-jährige Anton ohnehin nicht gerade wie ein Alphamännchen. Und dann eröffnet ihm sein Vater auch noch, dass er ein Unfall war, das Ergebnis eines gerissenen Kondoms. Um seinem Leben noch einen Sinn zu geben, beschließt er wenigstens seinen Vater „geradezurücken“, denn der ist nach dem Unfalltod von Antons Mutter ziemlich niedergeschlagen. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Ine wälzt Anton daher Frauenzeitschriften und schmiedet Pläne, um eine Freundin für seinen Vater zu finden: So meldet er ihn bei einem VHS-Strick-Kurs (hier gibt es keine Konkurrenz durch andere Männer) an und hängt eine Kontaktanzeige aus. Jedoch ist es nicht ganz leicht, einen Verkäufer von Hüttentoiletten an die Frau zu bringen. Auch Ine braucht indes Hilfe in Liebes-Dingen: Sie bittet Anton um Hilfe, damit die Eltern ihrer Cousine sich wieder näherkommen. Zu allem Überfluss steht im Biologieunterricht ein hochpeinliches Referat über Verhütung an und Anton entdeckt, dass er eifersüchtig wird, sobald Ine mit dem großen und gemeinen Kevin flüstert.

Mit seinen Verkupplungsversuchen manövriert sich Anton immer wieder in unangenehme Situationen. Ulla vom Strickkurs erweist sich als viel zu anhänglicher Reinfall, der Beruf von Antons Vater als Problem bei der Partnersuche und auch die Freundschaft zwischen Ine und Anton verändert sich nicht ohne Schwierigkeiten. Aber als Anton endlich versteht, dass nicht ihre Cousine, sondern Ine selbst Hilfe mit ihren zerstrittenen Eltern braucht und Anton sich endlich eingesteht, was er für Ine empfindet, sind die beiden wieder ein gutes Team. Nach einem Tag, an dem irgendwie alles eskaliert, klären sich endlich alle Missverständnisse und Antons Vater sagt, dass er froh über den Kondom-Unfall ist. Am Ende können Ine und Anton zwar weder die Ehe von Ines Eltern retten, noch eine Frau für Antons Vater finden (das hat er übrigens inzwischen ganz alleine geschafft), dafür klären sie allerdings ihre eigene Beziehung.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden. 

Antons Vater bekommt einen Anruf von einer Frau aus Solviken, mit der ihn sein Sohn verkuppeln will  und es entspinnt sich folgende Situation:

„Haha – nein, also ich hab die Anzeige gesehen und…“ Mein Herz schlägt sofort in Höchsttempo um. „Anzeige“ kann nur eins bedeuten. Dass Sonja aus Solviken anruft.
„Ja, die war ganz schön peppig, was?“, fragt Papa freundlich. In diesem Moment geht es mir auf: Anzeige kann nicht nur eins bedeuten. In diesem Moment bedeutet es jedenfalls noch etwas Zweites. Zwei Dinge, die sich voneinander unterscheiden wie Feuer und Wasser sogar. Denn was hat Papa mir gerade erzählt, was hat er in die Zeitung gesetzt? Eine ziemlich peppige Werbung – für Hüttenklos.
Mein Papa glaubt, dass sich Sonja aus Solviken eine Hüttentoilette wünscht. Und Sonja aus Solviken glaubt, dass sich mein Papa eine sympathische Frau wünscht. […]

Man kann sich vorstellen, dass sich ein äußerst lustiges Gespräch entwickelt. Es handelt sich allerdings nur um eine von vielen außergewöhnlich komischen Situationen in diesem Buch. Gudrun Skretting gelingt es, Komik zu erzeugen, ohne albern zu wirken. Der Humor des Buches lebt davon, dass der Leser, der den Gedanken des Ich-Erzählers Anton folgt, dessen Handeln und seine Gedanken immer achvollziehen kann, diese aber von Außenstehenden oft anders beziehungsweise falsch gedeutet werden (können).

Mit der Figur des Anton, die durchaus ihre Unzulänglichkeiten aufweist, kann sich der jungendliche Leser problemlos identifizieren. Die stellenweise philosophischen Überlegungen des Jungen und seine Entwicklung im Laufe des Buches – gerade im Hinblick auf seine aufkeimende Liebe zu Ine – machen ihn zu einer für junge männliche Leser interessanten Figur.

Das Buch führt überdies auch gewissermaßen en passant vor, welche unterschiedlichen Familienkonstellationen nebeneinander existieren. Diese gehen vom Männerhaushalt über die nüchterne, unterkühlte Ehe von Ines Eltern zur Bilderbuchfamilie Oles. Ein großer Pluspunkt des Buches ist hier, dass vorgeführt wird, dass nicht die Kinder, sondern die Erwachsenen für diese Modelle verantwortlich sind. Dadurch kann jungen Lesern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, eine Last von den Schultern genommen werden.

Es gibt nur einen kleinen Kritikpunkt bei der Gesamtsicht auf das Buch: Die Gestaltung des Covers, das ein Fahrrad zeigt, dessen Reifen durch Kondome ersetzt sind, trifft nicht den Kern des Textes. Zudem könnten manche, noch nicht frühreife Jungen davon abgeschreckt werden.

Insgesamt ist Gudrun Skrettings „Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen“ jedoch ein herrlich komisches und absolut gelungenes Buch, dessen Lektüre uneingeschränkt zu empfehlen ist.

Das Buch vermag es sicherlich, männliche Leser in die Bibliothek zu locken, wobei die Leserschaft sich sicher nicht darauf beschränken wird. Das Buch ist humorvoll, angemessen anspruchsvoll und angenehm zu lesen.
Auch für die Privatlektüre ist es uneingeschränkt zu empfehlen.

An eine Behandlung im Unterricht zu Anfang der 5. Jahrgangsstufe kann durchaus gedacht werden. Es eignet sich aufgrund einer Vielzahl an Dialogen zum Trainieren des sinnbetonten Vorlesens. Auch die Leseflüsigkeit kann anhand des nicht allzu schwierigen Textes gut geübt werden. In diesem Zusammenhang wäre dann das gemeinsame Erstellen eines Hörbuchs denkbar. In diesem Rahmen könnte auch die Gestaltung des Buchcovers zum Thema gemacht werden, indem die Schüler eine Alternative für das Hörbuch-Cover (in Kooperation mit dem Kunstunterricht) entwickeln.